KI in der Pflege

Inwiefern kann KI Menschen unterstützen oder ersetzen?

24.04.2026, Bamberg

Am 24. April von 10 bis 16 Uhr fand das Theorie-Praxis Symposium zum Thema „KI in der Pflege“ an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg statt. Organisiert wurde es vom OFS/RMS-TAO-Projekt “KI und Gesundheit” unter der Leitung von Prof. Dr. Astrid Schütz und Prof. Dr. Ute Schmid, um zu klären, wie Pflegekräften durch KI entlasten werden können und wo potenzielle Hürden und Grenzen liegen. Dazu wurde der Stand der Forschung und die Bedarfe der Praxis mit Experten aus KI und Pflege und mögliche Lösungen diskutiert.

Den Einstieg machte Prof. Dr. Markus Rickert von der Universität Bamberg, der sich mit dem Thema beschäftigte, was Roboter heute leisten können und was nicht. Daraufhin widmete sich Prof. Dr.-Ing. Dietmar Wolff von der Hochschule Hof der Frage, welche KI-Angebote für die Pflege der Markt derzeit bietet. Anschließend gab Prof. Dr. Ute Schmid von der Universität Bamberg eine Übersicht darüber, wie KI in der Pflege genutzt werden könnte, um Pflegende und Gepflegte sinnvoll zu unterstützen. Auf die Frage, welche KI-Unterstützung von Pflegefachpersonen als hilfreich empfunden werden und wo Grenzen liegen, ging dann noch Laura Hellmuth M. Sc., Koordinatorin des Wissenschaftlichen Pflegeteams der Sozialstiftung Bamberg, ein. Um noch offene Fragen zu klären und die Themen miteinander zu verknüpfen, moderierte Prof. Dr. Astrid Schütz eine Podiumsdiskussion mit allen Vortragenden. Abschließend beteiligten sich alle im World-Café unter der Leitung von Dr. Angela Fiedler von der Universität Bamberg aktiv daran, das Thema „KI in der Pflege“ in verschiedenen Szenarien aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Die Vorträge behandelten aus unterschiedlichen Perspektiven, wie KI und Robotik in der Pflege eingesetzt werden können. So wurden insbesondere praktische Erfahrungen aus der Pflege, technische Systeme, organisatorische Prozesse sowie ethische und gesellschaftliche Fragen betrachtet. Vor allem aus dem Vortrag von Prof. Dr.-Ing. Wolff ging hervor, wie sehr der Fachkräftemangel, die steigenden Pflegekosten, der demografische Wandel und die zunehmende Belastung pflegender Angehöriger es notwendig machen Pflegekräfte in der Praxis zu unterstützen.

Vor allem dort, wo Prozesse standardisiert, dokumentationsintensiv oder organisatorisch komplex sind, gibt es Potenziale KI sinnvoll einzusetzen. Zu den geeigneten Einsatzfeldern zählen unter anderem administrative Aufgaben, Dokumentation, Monitoring, Dienst- und Tourenplanung, Logistik, Rechnungswesen, Kommunikation, Pflegeplatzsuche, Übersetzungen, Wissensmanagement und Recruiting. Als konkrete Anwendungen wurden auch automatische Berichterstellung, Diagnostik, Sturzerkennung oder Ambient AI zur automatischen Dokumentation als wichtige Zukunftsfelder genannt. 

Prof. Dr. Rickert illustrierte, dass Roboter das Potenzial haben, um für Transportaufgaben, standardisierte Abläufe, Überwachung, Assistenzsysteme und Aktivierungsangebote für Pflegebedürftige genutzt zu werden. Es wurden in den Vorträgen mehrere Beispiele vorgestellt, z.B. Handhabungsroboter, soziale Roboter, Therapie-Roboter, Telepräsenzroboter und Reinigungsroboter. Allerdings bestehen noch immer Herausforderungen vor allem bei unvorhersehbaren Situationen, körperlicher Interaktion, emotionaler Kommunikation, Datenschutz und Sicherheit sowie Akzeptanzfragen, welche verdeutlichen, dass menschliche Pflege nicht vollständig automatisierbar ist.

Prof. Dr. Schmid betonte zudem Vertrauen, Kontrolle und Datenschutz als zentrale Faktoren, besonders aus dem Grund, dass KI nicht fehlerfrei ist. Daraus folgt, dass Menschen Entscheidungen nicht einfach blind delegieren dürfen. Erklärbare und kontrollierbare Systeme sind daher wichtig, um Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Allerdings muss auf Datenschutz und Datensicherheit geachtet werden.  Insbesondere beim Umgang mit Gesundheitsdaten, Sensorik und automatisierter Dokumentation werden hohe Anforderungen an Transparenz und Verantwortung genannt. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass KI nur dann sinnvoll ist, wenn bestehende Prozesse sinnvoll gestaltet sind, denn die Digitalisierung schlechter Prozesse führt nicht automatisch zu besseren Ergebnissen.

Besonders Frau Hellmuth M. Sc. war es außerdem wichtig, dass Pflegekräfte aktiv in der Entwicklung technischer Systeme einbezogen werden, damit diese auf die Bedarfe in der Praxis abgestimmt werden. Da bei Pflegefachkräften oft das Knowhow fehlt und der Umgang mit KI unsicher ist, sind auch Schulungen und digitale Kompetenzen entscheidend, was wiederum technische Infrastruktur und Support voraussetzt. Hierbei spielt auch die wirtschaftliche Tragfähigkeit eine wichtige Rolle, da eine technische Ausstattung meist mit hohen Investitionskosten verbunden ist. Dennoch scheint die Offenheit gegenüber neuen Technologien in der Pflege grundsätzlich vorhanden zu sein.

Zusammenfassend, kann gesagt werden, dass KI und Robotik großes Potenzial zur Entlastung des Pflegesystems besitzen, insbesondere angesichts von Fachkräftemangel, steigenden Kosten und wachsender Pflegebedürftigkeit. Um die Forschung auf die Bedarfe auszurichten, braucht es allerdings einen iterativen und interaktiven Gestaltungsprozess. Momentan eignet sich die technische Unterstützung vor allem für organisatorische, dokumentationsbezogene und standardisierbare Tätigkeiten. Menschliche Pflege bleibt jedoch unverzichtbar, insbesondere dort, wo Empathie, Beziehung, Verantwortung, Kommunikation und individuelle Entscheidungen gefragt sind. Die Vortragenden waren sich demnach einig, dass KI entlasten, aber Pflegekräfte nicht vollständig ersetzen soll und plädieren daher insgesamt für eine partnerschaftliche Mensch-KI-Zusammenarbeit statt vollständiger Automatisierung.