Archiv Lesungen

Arno Geiger: "Unter der Drachenwand"

Arno Geiger, geboren 1968 in Bregenz, studierte Deutsche Philologie, Alte Geschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien. Mit seinem Familien-, Generationen- und Österreichroman Es geht uns gut (2005) gewann er den ersten Deutschen Buchpreis. Seit diesem literarischen Durchbruch wurde sein viel gelesenes und beachtetes erzählerisches Werk mit etlichen weiteren Preisen ausgezeichnet, darunter so renommierte wie der Johann-Peter-Hebel-Preis (2008) und der Friedrich-Hölderlin-Preis (2011). Der alte König in seinem Exil (2011) – eine intime Auseinandersetzung mit der Demenz des eigenen Vaters – brachte Geiger eine Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse ein, jüngst erhielt er zudem den Joseph-Breitbach-Preis (2018). Er veröffentlicht seit seinem Debüt Kleine Schule des Karussellfahrens (1997) im Hanser Verlag. Unter der Drachenwand (2018) ist sein achter Roman.
Unter der Drachenwand, die schützend und drohend zugleich über den österreichischen Mondsee ragt, verbirgt sich 1944 während seines Genesungsurlaubs Veit Kolbe, ein an der Ostfront verwundeter Wehrmachtssoldat, der Antiheld des Romans. Kolbe führt über das, was er erlebt hat und erlebt, akribisch Tagebuch, schreibt Briefe – erfundenes Material, mit dem auf Basis authentischer Quellen geschickt ein „fiktives Haus mit echten Fenstern und Türen“ (Geiger) konstruiert wird. Unter der Drachenwand lebt von den vielschichtigen Einblicken in das Gefühlsleben derer, für die der Krieg Alltag war – ein Alltag zwischen Liebe und Erschöpfung, Hoffnung und Trauma, Normalität und Untergang.


Pressestimmen
„Was weiß man schon über das Lebensgefühl vergangener Zeiten? Arno Geigers Roman Unter der Drachenwand rekonstruiert einfühlsam die Gemütslage am Ende des Zweiten Weltkrieges.“ (Iris Radisch, Die Zeit)

„Das Nebeneinander von Hoffnung und Horror, von erfolgreicher und erfolgloser Zuflucht, schafft die ebenso bedrückende wie beglückende Stimmung dieses Romans.“ (Andreas Platthaus, FAZ)

„Unter der Drachenwand ist ein großer Schritt im Werk Arno Geigers und eine gültige Meditation über die Absurdität des Krieges.“ (Meike Fessmann, SZ)

 

Den Flyer zur Veranstaltung finden sie hier(1.0 MB).

 

 

 

"Wir sind nicht die Ärzte, wir sind der Schmerz." Ein Abend zu Ehren von Tankred Dorst

mit Ursula Ehler, Michael Krüger, Kerstin Specht, Albert Gier und dem Ensemble des ETA Hoffmann Theaters

Freitag, 22. Juni 2018, um 19.00 Uhr
ETA Hoffmann-Theater Bamberg (ETA-Hoffmann-Platz 1)

Die Abendveranstaltung fand im Rahmen des Kolloquiums "'Unser Leben ist ein Gespräch' - Gedenk-Kolloquium zu Ehren von Tankred Dorst" (21.-22. Juni 2018) statt. Das Kolloquium wurde in Zusammenarbeit des Lehrstuhls für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft (Prof. Dr. Marx) und dem Lehrstuhl für Ältere Deutsche Literaturwissenschaft (Prof. Dr. Bennewitz) vanstaltet.

Kooperationspartner: E.T.A. Hoffmann-Theater Bamberg und die Bayerische Akademie der Schönen Künste

Den Flyer zum Gedenk-Kolloquium "Unser Leben ist ein Gespräch" finden Sie hier(657.4 KB).

 

 

 

Simon Strauß: "Sieben Nächte"

Der Schriftsteller, Journalist und Historiker Simon Strauß wurde 1988 in Berlin geboren. Er studierte Altertumswissenschaften und Geschichte in Basel, Poitiers und Cambridge und schloss sein Studium mit einer Promotion an der Humboldt-Universität zu Berlin ab. Als freier Journalist arbeitete er für die Basler Zeitung, die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung, seit 2016 ist er festangestellter Feuilletonredakteur der FAZ. Sein vielbeachteter und erster Roman Sieben Nächte (2017) erschien im Aufbau-Imprint Blumenbar und brachte Strauß nicht nur den Debütpreis des Buddenbrookhauses in Lübeck ein, sondern auch eine Feuilletondebatte, die sich am Vorwurf entzündete, der Roman bediene in seiner „seiner Ultraromantik“ die „Agenda der Rechten“ (Alem Grabovac, taz).

Sieben Nächte, sich in jeder davon einer der Todsünden (Hochmut, Geiz, Wollust, Jähzorn, Völlerei, Neid und Faulheit) hingeben und danach darüber schreiben – das ist das Programm des autobiographisch eingefärbten Protagonisten. Sein Ziel ist der Ausbruch aus der Eindimensionalität der Komfortzone, in der ihm alles vorhersehbar, der Konsum das höchste Gut und die ironische Abgeklärtheit die praktischste Denkweise zu sein scheint – in der man sich davor drückt, pathetisch, mutig und wütend zu sein und in der eigene Überzeugungen kaum einen Platz haben. Das Selbstexperiment eines knapp 30-Jährigen „auf der Suche nach der Intensität des Lebens und mit Wut auf die Gradlinigkeiten seines Lebenslaufs“ (Florian Illies, Die Zeit) gerät zum kulturkritischen Entwurf: Wofür lohnt es sich, etwas zu riskieren, zu kämpfen, zu leben? Über alle Gegenwartsdiagnostik hinaus ist Sieben Nächte ein eindrucksvoll erzählter, zwischen Präzision und Rausch perfekt austarierter Roman.

Pressestimmen
„Es ist ein Manifest für mehr Mut zum Pathos, für Sinnlichkeit, Offenheit, Begeisterung, Gegnerschaft und Streit und Tränen.“ (Volker Weidemann, Der Spiegel)

„Ein radikal subjektives und doch allgemeingültiges Manifest, ein poetisches Pamphlet, eine Anklage- und Kampfschrift. Sieben Nächte von Simon Strauß ist ein Buch über das nicht leicht zu fassende Ungenügen an sich selbst und an der eigenen Generation.“ (Knut Cordsen, Deutschlandfunk)

Mit gewaltiger Immersionskraft reißt uns seine Sprache mit. Wir geraten in einen Fluss aus Stromschnellen und immer wieder kleinen Inseln zum Nachdenken. Sein Ziel hat dieses formidable Debüt damit jedenfalls nicht verfehlt. Es ist nah an den Emotionen seiner Leser, wirkt wie ein gestochen scharfer Spiegel all der Herausforderungen und Potenziale, mit denen die Heranwachsenden heute konfrontiert sind.“ (Björn Hayer, Berliner Zeitung)

Den Flyer zur Lesung finden Sie hier(1.8 MB).

 

 

Franzobel: "Das Floß der Medusa"

Am Donnerstag, 26. April 2018, war eine populäre, vielfach ausgezeichnete, faszinierende und auch polarisierende Stimme der österreichischen Gegenwartsliteratur an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg zu Gast: Der 1967 in Vöcklabruck geborene Schriftsteller Franzobel las aus seinem aktuellen Roman Das Floß der Medusa, der 2017 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand und mit dem Bayerischen Buchpreis prämiert wurde.

Das Floß der Medusa erzählt vom Schiffbruch der Fregatte Medusa im Jahr 1816. Vor der Westküste von Afrika macht der Kapitän der Argus eine dramatische Entdeckung: Auf einem Floß sieht er 15 ausgemergelte Menschen, die zwei Wochen auf offener See um ihr Leben gekämpft haben und die die letzten von ursprünglich 147 Schiffbrüchigen sind. Der Roman schildert in dramatischer Weise, wie die Figuren ihren Hunger und Durst zu stillen suchen und wie sie mit der zunehmenden Angst vor dem Tod umgehen, und wirft dabei die moralische Frage auf, welche Grenzen überschritten werden dürfen, um am Leben zu bleiben. Die historisch belegte Geschichte reiht sich damit in die Tradition großer literarischer Schiffsbrucherzählungen wie Daniel Defoes Robinson Crusoe ein.

Franz Stefan Griebl, wie Franzobel mit bürgerlichem Namen heißt, ist in allen literarischen Gattungen beheimatet. Neben zahlreichen Prosastücken hat er auch Theaterstücke (u.a. „Die Pappenheimer oder das O der Anna O.“, 2010) und Gedichte geschrieben sowie Kinderbücher (u.a. „Schmetterling Fetterling“, 2004) verfasst. Sein Gesamtwerk wurde von Dadaisten, der Wiener Gruppe und Heimito von Doderer wesentlich beeinflusst.

Die Lesung wird von der Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Prof. Dr. Andrea Bartl) veranstaltet und findet im Rahmen der Reihe „Literatur in der Universität“ statt.

 

 

Sandra Hoffmann: "Paula"

Sandra Hoffmann, geboren 1967, lebt als freie Schriftstellerin in München. 2002 debütierte sie mit der Erzählung Schwimmen gegen Blond. Es folgten die Romane Den Himmel zu Füßen (2004) und Liebesgut (2008). Sie arbeitet in freier Tätigkeit für das Münchner Literaturhaus, unterrichtet kreatives Schreiben am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und schreibt für das Radio. In ihrem mit dem Thaddäus-Troll-Preis ausgezeichneten Roman Was ihm fehlen wird, wenn er tot ist (2012) erzählt sie von ihrem Großvater, den sie nie kennengelernt hat und der auch in ihrer jüngsten Veröffentlichung Paula eine Rolle spielt. 2018 erhält sie den Hans-Fallada-Preis.

In Paula erzählt Sandra Hoffmann vom bewegten Leben ihrer Großmutter – einer Frau, der sie eigentlich sehr nahestand und von der sie doch so wenig weiß. Paula, eine einstmals glückliche Frau, deren junger Bräutigam im Krieg ums Leben kam, hüllt sich zunehmend in einen Mantel des Schweigens. Nie wird sie preisgeben, wer der Vater ihres Kindes ist, nie wird sie in ihr Innenleben blicken lassen. Aus Angst und Scham zieht sich Paula zurück und lässt niemanden näher an sich heran. Sie betet exzessiv und kontrolliert mehr und mehr ihre Enkelin, mit der sie auf demselben Stockwerk zusammenlebt. Irgendwann bricht diese aus, befreit sich und versucht Jahre später in diesem „klugen und berührenden Erinnerungsbuch“ (Manuela Reichart, Deutschlandfunk Kultur) herauszufinden, wer Paula wirklich war.

Den Flyer zur Lesung finden Sie hier(2.0 MB).

 

 

Sabine Gruber: "Daldossi oder das Leben des Augenblicks"

Sabine Gruber, 1963 in Meran in Südtirol geboren und in Lana aufgewachsen, studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck und Wien und war vier Jahre lang als Lektorin für Deutsch an der Universität in Venedig tätig. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin in Wien, nachdem sie 1984 ihre ersten Gedichte veröffentlicht hatte. Diesen folgten zahlreiche Essays, Hörspiele, Theaterstücke und Romane. Ihre Werke wurden mit vielen bedeutenden Auszeichnungen bedacht, nicht zuletzt 2016 mit dem österreichischen Staatspreis für Literatur. Ihr Roman Über Nacht war 2007 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.

In ihrem neuen Roman Daldossi oder das Leben des Augenblicks porträtiert sie einen Kriegsfotografen, der sich zurück begibt in ein ziviles Leben und seine Tätigkeit reflektiert. Ungeklärte Liebesbeziehungen und das Nichtwissen darum, was als Nächstes zu tun ist, führen zu einem spannenden Roadmovie, das in Lampedusa endet. Dort unmittelbar konfrontiert mit dem Elend der afrikanischen Flüchtlinge, stellen sich die Fragen, die er an sich und sein Leben richtet, noch einmal neu und brennend.

