Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften

Arabistik

Aktivitäten im aktuellen Semester

II. Workshop "Arabisch als Fremdsprache" in Kooperation mit der Universität Oran I - Ahmed Ben Bella

Die bundesweit einzigartige Initiative zur Zusammenarbeit zwischen der Professur für Arabistik der Universität Bamberg und der Abteilung für Arabistik der Universität Oran I (Algerien) geht in die zweite Runde.

Nachdem bereits im Frühjahr eine Gruppe algerischer Lehrender und Studierender zur Teilnahme am ersten Projektworkshop im Rahmen der DAAD-Kooperation „Arabisch als Fremdsprache im algerischen Kontext – اللغة العربية للناطقين بغيرها في السياق الجزائري“ nach Bamberg gereist war, hieß es am 7. Oktober für 18 Bamberger Dozierende und Studierende, zum neuntägigen Gegenbesuch nach Oran aufzubrechen.

Wie erwartet, war der Empfang der Bamberger Delegation mehr als herzlich. Nach erprobtem Prinzip erschlossen sich die Studierenden die Hauptstadt des algerischen Westens in thematisch gebildeten kleinen Gruppen und sprachen dabei ausschließlich Arabisch. Hilfsbereit und voller Tatendrang brachten die algerischen Studierenden ihren deutschen Kommiliton*innen auf diese Weise so unterschiedliche Themengebiete wie die Wohnsituation in Oran,  lokale Spezialitäten oder das algerische Hochschulsystem und die Oraner Universitäten näher. Ein interaktiver arabischer Stadtplan von Oran, der zukünftigen Austauschstudierenden aus Bamberg ihren Auslandsaufenthalt vor Ort erleichtern soll, wird in den kommenden Wochen durch die Studierenden und auf den Ergebnissen ihrer Gruppenarbeit aufbauend erstellt. 

Die studentischen Aktivitäten wurden begleitet durch Fachvorträge zu Themen der arabischen Literatur, Kultur und Sprachdidaktik. Dabei stellten unter anderem die Bamberger Studierenden des Masterstudiengangs „Arabistik“ ihre Forschungsarbeiten vor einem arabischen Publikum in der Landessprache  vor  und stellten sich den kritischen und interessierten Fragen der algerischen Arabistinnen und Arabisten – eine Premiere für alle Beteiligten und eine wertvolle Erfahrung für junge Nachwuchswissenschaftler*innen.

Außerdem besuchten die Bamberger Gäste die Zeitungsredaktion der Oraner Tageszeitung „El-Joumhouria“, unternahmen einen Ausflug an die malerische Mittelmehrküste westlich von Oran und ließen sich auf Arabisch(!) durch die Kasbah Algiers führen.

Für das kommende und dritte Jahr des DAAD-Projekts ist ein weiterer Besuch in Oran geplant, um letzte Modalitäten für den geplanten dauerhaften Studierendenaustausch zwischen beiden Partnerinstitutionen zu klären. In Zukunft können dann Bamberger Studierende der Arabistik nicht nur einen der zahlreichen Sprachkurse in einem arabischsprachigen Land absolvieren, sondern zusammen mit ihren algerischen Kommiliton*innen reguläre Kurse der Oraner Arabistik besuchen und so immer wichtiger werdende sprachpraktische Erfahrungen im universitären Umfeld sammeln. Im Gegenzug dazu werden algerische Doktorand*innen die Möglichkeit erhalten, ihre Fähigkeiten auf dem Gebiet „Arabisch als Fremdsprache“ in Bamberg praktisch anzuwenden und somit sowohl ihre eigene Forschung zu komplementieren, als auch einen Beitrag zum Arabischunterricht in Bamberg zu leisten.

Die Bamberger Arabistik freut sich auf die zukünftige enge Zusammenarbeit! 

I. Workshop "Arabisch als Fremdsprache" in Kooperation mit der Universität Oran I - Ahmed Ben Bella

Deutschland – Algerien 4:8

Nach anderthalb Jahren der Vorbereitung war es am 13. April endlich soweit: Im Rahmen des Projekts „Arabisch als Fremdsprache im algerischen Kontext“ kamen deutsche und algerische Studierende und Dozierende der Arabistik in Bamberg zum ersten von drei geplanten Workshops zusammen. Für fast alle der algerischen Teilnehmer*innen war es der erste Besuch in Deutschland und so stand in Bamberg vor allem die persönliche Begegnung zwischen den Studierenden beider Länder im Vordergrund.

