Lesung mit Gespräch des Schriftstellers Ricardo Menéndez Salmón (Spanien)

Lesung mit Gespräch: Medusa (2012)
Bamberg, am Dienstag, den 16. Dezember 2014.

Bamberger Vorträge zu Iberian Studies

Im Rahmen des Seminars »Artes y Letras ibéricas en el siglo XXI« von Herrn Prof. Dr. Enrique Rodrigues-Moura präsentierte der spanische Schriftsteller Ricardo Menéndez Salmón sein Werk. Der aus Gijón stammende Schriftsteller gewährte den Zuhörern Einblick in seine Ideen, seine Weltsicht und die Entwicklung seiner Bücher. Davon stellte Ricardo Menéndez Salmón gleich mehrere vor, darunter auch seine beiden größten Erfolge bis dato: Medusa und La ofensa.

Die Thematisierung des Bösen zieht sich wie ein roter Faden durch sein Werk. Aus einer speziellen Neugier heraus beginnt jeweils die Arbeit an einem neuen Buch. Darunter befinden sich mittlerweile La filosofía en invierno (1999), Panóptico (2001), Los caballos azules (2005) sowie La noche feroz (2006). Auf La ofensa (2007), El corrector (2009), Derrumbe (2008) und Medusa (2012) ging er im weiteren Verlauf detaillierter ein. Allen drei Werken sei  ein Kern des Bösen gemeinsam. In La ofensa findet man ihn im Krieg wieder, in El corrector in den zeitgenössischen Ängsten und in Derrumbre im Terror und der politischen Manipulation.

Mit seinem Werk Medusa hat Menéndez Salmón einen neuen Weg beschritten. Dem Bösen tritt nun die Kunst zur Seite. Der Roman behandelt insgesamt vier Künstler ‒ drei Maler und einen Schriftsteller. Die Kunst kann in der Geschichte wenigstens die Funktion von Trost und Milderung erfüllen. Was passiert aber, wenn der Horror die Kunst nährt?                                                          

In Medusa sieht ein deutscher Mann genau hin im Gegensatz zu Kurt aus La ofensa, der lieber wegsieht. Hier reist der Protagonist zwischen 1933 und 1962 durch Deutschland, Lateinamerika, Spanien und Japan. Dabei wird Historisches mit Fiktionalem vermischt und die Biographien der Charaktere werden mit Verbürgtem angereichert. Gemäldebeschreibungen spielen eine besonders wichtige Rolle, um die Leser zum Hinschauen zu führen. Denn auch wenn man bei Schrecklichem lieber wegsieht, können prinzipiell zwei Gefühle hervorgerufen werden: Faszination und Ekel.                                                                                                                           

Der wichtigste Quell des Buches besteht deswegen nicht zuletzt aus solchen Bildern, die einen Konflikt zwischen Wirklichkeit und Fiktion auslösen. So schloss der Schriftsteller seinen Vortrag auch mit dem Hinweis: »Toda autobiografía es ficción y todas las ficciones son autobiografías« (deutsch: »Alle Biographien sind Fiktion und alle Fiktionen sind Autobiographien«). Wir neigen dazu stets das Authentische zu suchen, weil wir Fiktionen nicht trauen.

(die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars, Dezember 2014)

Premio Biblioteca Breve 2016

Der Schriftsteller Ricardo Menéndez Salmón, der am 16. Dezember 2014 eine Lesung an der Professur für Romanische Literaturwissenschaft/Hispanistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg hielt, hat im Februar 2016 den renommierten Premio Biblioteca Breve (Verlag Seix Barral, Barcelona) für seinem Roman El Sistema (dt. Das System) erhalten. hier (1.0 MB)

Um die Bedeutung des Premio Biblioteca Breve zu veranschaulichen, benenne ich hier einige AutorInnen, die diesen Preis in der Vergangenheit auch gewonnen haben:

Luis Goytisolo (1958), Mario Vargas Llosa (1962), Guillermo Cabrera Infante (1964), Juan Marsé (1965), Carlos Fuentes (1967), Juan Benet (1969), Jorge Volpi (1999) und Elena Poniatowska (2011).

Wir freuen uns sehr für Ricardo Menéndez Salmón und dass sein literarisches Schaffen durch den Preis gewürdigt wurde.

(Enrique Rodrigues-Moura, Februar 2016)