Ausgrabungen im römischen Vicus von Regensburg-Kumpfmühl: Siedlungsgeschichte und militärisch-zivile Interpendenzen am raetischen Donaulimes

Das Kohortenkastell in Regensburg-Kumpfmühl wurde im Zuge der flavischen Organisation der raetischen Donaugrenze um das Jahr 80 n. Chr. gegründet. Der strategisch günstig gelegene Platz war Teil des ostraetischen Donaulimes mit zeitgleichen Stützpunkten in Eining, Straubing, Künzing, Moos-Burgstall und möglicherweise Passau sowie weiteren Militärstandorten in der benachbarten Provinz Noricum. Im Rahmen des Promotionsvorhabends werden fünf seit 2002 durchgeführte, umfassende archäologische Maßnahmen im Kumpfmühler Stadtgebiet ausgewertet, die sämtlich im Vicusbereich des Kastells liegen.

Der inhaltliche Schwerpunkt der Dissertation wird auf der Klärung der Chronologie des römischen Kumpfmühl, der bevölkerungsgeschichtlichen Entwicklung, der Frage nach der Korrelierung der Bauabfolge im Kastell und Vicus sowie auf der Analyse der Vicusstruktur liegen. Die wechselseitigen Beziehungen zwischen Kastell und Kastellvicus stehen somit im Zentrum des Erkenntnisinteresses. Im Kontext übergeordneter und problemorientierter Forschung ist schließlich der Frage der nachkastellzeitlichen Nutzung des Geländes nachzugehen, insbesondere unter dem Gesichtspunkt, ob und wenn ja, welche Rolle der Vicus im legionslagerzeitlichen Siedlungsgefüge des Regensburger Raumes spielte. Zudem ist im Rahmen der Gesamtinterpretation auch das ländliche Umfeld Kumpfmühls mit einzubeziehen.

Die Quellenüberlieferung in Kumpfmühl stellt für die Untersuchungen dieser Art eine für die Provinz Raetien einmalige Ausgangssituation dar. Mit den Untersuchungen soll ein substantieller Beitrag übergeordneten Fragen der Limesforschung, insbesondere zur Diskussion mitlitärisch-ziviler Interaktion und Interdependenzen, geleistet werden.