Plakat zum Gastvortrag von Gonzalo Cantarero de Salazar

Plakat zum Gastvortrag von Gonzalo Cantarero de Salazar

Vortrag von Gonzalo Cantarero de Salazar

(Complutense-Universität Madrid, IUSMP / Universität Bamberg)

Bamberg, am Dienstag, 9. Dezember 2025 – 10:15 – 11:45 Uhr, Raum U7/01.05

Bamberger Vorträge zum Literatur- und Kulturtransfer

«La recepción del teatro de Lope de Vega en tierras de habla alemana»

Gran parte de los estudios dedicados al teatro áureo español en lengua alemana se han centrado en la recepción y adaptación de la obra de Calderón de la Barca, pues fue una figura preeminente para el romanticismo alemán. En contraposición, la presencia de Lope de Vega en Alemania y Austria, cambiante a lo largo de los siglos, se muestra todavía menos explorada.

Las obras del Fénix no solo se tradujeron al alemán, sino que también se adaptaron en múltiples ocasiones para su puesta en escena. Gracias a los documentos conservados en los archivos alemanes –programas, carteles, prensa periódica, entre otros– es posible reconstruir –parcial o completamente– una parte significativa de los montajes realizados entre el último tercio del siglo XIX y las primeras décadas del XX. En esta ocasión, examinaremos qué obras alcanzaron los teatros de lengua alemana, el marco histórico en el que se representaron y su escenificación.

Gonzalo Cantarero de Salazar es Graduado en Filología Hispánica y Máster en Literatura Española por la Universidad Complutense de Madrid. Su TFM consistió en un estudio biobibliográfico del periodista Javier Bueno García (1883–1967). Posteriormente desarrolló su labor investigadora y docente en la Universidad Otto-Friedrich de Bamberg (2021–2023). Actualmente realiza su doctorado de forma conjunta entre la Universidad Complutense de Madrid y la Universidad de Bamberg como contratado predoctoral FPI de la Comunidad de Madrid. Su investigación doctoral, dirigida por el Prof. Dr. Peral Vega y el Prof. Dr. Rodrigues-Moura, se centra en la escenificación del teatro de Lope de Vega en el ámbito alemán y austríaco.

Alle Interessierten sind sehr herzlich eingeladen!
gez. Prof. Dr. Enrique Rodrigues-Moura

Kurzbericht
Lope de Vega auf deutschen Bühnen: Ein transkultureller Blick auf Theatergeschichte

Theaterstücke zählen zu den wandlungsfähigsten und kulturübergreifendsten Ausdrucksformen Europas. Sie werden übersetzt, bearbeitet, neu inszeniert und dabei immer wieder an andere ästhetische Erwartungen und gesellschaftliche Kontexte angepasst. Gerade das Theater des spanischen Siglo de Oro hat auf diese Weise weit über die Grenzen Spaniens hinausgewirkt. Während jedoch einzelne Autoren wie Calderón de la Barca fest im Kanon der deutschsprachigen Theater- und Literaturgeschichte verankert sind, ist die Rezeption von Lope de Vega bislang deutlich weniger systematisch untersucht worden, obwohl sein umfangreiches Werk nachweislich in zahlreichen europäischen Kontexten präsent war. Vor diesem Hintergrund widmete sich ein Gastvortrag am 9. Dezember 2025 an der Universität Bamberg im Rahmen der Bamberger Vorträge zum Literatur- und Kulturtransfer dieser Forschungsperspektive. Gonzalo Cantarero de Salazar (Universidad Complutense de Madrid / Universität Bamberg) stellte unter dem Titel La recepción del teatro de Lope de Vega en tierras de habla alemana zentrale Aspekte seines Dissertationsprojekts vor, das die Bühnenpraxis von Lope de Vegas Theater in Deutschland und Österreich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs untersucht.

Im Mittelpunkt des Vortrags standen die Leitfragen seiner Forschung zur Rezeption des Theaters von Lope de Vega im deutschsprachigen Raum. Er betonte, dass es nicht ausreiche, allein die bloße Existenz von Übersetzungen festzustellen. Vielmehr gehe es darum, zu untersuchen, welches konkrete Interesse Lope de Vegas Theater in Deutschland und Österreich hervorrief: Welche Werke wurden ausgewählt und warum? Welche thematischen oder dramaturgischen Aspekte machten sie für die deutschsprachigen Bühnen besonders attraktiv? Auf diese Fragen aufbauend rückte Cantarero de Salazar die verwendeten Textfassungen in den Mittelpunkt. Entscheidend sei, welcher Text tatsächlich auf der Bühne gesprochen wurde, also welche Übersetzungen oder Bearbeitungen zum Einsatz kamen und in welchem Maß sie vom Original abwichen. Die Analyse dieser Texte ermögliche, die konkreten Anpassungen nachvollziehen zu können, die notwendig waren, um die Stücke den Konventionen des deutschsprachigen Theaters anzupassen, etwa in Bezug auf Versmaß, Struktur oder sprachliche Nuancen. Darauf aufbauend richtete sich der Blick des Vortrags auf die Inszenierung selbst: Wie wurden die Stücke szenisch umgesetzt, welche ästhetischen Entscheidungen prägten die Aufführungen und in welchem Maß spiegelten diese die jeweiligen historischen und kulturellen Kontexte wider?