Sabine Gruber hat einen spannenden, klugen, gefühlsstarken Roman geschrieben, den man nicht vergisst. (Jörg Magenau, Deutschlandfunk Kultur)

Den Flyer zur Lesung finden Sie hier(2.0 MB).

 

 

Abbas Khider: "Ohrfeige"

 Abbas Khider, geboren 1973 in Bagdad, ist ein irakisch-deutscher Schriftsteller und lebt seit 2000 in Deutschland. 1996 floh er aus dem Irak. Zuvor musste er eine zweijährige Gefängnisstrafe aufgrund politischer Aktivitäten gegen das Regime Saddam Husseins über sich ergehen lassen. Bevor er in Deutschland Asyl fand, hielt er sich als Flüchtling in Jordanien und Libyen auf. Nach seinem Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie in München und Potsdam veröffentlichte Abbas Khider zunächst Lyrik. 2008 legte er mit Der falsche Inder seinen Debutroman vor. 2010 erhielt er den Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis der Robert Bosch Stiftung. In Die Orangen des Präsidenten (2011) und Brief in die Auberginenrepublik (2013) schildert Abbas Khider irakisch-arabische Lebenswirklichkeiten zwischen Exil und politscher Repression. 2013 wurde sein schriftstellerisches Werk mit dem Hilde-Domin-Preis für Literatur im Exil ausgezeichnet. Zudem bekleidete er im selben Jahr die Poetik-Dozentur der Universität Koblenz-Landau sowie 2016 die Heinrich-Heine-Gastdozentur in Lüneburg.

Sein jüngster Roman Ohrfeige (2016) erzählt episodenartig die Geschichte des irakischen Asylbewerbers Karim Mensy, der seit drei Jahren in Bayern lebt und nun abgeschoben werden soll. Sein Leben war bis dahin von verschiedenen Lebenswelten, dem Ausfüllen von Formularen und dem Gang zu den Sachbearbeitern der Asylbehörde geprägt. Des Gefühls überdrüssig, auf dem Amt immer allen zuhören zu müssen, zugleich aber von niemandem gehört zu werden, konfrontiert er seine Sachbearbeiterin mit der prekären Geschichte seiner drei Jahre in der bayrischen Provinz: „Als Wutrede angelegt, gelingt dem deutsch-irakischen Autor ein eindringlicher, raffinierter und hochaktueller Roman“ (Ursula März, Deutschlandfunk Kultur).

Den Flyer zur Lesung finden Sie hier(9.0 MB).

 

 

Christoph Magnusson: "Arztroman"

Kristof Magnusson, geboren 1976 in Hamburg, ist ein isländisch-deutscher Autor und Übersetzer. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Kirchenmusiker, bevor er literarisches und szenisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und Isländische Literatur an der Universität Reykjavík studierte. Für seinen Debutroman Zuhause (2005) erhielt er den Rauriser Literaturpreis, sein zweiter Roman Das war ich nicht (2010) wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Die Komödie Männerhort (2002) kam im Jahr 2014 mit Christoph Maria Herbst, Elyas M’Barek und Detlev Buck in den Hauptrollen in die Kinos. 2006 war Kristof Magnusson Stadtschreiber des Goethe-Instituts in Pune/Indien, seither mehrfach Writer in Residence an Universitäten in den USA und Europa, 2012/13 Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.

Im Zentrum seines jüngsten Arztromans (2014) steht Anita Cornelius, Anfang vierzig, als Notärztin am Urban-Krankenhaus in Berlin tätig, frisch von ihrem Ehemann und Kollegen geschieden; der gemeinsame Sohn lebt bei seinem Vater und dessen neuer Freundin. Der Roman schildert nicht nur den Arbeitsalltag einer Medizinerin mit akribischer Genauigkeit, sondern zeigt auch die Herausforderungen, die die Lebensform einer Patchwork-Familie mit sich bringt: eine “Expedition hinein in den Alltag eines Menschen, hin zur Schönheit und zum Schrecken ganz gewöhnlicher Werktage“ (Florian Kessler, Süddeutsche Zeitung).

Die Lesung fand im Rahmen eines Schreib-Workshops der Bayerischen Akademie des Schreibens für Studierende der Universitäten Bamberg, München, Regensburg und Erlangen statt, den Kristof Magnusson gemeinsam mit dem Literaturkritiker und Lektor Florian Kessler vom Hanser-Verlag leitete.

Das Plakat zur Lesung finden Sie hier(292.3 KB).

 

 

Christoph Hamann: Bergpässe und Literatur

Am 3. Februar 2017 las Christof Hamann in Bamberg, im Rahmen der Bamberger Graduiertenschule für Literatur, Kultur und Medien.

Das Plakat finden Sie hier.(1.0 MB)

 

 

 

 

 

 

 

 

Annette Pehnt: "Hirntexte"

Am 10.12.2016 liest Annette Pehnt im Rahmen des 10. Bamberger Neuropsychologie-Tages in der Aula der Universität "Hirntexte". Neben der Lesung gibt es ein reiches Angebot an Vorträgen.

Das Plakat finden Sie hier(393.6 KB).

 

 

 

 

 

 

 

Podiumsdiskussion zu "europa verteidigen" von Konstantin Küspert

In dieser Spielzeit wurde Konstantin Küsperts aktuelles Stück europa verteidigen am ETA Hoffmann Theater unter der Regie von Cilli Drexel uraufgeführt. Darin verhandelt der Autor das Konstrukt „Europa“ aus verschiedensten Perspektiven: in seiner mythischen Urform, als historisches und politisches Konstrukt, als Militär- und Wirtschaftsmacht, als diskursiven Prozess. Am Ende bleibt offen, was Europa genau ist, doch Küsperts Stück macht deutlich, dass es in unser aller Macht liegt, dies zu entscheiden. Daraus leitet Küspert indes nicht nur ein Recht, sondern auch eine Pflicht ab, dieses Konstrukt „Europa“ zu gestalten, zu bewahren und es nicht der Angst vor dem Fremden preiszugeben.

Diesem diskursiven Konstruktions- und Definitionsprozess soll in der begleitenden Podiumsdiskussion nachgegangen werden. Am 23. November diskutieren Autor Konstantin Küspert, Politikredakteur Thomas Lange und Literaturwissenschaftlerin Julia Schöll gemeinsam mit dem Publikum die Frage: „Welches Europa wollen wir sein?“ Die Moderation des Abends übernimmt Dramaturg Olivier Garofalo, der die Inszenierung des Stücks begleitet hat. Die Veranstaltung ist Teil der Initiative „Die offene Gesellschaft“.


Konstantin Küspert, Jahrgang 1982, studierte Germanistik, Politik und Philosophie in Regensburg und Wien sowie Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin (M.A.). Seit zehn Jahren begleitet er zahlreiche Projekte als Regieassistent, Regisseur, Dramaturg, Übersetzer und Performer und wurde mit seinen Stücken zu zahlreichen Wettbewerben und Festivals eingeladen.
Während der Spielzeiten 2013/14 und 2014/15 war er am Badischen Staatstheater Karlsruhe engagiert, wo er unter anderem mit Jan-Christoph Gockel Rechtsmaterial und Ich bereue nichts realisierte und Hermann Hesses Roman Das Glasperlenspiel für die Bühne adaptierte. In der vergangenen Spielzeit wurde sein Stück rechtes denken, für das er im Jahrbuch von Theaterheute mehrmals als „bester Nachwuchsautor“ genannt wurde, am ETA Hoffmann Theater Bamberg uraufgeführt. In der Spielzeit 2016/2017 werden nach europa verteidigen noch Stücke von ihm am Staatstheater Karlsruhe, am Staatsschauspiel Dresden und am Landestheater Tübingen uraufgeführt. Er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

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Jenny Erpenbeck: "Gehen, ging, gegangen"

Die Berliner Autorin Jenny Erpenbeck ist bekannt für ihre literarischen und essayistischen Texte, in denen sie sich mit dem aktuellen politischen Zeitgeschehen auseinandersetzt. Auch in ihrem neuesten Roman „Gehen, ging, gegangen“, aus dem sie am 5. Juli an der Universität Bamberg lesen wird, spiegelt sich in der Lebenswelt des Protagonisten Richard die historische Gegenwart des 20. und 21. Jahrhunderts wider. Er lebt als emeritierter Professor für alte Sprachen in Berlin, ist Witwer und wurde kürzlich von seiner langjährigen Geliebten verlassen. Auf der Suche nach einem neuen Lebenssinn macht er Bekanntschaft mit Asylsuchenden auf dem Oranienplatz. Anfänglich ist die Beziehung zu den Flüchtlingen von intellektuellem Interesse geprägt, doch je mehr sich der Protagonist mit deren Schicksalen und Problemen auseinandersetzt, desto mehr entwickelt sich ein freundschaftliches Verhältnis.

Jenny Erpenbeck, die heute als freie Autorin und Regisseurin arbeitet, wurde 1967 in Ost-Berlin geboren und studierte Theaterwissenschaft und Musiktheaterregie. Seit ihrem gefeierten literarischen Debüt, der „Geschichte vom alten Kind“ aus dem Jahre 1999, hat sie zahlreiche Romane, Erzählungen, Essays und Dramen publiziert. Ihre Werke wurden unter anderem mit dem Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und dem Schubart-Literaturpreis ausgezeichnet. Im Jahr 2013 war sie als Poetikprofessorin an der Universität Bamberg zu Gast. Für ihren Roman „Gehen, ging, gegangen“ bekommt sie im September dieses Jahres den Thomas-Mann-Preis verliehen.

Die Lesung ist Teil der Reihe „Literatur in der Universität“ und wird organisiert vom Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft der Universität Bamberg unter der Leitung von Prof. Dr. Friedhelm Marx.

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Annika Reich: "Die Nächte auf ihrer Seite"

Annika Reich, 1973 in München geboren, studierte Ethnologie und Philosophie an der FU Berlin. 2003 publizierte sie mit der Erzählung Teflon ihr literarisches Debüt, 2010 folgte ihr erster Roman Durch den Wind im Hanser-Verlag.

Ihr aktueller dritter Roman Die Nächte auf ihrer Seite (2015) handelt von mindestens zwei Welten: vom Leben einer Kamerafrau in Berlin und von den Erfahrungen ihrer ägyptischen Schwägerin während der ägyptischen Revolution. Während Ada sich in Berlin um ihre berufliche Zukunft sorgt und der Beziehung zum Vater ihres Kindes nachhängt, gerät die angehende Medizinstudentin Sira bei einem Besuch ihrer Familie in Kairo unversehens in die Demonstrationen gegen Präsident Mubarak. Der Roman spannt einen Bogen von den Revolutionswirren des Tahrir-Platzes zu den Liebeswirren Berliner Hinterhöfe und zeigt dabei zwei Frauen auf der Suche nach dem glücklichen Leben.     

„Schreiben ist für mich ein Aufbruch ins Ungewisse. Um aufzubrechen brauche ich eine Frage, die mich so umtreibt, dass ich sie nur schreibend erkunden kann“, so Annika Reich. Sie lebt und schreibt in Berlin, arbeitet als Dozentin an der Kunstakademie Düsseldorf und ist publizistische Mitarbeiterin der Malerin Katharina Grosse. Für ZEIT-Online betreibt sie mit anderen Autorinnen die Kolumne „10 nach 8“. Zugleich engagiert sie sich als Autorin im Rahmen des Aktionsbündnisses Wir machen das, das sich zum Ziel gesetzt hat, der Herausforderung weltweiter Migration mit Menschlichkeit und Sachverstand zu begegnen.

