Service-Einrichtungen

University of Bamberg Press

Bamberger Geographische Schriften

Profil der Reihe

Fortsetzung der Institutsreihe „Bamberger Geographische Schriften“ (bisher erschienene Bände : 25); inhaltlich werden verschiedene kultur- und physisch-geographische Themen behandelt, welche am Institut für Geographie oder unter dessen Beteiligung erarbeitet wurden.

Herausgegeben vom Institut für Geographie ; Andreas Dix, Daniel Göler, Marc Redepenning, Gerhard Schellmann ; Schriftleitung : Astrid Jahreiß

Schriftenreihe auf dem OPUS-Hochschulschriftenserver

Bisher erschienene Bände

Räumliche Differenzierung und lokale Entwicklung : Divergente Transformationspfade am Beispiel serbischer Kommunen / Andreas Winkler

Bamberg: Univ. of Bamberg Press, 2015
(Bamberger Geographische Schriften ; 28)
978-3-86309-318-1

Preis: 23,50 €

Die Länder Südosteuropas sind von enormen regionalen Ungleichheiten geprägt. Diese sozioökonomischen Polarisierungen können sowohl auf globale Zusammenhänge und eine sich weiter ausdifferenzierende Wirtschaft als auch auf langanhaltende Folgen der jeweiligen postsozialistischen Transformationen zurückgeführt werden. Besonders zu bewerten sind jene Prozesse in Serbien. Hier bestanden zum einen durch den jugoslawischen „Marktsozialismus“ gute Ausgangsvoraussetzungen für Reformen; zum anderen wurde das Land durch die ein Jahrzehnt andauernde Isolation und Desintegration wirtschaftlich und gesellschaftlich weit zurückgeworfen. Die Diskrepanz zwischen einer unterbrochenen bzw. verzögerten Transformation einerseits und den Erfordernissen globaler Integration andererseits spiegelt sich in den räumlichen Disparitäten des krisengebeutelten Landes wider. Detaillierte Analysen zu einzelnen Gemeinden offenbaren dabei einen belastbaren Blick auf die gesamte Bandbreite divergenter Entwicklungspfade innerhalb dieses Kontextes. Insbesondere auf der lokalen Ebene lassen sich die strukturellen und institutionellen Ursachen der räumlichen Ausdifferenzierung und damit des Niedergangs der einen oder des Aufschwungs der anderen Kommune unmittelbar identifizieren. Weit zurückreichende Pfadabhängigkeiten sowie eine Folge von Reorganisationen und Rekombinationen können lokale Investitionsmöglichkeiten schaffen oder verhindern, während verfestigte industrielle Strukturen oft zu lokalen Krisen führen, jedoch auch alternative Formen des lokalen Wirtschaftens hervorbringen können.

Zugriff auf den Volltext über OPUS:
http://opus4.kobv.de/opus4-bamberg/frontdoor/index/index/docId/26379

 

 

Welterbestädte Südosteuropas im Spannungsfeld von Cultural Governance und lokaler Zivilgesellschaft : Untersucht am Beispiel Gjirokastra (Albanien) / Matthias Bickert

Bamberg: Univ. of Bamberg Press, 2015
(Bamberger Geographische Schriften ; 27)
978-3-86309-300-6