Anhand der präsentierten Beispiele wurde deutlich, dass Lope de Vegas Theater im deutschsprachigen Raum nicht einfach unverändert übernommen wurde, sondern als lebendiges Material galt, das ständig angepasst und verändert wurde und in einen aktiven kulturellen Austausch eingebunden war. Bereits seit dem 17. Jahrhundert existierten Übertragungen, die häufig über andere europäische Theatertraditionen vermittelt wurden, etwa die niederländische, französische oder italienische Bühne, wodurch Lope de Vegas Werke in unterschiedlichen kulturellen Kontexten bekannt wurden, bevor sie direkt in Deutschland oder Österreich aufgeführt wurden. Diese indirekten Wege des Transfers verdeutlichen, dass die Rezeption von Theaterstücken selten geradlinig verläuft, sondern durch komplexe Netzwerke aus kulturellen Verbindungen, literarischen Vorbildern, Übersetzern und Theaterpraktikern geprägt ist. In diesen Netzwerken sind nicht nur die Übersetzungen selbst von Bedeutung, sondern auch die Entscheidung, welche Werke ausgewählt und wie sie dramaturgisch bearbeitet werden, sowie die konkrete Umsetzung auf der Bühne. Alle diese Faktoren zusammen bestimmen, wie das Theater Lope de Vegas vom Publikum wahrgenommen wurde, welche Aspekte der Handlung oder der Charaktere besonders hervorgehoben wurden und welche Veränderungen notwendig waren, um die Stücke für das deutschsprachige Publikum verständlich und wirkungsvoll zu machen.

In diesem Rahmen gewinnt die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung besondere Bedeutung. Zwar hat die Hispanistik wiederholt die internationale Verbreitung von Lope de Vegas Werk untersucht, die konkrete Situation in Deutschland und Österreich ist jedoch bislang kaum systematisch erfasst. Angesichts der enormen Produktivität Lope de Vegas und der Vielzahl von Übersetzungen in verschiedene europäische Sprachen, darunter auch ins Deutsche, eröffnet sich hier ein besonders breites Forschungsfeld. Projekte wie die Datenbank TespaTrad, die sich allgemein mit dem teatro áureo beschäftigt, verdeutlichen zwar die quantitative Dimension dieses Transfers, doch detaillierte Studien zur konkreten Aufführungspraxis, zur Verwendung bestimmter Textfassungen und zur Inszenierung fehlen weiterhin. Besonders hervorzuheben ist dabei die Rolle einzelner Vermittlungsfiguren. So ist der Einfluss Lope de Vegas auf Franz Grillparzer gut dokumentiert, während die tatsächliche Bühnenpräsenz seiner Stücke im 19. und 20. Jahrhundert noch genauer untersucht werden muss. Ebenso bedeutend sind Übersetzer wie Hans Schlegel, deren Arbeit entscheidend dafür war, Lope de Vegas Dramen einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Er übersetzte beispielsweise Werke wie Die kluge Närrin und Der Ritter von Mirakel, die dadurch in Deutschland erfolgreich wurden. Auch bei diesen zentralen Vermittlungsfiguren liegt bislang keine umfassende Analyse ihrer Übersetzungen und ihres Einflusses vor, was die Relevanz der aktuellen Forschung unterstreicht.

