Der Patientenwille und seine (Re-)Konstruktion

Patientenautonomie und freie Einwilligung in medizinische Interventionen aller Art sind im Zeitalter einer nachpaternalistischen Medizin zu zentralen Prinzipien der Medizin- und Bioethik aufgerückt. Gleichwohl stößt das Ideal einer (informierten) Willensentscheidung in der Umsetzung oft an Grenzen und zeigt sich vor allem im Rahmen medizin- und bioethischer Grenzfragen als nicht unproblematisches Konzept. Gemeinsam ist den Problemlagen dabei, dass sie alle letztlich auf den Begriff des Willens rekurrieren. Zugleich ist es aber gerade dieser Begriff des Willens, der zumindest dann in Schwierigkeiten führt, wenn man ihn einseitig auf eine Autonomiekonzeption reduziert, in der Wille mit bewusster Reflexivität gleichgesetzt wird. Es liegt daher nahe, an diesem zugrunde liegenden Willensbegriff anzusetzen und zu fragen, ob dieser derart modifiziert werden kann, dass auf seiner Grundlage die medizinethischen und rechtlichen Schwierigkeiten in befriedigender Weise aufgelöst werden können.

Ziel des von den Universitäten Bamberg, Eichstätt und Halle/Saale konzipierten und organisierten Projekts soll es sein,  im Rückgriff auf einschlägige Willenskonzepte der Philosophiegeschichte, die einen wesentlich höheren Grade an Komplexität aufweisen als die im gegenwärtigen Diskurs auftretenden Vorstellung von Willensfreiheit, einen Willensbegriff zu entwickeln, der den Problemlagen einer an einer vereinseitigenden Autonomiekonzeption ausgerichteten Theorie des Willens gerecht werden kann.