Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Neuere Geschichte unter Einbeziehung der Landesgeschichte

Schwerpunkte der Forschung

1. Handelsgesellschaften und kommerzielle Netzwerke


Der frühneuzeitliche Fernhandel bildet seit langem einen Schwerpunkt der Forschungen des Lehrstuhlinhabers, der dazu zahlreiche Publikationen vorgelegt hat. Zuletzt sind 2006 eine Überblicksdarstellung zur Geschichte der Fugger, 2009 eine Edition von Familienbriefen des 17. Jahrhunderts, die im Kontext einer kaufmännischen Auslandslehre entstanden, und 2010 ein gemeinsam mit dem Lehrstuhlmitarbeiter Christof Jeggle herausgegebener Sammelband über "Praktiken des Handels" erschienen. Ein aktuelles Projekt widmet sich der Edition von Quellen der Augsburger Handelsgesellschaft der Welser  zwischen 1496 und 1551. Forschungsprojekte von Mitarbeitern und Doktoranden befassen sich mit den kommerziellen Verflechtungen zwischen Süddeutschland, Frankreich und Italien im 16. und 17. Jahrhundert, mit den Beziehungen zwischen Fürsten und Kaufleuten im kommerziellen Zeitalter sowie mit Konflikten innerhalb der Handelsgesellschaft der Fugger zwischen 1560 und 1650.
Die genannten Projekte gehen von der Prämisse aus, dass der frühneuzeitliche Fernhandel in hohem Maße auf persönlichen Beziehungsnetzen basierte, welche die Strukturen von Handelsgesellschaften und kommerzielle Verbindungen über weite Distanzen entscheidend prägten. Ihr besonderes Augenmerk gilt daher den Formen und Praktiken merkantiler Kooperation und Konfliktlösung, der Kommunikation unter Kaufleuten sowie personalen Netzwerken als Grundlage der Konstituierung frühneuzeitlicher Märkte.

2. Städtische Gesellschaften


Die Vielfalt urbaner Lebensformen bildet einen weiteren Forschungsschwerpunkt am Lehrstuhl für Neuere Geschichte. Anknüpfend an die Studien zum Fernhandel und zu kommerziellen Netzwerken werden die Einbindung von Kaufleuten in städtische Gesellschaften, die Rolle von Zuwanderern und Minderheiten sowie die Bedeutung moderner Fremdsprachen in frühneuzeitlichen Städten untersucht. Projekte von Doktoranden und Lehrstuhlmitarbeitern befassen sich aus mikrohistorischer Perspektive mit Aspekten der Zunft- und Gewerbegeschichte. Aktuelle Forschungsvorhaben nehmen insbesondere die ehemalige fürstbischöfliche Residenzstadt Bamberg in den Blick, deren Geschichte zwischen 1500 und 1800 vor allem Bereich der Verwaltungs-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte erst partiell erforscht ist.

3. Atlantische Geschichte in der Frühen Neuzeit


Das Forschungskonzept der atlantischen Geschichte, das in der anglo-amerikanischen historischen Forschung seit einigen Jahren Konjunktur hat, hebt insbesondere auf die Beziehungen und Verflechtungen zwischen Europa, Afrika und Amerika in der Frühen Neuzeit ab. Abgeschlossene und laufende Projekte am Lehrstuhl für Neuere Geschichte in diesem Bereich widmen sich Aspekten der transatlantischen Migrations-, Kommunikations- und Religionsgeschichte. Hierzu gehören Dissertationen zum Korrespondenznetz des deutsch-amerikanischen lutherischen Geistlichen G. H. E. Mühlenberg (1753-1815) und zur Sozial- und Alltagsgeschichte der frühen spanischen Kolonien in der Karibik.

4. Politische Kulturen


Die Geschichte des Politischen erfährt seit einigen Jahren eine Neubstimmung. Dabei bilden die Sprache, Medien, Symbole und Rituale politischer Kommunikation die Schwerpunkte der Forschung. Konkrete Untersuchungsgegenstände am Lehrstuhl für Neuere Geschichte sind politische Krisen und Konflikte im Europa des 16. bis 18. Jahrhunderts: die zeremonielle Zeichensprache am fürstbischöflichen Hof in Bamberg während der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie die Berichterstattung der von Hugenotten herausgegebenen schweizerischen Gazette de Berne über politische Entwicklungen in Russland, insbesondere unter Zarin Katharina II., sowie in Frankreich.