Ein weiterer zentraler Gedanke der Untersuchung ist die transkulturelle Dimension der Rezeption. Lope de Vegas Theater wurde nicht einfach übernommen, sondern in einen lebendigen Dialog eingebunden, in dem spanische und deutschsprachige Theatertraditionen sich gegenseitig beeinflussten und aufeinander reagierten. Seine Stücke standen in Verbindung mit verschiedenen Strömungen und Kontexten, die jeweils spezifische Erwartungen und ästhetische Vorstellungen mit sich brachten, wie etwa der romantischen Theaterästhetik des 19. Jahrhunderts, politischen Deutungsmustern des 20. Jahrhunderts oder den neuen Ausdrucksformen des Theaters nach dem Zweiten Weltkrieg. In diesem Prozess entstand eine hybride Form des Theaters, in der die Lebendigkeit und Dynamik des spanischen Siglo de Oro auf die spezifischen Anforderungen und Vorstellungen der deutschsprachigen Bühnen traf und dort in neuer Weise interpretiert wurde. Dabei lassen sich nicht nur textliche Anpassungen nachvollziehen, wie Veränderungen von Dialogen, Kürzungen oder Umstellungen, sondern auch stilistische und formale Transformationen, die deutlich machen, wie Lope de Vegas Werk als Mittel des kulturellen Austauschs und der kreativen Auseinandersetzung zwischen den Traditionen diente. Gleichzeitig eröffnet die Untersuchung Einblicke darin, wie unterschiedliche gesellschaftliche, politische und kulturelle Bedingungen die Aufführungspraxis beeinflussten und welche Bedeutung diese Transformationen für das deutschsprachige Publikum hatten, wodurch Lope de Vegas Theater nicht nur als importiertes Werk, sondern als Teil eines kontinuierlichen, transkulturellen Prozesses sichtbar wird.

Um diese im Detail zu erfassen, basiert die Forschung von Gonzalo Cantarero de Salazar auf umfangreicher Archivarbeit, die technische, administrative und dokumentarische Materialien miteinander verknüpft. Programme, Theaterzettel und zeitgenössische Presseberichte ermöglichen es, Aufführungen zu identifizieren, ihre Häufigkeit zu quantifizieren und die zeitgenössische Rezeption zu analysieren. Regiebücher, Inspizientenbücher und Bühnenbildentwürfe geben darüber hinaus Einblick in die konkrete Inszenierungspraxis, dokumentieren den kreativen Umgang mit den Texten und zeigen, welche ästhetischen Entscheidungen die Aufführungen prägten. Die Recherche erstreckte sich über mehrere zentralen Institutionen. Besonders hervorgehoben wurden die Bestände der Akademie der Künste in Berlin, die wichtige Materialien zu Regisseuren und Bühnenbildnern des 20. Jahrhunderts enthalten, deren umfangreiche Programme und Presseberichte eine systematische Auswertung der Aufführungsgeschichte ermöglichen. Ergänzt wird diese Arbeit durch weitere Sammlungen und regionale Archive, die angesichts der dezentralen Struktur des deutschsprachigen Theaterwesens unverzichtbar sind. Methodisch besteht die zentrale Herausforderung darin, diese vielfältigen Materialien miteinander zu verknüpfen. Ein wichtiger Schritt ist die Katalogisierung und der Vergleich der archivalischen Dokumente mit den jeweils verwendeten Textfassungen, um nachvollziehen zu können, wie die Stücke für die Bühne angepasst wurden, etwa durch Kürzungen, Umstellungen oder sprachliche Veränderungen, und in welchem Maß der ursprüngliche Vers an die Konventionen des deutschsprachigen Theaters angepasst wurde.

Insgesamt machte der Vortrag deutlich, dass die Erforschung der Rezeption Lope de Vegas weit über die bloße Analyse einzelner Texte hinausgeht. Die systematische Untersuchung von Übersetzungen, Aufführungen und den jeweiligen historischen Kontexten eröffnet grundlegende Einblicke in die Funktionsweise des Theaters als Medium des kulturellen Transfers. Dabei wird sichtbar, wie sich Theatertraditionen über Zeit und Raum hinweg entwickeln, wie Texte und Inszenierungen in neuen kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten transformiert werden und wie ein Autor wie Lope de Vega immer wieder neu interpretiert wird. Die Arbeit von Cantarero de Salazar, die im Rahmen seines Dissertationsprojekts durchgeführt wird, zeigt exemplarisch, dass Theater nicht nur ein Spiegel der Kultur ist, sondern aktiv an der Konstruktion und Weiterentwicklung kultureller Identität beteiligt sein kann. Durch die detaillierte Analyse der Aufführungspraxis in Deutschland und Österreich, der eingesetzten Textfassungen sowie der Rolle zentraler Vermittlerfiguren wird deutlich, dass Lope de Vegas Werk im deutschsprachigen Raum nicht nur rezipiert, sondern immer wieder neu verhandelt und in einen lebendigen transkulturellen Dialog eingebunden wurde. Auf diese Weise liefert das Projekt nicht nur neue Erkenntnisse über die internationale Wirkung des Siglo de Oro, sondern eröffnet zugleich Perspektiven auf die komplexen Mechanismen des kulturellen Austauschs zwischen Spanien und dem deutschsprachigen Raum.

Sophie Heumüller und Tobias Schmitt, Dezember 2025