Forschungskolloquium "Leiblichkeit und Menschenbild: Kritik an der philosophischen Anthropologie"

Zweitägiges Forschungskolloquium mit Voträgen am 15. und 16 Januar 2027


Beschreibung des Projekts

Hintergrund

Das Forschungskolloquium findet wie im letzten Jahr im Rahmen des Leiblichkeit-Prokejts von Tomoki Sakata statt, das mit Christian Illies zusammen organisiert wird. Diesmal wird es wieder von der Ständigen Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs (FNK) gefördert. Die Veranstaltung wird für breiteren akademischen Kreis geöffnet und bedarf keiner Anmeldung.

Ziel des Kolloquiums

Im Kolloquium wird das Menschenbild aus der Perspektive der Leiblichkeit kritisch beleuchtet. Die Philosophische Anthropologie beschäftigt sich mit dem Wesen des Menschen. I. Kant hat bereits den Anstoß gegeben und thematisiert, was es ausmacht, besonders ein Mensch zu sein. M. Scheler begründet die Disziplin in seiner Schrift „Die Stellung des Menschen im Kosmos“, in der er verschiedene Stufen menschlicher Fähigkeiten untersucht, wie zum Beispiel Gefühle, Sinnlichkeiten, Gebrauch von Werkzeugen, logisches Denken und religiösen Glauben. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben insbesondere Biologie und Tierpsychologie zum besseren Verständnis des Menschen beigetragen, deren Entdeckungen in der Philosophischen Anthropologie oft kritisch betrachtet und aufgearbeitet werden. In der zweiten Hälfe des 20. Jahrhunderts bis in die Gegenwart hinterfragen die kognitiven Wissenschaften und die Forschung zur Künstlichen Intelligenz das konventionelle Menschenbild. Es ist nicht vorhersehbar, inwiefern diese Entwicklung den Menschen als biologische Gattung und als Vernunftwesen verändern werden. In der Theologie, wie beispielsweise bei Thomas von Aquin oder N. Cusanus, steht der Mensch vertikal zwischen Tier und Engel. Einerseits hat er einen Leib wie andere Tiere, aus dem Emotionen und Triebe hervorgehen; andererseits verleiht ihm der Verstand und die Vernunft die Fähigkeit, abstrakte Formen und das Ebenbild Gottes zu erkennen. Beide Bereiche sind jedoch noch viel zu erkunden. Ist der Leib lediglich tierisch bzw. ein Untertan, der vom Bewusstsein beherrscht wird? Nimmt der Mensch nicht bereits biologisch eine Sonderstellung, wie es beispielsweise von A. Portmann behauptet wird? Besteht die menschliche Intelligenz ausschließlich darin, mit Zeichen und Symbolen zu operieren, was KI bereits besser als der Mensch beherrscht? Gehört die Religion ausschließlich zur Geistigkeit, wie Scheler annimmt, oder hat sie doch eine leibliche Dimension, in der leibhafte Gefühle ebenso eine entscheidende Rolle spielen? Die Philosophische Anthropologie kann keine definitiven Antworten auf diesen Fragen geben, sie kann jedoch selbstkritisch diese Fragen aktualisieren und somit die Struktur des Menschseins näher ans Licht bringen.

Bei Fragen: tomoki.sakata(at)uni-bamberg.de

Programm (folgt in Kurze)

15. (Fr.) & 16. (Sa.) Januar 2027. Hörsaal, U2/00.25