Institut für Archäologie, Denkmalkunde und Kunstgeschichte

Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie

Landschafts- und Siedlungsgeschichte der Nördlichen Frankenalb während der Bronze- und Eisenzeit

Die Täler und Hochflächen der Nördlichen Frankenalb müssen zur Bronze- und Eisenzeit (Ende des 3. bis Ende des 1. Jts. v. Chr.) dicht besiedelt gewesen sein. Dies bezeugen nicht nur zahlreiche Grabanlagen aus diesen Perioden, sondern auch prominente befestigte Höhensiedlungen mit Zentrumsfunktion wie z.B. der Staffelberg. Daneben konnten in den letzten Jahren mehrere Ritualorte an topographisch herausgehobenen Lagen ('naturheilige' Orte) dokumentiert werden (z.B. Hohler Stein bei Schwabthal, Rothensteine bei Stübig), die von lokalen Siedlungsplätzen aus genutzt worden sein müssen. Diese ländlichen Siedlungen, die das Rückgrat der damaligen Siedlungsstruktur gebildet haben, sind aber bisher nicht oder nur durch Lesefunde bekannt. Dass sie existierten, zeigen jüngste Grabungen an einem Siedlungsplatz bei Kaspauer (Weismain, Lkr. Lichtenfels), wo auf einer lediglich 900 m² großen Fläche mittel- und jungstein- sowie bronzezeitliche Siedlungsphasen nachgewiesen werden konnten. Darüber hinaus gibt es jedoch bis heute kaum Erkenntnisse zur Lebens- und Wirtschaftweise der metallzeitlichen Albsiedler. Ebenso wenig liegen Studien zur Entwicklung von Vegetation und Landnutzung vor. Somit fehlen aus der Nördlichen Frankenalb ähnlich wie aus anderen Mittelgebirgsregionen bisher grundlegende Daten für ein Verständnis von kultur- und landschaftsgeschichtlichen Prozessen in der Bronze- und Eisenzeit – also in Perioden, die in ganz Mitteleuropa von einer großen kulturellen und sozialen Dynamik geprägt waren.

Die integrierte Prospektionsmethodik wurde im Zuge von vorbereitenden Feldarbeiten für das geplante Projekt bereits getestet. Dabei konnten anhand der oben genannten Geländeparameter in der weiteren Umgebung des bekannten Siedlungsplatzes bei Kaspauer potenzielle Plätze identifiziert werden, an denen anschließende Feldbegehungen, Magnetikmessungen und Bohrstocksondagen tatsächlich Hinweise auf prähistorische Siedlungstätigkeit ergaben. Anhand von Bodencatenen konnten Kolluvien mit mikro- und makroskopischen Holzkohlefragmenten aus ehemaligem Eichenbewuchs bestimmt werden, deren Datierung mittels Radiokarbonmethode (14C) eine Einordnung vornehmlich in die Metallzeiten (Späte Früh- bis Mittelbronzezeit ca. 1635 – 1400 v. Chr. und Urnenfelderzeit ca. 1200 – 1000 v. Chr.) zulässt. Dies lässt auf Brandrodung und eine offene, landwirtschaftlich genutzte Landschaft auf der Hochfläche in diesen Zeiten schließen, womit auch Siedlungsaktivitäten in der Umgebung vorausgesetzt werden können.

Die Geländearbeiten, Altersdatierungen und Fundbestimmungen werden ein zeitlich und funktional gegliedertes Inventar archäologischer Siedlungsstellen auf der Nördlichen Frankenalb ergeben, dass die bisherigen Lücken zwischen bekannten Höhensiedlungen, Ritualorten und Grabstätten füllt. Die landschaftsgeschichtlichen Feld- und Laboranalysen werden eine Einschätzung ermöglichen, wie repräsentativ dieses Inventar für die untersuchten Zeiträume ist und wie der Raum insgesamt genutzt wurde und sich dadurch veränderte. Aufbauend auf einer Gesamtschau der Ergebnisse können in einem möglichen Folgeprojekt einzelne Fundplätze im Rahmen von Flächengrabungen näher untersucht werden.

