Resafa

Resafa in Nordsyrien ist vorwiegend durch seine jüngere Geschichte bekannt: als Begräbnisstätte des Hl. Sergios, welcher hier im frühen 4. Jh. n. Chr. das Martyrium erlitt und dessen Verehrung den Platz von einem bescheidenen römischen Grenzkastell zu einer der großen frühchristlichen Pilgerzentren im oströmischen Reich werden ließ. Resafa ist Grabungs- und Forschungsprojekt des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin, die Grabungsleitung liegt seit 2013 bei Michaela Konrad und erfolgt in Kooperation mit dem Deutschen Archäologischen Institut.

Das wissenschaftliche Vorhaben, mit dem unsere Profesur seit 2013 betraut ist, widmet sich nun übergeordneten Fragestellungen zum Lebensraum Resafas und zu seinen Bewohnern, wobei besonderes Augenmerk auf die Frage nach dem Funktionieren einer "Groß"stadt in einer ariden Zone gelegt wird, ein Platz mit jährlich tausenden von Pilgern als temporäre Gäste. Entsprechend lautet der Titel der bis 2017 laufenden Forschungsphase "Resafa - Ein Zentralort an der Peripherie. Urbane und suburbane Infrastruktur, Ressourcen, Naturraum, Sozialgefüge". Im Zentrum des Forschungsvorhabens soll die Frage stehen, was den "peripheren Zentralort" Resafa auszeichnet und inwiefern hiermit ein Beitrag zur Zentralortforschung unter besonderer Berücksichtigung der Peripherie geleistet werden kann. Die Forschungsinhalte beziehen sich auf die Untersuchung des profanen öffentlichen Raumes intra muros, Einrichtungen, welche - unter Berücksichtigung naturräumlicher Faktoren - auf Ressourcennutzung und Ökonomie des Platzes schließen lassen sowie auf den Platz als Anlaufstelle mit multiplen Funktionen. Hierbei ist der Bedeutung Resafas als Pilgerstätte und sakraler Zentralort und zugleich urbanes Zentrum an der Ostgrenze des römischen Reiches gleichermaßen Rechnung zu tragen. Besondere Berücksichtigung haben Aspekte des Wandels zu erfahren, insbesondere am Übergang von der spätrömischen in die frühislamische Zeit, verbunden mit der Frage, in welcher Hinsicht sich die zentralörtliche Funktion des Platzes gewandelt hat und wie sich dies auf die aus römischer Zeit tradierten urbanen und suburbanen Strukturen auswirkte. Der Bürgerkrieg in Syrien macht feldarchäologische Untersuchungen zu diesem Thema derzeit allerdings unmöglich.

Zusammen mit Prof. Dr. Dorothée Sack, Technische Universität Berlin, Fachgebiet Historische Bauforschungwird an der Professur für Archäologie der Römischen Provinzen ferner an einer zusammenfassenden, diachron angelegten Interpretation des Fundplatzes gearbeitet. Zudem laufen an beiden Instituten Archivarbeiten der bis 1956 zurückreichenden Dokumentation.

Mitarbeiter des Bamberger Projekts

Fabien Griessel

Johanna Grasser

Dr. Caroline Huguenot

Christoph Konrad, M.A.

Peter Plickert, M.A.

Matthias Stockinger

Kooperationspartner des Bamberger Projekts

Archäologische Staatssammlung München

TU Berlin, Fachgebiet Historische Bauforschung

TU Berlin, Institut für Anorganische Chemie (Prof. Dr. G. Schneider)