Poetikprofessur 2014: Peter Stamm

Die Otto-Friedrich-Universität Bamberg vergibt die Poetikprofessur im Sommersemester 2014 an den Schweizer Autor Peter Stamm.

Seit 1986 lädt die Universität Bamberg in jedem Sommersemester einen Gegenwartsautor ein, der in vier öffentlichen Abendvorträgen einen Einblick in sein Schreiben gewährt, seine Poetik erklärt und in Seminarsitzungen mit Studierenden über das bisherige Werk diskutiert. Mit Peter Stamm konnte diese traditionsreiche Einrichtung der Bamberger Universität ein weiteres Mal einen hochkarätigen Gegenwartsautor gewinnen. Der Schweizer Schriftsteller, dem 1998 mit Agnes sein vielbeachtetes Debüt gelang, veröffentlichte bisher zahlreiche Romane und Erzählungsanthologien, mit denen er besonders auch im Ausland für Aufsehen sorgte. Der Poetikprofessur wird im Juli 2014 eine internationale Fachtagung angeschlossen sein, die es sich in besonderer Weise zur Aufgabe macht, das Werk des Schweizers literaturwissenschaftlich zu untersuchen.
Die Organisation der Poetikprofessur 2014 übernimmt Prof. Dr. Andrea Bartl, Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft.

Termine der Vorträge:

15. Mai 2014: Die Vertreibung aus dem Paradies
22. Mai 2014: Das wiedergewonnene Paradies
12. Juni 2014: Lehr- und Wanderjahre
03. Juli 2014: Work in Progress

Zeit: 20. Uhr s.t.
Ort: An der Universität 2, Hörsaal 00.25

Mit dem Schweizer Autor Peter Stamm übernimmt zweifelsohne eine der prominentesten Stimmen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur die Bamberger Poetikprofessur 2014. Der Schweizer, 1963 im Thurgau geboren, wird von Feuilleton und Leserschaft gleichermaßen als Autor der leisen, subversiven und dennoch dramatischen Töne gefeiert. 1998 debütierte er mit dem Roman Agnes; mittlerweile ist der Text Pflichtlektüre an Gymnasien in Baden-Württemberg und gilt bereits als ,moderner Klassiker'.
Die Aspekte, die Peter Stamm in seinen Romanen, Kurzgeschichten, Hörspielen, Dramen und Kinderbüchern aufgreift, entwerfen ein Psychogramm der Gegenwart: Entwurzelung durch Mobilität und Akzeleration, Vereinsamung und Entfremdung trotz scheinbarer Nähe und Gesellschaft, fehlgeschlagene Kommunikationsversuche und scheiternde Beziehungen sowie Identitätskrisen und Todesangst in Zeiten zunehmender Entsakralisierung sind Kernthemen seines Schreibens. Peter Stamms Protagonistinnen und Protagonisten erzählen Geschichten von stillem Warten, unerfülltem Dulden und ungelebten Lebensentwürfen. Die reduzierte, lakonische Sprache setzt den erzählten Stillstand auch formal um.
Mit diesen Themen, die ein hohes philosophisches Potential aufweisen und eine
soziokulturelle Diagnostik der jetzt-Zeit beinhalten , gelang Peter Stamm längst der internationale Durchbruch : Er wurde für zahlreiche Preise nominiert und erhielt zuletzt 2014 den renommierten und hochdotierten Friedrich-Hölderlin-Preis.

TEXTE (AUSWAHL)

1998 Agnes. Roman
1999 Blitzeis. Erzählungen
2001 Ungefähre Landschaft. Roman
2003 In fremden Gärten . Erzählungen
2004 Der Kuss des Kohaku. Drama [Uraufführung: Deutsches Schauspielhaus]
2005 Treibgut. Hörspiel
2006 An einem Tag wie diesem. Roman
2008 Wir fliegen. Erzählungen
2008 Heidi. Kinderbuch mit Bildern von Hannes Binder
2009 Sieben Jahre. Roman
2011 Seerücken . Erzählungen
2012 Der schweizerische Robinson . Von Johann David Wyss. Nacherzählt von Peter Stamm
2013 Nacht ist der Tag. Roman

AUSZEICHNUNGEN (AUSWAHL)

1998 Ehrengabe des Kantons Zürich
2002 Preis der Schweizerischen Schillerstiftung
2003 Kulturpreis der Stadt Winterthur
2011 Alemannischer Literaturpreis
2012 Bodensee-Literaturpreis
2013 Mainzer Stadtschreiber
2013 Shortlist des Man Booker International Prize
2014 Friedrich-Hölderlin-Preis

Internationales Forschungskolloquium zum Werk Peter Stamms

Das Internationale Forschungskolloquium „Sprechen am Rande des Schweigens“ erschließt (als erste umfängliche Tagung überhaupt!) das bisherige Gesamtwerk des Bamberger Poetikprofessors 2014: Peter Stamm. Der Schweizer Autor zählt zweifellos zu den bedeutendsten Stimmen der Gegenwartsliteratur. Seine Texte, mit denen er Feuilleton und Publikum gleichermaßen fasziniert, entwerfen scharfsichtige Analysen und Psychogramme unserer Jetztzeit. Peter Stamms Werk umfasst Romane, Erzählsammlungen, Theaterstücke, Hörspiele, Kinderbücher – und ist vielfach preisgekrönt, 2014 beispielsweise mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis.

In rund 15 Beiträgen gehen renommierte Literaturwissenschaftler(innen), Theater- und TV-Schaffende, Übersetzer, Autoren und Lektoren aus fünf Nationen Peter Stamms facettenreichen Gegenwartsdiagnosen nach und loten insbesondere den Raum aus, in dem sich Stamms Texte beständig bewegen: die Grenzzone zwischen Sprechen und Schweigen. Sein Schreiben ist geprägt von Lakonie und Sprachkürze, von Leerstellen und Ellipsen. Doch gerade zwischen den Zeilen, im Ungesagten und Unaus- sprechlichen, finden bedeutungsschwere Momente und Wendepunkte für die Hauptfiguren statt. In misslungenen, schweigsamen Kommunikations- situationen drücken sich Einsamkeit und Sinnsuche aus – beides Kernthemen in Peter Stamms Werk wie der Gegenwartsliteratur an sich. Der Autor wird ebenfalls anwesend sein, sich gemeinsamen Diskussionen über seine Texte stellen und zwei aktuelle Projekte präsentieren: eine Dramatisierung von „Agnes“ und den Dokumentarfilm „Fordlandia – unterwegs wohin?“.

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