Gemeinsam mit Lars Claßen vom Suhrkamp Verlag leitet Annika Reich einen Schreib-Workshop der Bayerischen Akademie des Schreibens, an dem Studierende der Universitäten Bamberg, München und Erlangen teilnehmen und der mit dieser öffentlichen Lesung in Bamberg eröffnet wird.

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Josef Haslinger: "Jáchymov"

Josef Haslinger, 1955 in Zwettl in Niederösterreich geboren, lebt in Leipzig und Wien. Er studierte in Wien Philosophie, Theaterwissenschaften und Germanistik und wurde 1980 mit einer Arbeit zu Novalis‘ Ästhetik promo-viert. Im Anschluss trat er als literarischer Autor und Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Wespennest in Erscheinung. Mit seinem Politthriller Opernball (1995) gelang Haslinger der internationale Durchbruch. Seit 1996 ist er Professor für Literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig sowie seit 2013 Präsident des PEN-Zentrums Deutschland.

Sein jüngster Roman Jáchymov erzählt die Geschichte von Bohumil Modrý, dem Torwart des tschechoslowakischen Eishockey-Weltmeisterteams von 1947 und 1949. Modrý erlebt Aufstieg und Fall einer Sportlerkarriere: Auf dem Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn angekommen, gerät er 1950 ins Visier des kommunistischen Regimes seines Landes. Er wird verhaftet und ins Arbeitslager Jáchymov deportiert. An der Figur Modrýs wird die Funk-tionalisierung des Sports im Dienst des Politischen deutlich und zugleich, wie Christoph Schröder auf Spiegel Online hervorgehoben hat, die „Konti-nuität des Widersinnigen, das jeder Diktatur innewohnt“, entlarvt.

Im Rahmen der PEN-Tagung 2016, die vom 21. bis 24. April in Bamberg, u. a. in der Aula der Otto-Friedrich-Universität, stattfindet, wird Haslinger er-neut zu Gast bei uns sein.

Das Plakat finden Sie hier(404.0 KB).

 

 

Lilian Loke: "Gold in den Straßen"

Lilian Loke, 1985 in München geboren, studierte Neuere Deutsche Literatur, Englische Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte an der LMU. 2011 war sie Schreibwerkstatt-Stipendiatin der Jürgen-Ponto-Stiftung, wurde auf dem Literaturfestival „Wortspiele“ ausgezeichnet und erhielt das Literaturstipendium der Stadt München. Seit 2012 ist sie als PR-Beraterin in einer Münchner Agentur tätig. 2015 erschien ihr vielbeachteter Debütroman Gold in den Straßen, den sie in Bamberg vorstellt.


Im Zentrum des Romans steht Thomas Meyer, ein junger Makler für Luxusimmobilien in Frankfurt, der das „Sich-Verkaufen“ ebenso gekonnt beherrscht wie die manipulative Überzeugungsarbeit bei potenziellen Kunden. Sein karriereorientierter Alltag definiert sich über das nächste pompöse Immobilienprojekt, die erbitterten Hahnenkämpfe im Maklerbüro Falber, die Beziehung zu seiner aus dem Frankfurter Geldadel stammenden Freundin und den selbstgefälligen Stolz, es aus einfachen Verhältnissen zum ‚Top-Performer‘ gebracht zu haben.
Als sein Vater unerwartet stirbt, scheint mit der Möglichkeit, das Familien-grundstück gewinnbringend zu verkaufen, der ganz große Erfolg zu winken. Doch mit dem Abriss der väterlichen Schuhmacherei planiert Meyer auch die eigene Vergangenheit und überlässt sich endgültig der Macht des Geldes.

Mit ihrem literarischen Debüt, pointiert Martin Halter in der FAZ, liefert Loke „hochvirtuose Prosa aus dem Inneren unseres Wirtschaftssystems“ und mit ihrem Protagonisten Thomas Meyer „das messerscharfe Psychogramm einer verlorenen Seele, die Geld zum Zahlungsmittel ihrer Ängste, Schmerzen und Niederlagen macht.“

Den Flyer finden Sie hier(1.2 MB).

 

 

Wulf Segebrecht und Nora Gomringer: "Wir standen beisammen, dichter"

„Wir standen beisammen, dichter“
Ein Abend für Wulf Segebrecht

Wulf Segebrecht spricht über Dichterlesungen, Nora Gomringer liest. Wulf Segebrecht, geboren 1935, ist Professor emeritus der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Nach dem Studium der Germanistik und Geschichte in Göttingen, Bonn, Köln und München wurde er 1964 bei Walter Müller-Seidel in München mit einer Arbeit über E.T.A. Hoffmann promoviert. 1978 übernahm er einen Lehrstuhl an der Universität Mainz, 1982 den Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft an der Universität Bamberg. Sein Forschungsinteresse gilt u.a. der Geschichte und Poetik der Lyrik vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. An der Universität Bamberg begründete er die Poetikprofessur sowie die Reihe Literatur in der Universität. Neben wissenschaftlichen Studien publizierte Wulf Segebrecht eine Reihe von Gedichtanthologien sowie das Fundbuch der Gedichtinterpretationen (1997). 2001 erhielt er den Preis der Frankfurter Anthologie. Als kritischer Beobachter der Gegenwartsliteratur ist Wulf Segebrecht auch für das Feuilleton der FAZ tätig. Zuletzt erschienen seine gesammelten Gedichtinterpretationen unter dem Titel Der Blumengarten oder: Reden vom Gedicht (2015).

Nora Gomringer, geboren 1980, zählt zu den renommiertesten jungen Lyrikerinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Sie studierte Anglistik, Germanistik und Kunstgeschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (M.A. 2006) und leitet seit 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg. In den 2000er Jahren war sie eine der zentralen Figuren der deutschen Poetry-Slam- und Literaturperformance-Szene, u.a. gewann sie 2005 gemeinsam mit Mia Pittroff und Fiva (Nina Sonnenberg) die Deutschen Poetry-Slam-Meisterschaften im Team Slam. Ihre Lyrikbände (zuletzt: Monster Poems, 2013, Morbus,  2015) sind vielfach preisgekrönt und in zahlreiche Sprachen übersetzt, außerdem ist Nora Gomringer als Poetikdozentin und Librettistin tätig. Jüngst erhielt sie für ihren Erzähltext Recherche den Ingeborg-Bachmann-Preis 2015.

Den Flyer finden Sie hier(500.1 KB).

 

 

Robert Schindel: "Die Scharlachnatter"

Robert Schindel liest aus seinem neuen Gedichtband „Die Scharlachnatter“.

Die Lesung wurde veranstaltet vom Zentrum für Interreligiöse Studien, Literatur in der Universität, den Professuren für Judaistik und Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Grundstruktur des neuen Gedichtbandes, aus dem Robert Schindel lesen wird, ist die Inversion. Das Gesagte kann sich blitzschnell umkehren ins Gegenteil, oder zumindest in ein grundsätzliches Bedenken dessen, was in einem Vers sich äußert und im nächsten schon wieder zur Disposition steht. Die Gedichte bleiben nicht bei dem ersten Eindruck, den sie vermitteln,  stehen, sie drehen und wenden sich und scheinen darauf zu vertrauen, dass das Lesen diese schnellen Schlangenbewegungen mitmacht.

Wie die anderen Gedichtbände Robert Schindels, so ordnet sich auch dieser in einzelne Kapitel: „Bleibt einer jäh stehen“, „Zwischen Stundenglas und Nu-Mühle“, „Bitter in meiner Lebenslust“, „Klappe den Laptop zu“, „Sich darin gütlich tun“, „Als da der Mond aufzieht“ heißen sie und zeigen, worum es in diesem Gedichtband „geht“. Die Reflexion von Zeitlichkeit spielt eine große Rolle, zudem nehmen wie immer bei Schindel die selbstreflexiven, das heißt auf das Dichten selbst bezogenen Gedichte einen bedeutenden Raum ein.

Die Themen der Gedichte sind der Tod, die Liebe, sie handeln von den Dingen, die enden, die gelingen und sprechen von denen, die nicht gelingen, widmen sich dem Schmerz, der Lust, die Leid und dem Leid, das Lust kennt: „„Bitter in meiner Lebenslust“ (S. 40).

Die schönsten Gedichte sind die, die Selbstgesprächen ähneln und in der Mitte der Nacht ein schlafloses Ich sinnieren lassen. Ganz erfreulich ist, dass die Gedichte eigentlich nicht so melancholisch sind, wie man schon lesen konnte. Auch dort, wo der Tod ins Visier gerät, schaut die Lebenslust um die Ecke. Und letztendlich bekommt das Lieben starke Worte, Worte, die sich auch vom Tod nicht schrecken lassen: „Die Wörter pendeln / Trocknen nicht aus.“ (S. 90)

 

 

Bamberg liest: "Du sollst dir ein Bild machen!" Vier Tandemgeschichten

Buchvorstellung mit den diesjährigen Tandempaaren von Bamberg liest
„Du sollst dir ein Bild machen!“ – So lautet das Motto des diesjährigen Tandemprojekts von Bamberg liest. Vier Nachwuchsautorinnen verfassten Texte zu ausgewählten Kunstwerken des Historischen Museums Bambergs: Wer ist der Künstler? Wer oder was ist dargestellt? Welche Geschichte steht dahinter?

Betreut wurden die Nachwuchsautorinnen von renommierten Autorinnen und Autoren. Es arbeiteten Layla Waschner & Nina Müller, Johanna Fugmann & Nevfel Cumart, Judith Balling & Christoph Poschenrieder und Jule Konrad & Gunther Geltinger zusammen.  Am Dienstag, 17. November 2015 wurde das Tandembuch im Rahmen einer Lesung vorgestellt.

Erhältlich ist das Buch in der Bamberger Buchhandlung Collibri, im ERTL-Zentrum und im Historischen Museum.

Das Plakat finden Sie hier(383.4 KB).

 

 

Konstantin Küspert: "rechtes denken" (Podiumsdiskussion)

In seinem neuen Stück „rechtes denken“, das im Auftrag des ETA Hoffmann-Theaters entstand, untersucht der Dramatiker Konstantin Küspert, wie Gemeinschaften  entstehen und warum die Sehnsucht danach oft mit gruppenbezogener Ausgrenzung zusammen-hängt.

Nicht erst seit der sogenannten Flüchtlingskrise scheint die Akzeptanz rechten Denkens wieder salonfähig zu sein. „Besorgte Bürger“ befürchten eine „Überfremdung Deutschlands“ und den „Untergang des Abendlandes“. Aber ist diese Angst berechtigt? Und wann wird daraus fremdenfeindliches Denken?

Am 9. November diskutieren Autor Konstantin Küspert, PD Dr. Julia Schöll (Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Universität Bamberg), Prof. Dr. Marc Helbling (Politische Soziologie, Universität Bamberg) und ETA-Dramaturg Olivier Garofalo diese Fragen.

Zum Einstieg stellt das Ensemble von „rechtes denken“ das Stück von Konstantin Küspert vor.

Das Plakat finden Sie hier(353.1 KB).

 

 

Nora Bossong: "Gesellschaft mit beschränkter Haftung"

In Bamberg liest Nora Bossong aus ihrem aktuellen Roman Gesellschaft mit beschränkter Haftung: „Die Tietjens müssen immer die Nummer eins sein“ – Tietjen und Söhne, das ist ein Familienunternehmen, allerdings eines, das gegenwärtig weder familiäre Werte hochhält noch unternehmerischen Erfolg zu verzeichnen hat. Kurt Tietjen, Firmenchef und Enkel des Firmengründers, flüchtete aus dem „lebenslangen Arbeitsvertrag“, der mit dem Namen Tietjen verbunden ist. Abschiedslos ging er von Essen nach New York, von der deutschen Oberschicht in die amerikanische Unterschicht Brooklyns. Den Firmensitz hinterließ er seiner Tochter Luise, Mitte zwanzig, Philosophiestudentin und zunächst wenig ambitioniert. Aber Verantwortung, Macht, Aussicht auf wirtschaftlichen Aufstieg und schließlich der Erfolg selbst machen aus ihr eine Geschäftsfrau, erfolgreich, skrupellos. Eine „Stahlbarbie mit geballter Faust in der Tasche“ , wie Felicitas von Lovenberg in der FAZ schreibt. Sie lebt ein Leben „mit beschränkter Haftung“ und scheint nicht gewillt, Verantwortung zu übernehmen, weder für andere noch für sich selbst.

