Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Neuere Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte

Publikationen

Häberlein, Mark / Schmölz-Häberlein, Michaela, Adalbert Friedrich Marcus (1753–1816). Ein Bamberger Arzt zwischen aufgeklärten Reformen und romantischer Medizin (= Stadt und Region in der Vormoderne, Bd. 5), Würzburg 2016 (ISBN 978-3-95650-134-0).

Der als Sohn eines jüdischen Hoffaktors in Arolsen geborene Adalbert Friedrich Marcus hat seine Wahlheimat Bamberg als Hof- und Leibarzt der letzten Fürstbischöfe, Direktor des 1789 eröffneten Allgemeinen Krankenhauses, Reformer des Gesundheits- und Sozialwesens sowie als Mitinitiator kultureller und geselliger Aktivitäten nachhaltig geprägt. Zugleich fand er durch seine Publikationen und den hervorragenden Ruf des Allgemeinen Krankenhauses weit über Bamberg hinaus Beachtung. Rechtzeitig zu Marcus’ 200. Todestag im April 2016 liegt nun erstmals eine moderne Biographie vor, die alle Aspekte seines Lebens und Wirkens berücksichtigt. Sie beruht auf Recherchen in 15 verschiedenen Archiven und Bibliotheken und setzt in mehrfacher Hinsicht neue Akzente. So beleuchtet sie Marcus’ überregionalen Wirkungskreis durch die Darstellung seines Korrespondenznetzwerkes, seiner Kontakte zu führenden Repräsentanten der Weimarer Klassik und der Jenaer Romantik, seiner Kontroversen mit medizinischen Autoritäten der Zeit und seiner Beziehungen zu seinen kaufmännisch tätigen Brüdern, deren Aktionsradius von Nordamerika bis nach Russland reichte. Durch die Untersuchung von Konflikten, in die Marcus verwickelt war, zeigt sie auch die problematischen Aspekte seiner Persönlichkeit und Tätigkeit auf – Klientelismus, fragwürdige Immobiliengeschäfte, Mobbing von Kollegen und ein selbstherrliches Gebaren, das die Behörden zunehmend irritierte. Schließlich wirft sie neues Licht auf Marcus’ Rolle bei der Herausgabe der „Bamberger Zeitung“ sowie auf die Organisation von Militärlazaretten in Bamberg während der Koalitionskriege

Häberlein, Mark / Schmölz-Häberlein, Michaela (Hg.), Handel, Händler und Märkte in Bamberg. Akteure, Strukturen und Entwicklungen in einer vormodernen Residenzstadt (13001800) (Stadt und Region in der Vormoderne 3 / Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bamberg 21), Würzburg 2015 (ISBN 978-3-95650-081-7).

Über die Rolle der fürstbischöflichen Residenzstadt Bamberg als Handels- und Marktstandort in Spätmittelalter und Früher Neuzeit ist bislang wenig bekannt. Die im vorliegenden Band versammelten zwölf Aufsätze vermitteln erstmals ein präzises und differenziertes Bild des Bamberger Handels in der Vormoderne und leisten damit auch einen Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte geistlicher Residenzstädte. Die Autorinnen und Autoren nehmen sowohl die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen des Handels als auch das konkrete Marktgeschehen und die beteiligten Akteure in den Blick. Sie werten ein breites Spektrum an Quellen aus, das von Urkunden und Gerichtsprotokollen bis zu Rechnungen und Intelligenzblättern reicht. Sie zeigen unter anderem, wie sich der Dreißigjährige Krieg auf den Handel Bambergs auswirkte, welche Rolle jüdische und italienische Händler im späten 17. und 18. Jahrhundert spielten und welche Bedeutung Klöster als Anbieter und Konsumenten von Handelswaren hatten.

 

Häberlein, Mark / Paulus, Stefan / Weber, Gregor (Hg.), Geschichte(n) des Wissens: Festschrift für Wolfgang E. J. Weber zum 65. Geburtstag, Augsburg 2015 (ISBN 978-3-95786-0-385).

