Wissenspool Baudenkmalpflege (KDWT)

Ausgangslage

Die praktische Baudenkmalpflege darf sich grundsätzlich in der komfortablen Lage sehen, bei Planung und Umsetzung von Bauaufgaben auf einen umfangreichen Wissensschatz zurückgreifen zu können. Zahlreiche Protagonisten der Baudenkmalpflege haben in vielfältiger Weise Veröffentlichungen zu den großen und kleinen Themen des praktischen Bauerhalts herausgegeben. Format, Form und Kontext unterscheiden sich ganz erheblich.
Die behandelten Themenkreise zeigen bereits heute eine große Bandbreite, Neuerscheinungen bekannter und neuer „player“ nehmen die Impulse der technischen und digitalen Weiterentwicklung, auch in der Produktentwicklung und dem -einsatz, auf. Interessant dabei ist, dass einige Themen der Baudenkmalpflege und des praktischen Bauerhalts vor mittlerweile einigen Jahrzehnten abgehandelt, jedoch bis heute nicht fortgeschrieben wurden. Die Gründe dafür mögen vielseitig sein, vielleicht sind einige Methoden bereits so ausgereift, dass sie bis heute nicht besser gemacht werden können.
Andererseits drängt sich auch die Frage nach „Forschungslücke“, „Vernachlässigung“ oder „Stand(-ard) der Technik“ auf. Beantworten kann diese Sammlung solche Fragen nicht, sie soll als praktische Arbeits- und Forschungsgrundlage dienen. Die Frage nach der Gültigkeit von zurückgezogenen bzw. „falschen“ Empfehlungen stellt sich aus Sicht der Verfasser nicht oder nur eingeschränkt. Die Anwendung einer Vorschrift oder eines Regelwerks ist in der Praxis regelmäßig dem Planungs- und Ausführungszeitpunkt geschuldet, häufig also privatrechtlicher Natur. Insofern helfen archivierte Vorschriften dabei, den Kenntnis- und Rechtsstand zum Erstellungszeitpunkt zu dokumentieren. Zudem dokumentieren „historische“ Beiträge den Kenntnisstand und den Umgang mit unserem baulichen Erbe - vielleicht auch das Denken der Protagonisten - in einer Epoche der Baudenkmalpflege.
In einem anderen Projekt des KDWT wird u.a. behandelt, ob und welche Normen, Empfehlungen oder Regelungen im bauaufsichtlichen Verfahren eingesetzt werden müssen bzw. dort eine Rolle spielen. Meist zeigt sich, je nach Regelungsdichte eines Bundeslandes, dass viele Veröffentlichungen lediglich im Privatrecht von Belang sind, also die Beziehung zwischen Planer, Fachingenieur, Fachfirma und Bauherr bestimmen können - dies aber durchaus nicht müssen.
Die Methoden und Vorgehensweisen der Baudenkmalpflege können in adaptierter Form auf das weite Feld des Bauens im Bestand übertragen, ein Wissenstransfer soll ausdrücklich ermöglicht werden. Die erprobten, gesicherten Methoden in der Denkmalpraxis erlauben durchaus Rückschlüsse auf den Umgang mit Bestandsgebäuden - ganz gleich ob Einzeldenkmal oder nicht.  
Notwendigerweise wird auf eine Schwerpunktbildung der Sammlungsinhalte hingearbeitet. Diese lassen sich derzeit am besten mit den Begriffen „Bauforschung, digitale Methoden, Bauaufnahme, Baudenkmalpflege, Bauerhalt, Sanierung, Reparatur, Wartung und Pflege sowie Monitoring“ umschreiben.
Die Datenbank ist bislang nur im Intranet der Universität Bamberg zugänglich. Forschung und Lehre werden in Kürze Zugriff auf diese beständig wachsende Sammlung haben, die Klärung von Autoren- und Urheberrechten bleibt eine Herausforderung für die kommenden Jahre.


Projekt

Das KDWT errichtet eine digitale, durchsuchbare Sammlung technischer und handwerklicher Anweisungen zu Vorgehensweisen in der Baudenkmalpflege. Diese werden indexiert, zugeordnet und archiviert. Ziel ist es, eine umfassende, rein digitale Datenbank von in Buchform und als graue Literatur veröffentlichten Dokumenten zu erstellen.


Problemstellung

Die föderale Struktur der BRD bedingt Landesbauordnungen und -damit verbundenes- Denkmalrecht auf Länderebene. Die Landesämter für Denkmalpflege sind als institutionelle Denkmalpflege naturgemäß Teil dieses föderalen Systems.
Dementsprechend besteht eine große Anzahl von Veröffentlichungen zu zahlreichen Themenbereichen der Baudenkmalpflege, die kaum überblickt werden kann. Über deren Gültigkeit und Anwendbarkeit entscheidet, neben den Denkmalschutzbehörden, oftmals die Rechtsprechung.
Den „Denkmalpflege Informationen 11/2014“ gemäß arbeitet das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege an einem Aktualisierungsprojekt der „Arbeitsblätter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege“, bei dem sämtliche praxisorientierten Empfehlungen deutscher Denkmalfachbehörden und anderer Institutionen erfasst wurden (über 1000 Titel).
Das österreichische Bundesdenkmalamt hat zuletzt 2015 eine korrigierte Fassung ihrer vielbeachteten „ABC-Standards der Baudenkmalpflege“ als Print sowie in digitaler Form als pdf-Datei aufgelegt und damit eine seit längerem schwelende Diskussion in der Baudenkmalpflege nochmals angefacht: Benötigen wir ein Kompendium zu Arbeits- und Vorgehensweisen in der Baudenkmalpflege, welches -verbindlich- bundesweit gilt?
Notwendigerweise unterliegen Maßnahmen in der Baudenkmalpflege einer Vielzahl anderer, auch verfahrensrechtlicher Belange. Diese finden manchmal trotz ihrer Bedeutung wenig Beachtung in Fachkreisen.