Für die deutschen Arabischlerner*innen bot der Workshop die Gelegenheit, die Sprache über sechs Tage hinweg als Hauptkommunikationsmittel im universitären Alltag zu verwenden. Die algerischen Gäste wiederum lernten den deutschen Unialltag kennen und kamen erstmals auch praktisch mit dem immer wichtiger werdenden Thema „Arabisch als Fremdsprache“ in Berührung. Die studentischen Aktivitäten wurden begleitet von Vorträgen und Diskussionen rund um die Arabischdidaktik, bei dem sich ein fruchtbarer wissenschaftlicher Austausch entwickelte.

Die wichtigste Komponente des Workshops bildete jedoch die Erstellung eines virtuellen Stadtplans  von Bamberg auf Arabisch, von dem in Zukunft arabischsprachige Studierende – aber auch alle anderen arabischsprachigen Bürger*innen der Stadt – profitieren werden. Dazu machten sich die Studierenden in Gruppen auf den Weg und erkundeten die frühlingshafte Welterbestadt. Jede Gruppe recherchierte zu verschiedenen Themenfeldern wie „Essen und Trinken“ oder „Wohnen in Bamberg“ und stellte ihre Ergebnisse in Form von Videos, Fotos und kurzen arabischen Texten ins Netz. Das Ergebnis ist der erste interaktive arabische Stadtplan von Bamberg: https://www.google.de/maps/@49.8916934,10.8871401,17z/data=!3m1!4b1!4m2!6m1!1sz4KMzorSBOK0.kR3XECalBPEA?hl=ar

Die Stimmung war dabei so gut, dass am Ende ein spontanes Fußballspiel organisiert wurde. Diesmal ging es eindeutig zugunsten der algerischen Gäste aus. Doch wer weiß, ob das beim nächsten Fußballspiel (und Workshop) im Oktober in Oran wieder der Fall sein wird.

Auswahl an Aktivitäten vergangener Semester

Lesung mit Ensaf Haidar

Ensaf Haidar, die Frau des inhaftierten, saudischen Bloggers, Raif Badawi, war am 24.04.2016 zu Gast an der Universität Bamberg. Nachdem die Bamberger Schriftstellerin, Tanja Kinkel, aus ihrem Buch "Freiheit für Raif Badawi, die Liebe meines Lebens" las, hatte das Publikum die Möglichkeit, Ensaf Haidar Fragen zu stellen und mit ihr ins Gespräch zu kommen. 

Verschieden Medien berichteten über die Lesung, wie zum Beispiel der Bayerische Rundfunk:

http://www.br.de/radio/bayern2/kultur/kulturwelt/raif-badawi-ensaf-haidar-100.html

 

 

Ein Bericht von Stefan Schindelbauer

 

 

Israel-Palästina Exkursion vom 30.09. bis 11.10.2015 der Otto-Friedrich-Universität Bamberg

Am 30. September dieses Jahres war es endlich soweit, unsere Exkursion durch Israel und Palästina beginnt. Treffpunkt war aber natürlich nicht Bamberg zur gemeinsamen Anreise, sondern unser Hotel „Beachfront“ (Name war Programm) in Tel Aviv. Bei Abflug in Deutschland hatten wir 5°C und bei Ankunft am Flughafen Ben-Gurion ca. 33°C.

Nach Fahrt zum Hotel, dem Bezug unserer Sammelunterkunft – u.a. einem 6-Bettzimmer für die Herren – und einer kurzen Vorstellungsrunde (2 Guides, 15 Studenten und 4 Dozenten) ging unser erster Ausflug in das historische Jaffa und was davon übrig blieb in den Süden der Metropole. Direkt am Meer mit einer angenehmen Brise und einem romantischen Sonnenuntergang ging auch schon der erste Tag zu Ende. Der darauffolgende stand ganz im Zeichen von Sightseeing. Wir liefen viel, sehr viel, und wir wollen nicht wissen, wie viele Kilometer wir zurücklegten, aber es war spannend, die Geschichte der noch sehr jungen Stadt zu erfahren. Am Nachmittag hatten wir auch endlich die Chance, uns im Mittelmeer zu kühlen und darin zu entspannen. Abends im bekannten Viertel Florentin gegessen, mit israelischen Studenten über Gott und die Welt philosophiert wartete am nächsten Morgen der Bus, der uns zuerst an den Rand des Gaza-Streifen nach Netiv HaAsara bringen sollte, direkt an der Mauer gelegen. Eine Dame erzählte uns dort von Ihrem Engagement, verletzte Palästinenser aus Gaza nach Ost-Jerusalem zur Behandlung zu bringen und Ihr Vertrauen zu gewinnen. Direkt in dieser Siedlung bemerkten wir die Spannung, sie lag förmlich in der Luft – jederzeit kann der Raketenalarm ausgelöst werden und das bedeutet, dass man sich innerhalb von 15 SEKUNDEN in den Schutzraum gegeben muss. Uns zog es danach noch ein bisschen weiter nach Süden nach Sderot um nach unserer Mittagspause gen Norden nach Haifa zu fahren. Nach 2 Stunden Fahrt auf halber Strecke machten wir halt, wir feierten für viele von uns den ersten Shabbat im Garten der Gemeinde. Wir wurden herzlich (wir überall in Israel!) aufgenommen, es wurden Gebete gelesen, zusammen gesungen, ein leckeres Abendbuffet verspeist und zusammen geredet. Aber unser Zeitplan war sehr begrenzt, wir mussten uns nach Haifa aufmachen, da unster Guesthouse in der German Colony nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit besetzt war. Eingecheckt, Zimmer bezogen, geduscht und endlich konnten wir schlafen, oder Bier im Garten trinken.

Der nächste Tag stand im Zeichen einer kleinen Künstlerführung durch das Viertel und einer Runde mit Studenten, die uns von Ihrem Projekt berichteten, dass Israelis und Palästinenser zusammenbringen sollte. Ziel dabei war die gemeinsame Besteigung eines Berges (z.B. des Montblanc) und wer die Kontroversen der beiden „Gruppen“ kennt, weiß, dass das sehr schwer werden könnte. Über einen kleinen Abstecher beim Bahia-Tempel ging es zurück zur Unterkunft und mit Bus in die Berge zum Nachmittagsprogramm. Im Drusendorf angekommen, hatten wir Zeit zum Shoppen und bummeln bis wir zum Abendessen in ein Restaurant mit örtlichen Spezialitäten gingen. Auf dem Rückweg nach Haifa hatten wir die Chance, eine Bar zu plündern, bevor es wieder hieß, „Zurück zur Unterkunft, morgen geht es weiter mit dem Bus!“.

Unsere Reiseroute sollte uns nach dem auschecken weiter in den Norden nach Tzefat, der höchsten Stadt Israels und ein wichtiger Ort für die Kabbala, und zum Har Meron, dem höchsten Berg Israels, bringen. Auf den Gipfel konnten wir nicht -  militärisches Sperrgebiet – aber um den Gipfel auf den Pfaden laufen und in alle Himmelsrichtungen schauen. Wir sahen die Grenze zum Libanon, die Golanhöhen und auch den See Genezareth.

Der See Genezareth und die Brotvermehrungskirche waren tags darauf ein Ziel auf unserem Trip gen Süden. Nach einer kleinen Führung über das Gelände ging die Busfahrt entlang des Sees weiter in die Tiefe, an der Grenze zur Westbank befanden wir uns ca. 200 m unter NN. Über Bet She’an, einer antiken Stätte der Römer über das WaterEcoCenter Auja und der Problematik der Wasserverteilung zwischen Siedlern und Palästinensern und einem Besuch im Zelt eines Beduinen ging es weiter in die Oasenstadt Jericho. Nach dem dortigen Abendessen und der Fahrt zur Jugendherberge am Toten Meer mussten wir auf der breiten Straße Slalom fahren, um die Sperren der Jugendlichen zu umfahren, die laut unserem Reiseguide Tobi „gerne Fangen spielen mit dem Militär, das Militär aber immer 1:0 gewinnt.“

Die Nacht sollte kurz werden. Es hatte über Nacht über 28°C  und einem Wecker, der uns um 4 Uhr den Schlaf rauben sollte. Wir waren so verrückt und wollten den Sonnenaufgang auf der jüdischen Festung Masada erleben. Nach dem erfolgreichen Auf- und Abstieg durften wir endlich ins Tote Meer hüpfen, welch ein Genuss! Aber probiert es nicht und lasst ja keinen Tropfen ins Auge geraten, das brennt wie Hölle! Die nächste Station war Jerusalem, aber nur um 3 Leute kurzzeitig zu verabschieden, da sie nicht in bestimmte Gebiete reisen dürfen, um in Bethlehem unser Hotel zu beziehen. Nach einem Abstecher zur Geburtskirche und einem kleinen Stadtrundgang ging es am darauffolgenden Tag nach Ramallah. Ramallah, die Stadt im krassen Gegensatz zum Leben im israelischen Kernland – laut, chaotisch und voller Menschen. Auch hier war uns nur eine Nacht gegönnt und so ging es am zu unserer letzten Station -  ירושלים (Jerusalem).

Unser erster Halt in der heiligen Stadt war Yad Vashem, der Gedenkstätte über den Holocaust. Nach der Geschichte eines Überlebenden machten wir uns alleine oder in Gruppen auf, um das weitläufige Gelände zu erkunden… Am Abend einen kurzen Abstecher auf einen Markt und schon war der erste Tag vorbei. Der nächste Tag sollte uns die Probleme und Attacken noch einmal mehr vor Augen führen. Über das ultraorthodoxe Viertel Me’a Sche’arim liefen wir zu Fuß Richtung Altstadt. Ca. 30 Minuten nachdem wir dort waren, attackierte eine Palästinenser einen Juden und verletzte ihn schwer. Aufgrund dieser und anderen Attacken, vor allem vor dem Damaskustor, mieden wir die historische Altstadt für diesen Tag. Also gingen wir zum Zionsberg, besichtigen das Grab Davids und die Dormitio-Abtei. Shoppen gehen an einem Freitag ist schwer, da die Geschäfte um 15 Uhr schon schließen aufgrund von Shabbat. Das hieß für uns, wer wollte, konnte am Abend wieder an einer Feier teilnehmen und die Männer konnten ihren schönen Kippot  endlich aufsetzen. Am Samstag, den 10.10. und unser letzter Tag, stand eine geführte Tour durch den Osten der Stadt an und unseren verdienten Mittag verbrachten wir im Augusta-Viktoria-Hospital auf dem Ölberg. Zuvor genossen wir auf dem Kirchturm den Rundumblick auf die Stadt, sogar das Tote Meer war schemenhaft zu erkennen. Satt und zufrieden ging es zur Klagemauer, jedoch nicht ohne die Nachricht zu hören, dass erneut ein Attentat stattfand. Nach dem Blick auf Klagemauer, Al-Aqsa-Moschee und Felsendom ging es durch das jüdische Viertel der Altstadt zur Grabeskirche. Jeder Tag findet leider ein Ende und so ging auch unsere Exkursion zu Ende… Nach einem Feedback wurde die Reise für beendet erklärt. Die Rückreise wurde auch wieder individuell gestaltet und so verließen uns die ersten schon in der Nacht zu Sonntag. Eine Gruppe flog am Sonntag wieder in die kalte Heimat, die andere Gruppe genoss noch einen schönen warmen Sonntag in Tel Aviv um am nächsten Tag übermüdet nach Hause zu reisen (und um in die Uni zu gehen, wir sind vorbildliche Studenten! ;-)). Ein paar wenige blieben auch noch im Heiligen Land für ein paar Tage.

Am 6. und 7. Februar 2015 fand an der Professur für Arabistik ein gemeinsam mit der Universität Zürich organisiertes „Arabistisches Kolloquium über das Ende von Texten“ statt. Während der Anfang eines Buches bereits häufiger im Mittelpunkt wissenschaftlichen Interesses stand, ist die Frage, wie Texte enden, bis jetzt in der Arabistik kaum gestellt worden. Dabei verwenden einige Autoren offensichtlich viel Mühe darauf, ein passendes Ende für ihre Gesamtkomposition zu finden. Das Ende eines Textes ist zugleich der Beginn eines hermeneutischen Prozesses und wirft Fragen auf, die der Text selbst unter Umständen nicht beantworten kann. Das Ende ist Testament, Ausblick, Anleitung, Rechtfertigung; es bleibt vermeintlich offen oder gibt sich geschlossen, es fasst zusammen oder zieht in Zweifel.  

Das Kolloquium bot die Gelegenheit, darüber ins Gespräch zu kommen, wie vor allem literarische Texte in verschiedenster Weise zum Abschluss gebracht werden. Welche Erzählstrategien kommen zum Einsatz? Wie verhalten sich Autor bzw. Erzähler zum erzählten Gegenstand? In welcher Weise wird das Leseverhalten gesteuert? Welche Unterschiede lassen sich in verschiedenen literarischen Genres feststellen? In welchem Verhältnis stehen Anfang und Ende eines Textes?

Kolleginnen und Kollegen aus Deutschland und der Schweiz stellten Beiträge vor, in denen verschiedene Genres der klassischen und modernen arabischen Literatur im Hinblick auf ihren Abschluss untersucht wurden. Dabei wurde deutlich, dass die Forschung zu diesem Thema erst am Beginn steht und ein Desideratum darstellt. Ob es sich um eine Rahmengeschichte wie in Tausendundeiner Nacht handelt, um klassische arabische Dichtung oder einen zeitgenössischen Roman – die Beschäftigung damit, wie der Narrationsvorgang zum Abschluss gebracht wird, bietet die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Felder der Arabistik zu verknüpfen, sei es in methodischer Hinsicht, sei es im Hinblick auf verschiedene Epochen und Textgattungen.

Darüberhinaus zeigte sich, dass der Fokus auf das Ende neue Perspektiven in der Erforschung bekannter Textsammlungen insbesondere der Vormoderne eröffnet. Als nächster Schritt wird eine Nachverfolgeveranstaltung auf internationaler Ebene geplant in Kooperation mit der American University of Beirut (AUB) und dem Orient-Institut Beirut (OIB).

Das Programm des Kolloquiums finden Sie pdf hier(476.2 KB).

International Workshop 24-26 May 2012 / 24.-26. Mai 2012 an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg in Kooperation / Zusammenarbeit mit der Universität Helsinki

Die Geschichte der arabischen Literatur ist eine Geschichte ihrer Autoren. Der Autorbegriff wird noch relativ unreflektiert verwendet, um sowohl Literaturgeschichte zu schreiben als auch einzelne Werke und ihre Verfasser zu erklären. Der Fokus des Workshops lag auf den zahlreichen Rollen, die Autoren in verschiedenen Textgenres in vormoderner Zeit einnahmen bzw. die die Tradition einerseits und die Wissenschaft andererseits ihnen zuordnete. Darüber hinaus wurde das übliche Ordnungsprinzip „Autor und Werk“ in Frage gestellt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer trugen mit unterschiedlichen Schwerpunkten zur Erforschung der vormodernen arabischen Literatur bei. In den Vorträgen wurden u.a. folgende Fragen diskutiert:

„Wie präsentieren und inszenieren sich Autoren?“; „Welche Erscheinungsformen wählen Autoren?“; Wie wichtig ist es für Autoren, sich als Autorität für bestimmte Konzepte oder Sichtweise darzustellen?“; „Thematisieren Autoren ihren Einfluss auf die Rezeption ihrer Texte?“ und „Wie prägen Autoren unsere Wahrnehmung von Literaturgeschichte?“.

Hier finden Sie das Programm(201.2 KB).

Die Publikation der Beiträge finden Sie unter folgendem Link: https://opus4.kobv.de/opus4-bamberg/frontdoor/index/index/docId/46181

 

fileadmin/arabistik/Arabistik_Workshop_Plakat.pdf(201.2 KB)

Ein Bericht von Fabian Schmidmeier

Nachdem Kairoer Studierende im Sommer 2011 zu einem Workshop in Bamberg zu Gast waren, bot sich im Oktober 2012 erneut die Gelegenheit der Zusammenarbeit zwischen der Universität Bamberg und der ʿAin Šams Universität Kairo. Im Rahmen des Seminars „Rolle der Religion in der deutschen und arabischen Kinderliteratur“ fand im Oktober 2012 die Kairoexkursion statt. Zunächst wurden im vorhergehenden Sommersemester in Blockseminaren grundsätzliche Inhalte von Kinderliteratur mit Bezug zu Religion vermittelt. Im Anschluss bekam jeder Seminarteilnehmer einen arabischen Text zur Übersetzung. Hierfür wurden die „AnbiyāʾAllāh“ (dt. Die Propheten Gottes) des ägyptischen Autors Ahmad Bahgat ausgewählt, die das Leben der Propheten von Adam über Noah und Jesus bis hin zu Muhammad eindrucksvoll darstellen.

Die Studierenden sollten die Texte darüber hinaus auf verschiedene Aspekte hin analysieren und darüber ein Referat ausarbeiten, das dann an der ʿAin Šams Universität präsentiert werden sollte. Analog dazu bekam eine Gruppe von Germanistik-Studenten aus Kairo den Auftrag, sich ihrerseits mit deutscher Kinderliteratur zu befassen, die dieselbe oder eine ähnliche Thematik behandelt.

Das Kinderliteratur-Projekt 2012 in Kairo wurde mit einem herzlichen Empfang durch die leitenden Professoren der Fakultät und einem Mittagessen eröffnet. Danach wurde mit der Vorstellung der ersten Texte begonnen. Jeder Tag des Projektes war dabei ähnlich strukturiert. Im Anschluss an die Präsentation der Texte diskutierten die Teilnehmenden relevante Fragen, die von den Vortragenden selbst eingebracht wurden.

Recht schnell wurden interessante Argumente entwickelt, v.a. was die Interpretation der Texte im Hinblick auf ihre Aufgaben angeht. Beispielsweise in Bezug auf den Bildungsauftrag wurden erste kulturelle Unterschiede und die damit verbundene unterschiedliche gesellschaftliche Prägung deutlich. Sehr schnell wurde klar, dass die Religion in Ägypten in einem ganz anderen Maße präsent ist als in Deutschland, wo viele Menschen einen eher abstrakten Bezug zur Religion haben.

Des Weiteren konnten sich die Studierenden im Gespräch mit ihren ägyptischen Partnern einen Eindruck von der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entwicklung im Land verschaffen. Seit dem Beginn der Kooperation zwischen Bamberg und Kairo im Jahr 2011 hatte sich in dem Land am Nil einiges verändert. Die Revolution vom 25. Januar 2011 hatte Hosni Mubarak gestürzt und man begann, um neue politische und gesellschaftliche Ordnung zu ringen.

Neben der Beschäftigung mit arabischer und deutscher Kinderliteratur standen auch die Besichtigungen bedeutender Orte der ägyptischen Geschichte auf dem Programm. Hierzu gehörten etwa die Cheops-Pyramide und pharaonische Gräber neben der Djoser-Stufenpyramide in der Wüste westlich von Kairo. Auch konnten sich die Studierenden in der Ibn Tulun-Moschee, der Khanqah-Moschee und der Sultan Hassan-Moschee einen Eindruck von glanzvollen Epochen islamischer Herrscher mit unterschiedlichster Prägung machen. In der Ibn Tulun-Moschee bekamen die Studierenden gar die Gelegenheit ein Minarett zu besteigen und von oben die herrliche Kulisse der Millionenmetropole Kairo zu genießen.

Abends ergab sich Gelegenheit, das nächtliche Leben Kairos zu erkunden. Einige Studierende zeigten den Bambergern wichtige Orte des Arabischen Frühlings. Nach dem obligatorischen Besuch des Tahrir-Platzes gab es einen interessanten Rundgang durch angrenzende Viertel, wo Künstler und Politaktivisten mit eindrucksvollen Graffiti versuchen, die Geschehnisse während der Revolution und danach illustrieren. So zieren vor allem Portraits von Märtyrern die Wände an den Seitenstraßen des Tahrir-Platzes.

Auch das kulturelle Leben kam nicht zu kurz. Der Besuch eines typisch ägyptischen Schattentheaters begeisterte das Publikum. Im Café Fishawi, das auf dem historischen Khalili-Markt liegt und seit Jahrhunderten ein beliebter Treffpunkt ägyptischer Künstler und Intellektueller ist, konnten die Studieren bei Cola und Wasserpfeife dem bunten Treiben des alten Suqs zusehen.

Den Abschluss des Zusammentreffens mit den ägyptischen Studenten markierte eine Exkursion in die Mittelmeerstadt Alexandria. Besonders eindrucksvoll ist dort die riesige Bibliothek, die in etwa 45.000 Quadratmeter umfasst und deren offener Lesesaal mit 2000 Leseplätzen als der größte der Welt gilt. 

Nach dem Besuch eines feinen Restaurants mit typisch ägyptischen Speisen und dem Genuss von Limonade, Tee und Wasserpfeifen ging es am letzten Abend direkt zum Flughafen und zurück nach München, diesmal mit im Gepäck: die zahllosen Eindrücke aus einer Woche mitten im Land am Nil und neue wertvolle Kontakte mit jungen Menschen, die bis heute gepflegt werden.