In nüchterner Sprache spinnt Nora Bossong ein feines Netz der Intrigen, in dem Privatheit und Öffentlichkeit eng miteinander verwoben sind. Aus der Perspektive derer, die oben stehen, zeigt die Autorin, dass sich das „Oben“ nicht halb so gut anfühlt, wie man meinen könnte: Macht ersetzt Menschlichkeit, Erfolg verdrängt Empathie. So „erzählt der Roman von verzweifelten Kämpfen, von Intrigen mit fast Shakespeare‘schen Dimensionen“, schreibt Paul Jandl in der Welt.

Gemeinsam mit Andreas Paschedag vom Berlin Verlag leitet Nora Bossong einen Schreib-Workshop der Bayerischen Akademie des Schreibens, an dem Studierende der Universitäten Bamberg, München und Bayreuth teilnehmen und der mit dieser öffentlichen Lesung in Bamberg eröffnet wird.

 

 

    Uwe Timm: "Heißer Sommer"

    Vor vierzig Jahren erschien Uwe Timms Romandebüt Heißer Sommer und avancierte in der Folge zum Manifest einer ganzen Generation. Der Roman folgt dem Studenten Ullrich Krause durch den „heißen Sommer“ der Studentenrevolte 1967, durch WG-Leben, Sit-ins, Anti-Springer-Demos und die heute fast absurd anmutende Komik des deutschen Universitätsbetriebs der späten 60er Jahre. Es geht um den Prozess einer politischen, sozialen und emotionalen Bewusstwerdung – die Krause unter anderem auch an das Regnitzufer Bambergs führt. Im Roman Rot (2001) greift Uwe Timm die Topoi der Studentenrevolte auf und inszeniert den Alterungsprozess der Ideale von damals: Der Roman erzählt von denjenigen, die die Fahnen weiterhin hoch halten, noch an die Revolution oder zumindest die Veränderung der Welt durch Aufruhr und Widerstand glauben. Er berichtet zugleich von jenen, die ihre politischen Ideale zwar nicht verraten haben, denen der Glaube an die Veränderbarkeit der Welt indes irgendwann abhandenkam. Im Roman Rot tritt auch Ullrich Krause noch einmal auf, der 1968 den Gang durch die Institutionen antrat und nun als Lehrer in der ostdeutschen Provinz die auf reales Maß zurückgestutzten Ideale an der bitteren gesamtdeutschen Wirklichkeit überprüft: „Hab doch immer den realen Sozialismus verteidigt, sagte Krause, das ist jetzt so was wie eine Korrektur, nein, Buße, um vor Ort die Vorurteile abzubauen, alte wie neue, positive wie negative.“

    Auch Uwe Timms jüngster Roman Vogelweide (2013) erzählt von einem Rückzug: Ein bankrotter Softwareunternehmer mit dem sprechenden Namen Eschenbach lässt nicht nur das Feld der Ökonomie, sondern die Zivilisation als solche hinter sich und wird Vogelwart auf einer einsamen Nordseeinsel – ein Ort der Besinnung, der ihm Gelegenheit gibt, über Liebe und Moral in Zeiten gesellschaftlicher Diffusion zu reflektieren. Alle drei Romane verbindet die Frage, inwieweit das Private politisch, somit gesellschaftlich relevant ist und was Liebe, Idealismus und Ökonomie miteinander zu tun haben.

    Uwe Timm las aus diesen drei Romanen und blickte im Gespräch mit Martin Hielscher und Friedhelm Marx auf den Heißen Sommer von 1974 und seine literarischen Folgen zurück.

     

     

    Marlene Streeruwitz: "Nachkommen"

    Mit dem Literaturbetrieb ist Marlene Streeruwitz also hinreichend vertraut, und mit diesem konfrontiert sie in ihrem aktuellen Roman Nachkommen. auch ihre Protagonistin: Die 20‐jährige Nelia Fehn weiß nicht recht, wie ihr geschieht, als ihr Debütroman für den Deutschen Buchpreis nominiert wird und sie sich direkt im Anschluss an die Beerdigung ihres Großvaters mitten im Frankfurter Messegetümmel wiederfindet. Ihr abgehalfterter Verleger räumt Nelia ohnehin nur Außenseiterchancen ein, und wenn, dann gilt das Interesse der Anwesenden eher Nelias hübschem, gut zu vermarktendem Gesicht als ihremgesellschaftskritischen Erstlingsroman.

    In dieser unbehaglichen Frankfurter Gesellschaft – ergänzt um Nelias bis dahin abwesenden Vater – erprobt die Jungautorin die Verweigerung als Grundhaltung. Beschrieben wird ihr Innenleben in Streeruwitz‘ typischen Stakkato‐Sätzen, denn, wie sie in ihrer Tübinger Poetikvorlesung schreibt, in einer von Entfremdung geprägten Welt kommt der vollständige Satz einer Lüge gleich.

    Der besondere Coup besteht nun darin, dass eben auch jener für den Buchpreis nominierte Roman der jungen Autorin existiert: Seit Ende September steht neben Streeruwitz‘ Nachkommen. auch Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland. in der Buchhandlung – verfasst von Marlene Streeruwitz als Nelia Fehn.

     

     

    Alessandra Brisotto und Isabel Bederna: "e_und"

    Die Gedichte von Alessandra Brisotto und Isabel Bederna erkunden manchmal ganze Welten, manchmal begnügen sie sich mit einem einzelnen Ich. Sie hauchen Wörtern Leben ein, sie scheuen sich nicht vor dem Gegenteil. Sie können ein Spiel sein, sie halten Augen-Blicke fest, die schneller vorbei sind als ein Zungenschlag. Und immer fangen sie an dem Punkt an, bei dem jede Beziehung ihren Ausgang nimmt: bei einem Und.

    Zum vierten Mal präsentiert das Literaturfestival Bamberg liest das Ergebnis einer einzigartigen Talentförderung. Die italienische Dichterin und Autorin Alessandra Brisotto ist mit der jungen Lyrikerin Isabel Bederna auf einem literarischen Tandem gefahren. 3 x 7 Gedichte x 2 Dichterinnen x 2 Sprachen x 5 Illustrationen von Robert Schlund: Das ist die Beziehungsformel von e_und.

    Mit musikalischer Begleitung und Verköstigung der Fattoria La Vialla.

     

     

    Rainer Merkel

    2001 erschien sein Debütroman Das Jahr der Wunder, ein „ironiefreier Abgesang auf die New Economy“ (DER SPIEGEL, 11/2001). In den folgenden Jahren erhielt Merkel zahlreiche Preise und Förderungen, 2002 war er Stipendiat des Künstlerhauses Villa Concordia in Bamberg. Hier erschien im selben Jahr auch seine Prosa- und Gedichtsammlung Beim Herausschauen. Heute lebt Merkel als freier Schriftsteller in Berlin und Dublin. Mit der Reportagensammlung Das Unglück der anderen. Kosovo, Liberia, Afghanistan veröffentlichte Merkel 2012 ein besonderes Buchprojekt: Für die Hilfsorganisation Cap Anamur arbeitete der Autor ein Jahr lang in einer Psychiatrie in Liberia und bereiste die von Kriegen gezeichneten Länder auf dem Balkan und am Hindukusch, wo er als „Embedded Journalist“ mit der Bundeswehr unterwegs war. Die Reportagen zeigen, welche Auswirkungen Gewalt und Traumata auf Menschen haben, fragen umgekehrt aber auch: Welche Anziehungskraft haben sie auf uns?

    Rainer Merkels jüngster Roman Bo erzählt von einem Road-Trip durch Westafrika. Der dreizehnjährige Benjamin will zum ersten Mal seinen Vater, einen Entwicklungshelfer, in Liberia besuchen. Als er am Flughafen in Monrovia ankommt, steht er allerdings alleine da – ohne Pass, ohne Gepäck und ohne seinen Vater, der ihn eigentlich abholen sollte. Benjamin trifft den gleichaltrigen Bo und die verwöhnte Brilliant und das Abenteuer für den Heranwachsenden auf dem fremden Kontinent beginnt.

    Rainer Merkel liest in Bamberg im Rahmen eines Schreib-Workshops der Bayerischen Akademie des Schreibens, an dem auch Studierende aus Bamberg teilnehmen. Er leitet diesen Workshop gemeinsam mit der Lektorin Doris Plöschberger (Suhrkamp Verlag), die die Lesung moderierte.

     

     

    Eva Menasse: "Quasikristalle"

    In Bamberg liest Eva Menasse aus ihrem jüngsten Roman Quasikristalle. Dieser Text ist dem Ordnungsprinzip der gleichnamigen Kristalle nachempfunden, für deren Entdeckung der israelische Forscher Dan Shechtman 2011 den Chemie - Nobelpreis erhielt. Im Gegensatz zu „normalen“ Kristallen, welche aus verschiedenen Blickwinkeln die immer gleiche Struktur aufweisen, sind Quasikristalle in ihrem Aufbau ungleichmäßig und erwecken beim Betrachter einen ungeordneten Eindruck. Ebendiesen Effekt erzielt Menasses Roman durch seine Konzeption: Die 13 Kapitel des Romans werden aus unterschiedlichen Positionen erzählt. Von der Jugendzeit bis ins Alter bekommen wir das Leben der Protagonistin Xane Mole von wechselnden Figuren, auch von ihr selbst, erzählt: Ihre Freundschaften während der Pubertät, ihre Studienzeit, die sie im Rahmen einer Studienfahrt nach Ausschwitz mit der eigenen jüdischen Familienhistorie konfrontiert, ihr beruflicherErfolg als PR - Managerin oder ihre Ehe mit einem Professor.

    Ähnlich wie bei echten Quasikristallen legen die Perspektivwechsel in Menasses Roman Strukturen und Details offen, die ein vielschichtiges, vielstimmiges, immer wieder überraschendes Lebensbild ergeben: „Besser als in Quasikristalle lässt sich Erkenntnis und Vergnügen im deutschen Gegenwartsroman nicht abmischen“, schreibt Ijoma Mangold in der ZEIT.

     

     

    Landpartie - Junge Literatur aus Hildesheim

    Landpartie ist die literarische Anthologie des Hildesheimer Studiengangs KREATIVES SCHREIBEN UND KULTURJOURNALISMUS – neben dem Deutschen Literaturinstitut in Leipzig die wichtigste Autorenschule in Deutschland.

    Einmal im Jahr präsentiert Landpartie ähnlich einer an Kunsthochschulen üblichen Werkschau die Arbeiten der jungen Autorinnen und Autoren. Seit 2005 entstehen auf diese Weise einzigartige Sammlungen dessen, was keinesfalls in Schubladen verborgen bleiben darf: Sprachexperimente, Fiktionen, poetische Rückzugsräume. So bekommt die Leserschaft Papier serviert, auf dem sich die Schwingungen junger deutschsprachiger Gegenwartsliteratur seismografisch abzeichnen: Landpartie steht für den Schaffensbeginn zahlreicher namhafter Autorinnen und Autoren, darunter Paul Brodowsky, Sabrina Janesch, Thomas Klupp und Leif Randt. Und weil das Wertige auch wertvoll verpackt sein will, bemüht sich ein jährlich wechselndes Herausgeber-
    Team um ein ästhetisch ansprechendes Gestaltungskonzept. 2007 erhielt die Landpartie dafür den Preis der schönsten Bücher der Stiftung Buchkunst. Landpartie erscheint jährlich in der Edition Pæchterhaus, einem Verlag des Instituts für Literarisches Schreiben und Literatur-
    wissenschaft der Universität Hildesheim.