Zielstellung

Selbstverständlich werden die Zuständigkeiten und Expertisen der Fachkreise, der institutionellen Denkmalpflege, der Legislative und des Denkmalschutzes beachtet.
Das KDWT möchte die oben gestellte Frage nicht beantworten, sondern vielmehr durch ein Überblickswerk seinen Diskussionsbeitrag leisten. Viel interessanter scheint uns die Frage „Was alles gibt es, wo liegt es und wie hängt es miteinander zusammen?“
Ziel der Sammlung ist es, eine fach- und zuständigkeitsübergreifende Dokumentensammlung zur Baudenkmalpflege anzulegen. Dabei sollen Inhalte aus verschiedensten Fachbereichen in einem „Wissenspool“ gesammelt und durchsuchbar hinterlegt werden.
Ziel ist es nicht, eine wie auch immer wertende Haltung oder Aussage zu treffen, sondern vielmehr Themenbereiche zu durchleuchten und fehlende/nicht bearbeitete Themenfelder zu erkennen. Dabei sollen insbesondere auch Abläufe und Verfahren Beachtung finden.


Sammlungsinhalte

Die Sammlung beinhaltet beispielsweise Veröffentlichungen von Landesämtern, Fachbehörden, Forschungseinrichtungen, Bauordnungsbehörden, Restauratoren, Heimatpflegern, Bürgern, Vereinen, bauaufsichtlich eingeführte technische Baubestimmungen, einschlägige Normen u.v.m.
Damit ein Entwicklungsüberblick entstehen kann, sollen nicht nur aktuelle und gültige, sondern auch vergangene und untergegangene Veröffentlichungen gesammelt werden.
Aufgrund der Vielzahl von Themenkreisen wird eine redaktionelle Eingrenzung vorgenommen werden müssen, die jedoch nicht nur subjektiv-einschränkend bleiben soll. Bauordnungsrechtliche Zusammenhänge bleiben derzeit auf das Bundesland Bayern beschränkt.


Methode und Vernetzung

Grundgedanke ist eine digitale Verortung und Vernetzung von Themen in einer zentralen Datenbank mittels Kategorien, Beteiligtenkreisen, Suchbegriffen, Zuständigkeiten und Abläufen. Verwendet werden sollen übliche, nicht an besondere Plattformen gebundene Programme und Tabellen. Ziel ist es, logische Begrifflichkeiten zu entwickeln und auf die Datenbank anzuwenden. Die Universitätsbibliothek Bamberg soll als Projektpartner gewonnen werden, denn grundsätzlich bleibt die Sammlung von Literatur –vielleicht auch um den Begriff „graue/digitale Literatur“- deren originäre Aufgabe. Dort existieren hervorragende Strukturen und Kompetenzen –auch in rechtlichen Fragen- die genutzt werden müssen.


Ergebnisse und Einschränkung

Überblicksmäßig können Zusammenhänge, Inhalte und Abhängigkeiten in der Baudenkmalpflege gezeigt werden, nicht oder spärlich beleuchtete Themenkreise können erkannt und ggf. auch benannt werden.
Die Sammlung kann auch Impulse an Fachkreise geben, deren Mitwirkung an ihr von großer Bedeutung sein wird.
Aufgrund des Urheberrechts, das in jedem Fall gewahrt werden muss, wird die Sammlung zumindest vorläufig nur Fachleuten zu Forschungszwecken zur Verfügung stehen können.


Ausblick

In Anbetracht der unterschiedlichen Auffassungen und Interessenslagen in der Baudenkmalpflege bleibt es derzeit offen, ob fachlich Beteiligte die Frage „Benötigt man Normierung/Vereinheitlichung in der Baudenkmalpflege?“ überhaupt als relevant ansehen.
Zudem gilt es zu unterscheiden, was Fachkreise als notwendig erachten, für fachlich richtig halten oder als allgemein verbindlich ansehen. Letztlich muss die Legislative auf Bundes- und Länderebene entscheiden, ob und inwieweit technische Regelwerke bauaufsichtlich eingeführt werden.
Dabei muss die europäische Dimension beachtet werden, da nationale Vorschriften oftmals als Wettbewerbshemmnis angesehen werden.
Die Sammlung bedingt die Mitwirkung einer Vielzahl von Beteiligten, die noch gefunden und überzeugt werden müssen. Eine solche Aufgabe kann wohl nie als abgeschlossen angesehen werden und sie wird sich auch zukünftig ständig neu stellen.