Wolfgang E. J. Weber, der am 28. Juli 2015 seinen 65. Geburtstag feiert, zählt zu den wenigen deutschen Historikern seiner Generation, die in Forschung und Lehre noch die gesamte Geschichte der Neuzeit im Blick haben. Über seine beiden zentralen Arbeitsfelder – die politische Ideengeschichte des späten 16. und 17. Jahrhunderts sowie die deutsche Geschichtswissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts – hinaus reicht das Spektrum seiner Publikationen von der Frühen Neuzeit bis in die jüngste Zeitgeschichte. Ungeachtet dieser eindrucksvollen chronologischen und thematischen Spannbreite stellt die Geschichte des Wissens – in einem weiten Sinne verstanden als eine Geschichte der Produktion, Transmission und Aneignung von Wissen in spezifischen institutionellen, politischen und sozialen Kontexten – den Kern dar, den Wolfgang E. J. Webers Arbeiten fokussieren und aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Dies gilt nicht nur für den produktiven Forscher und akademischen Lehrer, sondern auch für den Wissenschaftsorganisator, der als langjähriger Geschäftsführer des Instituts für Europäische Kulturgeschichte und tragende Säule des dort angesiedelten Graduiertenkollegs ›Medien und Wissensfelder der Neuzeit. Entstehung und Aufbau der Europäischen Informationskultur‹ einschlägige Studien an der Universität Augsburg maßgeblich geprägt, betreut und begleitet hat. Um die vielfältigen Anregungen, die von seiner Tätigkeit ausgegangen sind, zu würdigen, haben die Herausgeber über 50 Kolleginnen und Kollegen, Schüler und Freunde Wolfgang E. J. Webers eingeladen, im Rahmen einer ihm gewidmeten Festschrift über ›Geschichte(n) des Wissens‹ zu reflektieren. Die große Resonanz, die diese Einladung gefunden hat, bestätigt eindrucksvoll, wie nachhaltig Wolfgang E. J. Weber in die Universität Augsburg und in die deutschsprachige Geschichtswissenschaft hinein gewirkt hat.

 

Häberlein, Mark / Zink, Robert (Hg.),Städtische Gartenkulturen im historischen Wandel (51. Arbeitstagung in Bamberg, 23. bis 25. November 2012) (Stadt in der Geschichte 40), Ostfildern 2015 (ISBN 978-3799564403).

Zu den Merkmalen der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städte gehören nicht nur Faktoren wie Siedlungsgröße, Befestigung, Selbstverwaltungsrechte, wirtschaftliche Zentralität oder soziale Differenzierung, sondern zunehmend auch die Ausstattung des Stadtraums mit Funktionen der Repräsentation und der Erholung. Fürstlichen Vorbildern folgend und sie integrierend legten zahlreiche Städte Parks und Zonen des Naturgenusses an. Aus Festungsgürteln entstanden öffentliche Promenaden, das Angebot der privaten Gartengestaltung schuf Nahrungsressourcen und beförderte den Rückzug in die Privatheit. Auch Naturempfinden und Gartenkunst stehen sich dabei immer wieder gegenüber. Der Band präsentiert Ergebnisse der 51. Arbeitstagung des Südwestdeutschen Arbeitskreises für Stadtgeschichtsforschung, die vom 23. bis zum 25. November 2012 in Bamberg stattfand. Er geht der Frage nach, auf welche Weisen Stadtbewohner von der Frühen Neuzeit bis zur Moderne Gärten gestalteten, nutzten und in ihre Lebenspraxis integrierten. Die Beiträge nähern sich der Thematik aus wirtschafts-, sozial- und kulturhistorischen, historisch-geographischen und ideengeschichtlichen Perspektiven. Dabei werden sowohl Bezüge zum UNESCO-Weltkulturerbe Bamberg hergestellt, das über eine besonders reiche Garten- und Gartenbautradition verfügt, als auch grundlegende Entwicklungslinien urbaner Gartenkultur aufgezeigt.

 

Häberlein, Mark / Schmölz-Häberlein, Michaela (Hg.), Stiftungen, Fürsorge und Kreditwesen im frühneuzeitlichen Bamberg (Bamberger Historische Studien, Bd. 13), Bamberg 2015 (ISBN 978-3-86309-3-129).

Der vorliegende Band präsentiert neue Forschungen zur Sozialgeschichte der Stadt Bamberg in der Frühen Neuzeit, insbesondere zu Fürsorgeeinrichtungen, karitativen Stiftungen und dem städtischen Kreditmarkt. Auf der Basis von Rechnungen und weiteren archivalischen Quellen untersuchen die Beiträge Strukturen und Entwicklungen eines Siechenhauses für chronisch Kranke, einer Almosenstiftung, einer fürstbischöflichen Stiftung für arme Bürgerkinder sowie der ältesten jüdischen Stiftungen Bambergs. Eine Studie zum Kreditwesen im 18. Jahrhundert erhellt zudem die sozialen Funktionen der Kreditvergabe sowie das Beziehungsnetz der Einwohner eines Bamberger Stadtviertels.

