Der Patientenwille und seine (Re-)Konstruktion

Patientenautonomie und freie Einwilligung in medizinische Interventionen aller Art sind im Zeitalter einer nachpaternalistischen Medizin zu zentralen Prinzipien der Medizin- und Bioethik aufgerückt. Gleichwohl stößt das Ideal einer (informierten) Willensentscheidung in der Umsetzung oft an Grenzen und zeigt sich vor allem im Rahmen medizin- und bioethischer Grenzfragen als nicht unproblematisches Konzept. Gemeinsam ist den Problemlagen dabei, dass sie alle letztlich auf den Begriff des Willens rekurrieren. Zugleich ist es aber gerade dieser Begriff des Willens, der zumindest dann in Schwierigkeiten führt, wenn man ihn einseitig auf eine Autonomiekonzeption reduziert, in der Wille mit bewusster Reflexivität gleichgesetzt wird. Es liegt daher nahe, an diesem zugrunde liegenden Willensbegriff anzusetzen und zu fragen, ob dieser derart modifiziert werden kann, dass auf seiner Grundlage die medizinethischen und rechtlichen Schwierigkeiten in befriedigender Weise aufgelöst werden können.

Ziel des von den Universitäten Bamberg, Eichstätt und Halle/Saale konzipierten und organisierten Projekts soll es sein,  im Rückgriff auf einschlägige Willenskonzepte der Philosophiegeschichte, die einen wesentlich höheren Grade an Komplexität aufweisen als die im gegenwärtigen Diskurs auftretenden Vorstellung von Willensfreiheit, einen Willensbegriff zu entwickeln, der den Problemlagen einer an einer vereinseitigenden Autonomiekonzeption ausgerichteten Theorie des Willens gerecht werden kann. Das Programm finden Sie hier(299.8 KB).

Philosophischer Workshop an der Universität Budweis

 

Philosophischer Workshop
07.-08.12.2017
Universität Budweis/Tschechien

Die Forschungsstelle ‚Methoden der Normenbegründung‘ des Bamberger Instituts für Philosophie organisiert im Rahmen einer Kooperation mit der theologischen Fakultät der Universität Budweis/Tschechien vom 07.-08.12.2017 in Budweis einen philosophischen Workshop. Das Programm finden Sie hier(506.7 KB). Interessierte sind herzlich eingeladen.

11.  Workshop des Arbeitskreises für Praktische Philosophie der GanPh: ‚Natur und Normen für die Polis‘

 

16.-17.02.2017
Obere Karolinenstraße 8 (Langheimer Hof), Raum 02.04
Universität Bamberg

 Der 11. Workshop des Arbeitskreises für Praktische Philosophie der Gesellschaft für antike Philosophie (GanPh) beschäftigt sich unter dem Titel „Natur und Normen für die Polis“ mit der zentralen Frage, wie innerhalb der antiken Philosophie und Literatur die Verbindung von Normativität und Natur (physis) in Hinsicht auf den Menschen als zoon politikon, also als eines in Gemeinschaft (polis) lebenden Wesens, thematisiert und diskutiert wird. Stehen sittliche Normen und Naturbestimmtheit des Menschen in einem Widerspruch zueinander oder bedingen sie sich wechselseitig? Wie wäre ein wechselseitiges Bedingungsverhältnis genauer zu beschreiben, ohne dass man sich etwa in die Schwierigkeiten eines naturalistischen Fehlschlusses verstrickt? Was ist der Ursprung von sittlicher Normativität? – Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Das Programm zum Download(319.9 KB)

Der Tagungsbericht zum Download(273.1 KB)

Forschungsreihe „Nature, Value, and Normativity“

An der Forschungsstelle findet im laufenden akademischen Jahr eine Reihe von Kolloquien zum Thema: „Nature, Value, and Normativity“ statt. Es sollen Fragen diskutiert werden wie: Was ist die Funktion der menschlichen Natur bei der Begründung von Werten? Wie kann man die menschliche Natur verstehen? Welche Verbindungen gibt es zwischen Wissenschaft(en), Werten und Normen? Welche theologische Dimension hat die Diskussion über Werte und Normativität? Jedes Kolloquium ist dabei so aufgebaut, dass jeweils zwei bzw. drei Philosoph*innen eine bestimmte Problemstellung in Vorträgen besprechen und dann miteinander und dem Publikum diskutieren. Bis auf das Kolloquium am 09.-10.03.17 finden alle Kolloquien an der Universität Bamberg statt.

Termine und Themen:

14.12.16, 12:00-14:00 (U2/01.36)
Walter Schweidler (Eichstätt-Ingolstadt) + Gabriele De Anna (Bamberg)
Is there a natural basis for political norms?

02.02.17, 12:00-14:00 (U2/00.25) und 16:00-18:00 (U2/01.33)
Dieter Schönecker (Siegen) + Fiona Ellis (London)
Is God relevant for the relation between nature and normativity and if so how?

09.-10.03.17 (Universität Udine)
Marko J. Fuchs (Bamberg) + Veronica Rodriguez-Blanco (Bristol) + Erin Kelly (Tufts)
What are the relations between values and legal norms?

10.05.17, 14:00-18:00 (OK8/02.04)
Mario De Caro (Rom) + Olaf Müller (Berlin)
What is the relation between facts and values?

31.05.17, 14:00-18:00 (OK8/02.04)
Roger Pouivet (Nancy) + Uwe Voigt (Augsburg)
How does aesthetics account for normativity? Are there aesthetical values?

21.06.17, 12:00-16:00 (K20/02.08)
Carla Bagnoli (Modena) + John Hacker-Wright (Guelph University)
How are the emotions relevant for value and normativity? Is there a (set of) morally correct arrangements of emotions?