Preis: 21,00 €

Die Liste des UNESCO-Welterbes ist zweifellos eine globale Erfolgsgeschichte. Sie hat die Themen des Kultur- und Naturerbeschutzes von einem sukzessive angestaubten Image der Denkmalpflege in ein allgemein positiv rezipiertes Bild übertragen. Hinter dieser Außenwahrnehmung hat die intrinsische Organisation des Welterberegimes jedoch mit Problemen zu kämpfen, die sowohl innerhalb der lokal-nationalen Ebene des Mehrebenensystems als auch zwischen den global-national-lokalen Skalen des Welterberegimes bestehen. Mit Hilfe modernisierungstheoretischer Überlegungen lassen sich dabei die großräumigen Prozesse einer fortschreitenden Entwicklung im südosteuropäischen Rahmen einordnen, die dann auf kleinmaßstäblicher Ebene am Beispiel von Albanien beziehungsweise von Gjirokastra betrachtet werden. Die Mehrebenen-Governanztheorie eignet sich dazu, das Welterberegime auf globaler, nationaler und lokaler Ebene erfassen zu können. Die Funktionsdefizite des Welterberegimes stehen in Verbindung mit gesellschaftlichen Herausforderungen, wie den Ansprüchen und Handlungen der lokalen Zivilgesellschaft. Diese Umstände können daher nicht in einem global gültigen Umfeld geltend gemacht, sondern müssen im Zusammenhang mit regionalen Besonderheiten gesehen werden. Im Falle Südosteuropas sind dies besondere Merkmale einer phasenhaften postsozialistischen Systemtransformation, welche eine effizientere Umsetzung der Welterbeidee verhindert haben. Daraus ergibt sich die Frage, welche spezifischen Prozesse innerhalb der Kulturgovernanz und der lokalen Zivilgesellschaft den Welterbeschutz beeinträchtigen und wie deren Wirkungszusammenhänge sind. Nur wenn diese Problemfelder bekannt sind, können entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, die im komplexen Räderwerk des Welterberegimes an den richtigen Stellschrauben ansetzen. Es hat sich dabei herausgestellt, dass der Übertrag allgemeiner und standardisierter Konzepte der Welterbegovernanz bisher ohne regionale Anpassungen an den südosteuropäischen Transformationskontext nur wenig Wirkung zeigt. Einzelne Akteure sind im Kontext institutioneller Machtstrukturen aufgrund ihrer Herrschafts- und Handlungskulturen, vor allem – aber nicht nur – auf den national-lokalen Ebenen des Welterberegimes, für die Prozesse vor Ort ausschlaggebend. Die vorherrschenden Formen der Elitenkonstellation sowie der politischen Streitkultur sind häufig defektiv und führen zu Spannungen zwischen der Kulturgovernanz und der lokalen Zivilgesellschaft sowie innerhalb der Kulturgovernanz. Mit dem Beginn der Transformation entstand vor allem im Bereich der Kontrollfunktion eine allgemeine Schwäche staatlicher Institutionen. Dies zeigt sich besonders auf finanzieller Ebene, wie etwa bei einer fehlenden Bereitstellung staatlicher Zuwendungen. In Bezug auf die Kulturgovernanz führt dies im postsozialistisch-südosteuropäischen Kontext zu einer doppelten Absenz denkmalpflegerischer Praxis. Dennoch entstand mit dem Beginn der Transformation eine Vielzahl neuer staatlicher Einrichtungen auf nationaler und lokaler Ebene. Dadurch entwickelte sich im Bereich der Kulturgovernanz aufgrund redundanter und sich blockierender Zuständigkeiten ein Institutionsstau. Die Funktionalität dieser Institutionen wurde zusätzlich durch Elitenkämpfe, Korruption und Nepotismus geschwächt. Gleichzeitig bestehen deutliche Bruchstrukturen zwischen den staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren der Kulturgovernanz. Im Rahmen des spezifischen Transformationsfortschritts bleiben auch Organisation und Interessenvertretung der lokalen Zivilgesellschaft innerhalb des Welterberegimes niedrig, während räumliche Mobilität und Modernisierungsanspruch der postsozialistischen Zivilgesellschaft umso höher sind. Die Undurchsichtigkeit der institutionellen Organisation der Kulturgovernanz und ihre medial geführten Dispute bestärken wiederum die Zivilgesellschaft in ihrer Passivität und dem „öffentlichen Misstrauen“. Es folgte der Rückzug in private Strukturen. Der gleichzeitige Wegfall der Kombination aus finanzieller Hilfestellung und Zwang leitete angesichts des aufgestauten Modernisierungsdrucks im Wohnbestand eine explosionsartige, privat gesteuerte Anpassung der gebauten Infrastruktur an aktuellere Lebenswelten ein. Der dem Staat so wichtige Denkmalbestand spielt bis heute in den Köpfen der Individuen dabei keine oder nur eine vernachlässigbare Rolle. Beides drückt sich in einer rasanten und tiefgreifenden Transformation der gebauten Umwelt aus, ohne dass größtenteils auf juristische Rahmenbedingungen Rücksicht genommen wird. Darüber hinaus bestehen aufgrund von Privatisierung und bisweilen ungeklärten Eigentumsverhältnissen weitere problembehaftete Besonderheiten der postsozialistischen Transformation. Gerade diese Umstände bleiben der globalen Ebene des Welterberegimes aber weitestgehend fremd. Es muss daher zukünftig damit gerechnet werden, dass die global gültigen Umsetzungsstrategien und Einschreibekriterien der UNESCO in Südosteuropa anhand regionaler und lokaler Besonderheiten zu scheitern drohen.