 

Geffcken, Peter / Häberlein, Mark (Hg.) Rechnungsfragmente der Augsburger Welser-Gesellschaft (1496–1551) Oberdeutscher Fernhandel am Beginn der neuzeitlichen Weltwirtschaft (Deutsche Handelsakten des Mittelalters und der Neuzeit 22), Stuttgart 2014 (ISBN 978-3-515-10678-8).(259.9 KB)

Das Firmenarchiv der Augsburger Welser-Gesellschaft wurde nach ihrem Bankrott im Jahre 1614 aufgelöst und makuliert, was bislang die Erforschung der Geschichte einer der großen süddeutschen Handelsfirmen des 16. Jahrhunderts erschwerte. Bei Restaurierungsarbeiten an historischen Bucheinbänden sind in den letzten Jahrzehnten jedoch Fragmente von Geschäftsbüchern der Welser wieder entdeckt worden. Die hier vorgelegte Edition dieser Handelsbuchfragmente gewährt zahlreiche neue Einblicke in die Buchhaltung, die Geschäftsfelder und die Organisation der Welser-Gesellschaft. Das Sortiment der Waren, mit dem die Welser handelten, ihre Beziehungen zu Fürsten, Höflingen und Klerikern, ihre Kreditnetze sowie die Tätigkeit der Firmenvertreter in Nürnberg, Antwerpen, am spanischen Hof und in Sevilla können auf der Grundlage dieser bislang weitgehend unbekannten Quellen künftig umfassend rekonstruiert werden.

 

Flurschütz da Cruz, Andreas, Zwischen Füchsen und Wölfen. Konfession, Klientel und Konflikte in der fränkischen Reichsritterschaft nach dem Westfälischen Frieden (Konflikte und Kultur - Historische Perspektiven 29). München/Konstanz 2014 (ISBN 978-3-86764-504-1).

Welche Mittel und Wege standen dem frühneuzeitlichen Reichsadel zur Durchsetzung seiner Interessen zur Verfügung? Anhand eines Lehenprozesses zwischen den mainfränkischen Familien Fuchs von Bimbach und Wolf von Wolfsthal untersucht Flurschütz da Cruz alternative bzw. parallele Lösungswege zur Klage vor den Territorial- und Reichsgerichten. Diese identifiziert er vor allem in informellen Handlungs- und Kommunikationssträngen, die er neben der gerichtlichen Überlieferung anhand von alternativen Quellen nachvollzieht. - Die bisher unbekannten, in der Studie rekonstruierten Patronage- und Klientelsysteme verbanden lokale, regionale, Landes- und Reichsebene miteinander vom Dorfschultheißen bis zum Reichsoberhaupt und demonstrieren so die Polyzentralität des frühneuzeitlichen Reichssystems. Ausschlaggebend für gerichtliche Entscheidungen war nicht allein der Buchstabe der Reichsgesetze, sondern Vernetzungskriterien wie Verwandtschaft, Freund- und Nachbarschaft sowie ganz maßgeblich die Konfession. - Exemplarisch zeigt die Studie, dass auch eines der prominentesten Gesetzeswerke der Frühen Neuzeit, der die konfessionellen Zwistigkeiten angeblich beendende Westfälische Frieden von 1648, »zunächst einmal nur eine vielversprechende Theorie« war. Anhand des Falles Fuchs contra Wolfsthal sowie mehrerer Vergleichsbeispiele deckt Flurschütz da Cruz eine »verlängerte Gegenreformation« auf, die über lehenpolitische Maßnahmen dafür sorgte, dass auch weit nach 1648 noch ganze Landstriche rekatholisiert wurden.

 

Caracausi, Andrea / Jeggle, Christof (Hg.), Commercial Networks and European Cities, 1400–1800, (Perspectives in Economic and Social History, 32), London 2014 (ISBN 978-1-84893-450-4)

Merchant networks generated trade and the exchange of goods between the cities of early modern Europe. Such networks were fundamental in the spread of cultural artefacts and practice, as well as leading to migration between the cities. This collection of essays applies network analysis to commercial networks, focusing on the roles of kinship, origin, religion and business in creating and maintaining urban economies.

