Schriften der Matthias-Kramer-Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte des Fremdsprachenerwerbs und der Mehrsprachigkeit

Profil der Reihe

Die 2013 gegründete „Matthias-Karner-Gesellschaft zur Erforschung der Ge­ schichte des Fremdsprachenerwerbs und der Mehrsprachigkeit" fördert die wissen­schaftliche Forschung und Wissensvermittlung auf dem Gebiet der Geschichtswis­senschaft und der Sprachforschung, namentlich auf dem Gebiet der Geschichte des Erwerbs und des Unterrichts von Fremdsprachen, der Mehrsprachigkeit und der Kontakte von Sprachen und Kulturen. Als wissenschaftliche Fachgesellschaft koordiniert und fördert sie Forschungen zur Geschichte des Erwerbs, des Unterrichtens und der praktischen Verwendung von Fremdsprachen in den deutschsprachigen Ländern und in ihren Nachbarländern. Ihre Schriftenreihe dokumentiert die Tätigkeit der Gesellschaft durch die Veröffentlichung von Tagungsbänden und thematisch einschlägigen Monographien.

Herausgegeben von: Helmut Glück, Mark Häberlein, Claudie Paye und Konrad Schröder

Schriftenreihe auf dem OPUS-Hochschulschriftenserver

Bisher erschienene Bände

Die Sprache des Nachbarn : Die Fremdsprache Deutsch bei Italienern und Ladinern vom Mittelalter bis 1918 / hrsg. von Helmut Glück

Bamberg: Univ. of Bamberg Press, 2018
(Schriften der Matthias-Kramer-Gesellschaft ; 2)
978-3-86309-581-9

Preis: 21,00 €

Italien ist der letzte große Nachbarsprachraum der deutschsprachigen Länder, für den die Geschichte des Erwerbs und der Fremdsprache Deutsch erst lückenhaft erforscht ist. Für Frankreich, Großbritannien, Dänemark, die baltischen Länder, Russland, Polen und die historischen Königreiche Böhmen und Ungarn liegen Bibliographien oder monographische Überblicks¬darstellungen vor. Dieser Band versucht, eine Forschungslücke zu verkleinern. Er beruht auf Vorträgen, die bei der Tagung „Die Sprache des Nachbarn“ im Mai 2016 in der Villa Vigoni am Comer See gehalten wurden. Es geht darin um den (teilweise gesteuerten) Erwerb der Fremdsprache Deutsch in Italien und den (meist ungesteuerten) Erwerb des Deutschen durch italienische Einwanderer in den deutschen Sprachraum vom Mittelalter bis ins frühe 20. Jahrhundert, weiterhin um grammatische und didaktische Versuche, Italienern ihre nördliche Nachbarsprache zu vermitteln, und schließlich um deren Urteile über diese Sprache und die darauf beruhende Literatur und Kultur. Die Beiträge befassen sich mit den frühesten Zeugnissen des Deutschlernens in Italien in der Tradition des solenissimo vocabuolista und der mehrsprachigen Wörterbücher der Humanisten und der Barockzeit, mit den Lehrbüchern des Praktikers Matthias Chirchmair und des Philologen Matthias Kramer aus dem 17. Jahrhundert, mit den Sprach- und Kulturkontakten im 18. Jahrhundert, mit „La Germania dotta“ und der Wissenschaftssprache Deutsch im 19. Jahrhundert und schließlich mit der Schulsprache Deutsch in den italienischsprachigen Gebieten des Habsburgerreiches und im vereinten Italien bis 1918.

Zugriff auf den Volltext über OPUS:
Online-Veröffentlichung im März 2019

 

 

Sprachmeister : Sozial- und Kulturgeschichte eines prekären Berufsstands / hrsg. von Mark Häberlein

Bamberg: Univ. of Bamberg Press, 2015
(Schriften der Matthias-Kramer-Gesellschaft zur Erforschung der Geschichte des Fremdsprachenerwerbs und der Mehrsprachigkeit ; 1)
978-3-86309-358-7

Preis: 18,00 €

Vor der Institutionalisierung des fremdsprachlichen Unterrichts an öffentlichen Schulen im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert waren die Rechtsstellung und die materiellen Lebensumstände von Fremdsprachenlehrern oft prekär. Obwohl in den höheren gesellschaftlichen Ständen – im Adel, dem Patriziat, der Kaufmannschaft, dem Offiziersstand und der höheren Beamtenschaft – eine starke Nachfrage nach Kenntnissen lebender Fremdsprachen bestand, fehlten der Vermittlung dieser Kenntnisse zentrale Merkmale eines ehrbaren Gewerbes. Es gab keine geregelte Ausbildung, keine verbindlichen Eintrittsqualifikationen in den Berufsstand und nur vereinzelte korporative Zusammenschlüsse. Entsprechend vielfältig war die Gruppe der Lehrenden: Sie umfasste Glaubensflüchtlinge, abgedankte Soldaten, ehemalige Kleriker, verarmte Adelige, arbeitslose Mediziner und Juristen sowie Handwerker, die sich auf der Wanderschaft Sprachkenntnisse angeeignet hatten. Viele Sprachmeisterkarrieren sind durch hohe geographische Mobilität und biographische Brüche – Glaubenswechsel, Flucht und Vertreibung, berufliche Sackgassen, Delinquenz, Verschuldung, gescheiterte Ehen – geprägt; nur einer Minderheit gelang die dauerhafte Integration in den städtischen Bürgerverband. Auf der anderen Seite boten Fürstenhöfe und Universitäten Sprachmeistern neue Karrierechancen. Zumindest einigen dieser im höfischen und akademischen Milieu tätigen Fremdsprachenlehrer sowie einzelnen besonders beliebten und angesehenen Sprachmeistern in großen Städten gelang es, den prekären Lebensumständen zu entkommen, in welchen die meisten ihrer Kollegen und Kolleginnen stecken blieben. Der vorliegende Sammelband untersucht die Sozial- und Kulturgeschichte dieses heterogenen Berufsstandes in mehreren europäischen Ländern (Frankreich, Deutschland, Polen, Ungarn, Lettland) und geht auch auf die Lehrtätigkeit von Frauen und Angehörigen religiöser Minderheiten in der Frühen Neuzeit ein.

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http://opus4.kobv.de/opus4-bamberg/frontdoor/index/index/docId/44422