ForMaD 12.05.2026 - Mathematische Basiskompetenzen erkennen: Konzeption und Einblicke in die Testinstrumente aus dem EU-Projekt DiToM

Basiskompetenzen sind in bildungspolitischen Diskussionen aktuell in aller Munde. Initiativen wie das Startchancen-Programm fokussieren die Förderung dieser Kompetenzen. Im hierarchisch strukturieren Kompetenzaufbau insbesondere in den Themenfeldern Arithmetik und Algebra, sind ausgewiesene Basiskompetenzen notwendige Voraussetzung, um die Schullaufbahn ohne Schwierigkeiten zu absolvieren und neue mathematische Inhalte zu verstehen. Die Förderung von Basiskompetenzen ist folglich ein Mittel, Bildungsgerechtigkeit zu unterstützen.

Eine geeignete Förderung setzt an konkreten Bedarfen der Kinder und Jugendlichen an. Diese zu erfassen, bedarf diagnostischer Instrumente. Hier verortet sich das von Prof. Dr. Michael Kleine und Léon Brings referierte EU-Projekt DiToM (Diagnostic Tool in Mathematics, www.ditom.org), das von ihnen an der Universität Bielefeld geleitet wird. Die Prozesse auf europäischer Ebene, ein gemeinsam getragenes Verständnis von Basiskompetenzen (mathematical key skills) und von Lernenden mit besonderen Schwierigkeiten (at-risk) diskursiv auszuhandeln, werden von Kleine und Brings eindrücklich illustriert. 

Im Projekt werden diagnostische Screening-Instrumente zur Erfassung mathematischer Basiskompetenzen von der Grundschule bis in die Sekundarstufe I hinein entwickelt und erprobt. Diagnose, so die Referenten, strebt wörtlich besseres Verständnis, hindurch-Erkennen bzw. genaues Erkennen an. Kleine und Brings betonen, dass sich besondere Schwierigkeiten beim Lernen von Mathematik nicht durch ein einheitliches Erscheinungsbild auszeichnen und nicht mit Einheitsmaßnahmen beantwortet werden können. In der Mathematikdidaktik hat ein Paradigmenwechsel stattgefunden: Es wird nicht mehr Statusdiagnostik im Sinne der Etikettierung von Lernenden mit bzw. ohne Schwierigkeiten in Mathematik, sondern Prozessdiagnostik fokussiert, die individuelle Förderbedarfe erfassen will, um individuelle und passgenaue Förderung zu ermöglichen.

Das vorgestellte DiToM-Screening versteht sich, so Kleine und Brings, als erster Schritt im Diagnoseverfahren. Durch kurze, zeitlich- und organisatorisch-ökonomische Screenings, können Lernende durch Frühindikatoren identifiziert werden, bei denen im Anschluss eine genauere Prozessdiagnostik sinnvoll erscheint. Die Validierung der Messung ist dabei eine besondere Herausforderung. Kleine und Brings erlauben in ihrem Beitrag einen spannenden Einblick hinter die Kulissen der Testkonstruktion und die Validierungsstudie, an der 1010 Kinder und Jugendliche sowie 325 Lehrkräfte teilgenommen haben. Insbesondere sind hierbei Modelle für die Setzung von Schwellenwerten auszuloten. Je nach Wert kann die Anzahl der Lernenden in der Gruppe, die falsch-positiv oder falsch-negativ aus dem Screening hervorgehen, wesentlich variieren. Insgesamt zeigte der Beitrag auf, wie mathematische Basiskompetenzen durch das biennale Screening valide und alltagsrelevant diagnostiziert werden können. Lehrekräftefortbildungen sowie die Umsetzung der Screenings als digitale Tools werden derzeit konzipiert.

Zugang zu den kostenlosen Screenings inkl. Auswertungshinweisen und ausführlichen Lehrerhandbüchern

(jeweils für Ende Jahrgang  0 (Kindergarten), 2, 4, 6, 8)

https://www.ditom.org/de/tests

Leseanregung

Brings, L., Kleine, M., Coronado Alvarez, S., Rukavina, S., Pilet, J.,  Tatsis, K., Asenova, & Sollervall, M. (2025). Diagnostic tool in mathematics: Development of a screening instrument for mathematics educaion. In A. Costa. A Caldeira, & G Alves (Eds.), Proceedings of the CASHE (Conference Academic Success in Higher Education) 2025 (pp. 42-48). Porto. https://www.isep.ipp.pt/files/cashe25_proceedings_book.pdf 

weitere Publikationen aus dem Projekt

www.ditom.org/de/das-projekt