Impulse für die Zukunft der Lehrkräftebildung: Core Practices im Fokus

Am 9. April 2026 fand das vom ZLB organisierte Symposium „Core Practices – Impulse für die Lehrkräftebildung“ statt. Die Veranstaltung griff damit einen zentralen Impuls des aktuellen Gutachtens zur Weiterentwicklung der Lehrkräftebildung in Bayern auf und diskutierte die Rolle von Core Practices als möglichen Ansatz zur stärkeren Praxisorientierung im Studium.

Das Gutachten der Expert:innenkommission betont, dass die Lehrkräftebildung künftig stärker am beruflichen Handeln ausgerichtet und die Verzahnung zwischen Studium, Referendariat und Fortbildung verbessert werden soll. Dabei wird ausdrücklich empfohlen, Core Practices als strukturierendes Element für eine berufsbezogene Ausbildung zu erproben. 

Bereits im November 2025 setzte sich ein erstes online veranstaltetes Symposium mit dieser Empfehlung auseinander. Die zweite Veranstaltung fand nun in Präsenz in Bamberg statt. Beide Teile wurden von Prof. Dr. Barbara Drechsel und Prof. Dr. Annette Scheunpflug organisiert. Die Veranstaltungen reagieren auf die Empfehlung des Gutachtens, indem sie eine wissenschaftliche Diskussion der Geschichte und Konzeptionen von Core Practices boten, Perspektiven aus den Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften zusammenbrachte sowie Expertise und Erfahrungsberichte außerhalb Bayerns aufnahmen. 

An den Vorträgen und Impulsen sowie der abschließenden Paneldiskussion wirkten mit Prof. Dr. Cordula Artelt, Prof. Dr. Bärbel Kopp, Prof. Dr. Anita Schilcher und Elias Stubenvoll auch vier Mitglieder der Expert:innenkommission mit. 

Core Practices als Ansatz für eine praxisnähere Lehrkräftebildung

Im Zentrum des Symposiums stand die Frage, wie die Kluft zwischen wissenschaftlicher Ausbildung und schulischer Praxis verringert werden kann. Core Practices wurden dabei als konkreter Ansatz diskutiert, um professionelles Handeln systematisch aufzubauen. Sie fokussieren auf wiederkehrende, lernwirksame Handlungssituationen und ermöglichen es, wissenschaftliches Wissen direkt in praktisches Handeln zu überführen. Damit greifen sie eine zentrale Forderung des Gutachtens auf: den Professionsbezug durch einüb- und reflektierbare Handlungselemente zu stärken und Studierende frühzeitig zur Ausführung professioneller Tätigkeiten zu befähigen.

Zugleich wurde deutlich, dass Core Practices keine vollständige Neuausrichtung darstellen, sondern an bestehende Traditionen der Lehrkräftebildung anschließen. Während frühere Modelle professionelles Handeln eher abstrakt strukturierten, verbinden Core Practices empirische Befunde mit konkreten Handlungseinheiten auf einer mittleren Komplexitätsebene. Gerade dadurch sind sie für Studierende besonders anschlussfähig und lernwirksam.

Einordnung, Umsetzung und Perspektiven

Im Vergleich zu etablierten Modellen der Unterrichtsqualität, die häufig als zu abstrakt für die Ausbildung wahrgenommen werden, bieten Core Practices einen niedrigschwelligen Zugang. Sie setzen direkt an konkreten Handlungssituationen an und schaffen damit unmittelbare Lerngelegenheiten.

Anhand von Beispielen wurde gezeigt, wie sich Core Practices in Studiengänge integrieren lassen, etwa durch die Verzahnung von Vorlesungen, schulpraktischen Studien und angeleiteten Übungsformaten. Gleichzeitig wurde betont, dass der Aufbau professioneller Handlungskompetenz wiederholte Übungs- und Reflexionsphasen sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen Universität und Schule – in den Schulpraktika sowie zwischen der ersten und zweiten Phase – erfordert.

Insgesamt wurde deutlich, dass Core Practices ein zentrales Instrument zur Umsetzung der im Gutachten formulierten Ziele sein können. Sie tragen dazu bei, die Lehrkräftebildung stärker auf professionelles Handeln auszurichten und die Kohärenz zwischen ihren Phasen zu verbessern – vorausgesetzt, sie werden sinnvoll in bestehende curriculare und theoretische Strukturen eingebettet.

Kolleginnen und Kollegen, welche sich für die Dokumentation zum Symposium interessieren, können diese per Mail (zlb(at)uni-bamberg.de) anfordern.