 

Schmölz-Häberlein, Michaela, Juden in Bamberg (1633–1802/03) Lebensverhältnisse und Handlungsspielräume einer städtischen Minderheit, Würzburg 2014 (Judentum – Christentum – Islam. Interreligiöse Studien 11) ISSN 1866-4873 ISBN 978-3-95650-019-0 (Zugl.: Veröffentlichungen des Stadtarchivs Bamberg 18) ISSN 0936-4757 ISBN 978-3-929341-39-3

Jüdisches Leben prägte die Stadt Bamberg über viele Jahrhunderte. Bereits im Mittelalter gab es eine Gemeinde, und seit 1633 ist eine kontinuierliche jüdische Präsenz nachweisbar, die erst in der Zeit des Nationalsozialismus endete. Die vorliegende Studie zur Geschichte der jüdischen Minderheit in der Stadt Bamberg unternimmt erstmals nach der 1898 von dem Rabbiner Adolf Eckstein vorgelegten „Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstbistum Bamberg“ eine umfassende Darstellung des christlich-jüdischen Zusammenlebens vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende des Alten Reiches. Die Darstellung der Entwicklung der Gemeinde, ihrer Rechtsstellung und Selbstverwaltung, der Wirtschaftselite und des Erwerbslebens, der religiösen Räume sowie von Familienbeziehungen und Lebenszyklen macht jüdisches Leben in der Residenzstadt umfassend sichtbar. Konfl ikte und Koexistenz der jüdischen Minderheit und der christlichen Mehrheitsgesellschaft werden ebenfalls ausführlich analysiert. Die große Anzahl jüdischer Konversionen, die zu einer Integration in die christliche Gesellschaft führten, sowie die ambivalente Rolle dieser Menschen werden hier erstmals thematisiert. Die Untersuchung entwickelt abschließend ein Drei- Phasen-Modell, das die Etablierung der jüdischen Gemeinde (1633 bis ca. 1680), ihre von Krisen und Konfl ikten begleitete Blütezeit (ca. 1680 bis 1740) sowie Stagnation und Autonomieverlust in der Spätphase des Alten Reiches (ca. 1740 bis 1802/03) umfasst.


Häberlein, Mark / Jeggle, Christof (Hg.), Materielle Grundlagen der Diplomatie. Schenken, Sammeln und Verhandeln in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, (Irseer Schriften. Studien zur Wirtschafts-, Kultur- und Mentalitätsgeschichte, N. F., Bd. 9). Konstanz 2013 (ISBN 978-3-86764-364-1)

Die Beiträge dieses Sammelbandes untersuchen das Verhältnis von Diplomatie und Wirtschaft im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie analysieren die Funktionen und Praktiken des Transfers materieller Güter bei der Etablierung und Pflege diplomatischer Beziehungen und zeigen die Intentionen, Kontexte und Folgen des Transfers wertvoller Objekte auf. Ferner werfen sie Schlaglichter auf die Akteure, die materielle Austauschbeziehungen im Kontext der vormodernen Diplomatie gestalteten. Ein weiteres Augenmerk liegt auf der Materialität, künstlerischen Gestaltung und Symbolik der Objekte, die getauscht wurden.
Das Spektrum der Beiträge reicht von deutschen Reichsstädten und europäischen Fürstenhöfen bis zur indianischen Diplomatie im kolonialen Nordamerika.

Häberlein, Mark / Bayreuther, Magdalena, Agent und Ambassador. Der Kaufmann Anton Meuting als Vermittler zwischen Bayern und Spanien im Zeitalter Philipps II. (Documenta Augustana, Bd. 23), Augsburg 2013.(129.5 KB)

Die vorliegende Studie ist aus dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekt „Fürsten und Kaufleute im konfessionellen Zeitalter: Augsburger und Nürnberger Firmen als Hoflieferanten mitteleuropäischer Herrscherhäuser 1548–1630“ hervorgegangen. Das zwischen 2008 und 2011 durchgeführte Projekt ging von der These aus, dass bis in die ersten Jahre des Dreißigjährigen Krieges hinein spezialisierte Märkte zur Belieferung mitteleuropäischer Höfe mit hochwertigen Luxus- und Konsumgütern von reichsstädtischen, vor allem Augsburger und Nürnberger Handelshäusern geprägt bzw. dominiert wurden. Die große Zahl an Dokumenten, die im Rahmen dieses Projekts über den bislang wenig bekannten Augsburger Kaufmann und Agenten Anton Meuting (gest. 1591) gefunden wurden, sowie die Tatsache, dass diese Quellen besonders facettenreiche Einblicke in die Zusammenhänge von Handel, Diplomatie und Kulturtransfer im 16. Jahrhundert gewähren, führten zu der Entscheidung, seiner Karriere und seinen Tätigkeitsfeldern eine eigene Studie zu widmen.


Schmölz-Häberlein, Michaela, Kleinstadtgesellschaft(en). Weibliche und männliche Lebenswelten im Emmendingen des 18. Jahrhunderts (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte – Beihefte 220). Stuttgart 2012 (ISBN 978-3-515-10239-1).

Obwohl Kleinstädte mit weniger als 2000 Einwohnern die Städtelandschaft des Alten Reiches maßgeblich prägten, liegen bislang nur wenige Untersuchungen zu ihrer Sozial- und Kulturgeschichte vor. Diese Studie zur badischen Amtsstadt Emmendingen rekonstruiert auf breiter Quellengrundlage gesellschaftliche Entwicklungen, ökonomische Aktivitäten, materielle Kultur, Lebensläufe und familiäre Konflikte in einer 'typischen' südwestdeutschen Kleinstadt des 18. Jahrhunderts.

Michaela Schmölz-Häberlein zeigt, dass diese Kleinstadtgesellschaft keineswegs statisch war, sondern eine beträchtliche demographische und wirtschaftliche Dynamik aufwies sowie von geographischer und sozialer Mobilität geprägt war. Außerdem lebte die lutherische Bevölkerungsmehrheit hier mit Angehörigen unterschiedlicher konfessioneller und religiöser Minderheiten – Katholiken, Reformierten, Täufern, Juden – auf engem Raum zusammen. Ein besonderes Augenmerk der Autorin liegt auf den spezifischen Handlungsspielräumen, Lebenswelten und Erfahrungen von Frauen.

Kuhn, Christian / Bießenecker,  Stefan (Hg.), Valenzen des Lachens in der Vormoderne (1250-1750) (Bamberger Historische Studien 8). Bamberg 2012 (ISBN 978-3-86309-098-2), urn:nbn:de:bvb:473-opus4-5637

Das Lachen war oft Gegenstand theoretischer Reflexion. Untersuchungen zu den spezifischen historischen Konstellationen des Lachens in der Vormoderne fehlen dagegen fast ganz. Diesem Defizit ist der vorliegende Band gewidmet. Über das Lachen lässt sich historisches Selbstverständnis erschließen. Werte und Tabus treten in politischen, historiographischen, literarischen und brieflichen Zeugnissen, die mit dem Lachen befasst sind, in besonders prägnanter Weise hervor. Das Lachen ist eine Form der Kommunikation und sozialen Interaktion, die nicht nur durch Instrumentalisierung in der Propaganda neue Identitäten schaffen und festigen kann. Lachen dient als Machtinstrument, trägt zur gruppeninternen Verständigung bei und ist ein Mittel der Sinnstiftung. Die hier versammelten Beiträge untersuchen die Valenzen des Lachens empirisch und in interdisziplinärer Perspektive vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. Exemplarische Studien loten so das Potential einer historischen Erforschung des Lachens aus.

Häberlein, Mark, The Fuggers of Augsburg Pursuing Wealth and Honor in Renaissance Germany (Early Modern German History). Charlottesville/London 2012.

As the wealthiest German merchant family of the sixteenth century, the Fuggers have attracted wide scholarly attention. In contrast to the other famous merchant family of the period, the Medici of Florence, however, no English-language work on them has been available until now. The Fuggers of Augsburg offers a concise and engaging overview that builds on the latest scholarly literature and the author’s own work on sixteenth-century merchant capitalism. Mark Häberlein traces the history of the family from the weaver Hans Fugger’s immigration to the imperial city of Augsburg in 1367 to the end of the Thirty Years’ War in 1648. Because the Fuggers’ extensive business activities involved long-distance trade, mining, state finance, and overseas ventures, the family exemplifies the meanings of globalization at the beginning of the modern age. 

The book also covers the political, social, and cultural roles of the Fuggers: their patronage of Renaissance artists, the founding of the largest social housing project of its time, their support of Catholicism in a city that largely turned Protestant during the Reformation, and their rise from urban merchants to imperial counts and feudal lords. Häberlein argues that the Fuggers organized their social rise in a way that allowed them to be merchants and feudal landholders, burghers and noblemen at the same time. Their story therefore provides a window on social mobility, cultural patronage, religion, and values during the Renaissance and the Reformation.

Häberlein, Mark / Kuhn, Christian / Hörl, Lina (Hg.), Generationen in spätmittelalterlichen und frühneuzeitlichen Städten (ca. 1250-1750) (Konflikte und Kultur - Historische Perspektiven, Band 20). Konstanz 2011 (ISBN 978-3-86764-254-5)

Die Beiträge dieses Bandes untersuchen die Generationengeschichte der europäischen Stadt der Vormoderne in unterschiedlichen sozialen und literarischen Kontexten. Ausgehend von aktuellen Debatten um Generationenbewusstsein und -konflikte in früheren Epochen thematisieren sie Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen verschiedener Altersgruppen in städtischen Räumen, materielle und immaterielle Übertragungsprozesse, innerfamiliäre Konflikte und Generationenmotive in literarischen Texten. In all diesen Konstellationen zeichnen sich kulturelle Praktiken und grundlegende Normen des gesellschaftlichen Zusammenlebens in der Vormoderne ab.