    In Bamberg stellen die Autoren Emily Grunert, Mareike Schneider und Philipp Winkler ihre in der Landpartie publizierten Arbeiten vor und geben Auskunft darüber, wie sich das literarische Schreiben studieren lässt.

     

     

    West-Östliches Sofa - Deutsche und russische Autoren im Gespräch

     

     

     

    Christof Hamann: "Nur ein Schritt bis zu den Vögeln"

    In Bamberg las er aus seinem jüngsten Roman Nur ein Schritt bis zu den Vögeln (2012), der ebenso wie das literarische Debüt Seegfrörne von 2001 am Bodensee spielt.

    Simon Scholl, der Kindheits- und Studienfreund des Protagonisten Karl Notker ist tot, gestorben am 14. Mai, dem Tag des Eisheiligen Bonifatius. Auf einem abendlichen Spaziergang hinunter zum Bodensee ist er zwischen die Gleise und den fahrenden Zug gekommen – vielleicht ein Unfall, wahrscheinlich Selbstmord. In Simons Wohnung nimmt Karl dessen Notizhefte an sich, in denen der Freund viele ihrer gemeinsamen Erlebnisse festgehalten hat. Kurze Auszüge wecken Karls Erinnerung, und der Leser erfährt von der Zeit, als Simon, Erfolgsmensch und Spezialist für Innere Sicherheit, noch lebte: Resultat dieser Rückschau ist die eindrucksvolle Geschichte einer ungleichen Freundschaft und zugleich, mit Christoph Schröders (Die Zeit) „ein Buch, das wenig ausspricht und doch ungeheuer viel sagt. Es wird nicht geraunt und nicht geschwätzt. Es hält die Möglichkeiten offen.“

     

     

    Jan Faktor: "Georgs Sorgen um die Vergangenheit"

    Mit "Schornstein" veröffentlichte er 2006 seinen vielbeachteten Debütroman, eine Medizingroteske, die den erbitterten Kampf des schwerkranken Ich-Erzählers gegen die kassenärztliche Vereinigung schildert. In Bamberg stellt Faktor seinen 2010 erschienenen Roman "Georgs Sorgen um die Vergangenheit" vor: Darin beschreibt der Ich-Erzähler sein Heranwachsen in der Tschechoslowakei der 50er bis 70er Jahre – allein unter Frauen in einem skurrilen Prager Wohnungslabyrinth. Neben den familiären, allen voran durch Krieg und Holocaust begründeten Traumata wird Georg auch mit den politischen Missständen seiner Zeit konfrontiert, die seine Versuche, dem dominanten Frauenhaushalt zu entkommen, nicht unbedingt erleichtern. Georgs Selbstfindungsprozess mit Hindernissen sprengt die Grenzen des herkömmlichen Coming-of-age-Romans und mündet in ein „Epos von alteuropäischen Ausmaßen, dessen sprudelnde Anekdotenfülle eine fröhliche Enthemmtheit begleitet.“ (Felicitas von Lovenberg, FAZ).

    Für die Arbeit an dem Roman unternahm Jan Faktor zahlreiche Recherche-Reisen, die ihn unter anderem in das weitgehend vergessene Konzentrationslager Christianstadt führten. Die Ergebnisse dieser Recherchen stellte Jan Faktor in Bamberg vor. Der Abend wird durch das Grenzgänger-Programm der Robert-Bosch-Stiftung gefördert.

     

     

    Selmar Klein: "Echofrei"

    Im Rahmen der Literaturveranstaltung Bamberg liest. stellte der Student Selmar Klein seine Novelle Echofrei vor. Im Anschluss daran fand ein Werkstattgespräch mit Tandempartner Thomas Glavinic statt.

     

     

     

     

     

     

     

    Sherko Fatah: "Ein weißes Land"

    Sein Debutroman "Im Grenzland" von 2001 beschäftigt sich mit dem Niemandsland zwischen dem Irak und der Türkei. Die Erfahrung von Fremdheit, die dieser Roman vermittelt, verdankt sich der prekären politischen Lage, der Drohkulisse von Folter, Krieg und Willkür.

    Sein vierter und bis jetzt jüngster Roman "Ein weißes Land" (2011), aus dem Sherko Fatah in Bamberg lesen wird, setzt im Bagdad der 1930er Jahre ein und handelt von dem jungen Anwar, der zwischen allen politischen und gesellschaftlichen Fronten seinen Weg sucht und unversehens ins nationalsozialistische Berlin, später als Soldat in den Russlandfeldzug gerät. Anwar überlebt und kehrt nach Hause zurück, aber was er erlebt und gesehen hat, zerstört seine Träume und seine Hoffnung auf das eigene große Glück. Fatah erzählt, ähnlich wie in "Das dunkle Schiff", von einem Menschen, der jede Chance nutzen will, seinen Traum vom Leben zu verwirklichen, aber durch politische Geschehnisse davon abgehalten wird.

    Sherko Fatah liest in Bamberg im Rahmen eines Schreib-Workshops der Bayerischen Akademie des Schreibens, an dem auch Studierende aus Bamberg teilnehmen. Er leitet diesen Workshop gemeinsam mit der Lektorin Petra Gropp, die die Lesung moderierte.

     

     

    Nevfel Cumart: "Unter den Flügeln der Nacht"

    Am 30. April 2013 las Nevfel Cumart aus seinem Gedichtband "Unter den Flügeln der Nacht".

    Vor genau 52 Jahren kamen seine Eltern mit den ersten türkischen Gastarbeitern nach Deutschland. Heute zählt der in Stegaurach lebende Nevfel Cumart mit sechzehn Gedichtbänden zu den produktivsten Lyrikern seiner Generation in Deutschland.
    Die Themenbreite des neuen Gedichtbands "Unter den Flügeln der Nacht" ist groß: Von den kargen Feldern Anatoliens, der Heimat seiner Eltern und Vorfahren, bis zu den Amtsstuben Bayerns, in denen er reichlich Erfahrungen sammeln konnte, spannt Cumart einen Bogen zwischen Orient und Okzident. Bei der Lesung im Rahmen der Bamberger Reihe „Literatur in der Universität“ wird er ein weites literarisches Spektrum präsentieren: biographische Texte und Liebesgedichte ebenso wie gesellschaftlich-politische Gedichte und pointierte Momentaufnahmen aus einem Leben in verschiedenen Kulturen. Darüber hinaus wird Cumart aus seinem facettenreichen Leben als Migrant der zweiten Generation in Deutschland berichten. Als literarischer Grenzgänger versteht es Cumart wie kaum ein anderer, mit seinen Gedichten für mehr Toleranz und Verständnis gegenüber Menschen anderer Kultur zu appellieren Fragen und Anregungen aus dem Publikum sind willkommen.

     

     

    Zwischen Ost und West: Grenzgänger-Lesungen

    Im Rahmen dieser Vortragsreihe stellten renommierte Autorinnen und Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Bücher vor, die Grenzen und Grenzüberschreitungen zwischen Ost und West beschreiben. Dabei handelt es sich um literarische Werke, deren Entstehung – wie auch die Bamberger Vortragsreihe selbst – durch das Grenzgänger-Programm der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin unterstützt wurde. Kolja Mensing, Jenny Erpenbeck, Olga Grjasnowa, Feridun Zaimoglu, Julia Schoch und Sibylle Lewitscharoff lesen an sechs Abenden ausgewählte Passagen aus ihren Grenzgänger -Texten. Anschließend berichten sie über ihre Recherchen, über Schwierigkeiten, unverhoffte Entdeckungen und die literarische Verarbeitung ihrer eigenen Grenzgänger - Erfahrungen. 

    Die Gegenwartsliteratur ist einer der Forschungsschwerpunkte an der Universität Bamberg: Diese Veranstaltung lenkt nun die Aufmerksamkeit auf deren interkulturelle Ausrichtung. Geographische, kulturelle, sprachliche, politische und gesellschaftliche Grenzen und Grenzüberschreitungen gehören zu den wichtigsten literarischen Sujets der Gegenwart. Die im Rahmen der Vortragsreihe vorgestellten Bücher reflektieren zum einen die Wirkungsmacht mentaler, gesellschaftlicher und politischer Grenzziehungen – und stellen ihr zugleich genuin literarische Grenzüberschreitungen entgegen.

    Die Autorinnen und Autoren lasen immer mittwochs, am

    24.10.2012 Kolja Mensing: Die Legenden der Väter (2011)

    21.11.2012 Jenny Erpenbeck: Heimsuchung (2008) 

    12.12.2012 Olga Grjasnowa: Der Russe ist einer, der Birken liebt (2012) 

    9.1.2013 Feridun Zaimoglu: Hinterland (2009) 

    23.1.2013 Julia Schoch: Kaliningrader Nacht (2008) 

    30.1.2013 Sibylle Lewitscharoff: Apostoloff (2009)

    Die Vortragsreihe wurde unterstützt von der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Literarischen Colloquium Berlin.

     

    Das Grenzgänger-Seminar zur Lesereihe:

    Immer donnerstags fand das von Prof. Dr. Friedhelm Marx und Dr. Stephanie Catani veranstaltete gleichnamige Seminar zur Lesereihe statt. Wie bei der Bamberger Poetikprofessur besuchten die Autorinnen und Autoren dieses Seminar am Tag nach ihren Grenzgänger -Lesungen und sprachen mit den Studierenden sowie mit allen interessierten Lesern über ihre Texte.

     

     

    Doron Rabinovici: "A N D E R N O R T S"

    Am 12. Juni las Doron Rabinovici (Wien) aus seinem Roman
    A N D E R N O R T S

    Doron Rabinovici schreibt Romane, Essays und Kurzgeschichten, zudem ist er Autor einer historischen Doktorarbeit, die soeben ins Englische übersetzt wird. Die Gattungen, in denen er erfolgreich schreibt, sind vielfältig, auch seine Themen und Interessen sind es, ebenso wie sein politisches Engagement. Er gehörte zu denjenigen, die sich seinerzeit Jörg Haider mutig entgegenstemmten und ist auch heute noch, nach dem Unfalltod Haiders, ein engagierter Schriftsteller im wörtlichen Sinn. Am Anfang Karriere als Schriftsteller stand die kleine Prosaform, dort wurde das Schreiben zum „Puzzlespiel der Erinnerung“ (Papirnik). Inzwischen hat Doron Rabinovici, der in Tel Aviv geboren wurde und als Kleinkind nach Wien kam, mehrere erfolgreiche Romen vorgelegt: Die Suche nach M. , Ohnehin und jetzt der auf der Shortlist des deutschen Buchpreises aufgenommene Roman Andernorts). Andernorts erzählt die Geschichte von Ethan Rosen, einem in Wien als Soziologe lehrenden Israeli, der sich erfolgreich durch die globalisierte Welt und ihre Anforderungen und Thematiken bewegt. Einen Bruch erfährt der polyglotte Rosen, als sein Vater schwer erkrankt und man um sein Leben fürchten muss. Rosen reist nach Israel, um bei seinem Vater zu sein. Zusammen mit der neuen Freundin Noa richtet er sich in Tel Aviv wieder ein, ohne das alte Leben in der Diaspora aktiv zu beenden, er meldet sich einfach nicht mehr in Wien.  

