Auf nach Illinois... (Fotos: Giulia Comparato)

... hieß es für die Bamberger DaF-Absolventin Giulia Comparato nach ihrem Studium an der Universität Bamberg.

Als Sprachassistentin vermittelt Giulia Comparato auch Wissen über Land und Leute. Ein Besuch auf einem „echten“ deutschen Weihnachtsmarkt darf dabei natürlich nicht fehlen.

- Giulia Comparato und Tanja Eisenach

Von Bamberg nach Illinois

Absolventin Giulia Comparato über ihre Zeit als DAAD-Sprachassistentin

Du hast Diplom-Germanistik mit Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache und Italienisch in Bamberg studiert und bist jetzt für ein Jahr DAAD-Sprachassistentin an der University of Illinois at Urbana-Champaign, USA. Was genau machst Du dort?

Die Aufgaben des DAAD-Sprachassistenten werden von der Gastuni festgelegt und können ganz unterschiedlich sein. In meinem Fall bedeutet das, dass ich vor allem deutsche Sprachkurse auf verschiedenen Niveaustufen unterrichte. Im letzten Semester habe ich zum Beispiel zwei Kurse mit einem landeskundlichen Schwerpunkt gegeben, in denen Grammatik zwar auch behandelt wird, aber eher nebenher läuft. Themen waren dort zum Beispiel die Bundestagswahlen im September 2009 oder das 20-jährige Jubiläum des Mauerfalls.

Nanu, kein klassischer Kurs zum „Spracherwerb“?

Der darf natürlich nicht fehlen, klar. Im nächsten Semester unterrichte ich zwei Kurse, die sich vor allem noch auf den elementaren Spracherwerb konzentrieren. Darauf freue ich mich auch schon, ich unterrichte sehr gerne in der Grundstufe und Grammatik einzuführen finde ich super! Damit werde ich dem Ruf der Bamberger „Grammatikfreaks“ gerecht! (lacht).

Und was ist mit „German culture“?

Die lässt sich am besten mit meinen verschiedenen, sogenannten „extra-curricularen Aufgaben“ vermitteln. So organisiere ich mit amerikanischen Studierenden einen deutsche Filmreihe. Gemeinsam mit Studierenden aus dem German Club habe ich in der Vorweihnachtszeit einen Ausflug zum deutschen Christkindlmarkt in Chicago auf die Beine gestellt. Der Weihnachtsmarkt war dann tatsächlich auch deutscher, als ich erwartet hatte. Nur der Glühwein war viel teurer als zu Hause!

Zu einem Bamberger „Grammatikfreak“ muss man erst einmal werden. Welcher Weg führt da hin? Oder anders gefragt: Hast Du Dich durch Dein Studium in Bamberg gut auf diese Aufgabe vorbereitet gefühlt?

Ja, absolut! Mir geht es sehr oft so, dass ich vor einer Klasse stehe und direkt das anwenden kann, was ich während meines Studiums und während der verschiedenen Hospitationen und Unterrichtspraktika, die ich gemacht habe, gelernt habe. Das ist ein sehr befriedigendes Gefühl.

Waren diese praktischen Phasen verpflichtend?

Teils, teils. Einerseits habe ich diese Praktika absolviert, weil sie in der Studienordnung des damaligen Diplomstudiengangs vorgeschrieben waren, aber natürlich auch, weil ich neugierig war, wie es in einem „echten“ DaF-Klassenzimmer aussieht und weil ich erfahrenen Lehrkräften bei der Arbeit zusehen wollte. Dabei lernt man unglaublich viel! Eigeninitiative ist bei der Berufsfindung einfach sehr wichtig.

Eine gute Betreuung ist für den Lernerfolg in den Praktika besonders wichtig. Wie ist es Dir ergangen? Konnte die Uni Bamberg Dir helfen?

Ich wurde zum Beispiel während des Praktikums von den Praktikumsinstitutionen gut angeleitet und von erfahrenen Lehrkräften betreut. Bei der Suche nach einem geeigneten Praktikumsplatz haben mich die DaF-Leute der Uni unterstützt. Man kann dabei auf ein ganzes Netzwerk ehemaliger Bamberger zurückgreifen.

Was ist mit den Studieninhalten? Welche Rolle spielten sie für Deine jetzige Tätigkeit?

Ich fühle mich durch mein Studium wirklich hervorragend auf meine jetzigen Aufgaben vorbereitet und würde heute in jedem Fall noch einmal die gleichen Fächer wählen! Ich wurde in Bamberg ganz langsam an meine jetzige Aufgabe herangeführt und hatte so die Möglichkeit, eine eigene „Lehrerpersönlichkeit“ zu entwickeln, die gleichzeitig mit dem nötigen Fachwissen/fachlichen Hintergrund ausgestattet ist.

