Transferdialogtagung 2026 - Data Literacy im Fokus: Transfer und Vernetzung für eine zukunftsorientierte Lehrkräftebildung
Mehr als nur Zahlen
Data Literacy wurde im Rahmen der Tagung nicht als rein technisches Thema verstanden, sondern als zentrale Querschnittskompetenz definiert, die professionelles Handeln auf pädagogischer, institutioneller und strategischer Ebene ermöglicht. Datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung (DGSE) sowie Learning Analytics sind dabei zentrale Anwendungsfelder. „Data Literacy meint nicht nur Daten oder Tools, sondern eine professionelle Haltung von Lehrenden, Daten einzuordnen, kritisch zu befragen und pädagogisch sinnvoll zu nutzen,“ betonte Prof. Dr. Karl-Heinz Gerholz als Sprecher des ZLB in der Begrüßung. Ein wesentliches Ziel der Veranstaltung war es, ein gemeinsames Verständnis dieser Kompetenzfacetten in der Lehrkräftebildung zu entwickeln und den Austausch zwischen den verschiedenen Phasen der Lehrkräftebildung sowie der Bildungsadministration zu stärken. „Es geht um Kohärenz und Zusammenarbeit, darum, eine Professionalisierung auf allen Ebenen zu ermöglichen,“ hob Dr. Alfons Frey, Leiter des ISB, in seiner Begrüßung hervor.
Zentrale Inhalte und Impulse
Der fachliche Auftakt durch Dr. Michaela Jonach (BMB, Wien) stellte die datengestützte Schul- und Unterrichtsentwicklung als zentrales Anwendungsfeld von Data Literacy in den Mittelpunkt. Sie zeigte, dass im Schulsystem zwar viele Daten verfügbar sind, diese jedoch häufig isoliert genutzt werden. Entscheidend sei daher ein integriertes Datenverständnis, das verschiedene Datenquellen sinnvoll verknüpft. Datenbasierte Schulentwicklung müsse auf einer fundierten Ursachenanalyse beruhen und dürfe nicht auf vorschnelle Maßnahmen („Quick Fixes“) setzen. Zugleich verwies Jonach auf Herausforderungen wie fehlende übergreifende Expertise, begrenzte Ressourcen sowie den Umgang mit sensiblen Daten. Als zentrale Voraussetzung betonte sie den Aufbau einer dateninformierten Schul- und Unterrichtskultur zur gezielten Qualitätsentwicklung.
Den zweiten fachlichen Impuls gestaltete die renommierte KI-Professorin Dr. Ute Schmid (Universität Bamberg) mit ihrem Vortrag über Data Literacy in der Lehrkräftebildung und den reflektierten Einsatz von KI-Werkzeugen. Sie betonte, dass ein Grundverständnis von KI-Konzepten notwendig ist, um Werkzeuge souverän und sicher nutzen zu können, ohne in „Anthropomorphisierungs-Fallen“ zu tappen – also KI-Systemen fälschlicherweise menschliche Eigenschaften wie echtes Verstehen zuzuschreiben. Schmid erläuterte zudem die Risiken einer „Überdelegation“ an generative KI im Bildungsbereich, die zu einem mangelnden Kompetenzaufbau und einer sprachlichen Verarmung führen kann. Stattdessen forderte sie den Einsatz intelligenter tutorieller Systeme, die individuelles Feedback geben und echtes Verstehen fördern.
Interaktiver Austausch: World Cafés und Gallery Walk
Der Nachmittag war geprägt von partizipativen Formaten. In einem zweiteiligen World Café erarbeiteten die Teilnehmenden unter der Moderation von Dr. Johannes Weber (ZLB Bamberg) und Dr. Vera Haldenwang (ISB) zentrale Erkenntnisse zum Transfer und dem kohärenten Aufbau von Data-Literacy-Kompetenzen über die Phasen der Lehrkräftebildung hinweg.
Ein anschließender Gallery Walk präsentierte konkrete Praxis- und Entwicklungsbeispiele:
- Johannes Hütten (Universität Regensburg) zeigte Arbeiten zum datengestützten Studiengangsmonitoring der bayerischen Lehrkräftebildungszentren.
- Dr. Stefanie Hetzner stellte das Seminar „Schule und Unterricht datengestützt und kooperativ weiterentwickeln“ vor, das Lehramtsstudierende an der FAU Erlangen-Nürnberg belegen können.
- Dr. Markus Feuchter und Florian Hirschbeck (Leibniz-Institut für Bildungsverläufe) präsentierten die bisher größte längsschnittliche Studie zu digitalen und datenbezogenen Kompetenzen in Deutschland.
- Eva Kainz (ISB) erläuterte die Unterrichtsentwicklung am Beispiel von VERA-Daten.
- Gisela Gögelein (ISB) gab Einblicke in den Kreislauf datengestützten Arbeitens im Startchancen-Programm.
Transferdialogtagung als Motor institutioneller Zusammenarbeit
Die Tagung machte deutlich, dass Data Literacy eine pädagogische Grundhaltung erfordert, die von konkreten Fragestellungen ausgeht und nicht allein von der Verfügbarkeit von Daten.
Ein zentrales Ergebnis der Tagung war die Erkenntnis, dass die Förderung von Data Literacy nur durch eine enge, phasenübergreifende Kooperation gelingen kann. Die Zusammenarbeit zwischen dem ISB, der ALP sowie den lehrkräftebildenden bayerischen Universitäten kann hierfür eine wichtige Grundlage bieten. Während die Universitäten theoretische Grundlagen und aktuelle Forschungsergebnisse aus der KI- und Kompetenzforschung beisteuern, schlägt das ISB die Brücke zur bildungspolitischen Rahmensetzung und Qualitätssicherung. Die ALP wiederum stellt sicher, dass diese Konzepte durch gezielte Fortbildungen wirksam in die Schulpraxis getragen werden.
Vor diesem Hintergrund waren sich die Teilnehmenden einig, dass sie auch in anderen querschnittlichen Handlungsfeldern von einer stärkeren Vernetzung zwischen Forschung, Praxis und Steuerung profitieren können. Sie verabredeten die Fortsetzung des Dialogs, um die Lehrkräftebildung in Bayern gemeinsam und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.
Tagungsprogramm zum Download(315.0 KB, 3 Seiten)




















