18.06.2026 DIE ZEIT. WISSEN: Drei Fragen an Prof. Dr. Ute Schmid

Ute Schmid beantwortet folgende Fragen:

1. Was brauchen Sie heute im Beruf, was Sie im Studium nicht gelernt haben?

Ich habe zwei Studiengänge abgeschlossen, erst Psychologie, dann Informatik. Damit habe ich auch zwei verschiedene Perspektiven auf wissenschaftliches Arbeiten kennengelernt, eine experimentell erfahrungswissenschaftliche und eine formal- und ingenieurwissenschaftliche. Das hilft mir bis heute sowohl in meiner Forschung im Bereich Künstliche Intelligenz, als auch bei der Kooperation in interdisziplinären Projekten. Studierende und Promovierende bestmöglich zu unterstützen ist mir sehr wichtig. Das habe ich nicht im Studium gelernt.


2. Was hat Sie während eines akademischen Aufenthaltes besonders beeindruckt?

Als Post-Doc war ich ein Jahr an der Carnegie Mellon University. Deren Motto ist “My heart is in the work.” Und genau das wurde dort auch gelebt. Mich hat sehr beeindruckt, wie dort über Gruppen hinweg gemeinsam an Themen gearbeitet wird und wie offen und um Erkenntnis bemüht die Diskussionen waren. Ich habe bei meiner Zeit in den USA aber außerhalb der Universität auch die kulturellen Unterschiede zwischen USA und Europa kennengelernt, beispielsweise offene Diskussionen über Politik bei einem Glas Wein.


3. Lektüre muss sein. Welche?

Ich schätze die Romane von Lion Feuchtwanger sehr. Vor allem in seinen historischen Romanen zeigt er immer wieder auf, wie Ignoranz und Fanatismus blind machen gegenüber kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften. Er schafft es, große politische Themen über Einblicke in die Gedanken und Gefühle einzelner Personen, nachvollziehbar zu machen, besonders beeindruckend in “Die Jüdin von Toledo” oder ”Narrenweisheit oder Tod und Verklärung des Jean-Jacques Rousseau“.


3,5. Uns sonst so?

Wissenschaftskommunikation ist nicht marktschreierische Selbstdarstellung sondern hat die Aufgabe, rationale Grundlagen für die Auseinandersetzung mit komplexen Themen zu liefern. Über KI wird viel geredet, aber wir brauchen Anwendungen, die Menschen nicht manipulieren und marginalisieren, sondern sinnvoll unterstützen.

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