Demokratie durch Engagement stärken
Vom 7. bis 9. Oktober 2026 wurde die Otto-Friedrich-Universität Bamberg zum Treffpunkt der europäischen Service-Learning-Community. Unter dem Motto „Strengthening Democracy through Service-Learning and Civic Engagement“ diskutierten 128 Forschende, Lehrende und Praxisakteurinnen und -akteure aus über 20 Ländern, wie Hochschulen demokratische Kompetenzen fördern und gesellschaftliches Engagement mit akademischem Lernen verbinden können. Die Jahrestagung der European Association for Service-Learning in Higher Education (EASLHE) wurde vor Ort gemeinsam vom Zentrum für Lehrerinnen- und Lehrerbildung Bamberg (ZLB) und der Professur für Wirtschaftspädagogik (WiPäd) organisiert. Als weitere Veranstalter wirkte das Hochschulnetzwerk Bildung durch Verantwortung (HBdV) mit.
Drei zentrale Botschaften der Tagung
Demokratiebildung braucht Räume zum Handeln. Die Keynote von Sjur Bergan (ehemaliger Leiter der Bildungsabteilung des Europarats) zu demokratischen Lernergebnissen und Beiträge zu Civic Engagement verdeutlichten, dass demokratische Kompetenzen nicht allein theoretisch vermittelt werden können. Tagungsleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Gerholz hob im Rückblick hervor, dass Hochschulen auch mit niedrigschwelligen Formaten beginnen können: Entscheidend sei, akademisches Lernen mit konkretem gesellschaftlichem Handeln zu verknüpfen.
Service-Learning muss strukturell verankert werden. Vorträge und Diskussionen zu Qualitätssicherung, Anerkennung und Kooperationen zeigten die Entwicklung des Feldes über einzelne gelungene Projekte hinaus. Die EASLHE-Vizepräsidentin Berta Paz Lourido (Universitat de les Illes Balears, Spanien) betonte in ihrem Konferenzrückblick die gewachsene europäische Vernetzung, verwies aber auch auf deutliche Unterschiede zwischen Ländern und Institutionen. Benötigt würden dauerhafte Strukturen, Anerkennung für Engagierte und wechselseitige Partnerschaften mit gesellschaftlichen Akteuren.
Internationaler Austausch schafft neue Perspektiven. Die Sessions griffen unter anderem Inklusion, Teilhabe, Zusammenarbeit mit Communities und innovative Lehr-Lern-Formate auf. Besonders wertvoll waren die Gespräche zwischen den Vorträgen: Der Blick auf internationale Praxisbeispiele half, eigene Ansätze zu hinterfragen und neue Ideen für Lehre und Forschung zu entwickeln.
Wissenschaftliche Impulse für die Weiterentwicklung von Demokratiebildung
Einen besonderen Akzent setzte die Lehrkräftebildung: In ihrer gemeinsamen Keynote beleuchteten Dr. Carmen Heckmann und Prof. Dr. Holger Horz von der Goethe-Universität Frankfurt am Main unter dem Titel „Educating Future Teachers as Democratic Change Agents“, wie angehende Lehrkräfte durch Service-Learning auf ihre Rolle als Gestaltende demokratischer Veränderungsprozesse vorbereitet werden können. Dabei diskutierten sie insbesondere die Förderung demokratischer Resilienz und die Herausforderung, langfristige Wirkungen empirisch nachzuweisen.
Ergänzt wurde das Plenarprogramm um zwei Young Researcher Keynotes: Dr. Bernd Josef Leisen von der Universität Vechta stellte innovative Formen digitalen und hybriden Engagements vor, während Patrycja Stempniewicz von der Universität Bologna (Italien) aufzeigte, wie metakognitive Reflexion im Service-Learning zur Entwicklung demokratischer Kompetenzen beitragen kann. Die Vorträge verdeutlichten die vielfältigen Möglichkeiten, wissenschaftliches Lernen mit gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden.
Daneben verbanden Fachsessions, Workshops und Posterpräsentationen wissenschaftliche Erkenntnisse mit Erfahrungen aus der Hochschulpraxis. Ein wiederkehrendes Anliegen war, die Qualität von Service-Learning nicht allein an der Zahl durchgeführter Projekte zu messen, sondern an langfristiger Wirkung, fairen Partnerschaften und institutioneller Unterstützung. Die Tagung setzte damit wichtige Impulse für eine demokratisch engagierte Hochschulbildung in Europa. „Hochschulen folgen einem gesellschaftlichen Auftrag und unterstützen Studierende bei einer Positionsbildung für ihre Rolle in demokratischen Gesellschaften. Hierfür war die Tagung für Bamberg Ehre und Anregung zugleich, da wirksame Methoden für eine demokratische Hochschulbildung im Forschungsdiskurs erschlossen wurden”, fasste Karl-Heinz Gerholz zusammen.




