    Wenn Wien New York wäre, dann könnte Doron Rabinovici vielleicht ein jüngerer Bruder Woody Allen sein. In  der Mitte seines Lebens und als nun schon erfahrener Schriftsteller wird eine Eigenschaft seines Schreibens immer deutlicher: sein Humor, der vor den eigenen Erkenntnissen nicht Halt macht, der vor allem aber auch die orthodoxe Variante des Judentums mit Spott überzieht. Rabinovicis Schreiben überschreitet lachend die Normalität, findet neue Formen des jüdischen Witzes, seine Texte machen Mut, den Dialog zwischen nichtjüdischer und jüdischer Kultur neu zu beginnen. Er zeigt in seinem Erzählen, wie Juden sich  in einer  globalisierten Welt bestens zurechtfinden, weil die Diaspora ihnen seit Jahrtausenden vertraut ist. Und er zeigt in seinem Werk, wie wichtig die Rolle ist, die eine Stadt wie Tel Aviv dabei spielt. Die Lesung konfrontiert uns mit den modernen globalisierten Lebensentwürfen unserer Zeit und lässt nachdenken über den Stellenwert, der der eigenen Herkunft zukommt. Witzig und humorvoll bringt Andernorts sicher geglaubte Identitäten ins Wanken.

     

     

    "Stirb & Werde"

    Für die Anthologie Stirb & Werde sind bekannte Autoren aus Bamberg und der Region wieder Tandem gefahren: Sie haben ein halbes Jahr lang mit Studierenden der Otto-Friedrich-Universität sowie einer Schülerin an Erzählungen gearbeitet, die das Goethesche Motto auf faszinierende und höchst unterschiedliche Weise interpretieren. Als Mentoren beteiligt waren diesmal unter anderem Nora Gomringer, Tanja Kinkel und Martin Beyer.

    Die Anthologie Stirb & Werde, die im studentischen Verlag perpetuum publishing erscheint, wurde am Donnerstag, 10. Mai im Rahmen der Reihe Literatur in der Universität präsentiert. Diese Veranstaltung war Teil des Literaturfestivals Bamberg liest und des KONTAKT-Festivals.

    Es lasen die Tandems Anna Degen & Andrea Amft, Maia Tabukashvili & Sophia Léonard, Peter Braun & Thilo Martens sowie Martin Beyer & Judith Wiedemann.

    Mehr Informationen unter www.bamberg-liest.de

     

     

     

    Christoph Peters: "Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung"

    las aus Sven Hofestedt sucht Geld für Erleuchtung
    Freitag, 20. Januar 2012

     

     

     

     

    Wolfgang Schlüter: "Die englischen Schwestern"

    las aus Die englischen Schwestern
    Dienstag, 31. Januar 2012

     

     

     

     

    Markus Orths: "Die Tarnkappe"

    Sein Debüt als Schriftsteller gab Markus Orths mit seinem im sisyphos-Verlag erschienenem Erzählband Schreibsand(1999). Hier versammelt er verschiedene Erzählungen, die sich mit dem Prozess des Schreibens, dem Tod und der Suche nach sich selbst beschäftigen.

    In seinem Erfolgsroman Lehrerzimmer (2003) beschreibt Orths die Institution Schule als ein auf Angst, Jammer, Schein und Lügen basierendes, totalitäres System. Ohne jede Chance, die schulische Willkür zu verstehen und zu durchschauen, versucht Studienassessor Kranich den Schulalltag zu meistern. Mit viel Ironie, Witz und Übertreibung wird das schulische Scheitern eines motivierten, jungen Lehrers beschrieben, der verzweifelt einen Ausweg aus diesem Albtraum zu finden sucht.

    Wie in dieser Satire auf das Bildungssystem stehen auch in anderen Texten neurotische Figuren und skurrile Alltagsszenen im Zentrum von Orths’ Prosa. Die aus der Psychiatrie entlassene und zwangsneurotisch veranlagte Lynn Zapatek, die Hauptfigur in dem 2008 erschienenen Roman Das Zimmermädchen, arbeitet als Reinigungsfachkraft im Hotel Eden. Fasziniert vom fremden Leben der Hotelgäste, legt sie sich eines Abends unter das Bett eines Gastes und saugt das Fremde in sich ein. Immer länger verweilt die Voyeurin unter den Betten  der Gäste, getrieben von ihrem sinnentleerten Dasein, Neugier und Verzweif­lung. Dieser Text entwirft das Bild eines Menschen, der von Anonymität, Einsamkeit und Ängsten bestimmt ist. 

    Auch Orths neuster Roman Die Tarnkappe (2011) nähert sich der Frage nach der Identität und Anonymität des Menschen. Die Hauptfigur dieses "fantastischen" Textes, Simon Bloch, findet eine Tarnkappe, die es ihm ermöglicht, ungesehen am Leben anderer Menschen teilzunehmen. Doch je größer das Verlangen nach dem Tragen der Kappe wird, desto mehr verliert sich der Protagonist und verschwindet tatsächlich. "Am Ende der spannenden Lektüre ist man nicht nur geheilt vom Kinderwunsch, einmal unsichtbar zu sein, man reagiert auch nachhaltig irritiert, wenn eine Tür ohne ersichtlichen Grund zuschlägt." (Deutschlandradio Kultur)

     

     

     

    Kristof Magnusson: "Das war ich nicht"

    Kristof Magnusson las aus Das war ich nicht
    Dienstag, 21. Juni 2011

    Seine erfolgreiche Komödie Männerhort (2002) zeigt vier (Ehe-)Männer, die an der Einkaufssucht ihrer Frauen verzweifeln. Aus Trotz schaffen sie sich in einem Heizungskeller einen Rückzugsraum, in dem sie noch Männer sein dürfen, mit Bundesligatabelle und Playmate an der Wand, mit Fernseher und Giganto Tool Tech. Doch drängt sich im Laufe des Stücks die Frage auf, ob das eigentlich so sein muss, diese Rollenverteilung und das gegenseitige Verstecken. Das Stück wurde an zahlreichen Bühnen inszeniert, unter anderem 2005 am Theater am Kurfürstendamm mit Bastian Pastewka und Christoph Maria Herbst.

    Kristof Magnussons Romandebüt Zuhause (2005) ist eine packende Mischung aus Roadmovie und Saga. Eigentlich will Làrus mit seiner Sandkastenfreundin Mathilda ein Pärchenweihnachtsfest auf Island verbringen, gemeinsam mit ihren Partnern Milan und Svend. Daraus wird allerdings nichts, denn beide Beziehungen sind kurz zuvor in die Brüche gegangen. Die Dinge beginnen auf eine seltsame Art und Weise aus dem Ruder zu laufen: Làrus beginnt eine Affäre und gerät damit zugleich in das Räderwerk einer der mächtigsten isländischen Familien, deren Wurzeln bis in die Egill-Skallagrímsson-Saga zurückreichen. So stolpert Làrus zu einem Soundtrack aus The Smith, Mùm und Depeche Mode von Abenteuer zu Abenteuer.

    Kristof Magnussons zweiter Roman Das war ich nicht (2010), aus dem er in Bamberg las, verknüpft die Lebenswege dreier Figuren vor dem Hintergrund der Weltfinanzkrise. Der erfolgreiche amerikanische Autor Henry LaMarck hat eine Schreibkrise und flüchtet deshalb (gerade bei der Verlagsparty zu seinem sechzigsten Geburtstag) vor der fordernden Welt in ein Hotelzimmer in Chicago. Dort wird er auch von seiner Übersetzerin Meike Urbanski gesucht, die das angekündigte neue Buch unbedingt braucht, um den Kredit für ihr Haus zurückzuzahlen. Vervollständigt wird die ménage à trois durch den jungen Investmentbanker Jasper Lüdemann. Zwischen diesen Figuren entspinnt sich ein Netz aus Anziehungen und Abhängigkeiten, eine exemplarische und ironische Szenerie über den Zusammenhang von Kultur und Kapital. Wie schon im Debütroman strebt der Text nach einer Entmythologisierung; „Wirtschaft“ und „Kultur“ sind nicht mehr getrennte Ressorts einer Tageszeitung, sie kollabieren im Dunstkreis dieser drei Figuren.

     

     

     

    "Zeichen & Wunder"

    Oberfränkische Schriftsteller, Stipendiaten der Villa Concordia und studentische Nachwuchsautoren im Dialog

    Zeichen zu setzen und von den kleinen und großen Wundern des Lebens zu erzählen, das ist das Geschäft des Schriftstellers. Es ist jedoch in der Regel ein einsames Geschäft. Etablierte Autorinnen und Autoren aus Oberfranken sowie Stipendiaten des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia haben sich daher auf ein einzigartiges Experiment eingelassen: Sie haben für die Anthologie Zeichen & Wunder Patenschaften übernommen und mit jeweils einem Bamberger Studierenden ein Tandem gebildet, um gemeinsam an Geschichten für das Buch zu arbeiten. Entstanden sind Kurzgeschichten, ein Hörspiel und ein Dramolett, auf vielfältige Weise wurde das Thema der Anthologie umgesetzt.

    Die Studierenden haben vorher an einem Seminar für Kreatives Schreiben von Dr. Martin Beyer, Autor und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft, teilgenommen, das den Studierenden ein Forum bieten soll, um gemeinsam an Texten zu arbeiten, Schreibtechniken zu erlernen und, genauso wichtig, gemeinsam über Texte zu sprechen, sich gegenseitig zu loben und zu kritisieren.

    Am 18. Mai stellen vier Tandems ihre Arbeit vor:

    • Kurt Kreiler (Stipendiat Villa Concordia) & Katharina Müller-Güldemeister
    • Dulce Maria Cardoso (Stipendiatin Villa Concordia) & Raphael Thierschmann
    • Thomas Kastura & Julia Schmidt
    • Rolf-Bernhard Essig & Christina Dehler

    Die Präsentation der Anthologie in der Reihe „Literatur in der Universität“ ist eingebettet in das neue Lesefestival Bamberg liest, das 2011 erstmalig stattfinden wird. Insgesamt gibt es drei Veranstaltungen, an denen die Anthologie präsentiert wird, die Reihe endet am 21. Mai um 12 Uhr am „Gabelmann“ (Grüner Markt) mit einer Open-Air-Lesung, bei der unter anderem Oberbürgermeister Andreas Starke aus Zeichen & Wunder lesen wird. Am 19. Mai lesen drei weitere Tandems in der Buchhandlung Görres. Bamberg liest soll keine einmalige Veranstaltung sein, sondern in den darauffolgenden Jahren weiteren Studierenden, Autoren, Verlegern und auch Schülern eine Möglichkeit geben, ihre eigenen Literaturprojekte öffentlich zu präsentieren.

    Weitere Informationen unter www.bamberg-liest.de.

    Die Anthologie Zeichen & Wunder erschien im Verlag perpetuum publishing, der vom Bamberger Studenten Lukas Wehner gegründet wurde. Zu den Veranstaltungen ist die Anthologie zum Vorzugspreis von 7,00 Euro erhältlich, der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.

     

     

     

    Annette Pehnt: "Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern"

    Annette Pehnt liest aus ihrem neuen Erzählungsband

    Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

    2001 debütierte Annette Pehnt mit dem Roman Ich muß los, den die Jury des aspekte-Literaturpreises mit einer besonderen Empfehlung ehrte. Mit dem Anti-Helden Dorst schuf sie eine Figur, die durch ihre eigenbrötlerische, unergründliche Art Leser und Feuilletonisten gleichermaßen faszinierte. Ein regelrechter Kauz, der die schwarzen Anzüge seines toten Vaters aufträgt und als selbsternannter Reiseführer seine grenzenlose Phantasie auslebt. Erst als die junge Elner in sein Leben tritt, wacht Dorst auf. In ihrem zweiten Roman Insel 34 stellt die Autorin eine namenlose Ich-Erzählerin in den Mittelpunkt, die wie Dorst ein jugendlicher Underdog ist. Auf der Flucht vor der elterlichen Fürsorge entwickelt die junge Frau eine Leidenschaft für abgelegene, rätselhaft erscheinende Inseln. Im Spiel mit dem Motiv der Inselutopie erzählt Annette Pehnt auf ironische Art und Weise gleichzeitig die Geschichte des Erwachsenwerdens. Für einen Ausschnitt aus Insel 34 erhielt sie 2002 den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt.

    Der Roman Haus der Schildkröten aus dem Jahr 2006 liest sich als leiser, mit distanzierter Trauer und lakonischer Distanz geschriebener Text. Vordergründig handelt die Geschichte von einem Mann und einer Frau, die ihre Eltern im Seniorenheim besuchen und deren Wege sich dort kreuzen. Sie suchen aneinander Halt, fühlen sich angesichts des Leides ihrer Eltern jedoch schuldig. Der Roman rührt an ein gesellschaftliches Tabu: Das Leben im Altersheim, einem Ort, an dem Schweigen und Monotonie zu ständigen Begleitern geworden sind.

    Der neue Erzählband Man kann sich auch wortlos aneinander gewöhnen das muss gar nicht lange dauern verknüpft die verschiedenen Themen der Autorin: In sechs kurzen Texten erzählt sie von Menschen, deren Leben sich in einem Ausnahmezustand befindet. Das Moment der Einsamkeit ist dabei allgegenwärtig; die Zugführerin, die während einer ICE-Fahrt plötzlich ihr Gehör verliert, ist zwischen den Fahrgästen ebenso allein wie das trauernde Geschwisterpaar am Totenbett der Mutter oder der autistische Georg mit seinen überforderten Eltern. Jedes dieser „Minidramen“ (Die Welt) schildert Momentaufnahmen einer zerfallenden Normalität, hinter der die Sehnsüchte der Figuren hervorblitzen. Aus diesem Band las Annette Pehnt in Bamberg.

     

     

     

    Patrick Roth: "Real Time an den Feuern"

    Patrick Roth las aus "Real Time an den Feuern".

    Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

    Patrick Roth erschafft „erzählchoreografische Kunststücke“ (Die Zeit), die sich als wortgewaltige Erzähllandschaften vor dem Leser entfalten und ihn durch ihre intertextuelle Verwobenheit in ihren Bann ziehen. Auf den Spuren seiner Protagonisten macht sich Roth auf die Suche nach der Grenze zwischen dem Bewussten und Unterbewussten, zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. Durch die Verbindung biblischer Motive mit Einflüssen des Films und der Psychoanalyse wird die metaphysische Dimension seiner Erzählwelten sichtbar. Für Aufsehen sorgte Patrick Roth erstmals mit seiner Christustrilogie, die aus den Bänden Riverside (1991), Johnny Shines oder Die Wiedererweckung der Toten (1993) und Corpus Christi (1996) besteht. Im Auftrag des Apostels Thomas befragen zwei Brüder in Riverside den Einsiedler Diastasimos, was genau sich in den Tagen vor dem letzten Abendmahl zugetragen hat. Doch die Befragung erweist sich als ein verwinkeltes und unkalkulierbares Verwirrspiel. In Johnny Shines oder Die Wiedererweckung der Toten ist der Protagonist von der Vorstellung besessen, Tote wieder zum Leben erwecken zu können. Corpus Christi schließlich befasst sich mit der Suche des Judas Thomas nach dem Leichnam Christi – die Befragung der im Grab des Gekreuzigten festgenommenen Fremden Tirzia führt jedoch zu einer für alle Beteiligten überraschenden Wende. Rex, Moss, Gary und June heißen die Protagonisten des Erzählbandes Starlite Terrace (2004). Ehemals waren sie daran beteiligt, das Triebwerk der Traumfabrik in Gang zu halten, mittlerweile wohnen sie unweit Hollywoods in einer heruntergekommenen Appartementanlage. Rex berichtet von seinem Vater, der das Hand-Double in Gary Coopers „Zwölf Uhr Mittags“ gewesen sein soll; Moss ist auf der Suche nach einem verschollenen Manuskript; Gary sehnt sich danach, durch den Glauben von seiner Schuld befreit zu werden, und June wird gegen Ende des Erzählbandes in einem Akt der Selbsttaufe regelrecht neugeboren.

    In seinen Heidelberger Poetikvorlesungen, die unter dem Titel Zur Stadt am Meer (2005) erschienen sind, hebt Roth die Signifikanz nächtlicher Traumwelten als Quellen seiner schriftstellerisch-kreativen Tätigkeit hervor. In Bamberg las Patrick Roth aus einem unveröffentlichten Manuskript mit dem Titel Real Time an den Feuern.

    „Am Ende von Patrick Roths Geschichten stockt einem regelrecht der Atem, und man muß sich kurz orientieren, um wieder in die eigene Haut zurückzufinden.“ (Die Zeit)

     

     

    Georg Klein: "Roman unserer Kindheit"

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    Sein literarisches Debüt Libidissi (1998) ist vordergründig ein Thriller: Der schizophrene Agent Spaik irrt auf der Flucht vor zwei Killern durch die fiktive Stadt »Libidissi« – ein dunkles Labyrinth, dessen Bewohner »Piddi-Piddi« sprechen und in der eine ominöse Seuche mit dem Namen »Mau« grassiert. Auf den zweiten Blick erweist sich der Roman als Spiel mit der Genrekonvention, als »sprachlich faszinierende Kreuzung aus Agentengeschichte und urbaner Utopie« (FAZ): Klein zitiert Momente des Thrillers, um sie in eigenwillige und phantastische Bilder zu übersetzen. Die Detektivgeschichte Barbar Rosa (2001) setzt das Genre-Spiel fort: Der (Anti-)Held ist ein von allergischen Ausschlägen geplagter Detektiv auf der Suche nach einem gestohlenen Geldtransporter, der sich auf die »Blödigkeit des Vorwärtsstolperns« als Ermittlungsmethode verlässt und seine Informationen aus russischen Comics bezieht. Gemäß Kleins Motto, »dass sich das kreative System selbst abbildet«, kreist diese bizarre Erzählung um das Erzählen selbst, ruft zahlreiche intertextuelle Bezüge auf, um ihren Helden zuletzt ebenfalls als Textgewebe zu enttarnen: Sein Gesicht erscheint als Maske aus »aufgeweichter, halbzerkauter Papiermasse«, auf der noch »einzelne Lettern, halbe Wörter« zu erkennen sind. Der Roman unserer Kindheit (2010), aus dem Klein in Bamberg lesen wird, erzählt von sieben Kindern in einer Siedlung am Rand Oberhausens. Vor ihnen liegt ein endloser Sommer, der mit einem Unglück beginnt: Der Ältere Bruder gerät mit seinem Fuß zwischen die Speichen eines Fahrrads und muss von seinen Freunden, dem Schniefer, dem Ami-Michi, der Schicken Sibylle, dem Wolfskopf und den Witzigen Zwillingen, in einem umgebauten Kinderwagen durch die Gegend gefahren werden. Der Roman zeichnet ein Zeitbild der frühen sechziger Jahre: Die Väter sind Kriegsheimkehrer, die Invaliden allgegenwärtig, erste Fernseher und Telefone halten Einzug in bürgerliche Wohnzimmer. Darüber hinaus überführt Klein die Kindheit in einen »düsteren, bluttriefenden Sommernachtstraum« (FAZ) und entwirft eine zeitlose, mythische Kindheitswelt. Das Dämonische brodelt dabei stets unter der Oberfläche: Ein Kommandant mit Silberplatte im Kopf taucht auf, der mysteriöse Mann ohne Gesicht kann mit den Mäusen sprechen und der taubstumme Vogelzüchter prophezeit den Kindern, dass eines von ihnen getötet werden soll …

    ,,Ein Geniestreich ist dieser Roman, opak, dicht, verrückt, hässlich und irre schön." (Die Zeit)

     

     

    Katharina Hacker: "Alix, Anton und die anderen"

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    In ihrem literarischen Debüt Tel Aviv. Eine Stadterzählung (1997) porträtiert Hacker mit großer lyrischer Kraft das Leben in der Stadt am Meer und deren in ständiger Bedrohung lebende Bewohner. Die Erzählung beobachtet die Figuren in zerbrechlichen Momenten von Angst, Einsamkeit und Trauer und fängt ihre unterschiedlichen, mitunter problematischen Lebens- und Identitätsentwürfe ein. Dabei ist der politische Hintergrund immer gegenwärtig und eng verknüpft mit dem Leben der Menschen.

    Auch in ihrem Roman Der Bademeister (2000) verbindet Katharina Hacker ein persönliches Schicksal mit weltgeschichtlichen Ereignissen. Der Protagonist Hugo, 58 Jahre und von Beruf Bademeister, muss seine Arbeit aufgeben, weil sein Schwimmbad am Prentzlauer Berg kurz nach der Wende geschlossen werden soll. In einem konsequent durchgehaltenen Monolog wird Hugos Lebensgeschichte rückblickend entfaltet: Hugos Vater, ein Nationalsozialist und Mörder, hatte den Sohn einst misshandelt und zudem an der Aufnahme eines Studiums gehindert. Erst die Anstellung als Bademeister in jenem nun von der Schließung bedrohten Bad und die damit verbundene Verantwortung für das Wohl seiner Badegäste hatten Hugo Zuflucht vor den familiären Abgründen und einen neuen Lebensinhalt in Aussicht gestellt.

    Der Roman Die Habenichtse(2006), mit dem die Autorin im gleichen Jahr den Deutschen Buchpreis gewann, erzählt von einer scheinbar desillusionierten und unpolitischen Generation. Erneut verschränken sich hier individuelle Biografien mit kollektiven Erinnerungsmomenten, etwa in der Figur Jakobs, der mit seinem Kollegen den Flieger tauscht und damit dem Attentat vom elften September entgeht.

    Ihr aktueller Roman Alix, Anton und die anderen(2009), aus dem Katharina Hacker in Bamberg lesen wird, geht layouttechnisch neue Wege. Der in zwei Spalten abgedruckte Roman ermöglicht dem Leser zwei oft parallel verlaufende Handlungsstränge gleichzeitig zu verfolgen und stellt Gedanken und Innenwelten der einzelnen Figuren gegenüber. Jan, dessen Frau Alix und die Freunde Bernd und Anton sind um die 40 und treffen sich seit 19 Jahren jeden Sonntag zum gemeinsamen Essen bei Alix‘ Eltern. Doch die familiäre Harmonie erweist sich rasch als eine „Welt unter dem Zeichen des Todes“ (FAZ, 20.11.2009). Der Unfalltod des Sohnes, Alix‘ Bruder, der als Kleinkind im See beim heimischen Garten ertrank, überschattet das familiäre Miteinander ebenso wie die heimliche Leidenschaft des Vaters für Mai Linh, die ein vietnamesisches Restaurant besitzt, das von Kriminellen um Schutzgeld erpresst wird. So beginnt das anfängliche Idyll am Esstisch zu verblassen...

     

     

    Peter Stamm: "Sieben Jahre"

    Dienstag, 12. Januar 2010

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    Elazar Benyoëtz

    Eingezweifelt in Gott. Variationen über ein verlorenes Thema

    Elazar Benyoëtz las aus seiner Dichtung und seiner Prosa.
    Dienstag, 17.11.2009

    In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Alttestamentliche Wissenschaften, dem Lehrstuhl für Judaistik und der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg.

     

     

     

     

     

    Helmut Krausser: "Einsamkeit und Sex und Mitleid"

    Helmut Krausser las aus seinem Roman "Einsamkeit und Sex und Mitleid".
    Donnerstag, 5. November 2009

     

     

     

     

     

     

    Marica Bodrožić: "Sterne erben, Sterne färben. Meine Ankunft in Wörtern"

    Am Mittwoch, 27. Mai 2009, las Marica Bodrožić aus "Sterne erben, Sterne färben. Meine Ankunft in Wörtern".

    Die Autorin Marica Bodrožić ist mit zehn Jahren aus ihrer ersten Sprache gefallen. 1983 folgte sie ihren Eltern aus Dalmatien nach Deutschland, wo sie bis heute lebt. Über ihre „Ankunft in Wörtern“hat sie in der Edition Suhrkamp 2007 einen poetischen Bericht vorgelegt, aus dem sie in Bamberg lesen wird. In „Sterne erben, Sterne färben“ beschreibt Marica Bodrožić, wie die deutsche Sprache ihr zu einem Terrain des Wissens und des Fragens, aber auch des Träumens wurde. „Nur im Deutschen ließ es sich präzise träumen“, heißt es dort.

    In ihrem Roman „Der Spieler der ersten Stunde“  (2005) und in ihrem Erzählband „Der Windsammler“ (2007) hat Marica Bodrožić zwei entgegengesetzte Reiserichtungen eingeschlagen. Im Roman wird die Kindheit der kleinen Jelena Felder aus Dalmatien erzählt, vor und während jenem Herausfallen aus der Heimat, aus der Sprache, vor dem endgültigen Eintritt in eine terra incognita. Die Erinnerung an die Heimat wird zu einem Komplizen – und zu einem Gauner. In den elf Erzählungen geht es um Versuche der Rückkehr auf die dalmatinisch-istrischen Inseln, in die magischen Räume der Kindheit, in eine manchmal fremd gewordene Wirklichkeit. „Wir wollen nur unser Geburtshaus sehen und Ferien machen“, sagt eine Figur – was für eine Untertreibung!

     

     

    Martin Beyer: "Alle Wasser laufen ins Meer"

    Am Dienstag, 12. Mai 2009, las Martin Beyer aus seinem Trakl-Roman "Alle Wasser laufen ins  Meer".

    Gäste des Abends waren SilbenMusik, Jan Burmester und DJ Platte.

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    Thomas Hettche: "Woraus wir gemacht sind"

    Am Mittwoch, 29. April 2009, 20 Uhr, liest Thomas Hettche aus "Woraus wir gemacht sind". Die Veranstaltung findet im Hörsaal U2/025 um 20 Uhr s.t. statt.

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    Thorsten Palzhoff

    Am Donnerstag, 15. Januar 2008, 20 Uhr s.t. liest Thorsten Palzhoff im Rahmen der Reihe Literatur in der Universität. Veranstaltungsort ist der Raum U5/024.

    Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

    Albert Ostermaier

    Am Mittwoch, 28. Mai 2008, 20 Uhr liest Albert Ostermaier im Rahmen der Reihe Literatur in der Universität. Veranstaltungsort ist der Raum U7/105.

    Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

    Alain Claude Sulzer

    Am Mittwoch, 14. Mai 2008, 20 Uhr liest Alain Claude Sulzer im Rahmen der Reihe Literatur in der Universität. Veranstaltungsort ist der Raum U5/024.

    Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

    Martin Walser: "Ein liebender Mann"

    Mittwoch, 16. April 2008, 20 Uhr s.t. liest Martin Walser aus seinem neuen Buch

    Ein liebender Mann

    in der Aula der Universität Bamberg, Dominikanerstr. 2a.

    Einen Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

    Christof Hamann

    Am Mittwoch, 23. Januar 2008 findet von 20 Uhr s.t. im Hörsaal U5/024 (An der Universität 5) eine Lesung im Rahmen der Reihe "Literatur in der Universität" mit Christof Hamann statt.

     

    John von Düffel: "Beste Jahre"

    Am Dienstag, den 4.12.2007 findet von 20:00 - 22:00 Uhr in der U7/105 eine Lesung im Rahmen der Reihe "Literatur in der Universität" mit John von Düffel statt. Der Autor wird aus seinem Roman "Beste Jahre" lesen.

    Ein Videobeitrag des Fränkischen Tags zur Lesung mit John von Düffel steht hier(27.9 MB) zum Download bereit.

    Franziska Gerstenberg

    Am Mittwoch, den 14.11.2007 findet von 20:00 - 22:00 Uhr in der U5/024 eine Lesung mit Franziska Gerstenberg statt.

    Den Nachbericht zur Lesung finden Sie hier.

    Annette Pehnt: "Haus der Schildkröten"

    Am Donnerstag, den 18. Januar 2007, liest Annette Pehnt um 20 Uhr s.t. im Hörsaal 1, An der Universität 2 (U2/ 025), aus ihrem Roman "Haus der Schildkröten" (2006).

    Bild: Claudia Feldtenzer

    Thomas Lang: "Am Seil"

    Am Dienstag, 5.12.2006, um 20 Uhr s.t. im Raum U5/ 024 liest Thomas Lang aus seinem Roman "Am Seil".

    Julia Schoch

    Mittwoch, 31, Mai 2006

    20.00 Uhr s.t.

    Hörsaal U7/105 (An der Universität 7)

     

    Rainer Merkel: "Das Gefühl am Morgen "

    Dienstag, 9. Mai 2006, 20.00 Uhr, Villa Concordia

    im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Die Literaturlandschaften Bayerns“

    „Seine Prosa ist eine spröde Schöne“ (Der Tagesspiegel), war in einer von vielen guten Kritiken zu Rainer Merkels zuletzt erschienenem Buch Das Gefühl am Morgen (2005) zu lesen. Mit großer sprachlicher Dichte und sensibler Beobachtungsgabe entwirft der Roman die diffuse Welt von Lukas, der in den späten 1980er Jahren, als die Mauer noch steht und der Reaktor von Tschernobyl explodiert, in West-Berlin Laura liebt, nach einer glücklichen Sexualität sucht und endlich erwachsen werden will. Im Weg steht ihm dabei vor allem sein narzisstischer Vater – Sexualtherapeut und zwanghaft liberaler 68er. Die Mutter lebt in den USA ein Aussteigerleben. – Lukas ist ein kaputtes Kind der 68er-Generation: beziehungsunfähig, kalt, das Übergängige und Diffuse seines Lebens leid. Wenn Rainer Merkel, der Stipendiat im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia war, im Mai 2006 auf Einladung des Künstlerhauses und des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literaturwissenschaft der Otto-Friedrich-Universität Bamberg für eine Lesung im Rahmen der „Literaturlandschaften Bayerns“ in die Villa Concordia zurückkehrt, wird er Lukas und sein Leben vorstellen.

    Egon Schwarz: "Unfreiwillige Wanderjahre"

    Egon Schwarz
    liest aus seiner Autobiographie
    „Unfreiwillige Wanderjahre“
    Mittwoch, 23. November 2005, 20.00 Uhr
    im Hörsaal U5/024 (An der Universität 5)

    Egon Schwarz, heute einer der renommiertesten Germanisten der USA, wurde 1938 als Sechzehnjähriger von den Nazis aus Österreich vertrieben. Jahrelang reiste er durch die Welt, sich mit Nebenjobs über Wasser haltend, bis er sich seinen Lebenswunsch erfüllen und studieren konnte.
    Seine Biographie ist dieses Jahr als Taschenbuch im Beck Verlag mit einem Nachwort von Uwe Timm erschienen.

    Ingo Schulze: "Neue Leben"

    15. November 2005
    Lesung von Ingo Schulze aus seinem Roman “Neue Leben”
    in der Reihe “Literatur in der Universität”
    Zeit und Ort: 20 Uhr, U7/105

    Norbert Gstrein

    12. Juli 2005
    Autorenlesung von Norbert Gstrein

    Gstreins literarisches Debüt „Einer“ erregte mit einem Schlag Aufsehen um den österreichischen Autor und wurde in der Presse als vielversprechend gelobt. Schon diese Erzählung weist für Gstreins erzählerisches Werk charakteristische Aspekte in Stoff und Sprache auf. Ein Einzelner wird hier in den eng gezogenen Grenzen einer Gemeinschaft zum Isolierten, zum Außenseiter; gleichzeitig wird die Frage behandelt, wie sich Identität erst aus den Mechanismen der (Nicht)Dazugehörigkeit definiert und aus diesem Grund als ein anzweifelbares Konstrukt betrachtet werden muss.
    Als 2003 der Roman „Das Handwerk des Tötens“ erschien, wurde der Vorwurf gegenüber Norbert Gstrein erhoben, er habe sich unzuverlässigerweise des Lebens Gabriel Grüners bemächtigt. Nicht nur die dem Buch vorangestellte Widmung „Zur Erinnerung an Gabriel Grüner (1963-1999), über dessen Leben und Tod ich zu wenig weiß, als dass ich davon erzählen könnte“, ließ zahlreiche Rezensenten auf einen Schlüsselroman schließen. Der Roman erzählt zudem die Geschichte eines – so wie Grüner – im Kosovo getöteten Journalisten. Gstrein möchte sein Buch jedoch nicht als reale Biographie gelesen sehen: „Einerseits lag das Thema vor der Tür, andererseits gab es einen Auslöser, den ich erwähne und dann gleich wieder beschweige, damit das Buch nicht als Schlüsseltext gelesen wird,“ betont er. Auf die darauffolgende Debatte und  Anschuldigungen antwortete Gstrein mit dem Essay „Wem gehört eine Geschichte?“. Diese Frage führt ihn weiter zu der Überlegung, in welcher Form das Schreiben über Krieg heute überhaupt noch möglich ist.

    Sibylle Lewitscharoff: "Totengespräche"

    24. Mai 2005
    Sibylle Lewitscharoff liest aus "Totengespräche"

    "Schnee. Eine ganze Stadt erstickt in Sauberkeit. Die Autos ersticken, der Lärm erstickt. Mitunter ein Keilriemen, der quietscht. Eisblumen am Fenster. Hauben auf den Simsen. Schnee füllt gnädig alle Löcher. Die Vorstadt verschwindet unter einem Sargtuch. Gott wandert über die schneebedeckten Dächer. Gott hat mich lieb, dachte ich als Kind, sobald die ersten Flocken fielen. Er deckte meine Wimpern mit zarten Kristallen und versprach, mich in unberührten Schnee zu stoßen, wenn meine Zeit gekommen wäre."

    Thomas Meinecke: "Musik"

    Lesung: Thomas Meinecke liest aus seinem Buch "Musik"

    Veranstalter: Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft zusammen mit dem Lehrstuhl für Britische Kultur

    9. Dezember 2004, 20:00 Uhr, neuer Hörsaal in der U7

    Christof Hamann: "Seegfrörne" und "Fester"

    Christof Hamann liest aus seinen Romanen
    „Seegfrörne“ und „Fester“
    am Freitag, 14. Mai 2004, 20.00 Uhr
    im Hörsaal U5/024 (An der Universität 5).

    Bislang hat Hamann – neben verschiedenen Kurztexten und wissenschaftlichen Publikationen – zwei Romane veröffentlicht: Seegfrörne (2001) und Fester (2003). Besonders das „gelungene Debüt“ – so Tilman Spreckelsen am 04.12.2001 in der FAZ – fand in den Feuilletons Beachtung: Seegfrörne sei, so urteilt beispielsweise die Süddeutsche am 26. 11. 2001, „ein eisglattes, nach allen Regeln der Literaturwerkstatt kunstreich konstruiertes Prosastück“.

    Matthias Politycki

    Matthias Politycki liest Prosa und Gedichte
    Dienstag, 13. Januar 2004, 20.00 Uhr im Hörsaal U5/024 (An der Universität 5)

    Über Matthias Polityckis jüngsten Gedichtband Ratschlag zum Verzehr der Seidenraupe (2003) schreibt Peter Rühmkorff: „Bin von einem Entzücken ins andere geraten und habe mich durch allerhand Tiefsinn hindurchgelacht.“

     

    Ralf Rothmann: "Junges Licht"

    Lesung: Ralf Rothmann liest aus seinem Buch "Junges Licht"

    in der Reihe “Literatur in der Universität”

    Veranstalter: Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft
    26. November, 20:00 Uhr, neuer Hörssal in der U7

    Klaus Böldl: "Die fernen Inseln"

    Lesung: Klaus Böldl liest aus seinem Buch "Die fernen Inseln"

    in der Reihe "Literatur in der Universität"

    Veranstalter: Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft

    3. November, 20:00 Uhr, U5/024 – Hörsaal, An der Universität 5