Dr. Tracy Niepold (TRAc Starter Project)

Forschungsgebiete

  • Archäologische Textilforschung
  • Analyse von Textilien und anderen organischen Materialien aus archäologischem Kontext
  • Konservierungs- und Erhaltungsstrategien stark abgebauter organischer Überreste
  • materielle Kultur des frühen Mittelalters

Den Arbeitsschwerpunkt von Tracy Niepold bildet die archäologische Textilforschung mit besonderem Fokus auf der technologischen und archäometrischen Analyse archäologischer Textilien aus unterschiedlichen Zeitstellungen und Erhaltungskontexten. Durch die interdisziplinäre Verknüpfung restaurierungswissenschaftlicher, materialwissenschaftlicher und archäologischer Arbeits- und Untersuchungsmethoden werden auch stark degradierte organische Überreste als aussagekräftige kulturhistorische Quellen erschlossen. Die gewonnenen Erkenntnisse leisten einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis materieller Kultur, wirtschaftlicher Strukturen und gesellschaftlicher vor- und frühgeschichtlicher Praktiken und erweitern die archäologische Forschung um Informationen, die durch andere Fundgattungen häufig nicht überliefert sind. 

In ihrer Dissertation vertiefte Tracy Niepold diesen Forschungsschwerpunkt und untersuchte die außergewöhnlich gut erhaltenen organischen Fundmaterialien aus einem Männergrab (um 580 n. Chr.) des frühmittelalterlichen Gräberfeldes von Trossingen (Baden-Württemberg). Im Mittelpunkt stehen die Analyse und Rekonstruktion der erhaltenen Textilien, Leder-, Fell- und Pflanzenreste. Mithilfe detaillierter mikroskopischer und archäometrischer Untersuchungen wurden unterschiedliche Bekleidungsstücke, Polsterungen, Kissen und Leichentücher identifiziert und hinsichtlich ihrer Funktion und Bedeutung im Bestattungskontext ausgewertet. Einen weiteren Schwerpunkt der Arbeit bildete die Auswahl geeigneter naturwissenschaftlicher Analyseverfahren für die Untersuchung stark abgebauter organischer Materialien aus archäologischen Kontexten. Vier der identifizierten Gewebe konnten anhand ihrer Herstellungstechniken als Importe aus dem Mittelmeerraum identifiziert werden. Radiokohlenstoffdatierungen belegen, dass diese bereits in der Spätantike gefertigt wurden und als wertvolle Altstücke in die Bestattung gelangten. Die Ergebnisse der Dissertation liefern neue Erkenntnisse zur Bestattungskultur des frühen Mittelalters, Fernkontakten und dem Umgang mit hochwertigen Textilien.

  • 2025: dreimonatige Anstellung als Postdoc am Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (Zukunftsfonds), Otto-Friedrich-Universität Bamberg
  • 2024: Promotion in Restaurierungswissenschaften (Dr. phil.), Otto-Friedrich-Universität Bamberg
  • 2013 bis heute: angestellt als Restauratorin für archäologische Funde aus organischen Materialien beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Schloss Seehof, Bamberg (Teilzeit- bzw. Vollzeitbeschäftigung)
  • 2013: Master of Arts im Studienfach Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgut, Studienrichtung Textilien und archäologische Fasern, Technische Hochschule Köln                  
  • 2011: Bachelor of Arts im Studienfach Restaurierung und Konservierung von Kunst- und Kulturgut, Studienrichtung Textilien und archäologische Fasern, Technische Hochschule Köln

(Auswahl)

NIEPOLD, T. – VOß, H. (Druck in Vorbereitung): Linen, sheep fleece and silk. Excavation, docu-mentation, and investigation of textiles and other organic remains preserved in an early medieval child’s tomb in Mattsies-Tussenhausen (Germany, 700 AD). In: A. Ulanowska et al. (Hrsg.), NESAT XV Proceedings. Warsaw Studies in Archaeology Series (Warschau 2026) Druck in Vorbereitung.

KANIA, K. – NIEPOLD, T. (2025): Rekonstruktionsversuch zur Herstellung von Häutchengoldfä-den. Eine Synergie aus Wissenschaft und Handwerk. In: Conserva. Beiträge zur Erhaltung von Kunst- und Kulturgut, 2/2025, 48–60.
doi.org/10.57908/cons.2025.2.112038

NIEPOLD, T. (2024): Textilien und weitere organische Materialien aus Grab 58 von Trossingen (Lkr. Tuttlingen). Analyse und kulturräumliche Interpretation selten erhaltener Grabaus-stattungselemente einer um 580 n. Chr. datierten Männerbestattung. Dissertationsschrift. Otto-Friedrich-Universität Bamberg 2024.
doi: 10.20378/irb-93534.

NIEPOLD, T. (2023): Letzte Spur: Gold – Ein frühmittelalterliches Goldtextil aus dem „Großen Gräberfeld“ von Regensburg. In: C. Fluck et al. (Hrsg.), Stoffliches. Von Fasern, Fäden und Geweben. Festschrift für Annemarie Stauffer (Oppenheim 2023) 43–47.

NIEPOLD, T. (2023): Organische Reste aus den latènezeitlichen Gräbern von Unterpleichfeld. In: S. Kas, Latène B in Nordbayern. Ein neu entdecktes Flachgräberfeld aus Unterpleichfeld, Lkr. Würzburg, Unterfranken. Beiträge zur Archäologie in Ober- und Unterfranken 12 (Bü-chenbach 2023) 215–230.

NIEPOLD, T. (2023): Research on waterlogged archaeological textiles preserved in the so-called singer’s burial (580 AD) from Trossingen cemetery, Germany. In: S. Lipkin et al. (Eds.), Interdisciplinary Approaches to Research of North and Central European Archaeological Textiles. The Proceedings of the North European Symposium for Archeological Textiles XIV. Monographs of the Archaeological Society of Finland 12 (Oulu 2023) 279–288.

NIEPOLD, T. (2019): Die Textilfunde. In: E. Wintergerst, Die Ausgrabungen unter dem Nieder-münster zu Regensburg 3. Befunde und Funde der nachrömischen Zeit. Auswertung 1–2. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 66 (München 2019) 425–451.

NIEPOLD, T. (2016): Die frühmittelalterlichen Textilien aus St. Ursula in Köln. In: M. Jüsten-Mertens (Hrsg.), Die kostbaren Hüllen der Heiligen. Textile Schätze aus Kölner Reliquien-schreinen: neue Funde und Forschungen. Colonia Romanica 31 (Köln 2016) 53–72.