Fotoserie zum Thema "Grün"
Olha Lazaruk - Nixenwoche

„Ich werde einen Kranz flechten,
ihn dem fließenden Wasser anvertrauen.
Fort soll er treiben mit der Strömung,
für Glück und Schicksal,
für die Schönheit meines Geliebten,
damit er bei mir bleibt.“
Ukrainisches Volkslied

Die Farbe Grün in der Ukraine ist mehr als nur ein Symbol für Frühling und Hoffnung. Sie ist wie der Atem uralter Wälder, in denen Nebel langsam zwischen den Tannen gleitet und die Berge ihre Geheimnisse im Schatten des Laubes bewahren. Sie steht für Magie ... leise und kaum greifbar, verborgen im Feuchten.

Wenn die Pfingsttage vorüber sind und die Natur in kräftigem Grün erblüht, beginnt in der ukrainischen Volksüberlieferung die Nixenwoche, die auch Grüne Woche genannt wird. Dieser Zeitraum gilt als eine besondere, fast mystische Phase im Jahreslauf, in der sich die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Geisterwelt öffnet. Dies lässt sich in der Nationalen Ukrainischen Bibliothek nachlesen.

Nach traditionellem Glauben steigen in dieser Zeit die Seelen junger Mädchen aus Flüssen und Seen auf. Sie werden als Rusalken oder Mawken bezeichnet – Wesen, die man im Deutschen am ehesten mit Nixen vergleichen kann. Man stellt sie sich als Erscheinungen vor, die durch Felder und Wälder ziehen, im Mondlicht tanzen und im Wind der reifenden Felder flüstern.

Eine zentrale Rolle in der Nixenwoche spielt das sogenannte Kranzorakel. Dabei flechten Mädchen Blumenkränze aus verschiedenen Feld- und Sommerblumen wie Margeriten und Kornblumen. Diese Kränze werden in einen Bach oder einen Fluss geworfen. Wie sie treiben, deutet die Zukunft: Schwimmt ein Kranz schnell davon, gilt dies als Zeichen für eine baldige Heirat. Dreht er sich im Kreis, bleibt das Schicksal ungewiss. Sinkt er, wird dies als Hinweis auf eine unglückliche oder unerfüllte Liebe verstanden.

Die Nixenwoche ist zugleich eine Zeit der Rituale und Weissagungen, wie in ukrainischen Familien von einer Generation an die nächste überliefert wird. Demnach suchten früher besonders junge Frauen, die unerwiderte Liebe empfanden, nachts Flussufer auf. Sie brachten kleine Opfergaben mit, etwa Bänder, Perlen oder persönliche Gegenstände, und legten häufig eine Strähne ihres Haares dazu. Der Glaube besagte, dass die Rusalken diese Zeichen erkannten und den Liebeswunsch weitertrugen.
Mit dem Nixen-Sonntag endet die geheimnisvolle Woche. Die Seelen kehren in ihre verborgene Welt zurück, die Felder werden still, und nur das Rascheln des Grases erinnert noch an jene Nächte, in denen Magie und Wirklichkeit einander berühren.
