Hintergrund

In einer digitalisierten Welt ist die informatische Bildung ein essenzieller Bestandteil für die Förderung einer mündigen gesellschaftlichen Teilhabe (GI, 2019). Informatische Bildung leistet einen wichtigen Beitrag zur grundlegenden Bildung (Schmitz, 2025). Sie zielt auf grundlegende informatische Methoden und Denkweisen (Bergner et al. 2018). Die Lernenden sollen dadurch “in gegenwärtigen und zukünftigen Lebenssituationen urteilsfähig sowie handlungs - und gestaltungsfähig” (GI, 2019, S.2) sein, also zu mündiger gesellschaftlicher Teilhabe befähigt werden. Die Notwendigkeit einer frühzeitigen informatischen Bildung und AI-Literacy bei Grundschülerinnen und -schülern rückt dabei entsprechend auch eine entsprechende Professionalisierung von (angehenden) Grundschullehrkräften in den Fokus. Bisherige Studien zeigen allerdings große Defizite in den informatischen Kompetenzen von Grundschullehramtsstudierenden (Best, 2020; Dengel & Heuer, 2017). Insbesondere fehlen ihnen tiefgreifende fachliche Kenntnisse und positive Einstellungen zur Integration informatischer Themen in den Grundschulunterricht (Bergner et al., 2018; Brämer et al., 2022). Sie betrachten konzeptualisieren eher einzelne informatische Begriffe unter Medienbildung (Best, 2020).

Doch scheint eine reine Fokussierung auf Medienbildung und informatische Bildung angesichts der KI-Revolution nicht mehr angebracht: Verstärkt durch die zunehmenden Automatisierung und die Verbreitung (generativer) Künstlicher Intelligenz steigt der Handlungsdruck auf den Bildungsbereich, sich diesen Transformationsprozessen zu stellen (DGfE 2025). Adaptiv an die hohen Dynamiken und Entwicklungen im Bereich der technischen und gesellschaftlichen Veränderungen wird betont, auch generative KI-Systeme bereits in der Grundschule zu etablieren (DGfE, 2025) und mit basalen Funktionswissen (z.B. im Bereich des Maschinellen lernen) anzureichern. 

Eine Professionalisierung von Grundschullehrkräften in allen Phasen der Lehrkräftebildung ist daher angezeigt. 

Ziele des Seminarkonzepts

  • Anbahnung einer reflexiven, anwendungsbezogenen Informatik-Didaktik und AI-Literacy als Bestandteil professioneller Handlungskompetenz
  • Erwerben grundlegender Einsichten in informatische Grundstrukturen (z. B. Binärsysteme, Algorithmizität) sowie darauf aufbauend elementare Funktionskenntnisse zu generativen KI-Modellen mit Schwerpunkt auf das Arbeiten für und in der Grundschule
  • Durch strukturierte und praxisnahe Übungen das Formulieren gezielter Prompts erlernen und verstehen wie generative KI-Tools für die Lehre und für das wissenschaftlichen Arbeiten sinnvoll genutzt werden können

Inhalte und Ablauf

  • Einstieg mit Grundlagen der generativen KI und gemeinsames Erarbeiten informatischer Grundprinzipien
  • Aufbau von AI Literacy-Kompetenz bei den Studierenden, u. a. durch den Einsatz verschiedener intelligenter Tutorsysteme
  • Training im Prompt-Engineering
  • Spielerisches und „unplugged“ Erproben zentraler Konzepte und Prinzipien
  • Gemeinsamer Seminarabschluss: ein Promptathon mit den Schülerinnen und Schülern der Martinschule

Promptathon

Am Seminarende konzipieren die Studierenden eigene Informatikstunden, in denen zentrale Inhalte praktisch umgesetzt werden. Die Studierenden setzten dabei die im Seminar erworbenen Kompetenzen exemplarisch um, etwa im Rahmen eines Prompting-Workshops mit den Grundschülerinnen und -schülern. Die Kinder lernen hier nach einer kurzen Einführung ganz praktisch, wie unterschiedliche Formulierungen die Ausgaben beeinflussen und entwickeln so ein Verständnis für die Funktionsweise von LLMs. Zudem erkennen sie durch gemeinsame Reflexionen die Ergebnisse kritisch zu hinterfragen.

Erfahrungsbericht und Impressionen aus der Martinschule Bamberg

Hier finden Sie Erfahrungsberichte der Martinschule: “KI in der Grundschule”. 

Zitierte Literatur

  • Bergner, N., Hubwieser, P., Köster, H., Magenheim, J., Müller, K. & Romeike, R. (2018). Frühe informatische Bildung – Ziele und Gelingensbedingungen für den Elementar- und Primarbereich. Opladen: Verlag Barbara Budrich.
  • Best, A. (2020). Vorstellungen von Grundschullehrpersonen zur Informatik und zum Informatikunterricht (Dissertation). Westfälische Wilhelms-Universität Münster.
  • Brinda, T. (2017). Medienbildung und/oder informatische Bildung? Die Deutsche Schule, 109(2), 175–186.
  • Brämer, M., Rehfeldt, D., & Köster, H. (2022). Computational Thinking bei Sachunterrichtsstudierenden im Lehr-Lern-Labor – Eine Rasch-Analyse. In A. Becher, E. Blumberg, T. Goll, K. Michalik & C. Tenberge (Hrsg.), Sachunterricht in der Informationsgesellschaft (S. 97-105). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.
  • Dengel, A., & Heuer, U. (2017). Aufbau des Internets: Fehlvorstellungen von Grundschullehrkräften. In I. Diethelm (Hrsg.), Informatische Bildung zum Verstehen (S. 1-10). Bonn: Gesellschaft für Informatik.
  • Gesellschaft für Informatik. (2019). Kompetenzen für informatische Bildung im Primarbereich. Bonn: Gesellschaft für Informatik e. V.
  • Martschinke, S., Palmer Parreira, S. & Romeike, R. (2021). Informatische (Grund-)Bildung schon in der Primarstufe? Erste Ergebnisse aus einer Evaluationsstudie. In B. Landwehr, I. Mammes & L. Murmann (Hrsg.), Technische Bildung im Sachunterricht der Grundschule. Elementar bildungsbedeutsam und dennoch vernachlässigt? (S. 133–150). Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt.