Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Lehrstuhl für Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Die Bamberger Poetikprofessur

Seit 1986 kommen auf Einladung des Lehrstuhls für Neuere deutsche Literaturwissenschaft alljährlich namhafte Autorinnen und Autoren an die Otto-Friedrich-Universität, um dort im Rahmen der Bamberger Poetikprofessur vier öffentliche Vorlesungen zu halten und in Seminaren mit Studierenden zu diskutieren.

Im Kontext der Poetik-Professur finden seit 2005 Forschungskolloquien statt, bei denen sich Literaturwissenschaftler, Literaturkritiker, Übersetzer und Literaturvermittler mit dem Werk der jeweiligen PoetikprofessorInnen in Einzelvorträgen und anschließenden Diskussionen auseinandersetzen.

Die Beiträge der Forschungskolloquien werden in der von Prof. Dr. Friedhelm Marx herausgegebenen Reihe Poiesis. Standpunkte zur Gegenwartsliteratur im Wallstein-Verlag, Göttingen, publiziert. Der erste Band der Reihe erschien im Frühjahr 2007 unter dem Titel Erinnern, Vergessen, Erzählen. Beiträge zum Werk Uwe Timms.

Der Poetikprofessor 2016: Clemens J. Setz

Über den Poetikprofessor

Der 1982 in Graz geborene Autor, den Iris Radisch in der ZEIT »die jüngste Hoffnung der deutschen Gegenwartsliteratur« nennt, setzt sich auf eine ganz eigene Weise mit der gesteigerten Informationsvielfalt in der virtuellen Welt auseinander. Mensch-Maschine-Inferenzen, neurophysiologische Prozesse an Stelle einer traditionellen Psychologie, dies und mehr kennzeichnet die überaus präzise Wahrnehmung seiner Texte.

Clemens J. Setz hat schon als ganz junger Autor auf sich aufmerksam gemacht. 2007 veröffentlichte er seinen Debütroman Söhne und Planeten. Seitdem folgten die Romane Die Frequenzen (2009) und Indigo (2012), die beide auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises standen, zudem der Erzählband Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes, für den er 2011 den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt. Weitere Veröffentlichungen umfassen den Gedichtband Die Vogelstraußtrompete (2014), die als Nacherzählungen deklarierte Textsammlung Glücklich wie Blei im Getreide (2015), sowie zahlreiche Artikel für die Wochenzeitung DIE ZEIT, die Süddeutsche Zeitung und das Literaturmagazin Volltext. 2015 gewann er mit dem viel beachteten Roman Die Stunde zwischen Frau und Gitarre den Wilhelm-Raabe-Preis.

Den Unsicherheiten einer immer unüberschaubarer werdenden und kaum mehr zu erfassenden Informationsvielfalt der virtuellen Welt begegnet Setz mit postmodernen Schreibverfahren, bei der zuvorderst die Menschen und Dinge untersucht und beschrieben werden: »Es gibt mehr Dinge zwischen Mensch und Mensch als zwischen Himmel und Hölle« (Die Stunde zwischen Frau und Gitarre).

Veranstaltungen der Poetikprofessur

Die Poetikprofessur wird in diesem Jahr von Prof. Dr. Iris Hermann (Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft) organisiert.

Unter dem Titel »Jugend und Langlebigkeit von Literatur bzw. von Computerspielen« wird Clemens Setz in vier Abendvorträgen über seine Texte sprechen. An den genannten Tagen wird er zudem das parallel stattfindende Hauptseminar von Prof. Dr. Iris Hermann besuchen und sich den Fragen der Studierenden stellen:

  • Donnerstag, 16. Juni 2016
  • Donnerstag, 23. Juni 2016
  • Donnerstag, 07. Juli 2016
  • Donnerstag, 14. Juli 2016

Zeit: jeweils 20.00 Uhr s.t.
Ort: An der Universität 7 (U7/01.05)

Die Vorlesungsreihe endet mit einem Kolloquium: Journalistinnen und Journalisten, Literaturwissenschaftlerinnen und Literaturwissenschaftler sowie der Autor selbst diskutieren am 15. und 16. Juli 2016 im Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia über das Werk von Clemens Setz. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei.

  • Freitag, 15. Juli 2016, 9.00–19.30 Uhr
  • Samstag, 16. Juli 2016, 9.00–13.00 Uhr

Die Bamberger Poetik-Professur ist seit 1986 ein Ort der Begegnung von Literatur und Wissenschaft. Zu den Poetikprofessorinnen und -professoren der letzten Jahrzehnte gehören u.a. Tankred Dorst, Marcel Beyer, Doris Runge, Adolf Muschg, Uwe Timm, Ulrike Draesner, John von Düffel, Wilhelm Genazino, Robert Schindel, Annette Pehnt, Thomas Glavinic, Jenny Erpenbeck, Peter Stamm und Lukas Bärfuss.