Ausschnitt aus dem Gemälde "Stehende Virginalspielerin"; im Hintergrund ist der Cupido mit einer Spielkarte in der Hand zu sehen: ein Gemälde im Gemälde.

Von Bildern umgeben, auch bei seiner Antrittsvorlesung: Gregor J.M. Weber

Gregor J.M. Weber (links) im Gespräch mit Wolfgang Brassat.

- Michaela Pittroff

Zufall oder Zitat?

In seiner Antrittsvorlesung sprach Gregor J. M. Weber über den rhetorischen Gebrauch von Bildern-in-Bildern bei Johannes Vermeer

Wenn Gemälde Gemälde zeigen: Greogor J.M. Weber spürte in seiner Antrittsvorlesung den Bildern-in-Bildern in Werken von Johannes Vermeer nach. Einen Zugangsweg fand er in der antiken Rhetorik.

Der niederländische Maler Johannes Vermeer (1632 bis 1675) ist unter anderem für seine genauen und realistischen Genreszenen bekannt. Seine Bilder erscheinen als genaue Studien der niederländischen Bürgerhäuser des goldenen Zeitalters. Da der Besitz von Gemälden dem damaligen bürgerlichen Lebensstil entsprach, finden sich in Vermeers Interieurs auch immer wieder die Abbildungen solcher Gemälde – als Bild im Bild. Mal ist es eine Landschaftsschilderung wie bei der „Gitarrenspielerin“, mal ein Cupido mit einer Spielkarte in der Hand wie bei der „stehenden Virginalspielerin“. Zufällige Eindrücke oder sorgfältig gewählte Zitate? So unauffällig diese teils nur fragmentarisch abgebildeten Gemälde erscheinen mögen, die Beschäftigung mit ihnen erweist sich als außerordentlich aufschlussreich, wie Prof. Dr. Gregor Weber in seiner Antrittsvorlesung am 16. Januar bewies.

Vergleich mit der antiken Rhetorik

Weber eröffnete seinen Vortrag mit einer Bestandsaufnahme von Bildern bei Vermeer und seiner Zeitgenossen Pieter de Hooch und Jan Stehen und stellte heraus, dass es sich bei den Bildern in den Bildern niemals um Genrebilder gleicher Stilistik handelt. Stattdessen finden sich in vielen Bildern eine inhaltliche Relation zu der im Hauptbild dargestellten Szene. Die Bilder-in-Bildern lassen sich von daher wie Exkurse, Beispiele oder Gleichnisse aus stets anderen Bereichen verstehen, so Weber. Diese Methode des Einflechtens von Beispielen und Gleichnissen in einen anderen Kontext findet sich auch in der antiken Rhetorik, die an den holländischen Lateinschulen zu Vermeers Zeit gelehrt wurde. „Gerade mit dem Vergleich zur antiken Rhetorik ist ein Gerüst gefunden, das den Gebrauch der Bilder-in-Bildern bei Vermeer und seinen Zeitgenossen fundiert“, sagte Weber.
 
Gregor J.M. Weber studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Baugeschichte in Aachen und Utrecht. Nach abgeschlossener Promotion zum Dr. phil. mit der Dissertation „Der Lobtopos des lebenden Bildes – Jan Vos und der ‚Zeege der Schilderkunst’“ absolvierte Weber ein Volontariat an der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel. Es folgten zahlreiche Lehraufträge an den Universitäten von Düsseldorf, Utrecht, Graz sowie Werkverträge an Museen in Mönchengladbach und Hamburg. Von 1994 bis 2004 war er als Kurator für Italienische Malerei in Dresden tätig. Seit 2004 leitet Gregor J.M. Weber die Gemäldegalerie Alte Meister auf Schloss Wilhelmshöhe in Kassel. Seit 1996 ist er Lehrbeauftragter am Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Bamberg sowie in Halle, Dresden und Marburg und seit 2006 Honorarprofessor an der Universität Bamberg.