Kuhn, Christian: Generation als Grundbegriff einer historischen Geschichtskultur
Die Nürnberger Tucher im langen 16. Jahrhundert (Formen der Erinnerung 45). Göttingen 2010 (ISBN 978-3-89971-588-0)

Verschiedene Generationen schreiben die Geschichte ihrer Familie unterschiedlich. So ließe sich die lebhafte Entwicklung der Nürnberger Familiengeschichtsschreibung seit den Collectaneenbänden des Humanisten Christoph Scheurl aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts resümieren. Neben genealogischen Ausführungen zeigen vor allem die politischen, konfessionell-religiösen und geschichtstheologischen Inhalte die Dynamik im Achtungsmarkt familiärer Vergangenheiten. Die untersuchten Quellen umfassen neben neu erschlossenen Materialien auch kulturhistorisch bedeutsame Werke wie das »Große Tucherbuch«, an dessen Jahrzehnte dauernder Fertigstellung so bedeutende Künstler wie Jost Amman mitwirkten. Das Hauptaugenmerk des Autors richtet sich auf die historische Bedeutung des Begriffs »Generation« in der brieflichen Überlieferung der Familie Tucher und in repräsentativen Geschlechterbüchern: Eine zentrale Sinnkategorie in einer Erinnerungs- und Geschichtskultur des 16. Jahrhunderts.

Häberlein, Mark / Keese, Alexander (Hg.), Sprachgrenzen – Sprachkontakte – kulturelle Vermittler. Kommunikation zwischen Europäern und Außereuropäern (16.–20. Jahrhundert) (Beiträge zur Europäischen Überseegeschichte Band 97). Wiesbaden, Franz Steiner Verlag 2010 (978-3-515-09779-6)

 Die überseeische Expansion brachte europäische Seefahrer, Händler, Missionare, Forscher und Kolonisten mit einer Vielzahl von Sprachen in Kontakt, die in Europa zuvor weitgehend unbekannt waren. Für die Kommunikation mit außereuropäischen Bevölkerungen jenseits einfacher Formen wie Gabentausch und Zeichensprache waren multilinguale Vermittler unabdingbar, die über die Fähigkeit verfügen mussten, im Medium der Sprache auch fremdartige Rituale, Weltbilder und Sinnsysteme verständlich zu machen. Aufbauend auf den philologischen Studien christlicher Missionare waren die Kolonialmächte seit dem 19. Jahrhundert zunehmend bestrebt, außereuropäische Sprachen wissenschaftlich zu klassifizieren. Während koloniale Herrschaft zum Verschwinden vieler außereuropäischer Sprachen führte, erlangten andere Sprachen wie Malaiisch oder Swahili als Verkehrssprachen neue Bedeutung.
Die vielfältigen Facetten der Kommunikation zwischen Europäern und Außereuropäern untersuchen die Autoren dieses Bandes, der auf eine Tagung der Gesellschaft für Überseegeschichte an der Universität Bamberg zurückgeht, in einer Reihe empirischer Fallstudien.


Häberlein, Mark / Jeggle, Christof (Hg.): Praktiken des Handels. Geschäfte und soziale Beziehungen europäischer Kaufleute in Mittelalter und früher Neuzeit (Studien zur schwäbischen Kulturgeschichte, Neue Folge Bd. 6). Konstanz 2010 (ISBN: 978-3-86764-203-3 )

Mit seiner Ausrichtung auf die Praktiken des Handels stellt der Band die gegenwärtige Neuorientierung der Handelsgeschichte dar. In Fallstudien befassen sich Autorinnen und Autoren aus mehreren Ländern mit konkreten Erscheinungsformen sozialer Interaktionen beim Gütertransfer, der Kreditgewährung, dem Zahlungsverkehr und der Informationsübermittlung. Dabei untersuchen sie unterschiedliche Ebenen des kommerziellen Austauschs - vom Detailhandel bis zum interkontinentalen Handel. Sie thematisieren spezifische Handelszweige, individuelle Akteure, den Umgang mit Informationen sowie das Verhältnis der Geschlechter.

Häberlein, Mark / Künast, Hans-Jörg / Schwanke, Irmgard (Hg.): Die Korrespondenz der Augsburger Patrizierfamilie Endorfer 1620-1627. Briefe aus Italien und Frankreich im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges (Documenta Augustana, Bd. 21). Augsburg 2010 (ISBN 978-3-89639-756-0)

Im Herbst 1628 wurde in der Reichsstadt Augsburg ein Skandal aufgedeckt: Der angesehene patrizische Rats- und Steuerherr Friedrich Endorfer d.Ä. hatte Tausende von Gulden an städtischen Steuergeldern veruntreut. Im Zuge der Ermittlungen beschlagnahmten die städtischen Behörden zahlreiche Schriftstücke aus Endorfers Schreibstube. Darunter befanden sich auch mehr als 70 Briefe, welche die kaufmännische Ausbildung von Endorfers Söhnen Friedrich und Hans in Lucca und Lyon dokumentieren. Diese ebenso aufschlussreichen wie lebendigen Zeugnisse der Handels-, Sozial- und Kulturgeschichte des frühen 17. Jahrhunderts werden hier erstmals in einer ausführlich kommentierten kritischen Edition zugänglich gemacht.

Häberlein, Mark / Kuhn, Christian (Hg.): Fremde Sprachen in frühneuzeitlichen Städten.Lernende, Lehrende und Lehrwerke (Fremdsprachen in Geschichte und Gegenwart 7). Wiesbaden 2010 (ISBN 978-3-447-06192-6)


In konkreten Fallstudien zu mitteleuropäischen Städten (Augsburg, Nürnberg, Ravensburg, Freiburg i.Br., Basel, Zürich, Lüneburg) untersuchen die Beiträge des von Mark Häberlein herausgegebenen Bandes Formen und Praktiken des Fremdsprachenerwerbs zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert. Sie thematisieren das Sprachenlernen von Patrizier- und Kaufmannssöhnen im Ausland, die Lebensbedingungen und die Rechtsstellung von Sprachmeistern in frühneuzeitlichen Städten sowie Konzeption, Druck und Verbreitung von Lehrwerken für den Unterricht. Erstmals werden damit die Stadtgeschichte und die Geschichte des Fremdsprachenlernens in der Frühen Neuzeit systematisch aufeinander bezogen.


Häberlein, Mark: The Practice of Pluralism. Congregational Life and Religious Diversity in Lancaster, Pennsylvania 1730–1820. University Park, Pa. 2009 (ISBN 978-0-271-03521-5)

The clash of modernity and an Amish buggy might be the first image that comes to one’s mind when imagining Lancaster, Pennsylvania, today. In the early to mid-eighteenth century, Lancaster stood apart as an active and religiously diverse, ethnically complex, and bustling city. On the eve of the American Revolution, Lancaster’s population had risen to nearly 3,000 inhabitants; it stood as a center of commerce, industry, and trade. Of course the German-speaking population—Anabaptists as well as German Lutherans, Moravians, and German Calvinists made up the majority, but about one-third were English-speaking Anglicans, Catholics, Presbyterians, Quakers, Calvinists, and other Christian groups. A small group of Jewish families also lived in Lancaster, though they had no synagogue. Carefully mining historical records and documents, from tax records to church membership rolls, Mark Häberlein confirms that religion in Lancaster was neither on the decline nor rapidly changing; rather, steady and deliberate growth marked a diverse religious population.

Lang, Heinrich: Cosimo de' Medici, die Gesandten und die Condottieri. Diplomatie und Kriege der Republik Florenz im 15. Jahrhundert. Paderborn 2009 (ISBN 978-3506765970)


In der Renaissance wurde Florenz zu einem wichtigen Akteur auf der machtpolitischen Bühne Italiens. Die Medici stiegen von einer Bankiersfamilie zu Herren der Stadt auf. Sie flochten enge Verbindungen zu den italienischen Fürsten und besonders zu den condottieri, den schillernden Spielern auf einem Gewaltmarkt, dessen Gefahren privatisierter Kriegführung durch die zwischenstaatlichen, von Bankiers, Juristen und Diplomaten getragenen Beziehungen eingedämmt wurden. Über diese Netzwerke zwischen Krieg und Geschäft sicherten sich die Medici nicht nur die Macht, über sie verbreitete sich auch die Kultur der Renaissance. Am Beispiel der Aussenverflechtungen Florenz' unter Cosimo de' Medici dem Alten (1389-1464) zeigt Lang, wie eine Gruppe von Mittelsmännern, Agenten und Maklern das prekäre Staatengefüge Italiens stabilisierte. Diplomatische und militärische Aussenpolitik erweisen sich dabei, im Sinne von Machiavelli, als personell und institutionell untrennbar miteinander verbunden.