Nun gibt es auf dem Arbeitsmarkt verschiedene Möglichkeiten, Fachwissen und Persönlichkeit zu erproben. Wie kamst Du auf die Idee, Dich für dieses DAAD-Programm zu bewerben?

Bereits im ersten Semester in Bamberg hatte ich in einer Übung von diesem Programm erfahren, ich glaube, ich war damals sogar diejenige, die das Programm in einem Referat vorgestellt hat. Die Dozentin des Kurses war selbst einmal eine DAAD-Sprachassistentin in Mexiko-Stadt gewesen und konnte sozusagen „aus dem Nähkästchen plaudern.“ Ich wusste also von Anfang an, dass der DAAD weltweit Stellen ausschreibt und habe das Sprachassistentenprogramm schon früh als mögliche Berufsperspektive ins Auge gefasst. Außerdem hatte ich das Glück, in einem Umfeld zu studieren, das ich als sehr motivierend und konstruktiv empfunden habe und das mich bei meiner Bewerbung unterstützt hat.

Was für Voraussetzungen musstest Du für Deine Bewerbung mitbringen? Wo können sich Interessierte über dieses Programm informieren?

Der DAAD informiert auf seiner Homepage

externer Link folgtwww.daad.de/ausland/lehren-im-ausland/sprachassistenten/00652.de.html



über die Bewerbungsvoraussetzungen und die geforderten Bewerbungsunterlagen.

Praktische Lehrerfahrung ist bei einer Bewerbung mit Sicherheit ein Plus. Die meisten Stellen werden im Herbst des Vorjahres auf der DAAD-Homepage ausgeschrieben, die Bewerbungsfrist endet meist im November. Wenn man sich also bewerben möchte, sollte man im September/Oktober des Vorjahres der gewünschten Ausreise regelmäßig auf den DAAD-Seiten vorbeischauen.

Diesen Rat hat sich auch eine Kommilitonin von Dir zu Herzen genommen und eine erfolgreiche Bewerbung eingereicht. Damit wurden für das Jahr 2009/10 mit Dir und Sandra Bleiner gleich zwei Bamberger Absolventinnen für dieses Programm ausgewählt. Was meinst Du, woran liegt das?

Die Bamberger sind einfach gut! (lacht). Im Ernst: Auch in den Vorjahren wurden immer wieder Bamberger DaF-ler für das Sprachassistentenprogramm ausgewählt! Im letzten Jahr war eine ehemalige Kommilitonin von uns zum Beispiel in Frankreich, Sandra unterrichtet zurzeit in Griechenland. Ich denke, das liegt vor allem an der Struktur unseres Studiums.

Was meinst Du damit?

Wir bekommen einen breiten theoretischen Hintergrund mitgegeben und treffen immer wieder auf Leute aus der Praxis, die einem wertvolle Tipps geben, wie man als Berufseinsteiger Fuß fassen kann. Dieses Wissen, qualifiziert und gut auf die Aufgaben eines Sprachassistenten vorbereitet zu sein hilft dann natürlich gegen die Nervosität im Auswahlgespräch.

Nervös brauchst du sicherlich auch nicht zu sein, wenn es um Deine berufliche Zukunft geht. Welche Perspektiven öffnen sich Dir mit der Teilnahme an diesem Programm?

Auslandserfahrung und Fremdsprachenkenntnisse sind grundsätzlich immer eine Zusatzqualifikation. Generell ist es immer gut, auch ein anderes akademisches Umfeld als das deutsche kennenzulernen, ganz besonders wenn man eine akademische Laufbahn anstrebt. Bei einer Bewerbung in anderen DAAD-Programmen, wie zum Beispiel dem Lektorenprogramm, ist es mit Sicherheit von Vorteil, wenn man schon einmal in einem DAAD-Programm war. Im Gegensatz zu den Sprachassistentenprogrammen, die in der Regel für zehn Monate ausgeschrieben werden, dauert das DAAD-Lektorenprogramm je nach Gastland zwischen zwei und fünf Jahren.

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Informationen zum DaF-Studium

Der Schwerpunkt Deutsch als Fremdsprache ist zu einem Schwerpunkt im Masterstudiengang Sprachwissenschaft geworden. Helmut Glück, Professor für Deutsche Sprachwissenschaft/Deutsch als Fremdsprache, meint zu dem neuen Angebot: „Soweit man das bisher schon beurteilen kann, wird die fachliche Qualität derjenigen im Diplomstudiengang entsprechen.“ Dieser Schwerpunkt des neuen Master-Studiengangs Sprachwissenschaft bereitet die Studierenden in Lehrveranstaltungen aus dem Bereich „Internationale Kulturbeziehungen“ und „Sprachpraxis“  sowie einem Unterrichtspraktikum gezielt auf internationale Berufsfelder vor.