Habilitationen
Laufende Habilitationsvorhaben
Dr. Johanna Wolf: Ordnung im Betrieb. Die Entwicklung von Arbeitsordnungen in Deutschland im 19. und 20. Jahrhundert
Das Forschungsvorhaben beschäftigt sich mit der Entstehung und Genese von deutschen Arbeits- und Fabrikordnungen. Ihr Ursprung liegt im frühen 19. Jahrhundert, als Fabrikbesitzer Gebote und Verbote festlegten, um den Arbeitsablauf innerhalb ihres Unternehmens zu regeln. Sie definierten Arbeitsbedingungen und Verhaltensansprüche an Arbeiter:innen und stellten somit eine Rechtsgrundlage für Arbeitsverhältnisse auf. Mit Hilfe der im Projekt Nichtstaatliches Recht der Wirtschaft (MPI für Rechtsgeschichte und Rechtstheorie) entwickelten Quellendatenbank soll den historischen Zäsuren von Arbeitsordnungen von 1834 bis 1934 nachgegangen werden. Gegenstand der Analyse ist dabei die Identifikation historischer Wendepunkte, die Frage nach inhaltlichen Veränderungen in den normativen Texten selbst und die Untersuchung von Aushandlungsprozessen, die den Arbeitsordnungen vorangestellt waren oder aus diesen resultierten.
Die Analyse wird in einem dreischrittigen Verfahren durchgeführt. Die historischen Zäsuren werden im ersten Schritt anhand der bisherigen Forschungsliteratur zur betrieblichen Mitbestimmung und Betriebsverfassung eruiert. Dabei sollen Gesamtdarstellungen mit regionalen Einzelstudien zusammengeführt und etablierte Narrative reflektiert werden.
Im zweiten Schritt wird mit Hilfe der Quellendatenbank geprüft, wann Peaks von Arbeitsordnungen entstanden, inwiefern sie mit staatlichen Regulierungen zusammenfielen oder von diesen abwichen. Im dritten Schritt werden mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse die entsprechenden Aushandlungsprozesse erforscht. Dafür werden prägnante Beispiele ausgewählt, Vergleiche (zwischen Betrieben und Regionen) gezogen und Akteure und Institutionen, die an den Aushandlungsprozessen beteiligt waren, sowie Räume, in denen diese Diskurse stattfanden, identifiziert.
Im Laufe des Forschungsvorhabens wird somit ein multiples Feld an Akteur:innen und Institutionen rekonstruiert, in dem die Ordnung im Betrieb verhandelt, festgeschrieben und zuweilen in Frage gestellt wurde. Ziel ist es, die Diskurse, Praktiken, Regeln, Normen und Prinzipien des historischen Normativitätsregimes industrieller Arbeitsbeziehungen im historischen Längsschnitt darzustellen.
Vita von Johanna Wolf