 

Häberlein, Mark / Kech, Kerstin /Staudenmaier, Johannes (Hg.): Bamberg in der frühen Neuzeit (Bamberger historische Studien 1). Bamberg 2008 (ISBN 978-3929341324)

Die Beiträge dieses Bandes behandeln Aspekte der Verwaltungs-, Herrschafts-, Wirtschafts-, Sozial- und Kulturgeschichte Bambergs zwischen 1500 und 1800 und schließen damit einige der weißen Flecken auf der Landkarte der frühneuzeitlichen Stadt- und Regionalforschung. Zugleich werden aktuelle geschichtswissenschaftliche Fragestellungen und Konzepte empirisch erprobt. Damit sollen die Möglichkeiten, die Bamberg als Forschungsfeld bietet, und das Potential, das sich mit der Anwendung von Konzepten und Methoden der modernen Geschichtswissenschaft auf das reichhaltige Bamberger Material verbindet, aufgezeigt und Anregungen für künftige Forschungen gegeben werden.

Zugriff auf den Volltext über OPUS: www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2008/139/

 

Häberlein, Mark: Die Fugger: Geschichte einer Augsburger Familie (1367-1650). Stuttgart 2006 (ISBN 978-3170184725)

Wie keine andere Familie verkörpern die Fugger wirtschaftlichen Erfolg und soziale Aufstiegschancen des süddeutschen Bürgertums an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit. Unter der Leitung Jakob und Anton Fuggers baute die Familienfirma binnen weniger Jahrzehnte das größte europäische Handels- und Bergbauunternehmen seiner Zeit auf. Als Geldgeber des Kaisers und als Bankiers der römischen Kurie spielten die Fugger eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der europäischen Politik. Ihr Erfolg ermöglichte ihnen den Kauf großer Landgüter in Schwaben und den Aufstieg in den Reichsadel. Als überzeugte Anhänger der alten Kirche exponierten sie sich in den konfessionellen Auseinandersetzungen der Reformationszeit. Als Stifter, Sammler und Mäzene prägten sie die Kultur der süddeutschen Renaissance.

 

Gassert, Philipp / Häberlein, Mark / Wala, Michael: Kleine Geschichte der USA. Stuttgart 2007 (ISBN: 978-3150106297)

Die Vereinigten Staaten haben die Welt im 20. Jahrhundert geprägt wie kein zweites Land. Verstehen lässt sich das Agieren und die Rolle der Supermacht in der Gegenwart aber nur, wenn man die Geschichte der USA kennt. In der Reihe von Reclams Kleinen Nationalgeschichten liefern drei Amerika-Spezialisten diese Information zu 400 Jahren amerikanischer Geschichte, von den Pilgrim Fathers bis zu den Kongresswahlen 2006, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts haben sie dabei besondere Beachtung geschenkt.

Irmgard Schwanke: Fremde in Offenburg. Religiöse Minderheiten und Zuwanderer in der Frühen Neuzeit (Konflikte und Kultur - Historische Perspektiven 11). Konstanz 2005 (ISBN 978-3-89669-708-0)

 
Die Herkunft, das abweichende Bekenntnis - das waren die wesentlichen Kriterien, über die man Fremdheit in der Frühen Neuzeit definierte. Im Offenburg des 17. und 18. Jahrhunderts waren Zuwanderer und religiöse Minderheiten in diesem Sinne fremd. Aus drei unterschiedlichen Perspektiven werden die Möglichkeiten und die Grenzen der Integration untersucht: Neben der Politik des städtischen Rates und der Haltung der einheimischen Bevölkerung interessieren die Strategien der Fremden im Prozess von Migration und Integration. Untersucht werden die "Fremden" im städtischen Wirtschaftsleben, ihre Niederlassungs- und Bürgerrechte sowie ihre Patenschafts- und Heiratspraxis.

Häberlein, Mark / Jeggle, Christof (Hg.): Vorindustrielles Gewerbe. Handwerkliche Produktion und Arbeitsbeziehungen in Mittelalter und früher Neuzeit (Irseer Schriften, N.F. 2). Konstanz 2004 (ISBN 978-3896696922)

Der Irseer Arbeitskreis für vorindustrielle Wirtschafts- und Sozialgeschichte verknüpfte auch bei seiner zweiten Tagung im März 2002 die traditionell der Wirtschaft zugeordneten Themen mit dem gesamten Spektrum sozialhistorischer Forschung, also mit sozial-, kultur- und geschlechterspezifischen Fragestellungen. Durch die Debatten zur Protoindustrialisierung sowie mikrohistorische und geschlechtergeschichtliche Forschungsansätze hat die vorindustrielle Gewerbegeschichte neue Impulse erhalten. Die Autoren und Autorinnen dieses Bandes greifen die Ansätze auf und diskutieren sie anhand lokaler und regionaler Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum.