Von der Professur betreute Dissertationsprojekte (laufend)


Florian Leubner Zwischen Nähe und Distanz: Nichtjüdische Hausangestellte in jüdischen Haushalten im Nationalsozialismus. Eine Regionalstudie am Beispiel von Mittelfranken (Rothenburg ob der Tauber)

Die Rolle nichtjüdischer Hausangestellter in jüdischen Haushalten während des Nationalsozialismus ist bislang kaum systematisch erforscht worden. In einer Gesellschaft,
in der Antisemitismus zunehmend zur Staatsdoktrin wurde, erscheint die fortdauernde Nähe zwischen dem oftmals christlichen Dienstpersonal und ihren jüdischen
Arbeitgeber*innen als durchaus bemerkenswerte Konstellation. Diese Studie widmet sich der These, dass nichtjüdische Hausangestellte in jüdischen Haushalten eine Sondergruppe innerhalb der deutschen Bevölkerung unter dem Nationalsozialismus darstellen. Aufgrund ihrer engen persönlichen Bindung zu jüdischen
Arbeitgeber*innen und ihrer oft ländlich-katholischen Herkunft könnten sie eine besondere Form der Immunität gegenüber der antisemitischen Propaganda gezeigt haben.

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Susanne Talabardon


Moritz Bauerfeind: «Dass es anders und besser werde» Zwei Rabbiner an der Peripherie und ihr publizistisches Werk für die Emanzipation

Die Dissertation zielt auf eine aktualisierte Neubetrachtung der jüdischen Emanzipationsgeschichte, die vertraute Gewissheiten hinterfragt und Leerstellen benennt, ausgehend von der Betrachtung zweier Lebenswerke, deren Urheber zum Sprechen gebracht und damit die Vergangenheit der Gegenwart näherbringen sollen. Den beiden Protagonisten der Arbeit,Samson Wolf Rosenfeld in Bamberg und Moses Nordmann in Hégenheim, ist gemeinsam, dass ihre Geschichten untererforscht und unterrepräsentiert sind. Sie unterscheiden sich in einer um fast 30 Jahre versetzten Geburt und entsprechen sich zugleich als herausragende Vertreter ihrer Zunft, der eine als der letzte nicht akademisch ausgebildete Rabbiner Bayerns und der andere als der letzte Elsässer Vertreter einer Generation vor der Einrichtung des Rabbinerseminars in Metz. Beide wirkten für die Reform des jüdischen Gemeindelebens und des religiösen Ritus wie auch als engagierte Antreiber der bürgerlichen Integration und als Verfechter der Gleichberechtigung in Recht und Alltag. Ihre Wirkungsräume befanden sich mit dem ländlich geprägten Oberfranken und dem französisch-schweizerischen Grenzland an der Peripherie. In ihren jeweiligen Umfeldern verschafften die beiden Rabbiner sich Handlungsspielräume und erzeugten Öffentlichkeit für ihre Ideale, die sie im Gegensatz zu ihren aufklärerischen Vorgängern nicht nur theoretisch beschrieben, sondern stets auch in die Tat umzusetzen versuchten.

Erstbetreuer: Prof Dr. Erik Petry (Basel)       Zweitbetreuerin:  Prof. Dr. Susanne Talabardon


Daniel Manthey: Antijüdische Legenden und Stereotype des Hochmittelalters im Spiegel des Bonum Universale des Apibus des Dominikaners Thomas de Cantimpré

Das Promotionsprojekt befasst sich mit der historischen und geistesgeschichtlichen Kontextualisierung des “Bienenbuchs” Thomas' de Cantimprés, einer Anthologie mit Exempla und Legenden, die u.a. als Handbuch zu Predigt und moralischer Unterweisung dienen sollte. Neben einer sorgfältigen biographischen Recherche geht es um Rückfragen nach dem historischen, kirchenrechtlichen, theologischen und “volksreligiösen” Umfeld Cantimprés, die zu den markanten Verwerfungen im kirchlichen Umgang mit der europäischen Judenheit führten, wie sie das Bonum Universale de Apibus spiegelt. 

Erstbetreuer: Prof. Dr. Klaus van Eickels    Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Susanne Talabardon


Elisabeth Singer-Brehm: Erforschung moderner Genisot in Deutschland - Die Genisa von Reckendorf

Die Erschließung, Dokumentierung und Untersuchung der Genisot ist ein wichtiger Beitrag zur Erforschung des Landjudentums in Deutschland vom 17. bis in das 20. Jahrhundert. Seit den 1980er-Jahren wurden zwar zahlreiche Genisot inventarisiert, doch für keinen der derzeit bekannten deutschen Genisafunde liegt eine gründliche inhaltliche Auswertung vor. Meine Arbeit „Die Genisa von Reckendorf“ soll diese Lücke schließen, einen Überblick über die gesamte Genisa und einen Einblick in den Umgang mit diesem schwierigen Material geben sowie an einer ausgewählten Textgattung exemplarisch die möglichen Untersuchungen zeigen.

Das Promotionsvorhaben wurde von der jüdischen Begabtenförderung des Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks und von Step-by-Step BGF-Programm „Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre“ (Frauenförderung der Universität Bamberg) finanziell unterstützt.

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Susanne Talabardon

Von der Professur betreute Dissertationsprojekte (abgeschlossen)


Tina Weidemann: Die Sprache der Psalmen

Das Buch der Psalmen oder wie es hebräisch genannt wird, der Sefer Tehillim (das Buch der Lobpreisungen) blickt auf eine lange und dabei sehr vielfältige Rezeptionsgeschichte zurück.
Die Texte erfreuen sich dabei sowohl beim individuellen Gebet als auch innerhalb des Gemeindegebets großer und anhaltender Beliebtheit, was an ihrem intensiven Ausdruck der Beziehung
zwischen Mensch, Mitmensch und Gott begründet sein dürfte. 
Sie wurden und werden in ihrer langen Erforschungs- und Auslegungsgeschichte aus ganz unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Der Bezug zur Dichtung, zur Musikalität und ihr lyrischer Charakter wurden dabei in der Geschichte der Psalmenauslegung und -erforschung wahrgenommen und in unterschiedlichem Maße bearbeitet. Meist überwog am Ende jedoch das exegetische, theologische oder liturgische Interesse, das an die Texte herangetragen wurde und weniger die literaturwissenschaftliche Betrachtung. Eine tatsächlich lyriktheoretische Bearbeitung des Sefer Tehillim unterlieb deshalb zumeist. 

Der Gegenstand dieser Promotion ist deshalb die Auswahl einer geeigneten literaturwissenschaftlichen Lyriktheorie, die sich tatsächlich für die hebräischen Texte eignet und anschließend an ausgewählten Beispielen erprobt worden ist.

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Susanne Talabardon    Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Iris Hermann


Eik Dödtmann: Die Haredim: Das ultraorthodoxe Judentum in Israel zu Beginn des 21. Jahrhunderts – Eine zeitgeschichtlich-religionssoziologische Analyse

In dem Dissertationsprojekt wird die charedische Gemeinschaft in ihren heutigen Strömungen dargestellt. In einer religionssoziologischen Tiefenanalyse werden die Spannungen auf politischer, religiöser und kultureller Ebene aufgezeigt, die im 21. Jahrhundert zwischen der demographisch sehr dynamischen ultraorthodoxen und der nicht-orthodoxen jüdisch-israelischen Mehrheitsgesellschaft herrschen. Schwerpunkte sind dabei das Justizsystem, der politische Apparat, die Armee und die Gestaltung des öffentlichen Raumes.

Erstbetreuer: Prof. Dr. Christoph Schulte, Universität Potsdam   

Zweitbetreuerin: Prof. Dr. Susanne Talabardon


Daniel Vorpahl: Aus dem Leben des Buches Jona: Eine diskursanalytische Untersuchung der frühjüdischen und rabbinischen Rezeptionen

Das Dissertationsprojekt widmet sich den Rezeptionen des biblischen Buches Jona und deren überlieferungsdynamischen Intertextualitätsbeziehungen sowie entsprechenden Aushandlungsprozessen innerhalb der frühjüdischen und rabbinischen Literatur. Im Unterschied zu anderen rezeptionswissenschaftlichen Arbeiten wird die Rezeptionsgeschichte dabei als Arbeitsfeld und nicht als Gegenstand der Forschung verstanden. Im Fokus des Interesses stehen vielmehr die kontextgebundenen Intentionen und Bedürfnisse, Aussagespektren und Konsequenzen des innerjüdischen Rezeptionsdiskurses bis zum Ende der klassischen Midrasch-Literatur sowie insbesondere dessen dynamische Überlieferungsprozesse. Folglich werden Rezeptionen nicht nur deskriptiv erfasst, sondern anhand einheitlicher Analysekategorien, Rezeptionsmotive und -themen komparatistisch untersucht.

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Susanne Talabardon

Zweitbetreuer: Prof. Dr. Rüdiger Liwak  


Nicole Grom Dokumentation des jüdischen Friedhofs Reckendorf. Geschichte –  Begräbniskultur – Bestand.  

als Volltext verfügbar: Dokumentation des jüdischen Friedhofs Reckendorf. Geschichte –  Begräbniskultur – Bestand.  


Heinrich C. Olmer: "Wer ist Jude"? Ein Beitrag zur Diskussion über die Zukunftssicherung der jüdischen Gemeinschaft

Veröffentlicht in der Reihe: Judentum - Christentum – Islam. Interreligiöse Studien. Würzburg, Ergon-Verlag 2010.


Wenzel Widenka: „Sehet, da kommen Schakale, den Weinberg zu zerstören, den Weinberg Israel....“ Emanzipation und Konfessionalisierung im fränkischen Landjudentum in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

als Volltext verfügbar :Das Projekt untersucht den religiösen Wandel der fränkischen Landgemeinden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Angesicht der Anfragen von reformerisch bewegten Rabbinern einerseits und staatlichen Untersuchungen andererseits. Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auf den „Kreisversammlungen der Israeliten“ in den Bezirkshauptstädten der fränkischen Kreise im Jahre 1836. Die Arbeit wurde durch die Konrad Adenauer Stiftung, der Forschungsstelle Landjudentum und der Prof. Klaus Guth Stiftung unterstützt.

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Susanne Talabardon

Zweitbetreuer: Prof. Dr. Wolfgang Wüst, Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg