Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Lehrstuhl für Didaktik der deutschen Sprache und Literatur

Morph Club-Feeling in der Uni – Poetry Slam für zukünftige DeutschlehrerInnen

Ein Erfahrungsbericht von Olga Schmidt (Lehramt GYM Germanistik, Geschichte, Sozialkunde)

Poetry Slam kennen die meisten von uns aus der Kneipe um die Ecke oder von der Wiese einer Freiluftbühne. Schüchterne Nerds, süße Mädels, witzige Kumpeltypen singen, sprechen, hauchen unterschiedlichste Texte und amüsieren, regen zum Nachdenken an und belustigen uns bei diesen Dichterwettstreits. Dass in diesem Freizeitvergnügen weit mehr Potential steckt als Unterhaltung bei Bier und Chips, bewies das Blockseminar Poetry Slam unter Leitung von Dr. Kristina Bismarck sowie der Theaterpädagogin Cornelia Morgenroth.

Elf teilweise skeptische Lehramtsstudenten ließen sich auf das Abenteuer Dichten ein und erkannten innerhalb kürzester Zeit, dass Literatur in jedem Einzelnen schlummert und nur richtig geweckt werden muss. Klingeln sollte der Wecker dabei auf verschiedenste Weisen. Ob bei grenzenlos verrückten und inspirierenden Brainstormings zu möglichen Textthemen oder den hemmungslosen und gleichzeitig befreienden Schauspielübungen im Hof der U2. Auch das WIE und WOMIT kam nicht zu kurz, so dass jeder sich mit der Technik auseinandersetzen musste, sich mit der Organisation eines Dichterwettstreits beschäftigte und dadurch einen Einblick hinter die Kulissen bekam. Die elf Studenten lernten nicht nur einander kennen, sondern vor allem sich selbst, ihre individuelle Körpersprache, die Wirkung der eigenen Stimme und entdeckten dadurch spielerisch ihr Talent zum Schreiben. Jeder Einzelne erschuf einen oder mehrere Texte, welche schließlich  beim gemütlichen Poetry Slam bei Bier und Bratwurst originalgetreu vorgetragen wurden. Spätestens beim Hören der elf vollkommen unterschiedlichen, teilweise witzigen und teilweise ernsten, Beiträge wurden auch die ärgsten Skeptiker überzeugt. Deshalb machte dieses Seminar nicht nur wertvolle und vielseitige Erfahrungen möglich, sondern vermittelte darüber hinaus unheimlich Spaß im Umgang mit Literatur.

Ich, als eine der Skeptikerinnen, fühlte mich danach regelrecht inspiriert mich mit diesem Thema weiter zu beschäftigen. Selbst zum Schreiben mehrerer literarischer Texte begeistert, möchte ich nun auch den Morph Club in die Klassenzimmer holen und Schülern diese moderne Literaturproduktion und –rezeption nahe bringen. Am Alltag der Jugendlichen angeknüpft können SchülerInnen kreativ die unterschiedlichsten Bereiche der Germanistik spielerisch erkunden und in die Fußstapfen berühmter Dichter treten. 

Das Blockseminar Poetry Slam, war nicht nur eine abwechslungsreiche und spannende Univeranstaltung, sondern viel mehr eine Erfahrung und Ermutigung selbst Literatur zu produzieren und praktisch mit moderner Lyrik und Epik zu arbeiten. Darüberhinaus konnten die zukünftigen LehrerInnen ihren didaktischen Horizont erweitern und eine zeitgemäße Möglichkeit zur Gestaltung des Deutschunterrichts in einem mitreißenden Seminar erlernen. Auch wenn der Morph Club als das Bamberger Poetry Slam Zuhause geschlossen wurde, der Dichterwettstreit bleibt modern, vielseitig, spannend und unterhaltsam. Die Gemeinde der Fans und Dichter wächst stetig, und zukünftige Lehrer sollten das Potential des Poetry Slams nicht unterschätzen, sondern gewinnbringend unter die Schüler bringen. 

An dieser Stelle bleibt nur ein großes Dankeschön an Dr. Kristina Bismarck und Cornelia Morgenroth für die wunderbar unterhaltsam organisierte Chance, die vielseitigen Möglichkeiten des Poetry Slams für uns zu entdecken!

 

Steckbrief Cornelia Morgenroth

Name: Cornelia Morgenroth
Alter: 44 Jahre
Beruf: Ich arbeite freiberuflich in den Bereichen Theaterregie und –pädagodik und Shiatsu
Hier habe ich studiert: Bamberg, Diplom Germanistik und Psychologie, ISS Kiental (Schweiz)
Hier habe ich schon mitgewirkt: Hier und dort in dieser Stadt und Umgebung: E.T.A. Hoffmann Theater, Chapeau Claque, Theaterschule Bamberg, an Schulen und für’s Erzbistum, in Nürnberg für die Gemeinde St. Leonard …, meistens entwickele ich mittlerweile mit Gruppen selbst Stücke durch Improvisation.
Lieblingsbuch: Theatermäßig mag ich sehr die Bücher von Keith Johnstone, Alan Ayckbourn und David Mamet. Romane? Das wechselt zu schnell.
Lieblingsartist: Auch diese Frage kann ich nicht beantworten. Erwin Wurm mag ich sehr. Aber auch noch viele viele ganz ganz andere.
Dabei beim Seminar Poetry Slam Seminar seit: 2008
Das gefällt mir besonders am Seminar: Die Kombination aus Didaktik und Praxis, die Zusammenarbeit mit Frau Bismarck, die wunderbar Hand in Hand geht.
Mein schönster Moment im Seminar: Wenn die TeilnehmerInnen merken, was sie für sich persönlich und für die Arbeit in der Schule aus dem Seminar mitnehmen können.