Das Projekt Archäologische Untersuchung der ehemaligen Synagoge Mühlhausen (Mfr.) erhält den Bayerischen Archäologiepreis Schule 2026
Im Schuljahr 2024/2025 beteiligte sich der Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit im Rahmen des lehrstuhleigenen Transferangebots „Archäologie in der Schule“ an dem P-Seminar „Archäologische Grabung in der ehemaligen Synagoge Mühlhausen“ des Gymnasiums Höchstadt / Aisch, welches von der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. mit dem Bayerischen Archäologiepreis Schule 2026 ausgezeichnet wurde.
In der Marktgemeinde Mühlhausen lebten Anfang des 18. Jahrhunderts, unter dem Protektorat der Bayreuther Markgrafen und der Freiherren von Eggloffstein, neun jüdische Familien: genug, um einen Minjan zu bilden und eine eigene Synagoge zu halten. Das noch heute bestehende, in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichte Gebäude hatte bereits einen Vorgängerbau. Es war nicht nur sakrales Zentrum für die jüdische Landgemeinde, sondern vereinte multifunktional Rabbinerwohnung, Schule und Gemeindezentrum unter einem Dach. Der eindrucksvolle zweigeschossige, verputzte Massivbau mit mächtigem Walmdach und gequaderten Ecklisenen weist an der Südseite den Wappenstein der Familie von Eggloffstein sowie die Chuppa mit der hebräischen Inschrift und der Baudatierung 5516 nach jüdischem Kalender auf. Die 1833 wegen Feuchtigkeitsschäden in den Betsaal eingebrachte sandige Planierschicht, durch die das Bodenniveau um 50 cm erhöht wurde, bewahrte die barocken Baubefunde der Bima und der Treppe des Aron Hakodesch vor den Zerstörungen durch die Schändung des Novemberpogroms 1938 und den im Zuge der Profanierung des Gebäudes durchgeführten Umbaumaßnahmen.
Die feldarchäologische Untersuchung in der als Bau- und Bodendenkmal ausgewiesenen größten Barocksynagoge Bayerns fand im Frühjahr und Sommer 2025 als Kombination von universitärer und schulischer Lehrveranstaltung statt. Die schulisch-pädagogische Aufbereitung der Themenstellung betreute StD Christian Plätzer, Gymnasium Höchstadt / Aisch; die wissenschaftliche Leitung der feldarchäologischen Untersuchung übernahm Britta Ziegler M.A., Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz förderte das P-Seminar im Rahmen ihres Programms „denkmal-aktiv – Kulturerbe macht Schule“.
Vertreter der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V. und des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege übernahmen am 08. Juli 2026 im Höchstadter Gymnasium die Preisverleihung.
Der Vorsitzende der Gesellschaft für Archäologie in Bayern e.V., Professor Dr. Bernd Päffgen, hob in seiner Laudatio das besondere Engagement der Schülerinnen und Schüler für die Archäologie und die Denkmalpflege in Bayern hervor. Insbesondere die umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit mit der Präsentation der herausragenden Ergebnisse in Rundfunk, Fernsehen und Presse und in zahlreichen Führungen vor Ort habe dazu beigetragen, das Judentum als eine in Bayern historisch verwurzelte Größe in den Fokus der Allgemeinheit zu rücken. Darüber hinaus sei der Ansatz des P-Seminars, die theoretische Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften des jüdischen Kulturerbes in Bayern mit den Methoden praktischer Archäologie und den Belangen der Bayerischen Denkmalpflege zu verknüpfen, äußerst lobenswert.
Die Landesarchäologin Dr. Stefanie Berg wies darauf hin, dass das P-Seminar den Bildungsstätten-Gedanken mit Forschung, Denkmalpflege und Wissenschaftskommunikation vereint habe. Den Schülerinnen und Schülern sei es unter fachlich-universitärer und pädagogisch-schulischer Anleitung vollumfänglich gelungen, unsichtbare Befunde sichtbar zu machen, wissenschaftlich zu erschließen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das prämierte Projekt habe somit Archäologie als Teil der Nachhaltigkeit bleibend umgesetzt.
Der Bayerische Archäologiepreis Schule ist mit 500,- € dotiert.