Zugriff auf den Volltext über OPUS:
http://opus4.kobv.de/opus4-bamberg/frontdoor/index/index/docId/25932

 

 

Warum immer Tourismus? Isomorphe Strategien in der Regionalentwicklung / Holger Lehmeier

Bamberg: Univ. of Bamberg Press, 2015
(Bamberger Geographische Schriften ; 26)
978-3-86309-306-8

Preis: 21,50 €

Tourismus gilt als große Hoffnung für strukturschwache Regionen und ist daher in vielen Fällen ein wichtiger Teil von Strategien zu ihrer Entwicklung. Auch und insbesondere in projektbasierten Initiativen zur endogenen Regionalentwicklung, die ihre Entwicklungsstrategien unter Einbeziehung verschiedener Akteure aus der Region erstellen, nehmen touristische Projekte eine Schlüsselposition ein. Am Beispiel regionaler Entwicklungsstrategien in insgesamt 84 Regionen in Bayern, die über die Programme Regionalmanagement und LEADER gefördert wurden, hinterfragt die vorliegende Studie die Gründe für das starke Gewicht des Themas Tourismus in der endogenen Regionalentwicklung. Dazu findet der Ansatz der institutionellen Isomorphie nach DIMAGGIO und POWELL (1983) Anwendung und wird auf die Kongruenz der vielen regionalen Entwicklungsstrategien und die nahezu überall feststellbare Beliebtheit touristischer Projekte übertragen. Mithilfe qualitativ-empirischer Methodik, die unter anderen 24 intensive, leitfadengestütze Interviews beinhaltet, konnten insgesamt vier übergeordnete Dimensionen isomorpher Strategieentwicklungen herausgearbeitet werden. Erstens ist die bedeutende Funktion spezialisierter und professionell agierender Akteure sowohl bei der Erstellung von Entwicklungs- und Handlungskonzepten als auch in der operativen Umsetzung regionaler Entwicklungsprozesse zu beachten. Durch ähnliche Ausbildungshintergründe, formelle wie auch informelle Vernetzung und kontinuierlichen Informationsaustausch entsteht ein diffuses Informationsrauschen (‚Buzz‘) und schließlich eine durch gemeinsame Werte und Einschätzungen geprägte ‚Community of Practice‘. Zu den darin geteilten Normen gehört die Überzeugung, dass Tourismus ein sinnvolles und geeignetes Themenfeld in der Regionalentwicklung ist. Zweitens hängt die Wahl touristischer Themen von äußeren Einflüssen ab. Übergeordnete Instanzen, wie die Förderprogramme selbst und die mit Mittelausschüttung und Erfolgskontrolle befassten Ministerien, greifen zwar nicht in direkter Form in die Entscheidungsprozesse ein. In indirekter Form führen aber im Feld präsente und von außen überwachte Normen guter Regionalentwicklung (Querschnittsorientierung, Vernetzungsgedanke) zur verstärkten Aufnahme touristischer Projekte. Schwierigkeiten, stark querschnittsbezogene und wenig auf Wettbewerb ausgerichtete Tourismusprojekte durch alternative Programmen zu finanzieren, tragen ebenfalls indirekt zu einer Häufung derartiger Projekte in LEADER und Regionalmanagement bei. Drittens können (entscheidungs-)mächtige Akteure innerhalb der Regionen, insbesondere Regionalpolitiker, Einfluss auf die Strategiewahl ausüben. Tourismusprojekte gelten bei vielen dieser Akteure als besonders unterstützenswert, da sie mit positiven Emotionen verbunden sind und rasche Erfolge erwartet werden. Viele der operativ tätigen Akteure im Feld schätzen das Themenfeld im Gegensatz hierzu als schwer erfolgreich zu bearbeiten ein. Dennoch nutzen sie bisweilen die allgemeine Beliebtheit des Labels Tourismus, um mehrfach zuordenbare Maßnahmen gezielt als Tourismusprojekte auszuweisen und so die Bereitschaft zu deren Finanzierung zu erhöhen. Viertens führt das als kaum hinterfragbare Norm wirkende Best-Practice-Prinzip zu mimetischem Verhalten. Aufgrund arbeitsökonomischer Überlegungen darf (und soll) es zur Übernahme erfolgreicher Ideen aus anderen Regionen kommen. Wettbewerbe und Best-Practice-Kataloge sorgen für die Verbreitung nachahmenswerter Projekte. Tourismusprojekte machen einen auffallend großen Teil der hierbei kommunizierten Beispiele aus, wodurch ihr Charakter als überall anzutreffender und selbstverständlicher Bestandteil regionaler Entwicklung bestätigt und vertieft wird. Über alle vier Dimensionen hinweg zeigt sich, dass die große Popularität des Themas Tourismus mit einer Reihe subjektiver Einschätzungen zusammenhängt. Diese Faktoren sind für die Entscheidungspraktiken in der Regionalentwicklung mindestens ebenso wichtig wie tat-sächlich messbare Auswirkungen touristischer Strukturen und Aktivitäten. Denn oft wird aus Gründen der inneren Überzeugung auf Tourismus gesetzt, aus emotionaler Verbundenheit, aus strategischem Kalkül oder schlicht weil bestimmte Tourismusprojekte für die entscheidenden Akteure ein selbstverständlicher und nicht weiter zu hinterfragender Teil guter Regionalentwicklung sind.

Zugriff auf den Volltext über OPUS:
http://opus4.kobv.de/opus4-bamberg/frontdoor/index/index/docId/6654