Parallel zur archäologischen Prospektion und eng mit dieser abgestimmt sollen bodengeographische Feldbegehungen und Sondierungen wie auch Profiluntersuchungen von Umweltarchiven wie Böden und Sedimenten stattfinden (Abb. 3). Ziel der bodengeographischen Arbeiten ist es, umfassende Erkenntnisse über die metallzeitliche Landschaftsentwicklung, die naturräumliche Nutzung durch den Menschen und dadurch hervorgerufene Störungen der Bodenentwicklung zu gewinnen. An potenziellen Siedlungsplätzen ist vor allem das Auffinden von umgelagertem Bodenmaterial und Lockersedimenten (Kolluvien) interessant, welche als Resultat von Bodenerosion in Mulden und an Hangfüßen sedimentiert worden sind. Kolluvien mit Holzkohlefragmenten verfügen über ein hohes Aussagepotenzial zur vergangenen Vegetationsentwicklung, zu verschiedenen Stadien der Bodenbildung und zu anthropogen verursachten Eingriffen wie z.B. Brandrodung. Letztere kann durch den Verlust der Vegetationsbedeckung Bodenerosion auslösen, die zur Ablagerung und kolluvialen Überdeckung von Böden wie auch von archäologischen Funden und Befunden entlang der Geländeformen führt. Somit lässt die topographieabhängige Untersuchung einer Kette von Bodenprofilen (Bodencatena) Rückschlüsse auf anthropogenen Einfluss auf Vegetation und Böden zu.

In dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Oberfrankenstiftung geförderten Projekt sollen daher erstmals in einer Mittelgebirgsregion die ländlichen Siedlungen im Fokus stehen, welche wahrscheinlich an der Versorgung der Mittelpunktsiedlungen an den Albrändern oder der befestigten Höhensiedlungen auf der Alb Anteil hatten, zum Teil aber wohl autark wirtschafteten. Im zu untersuchenden Zeitraum sind Veränderungen im Siedlungsverhalten, z.B. bei der bevorzugten Siedlungslage, in der Wirtschaftsform und in der Natur- und Kulturlandschaft zu erwarten. Ein Verständnis dieser Prozesse kann beispielhaft zur Klärung der Frage beitragen, warum in Mittelgebirgsregionen bisher nur so wenige metallzeitliche Siedlungsplätze und Hofstellen gefunden werden konnten. Möglicherweise wurden bronze- und eisenzeitliche Siedlungsplätze bevorzugt in topographischen Lagen angelegt, die später durch landwirtschaftliche Nutzung und/oder natürliche Erosion stark beeinträchtigt wurden, was zu einer teilweisen Zerstörung oder Umlagerung von Funden und Befunden geführt haben dürfte. Um diese Fragen zu untersuchen, ist ein interdisziplinärer Ansatz erforderlich, der durch enge Verzahnung archäologischer und bodengeographischer Untersuchungen ein umfassendes Verständnis der Landschafts- und Siedlungsgeschichte der Region ermöglicht.

Im Rahmen archäologischer Untersuchungen sollen ausgehend von einem Inventar bekannter Fundstellen mögliche Siedlungsplätze identifiziert und mittels Prospektionsverfahren (Oberflächenbegehung, Magnetometrie, kleinräumige Sondagen) untersucht werden. Die Geländearbeiten sollen sich auf die bislang kaum untersuchten, topographisch stark zergliederten Hochflächen der Nördlichen Frankenalb und die zugehörigen Tallagen konzentrieren. Dabei wird als Untersuchungsregion der Albbereich südlich von Weismain mit einer Fläche von ca. 60 km2 festgelegt (Abb. 1). Die Identifikation potenzieller Siedlungs- und Wirtschaftsplätze wird mittels Sichtbarkeits- und Geofaktorenanalysen basierend auf Parametern wie Hangneigung, Exposition, Bodengüte, Wasserverfügbarkeit und Nähe zu Grabmonumenten vorgenommen und anschließend im Gelände überprüft. An den so identifizierten potenziellen Siedlungsplätzen sollen Magnetikmessungen (Abb. 2) sowie Begehungen zur Dokumentation von Lesefunden durchgeführt werden. Die räumliche Verteilung anderer Lesefunde wie Keramikscherben, Knochen oder Steinartefakten erlaubt Rückschlüsse auf die Lage der Befunde und die Ausdehnung der Fundstelle. Die Magnetik-Messdaten werden mit georeferenzierten digitalen Flurkarten, Orthophotos und historischen Karten verglichen, um historisch bedingte Anomalien wie z.B. alte Flurgrenzen von archäologisch relevanten Strukturen zu unterscheiden. Magnetikanomalien, welche als archäologische Befunde in Frage kommen, werden anschließend stichprobenweise durch Bohrsondagen überprüft. Archäologische Befunde lassen sich durch diese Methode sehr sicher von geologischen Strukturen unterscheiden. Im Idealfall können im Bohrprofil schon erste Hinweise zur Datierung (über enthaltene Keramik, Knochen oder Holzkohle) bzw. zur Funktion des Befundes vorliegen. An vielversprechenden Plätzen werden sodann kleinräumige Sondagen zur Dokumentation von Befunden und Stratigraphie sowie zur Bergung von Funden und datierbaren Proben abgetieft. Diese Arbeiten werden von einem umfassenden Datierungs- und Materialbestimmungsprogramm begleitet, um die Fundstellen chronologisch und funktional einordnen zu können.