Fotoserie zum Thema "Grün"
Nelly Schlöffel - Bamberg hat das Grün vergessen
Bamberg gilt als lebenswerte Stadt mit zahlreichen Parks und historischen Grünflächen. Gleichzeitig prägen versiegelte Plätze, enge Gassen und dicht bebaute Quartiere das Stadtbild. Die Fotoserie stellt eine einzelne Zimmerpflanze in urbane Räume, in denen natürliches Grün kaum noch sichtbar ist. Der künstlich platzierte Farn wirkt dabei wie ein Fremdkörper und macht sichtbar, wie selten Natur im Alltag mancher Orte geworden ist. Die Serie versteht sich als fotografische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Stadtentwicklung und urbanem Grün und lädt dazu ein, den Blick auf vermeintlich selbstverständliche Stadträume zu verändern.

Bild 1 Erbagelände: Die Suche beginnt bei einem der modernsten Gebäude der Universität in Bamberg. Zwischen Glas, Beton und großzügigen Pflasterflächen wirkt der Farn wie ein Besucher, der keinen Platz findet. Ausgerechnet dort, wo täglich viele Studierende unterwegs sind, bleibt das Grün auf einen einzigen Blumentopf beschränkt.

Bild 2 Fensterbrett: Ein paar Straßen weiter scheint der Farn endlich angekommen zu sein. Er findet seinen Platz auf einem schmalen Fensterbrett am Sonnenplätzchen und bringt für einen Moment Farbe an eine verwitterte Hauswand. Doch auch hier bleibt das Grün nur Gast – eingezwängt zwischen Putz, Schatten und Beton.

Bild 3 Mauer: Hoch oben auf einer Mauer in dem Gärtnerviertel blickt der Farn über eine graue Betonfläche hinweg. Graffiti setzen farbige Akzente, doch echtes Grün bleibt selten. Die Pflanze wirkt wie ein stiller Beobachter und stellt eine einfache Frage: Warum findet Natur hier nur am Rand statt?

Bild 4 Gasse 0: Der Weg führt weiter durch die Altstadt. Mitten auf dem Kopfsteinpflaster wird der Farn zum Blickfang der Schimmelgasse, die von historischen Fassaden eingerahmt ist. Die Gebäude erzählen Geschichte – die Pflanze erinnert daran, dass lebendige Städte mehr brauchen als schöne Mauern.

Bild 5 Sperrmüll: Am Ende der Reise landet der Farn zwischen ausrangierten Möbeln und Sperrmüll in Gaustadt. Was gepflegt und lebendig wirkt, scheint hier ebenso fehl am Platz wie die Hoffnung auf mehr Grün im Stadtbild. Vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo wir wieder Platz schaffen – nicht nur für Dinge, sondern auch für Natur.
