Erfahrungsbericht: Studienaufenthalt in Iran

Im Rahmen des ISAP-Programms des DAAD bekam ich im Wintersemester 2017/18 die Möglichkeit, mithilfe eines Vollstipendiums fünf Monate (23.10.17 – 15.03.18) am Dehkhoda-Institut (International Center for Persian Studies, abgekürzt ICPS) der Universität Teheran zu studieren.

Am Dehkhoda-Institut besuchte ich insgesamt drei aufeinander folgende Kurse. Die Intensivkurse an diesem Institut dauern jeweils sechs Wochen, auf die je eine Woche Ferien folgt.

Das Dehkhoda-Institut der Universität Teheran

Der Unterricht am Dehkhoda-Institut war sehr lehrreich. Dieser findet fünf Tage die Woche, mit jeweils drei Stunden täglich, und ausschließlich auf Persisch statt. In den sechswöchigen Intensivkursen wird jede Woche ein neues Thema (z.B. Familienleben, Energie und Umwelt, Geschichte Irans) besprochen. Außerdem wird einmal pro Woche ein Film im Unterricht angeschaut und ausführlich diskutiert. Dadurch verbessert sich vor allem das eigene Hörverständnis und es wird ein guter Einblick in die iranische Filmkunst geboten. Neben dem Vormittagsunterricht besteht die Möglichkeit, am Nachmittag Zusatzkurse (z.B. Kalligraphie, Zeitungslesen, persische Kurzgeschichten) zu belegen. Die Klassen sind sehr international und es entwickelt sich schnell ein enormes Zusammengehörigkeitsgefühl, welches sich positiv auf das Lernklima im Unterricht auswirkt.

Auch mit der Organisation des Dehkhoda-Instituts war ich sehr zufrieden. Die Mitarbeiter*innen sind kompetent, hilfsbereit und freundlich. Zu besonderen Festtagen (z.B. Noruz, Yalda-Nacht) gab es Feiern im Institut, bei denen die Hintergründe der Feste erklärt wurden und ein festliches Programm stattfand. Von den Student*innen des Dehkhoda-Instituts wurde zudem in der Pause die Cafeteria und zum Mittagessen die Mensa viel genutzt. Das Essen dort ist preiswert und sehr lecker.

Leben in Teheran

In den ersten Tagen in Teheran standen mir die iranischen ISAP-Stipendiatinnen, die ich im Semester zuvor bereits in Bamberg kennengelernt hatte, hilfsbereit zur Seite. Das erleichterte z.B. die Einschreibung am Dehkhoda-Institut, den Kauf einer SIM-Karte, den Einzug ins Wohnheim und die Orientierung in Teheran um einiges. Meines Erachtens ist gerade dieses Knüpfen von Kontakten zwischen den iranischen und deutschen Stipendiat*innen sehr bereichernd.

Da ich eine Woche vor Beginn des ersten Kurses in Teheran ankam, hatte ich die Möglichkeit, zwischen zwei Wohnheimen zu wählen. Zur Auswahl standen das Wohnheim in Velenjak (ruhige und saubere Lage im Norden der Stadt, etwas teurere Mietpreise) und das Wohnheim in der Nähe des Meydan-e Enghelab („Revolutionsplatz“, sehr zentral, jedoch weiter entfernt vom Dehkhoda-Institut, billigere Mietpreise). Da ich nahe am Campus der Universität Teheran, den dortigen Cafés, Kinos, Parks, Lebensmittelläden, Buchläden und somit nahe am studentischen Leben sein wollte, fiel meine Entscheidung auf das Wohnheim in der Nähe des Meydan-e Enghelab. Um in Kontakt mit Iraner*innen zu kommen und auch zu bleiben, war diese Lage von großem Vorteil. Denn dadurch, dass man sowohl im Unterricht als auch im Wohnheim ausschließlich mit ausländischen Studierenden zusammen ist, gestaltet es sich am Anfang schwierig, Freundschaften zu Iraner*innen aufzubauen. Auf der anderen Seite ist es in Cafés oder auf Reisen sehr schnell möglich, viele interessante, junge Leute kennen zu lernen, woraus sich dann auch enge Freundschaften entwickeln können.

Das Freizeitangebot in Teheran ist sehr vielseitig. Nach dem Unterricht verbrachte ich meine Nachmittage entweder mit Freund*innen aus dem Dehkhoda-Institut, meinen Mitbewohnerinnnen oder iranischen Stundent*innen im Café, Kino, Theater, Museum oder im nahe gelegenen Park-e Laleh. In fast allen Museen und Palastanlagen bekommt man durch Vorzeigen des Studentenausweises verbunden mit ein paar persischen Sätzen die Eintrittskarte verbilligt, das heißt, es wird der iranische (und nicht der oft sehr hohe für Ausländer geltende) Eintrittspreis verlangt. Außerdem war ich oft im Hallenbad der Sportfakultät der Universität Teheran in Amir Abad, wobei hier auf die Frauen- bzw. Männertage geachtet werden muss. Am Wochenende lohnt sich eine Tageswanderung in die angrenzenden Berge, zum Beispiel vom Bam-e Tehran oder Darband in Richtung des knapp 4000 Meter hohen Berges Totschal.

Innerhalb Teherans ist es praktisch, die sehr günstigen Metros oder Busse zu nutzen. Für bekannte Strecken (z.B. vom Wohnheim im Zentrum zum Dehkhoda-Institut) nahm ich jedoch meist ein Linientaxi. Dieses ist ebenfalls billig, schneller als der öffentliche Nahverkehr und die Fahrer kennen alle den Weg zum Institut. Ansonsten ist die Taxi-App Snapp die beste Möglichkeit, um an Orte zu kommen, die vom Nahverkehrssystem schlecht erschlossen sind.

Reisen in Iran

Am Wochenende bietet es sich an, in eine der sehenswerten und nahe der Hauptstadt gelegenen Städte (z.B. Hamedan, Qazvin, Kaschan, Qom, Ramsar oder Rascht) zu fahren, um dem oft ermüdenden Großstadtleben, dem Smog und den langen Staus Teherans zu entkommen. In den jeweils einwöchigen Ferien zwischen den Kursblöcken lohnt es sich dann beispielsweise zu weiter entfernten Städten wie Tabriz, Isfahan, Yazd, Maschhad, Tabas, Kerman oder Schiraz zu fahren. Aber auch eine Reise an den Persischen Golf und die dort gelegenen Inseln (z.B. Qeschm und Hormuz) fand ich gerade in den Wintermonaten, aufgrund des angenehmen Klimas dort, sehr erholsam. Sobald es im Elburs-Gebirge geschneit hat, war ich mit Freund*innen aus dem Dehkhoda-Institut im Skigebiet in Dizin oder im kleineren Schemschak für mehrere Tage zum Skifahren. Die Schneequalität ist dort sehr gut und die Preise sind im Vergleich zu Deutschland extrem niedrig. Insbesondere diese vielen Freizeitmöglichkeiten in dem „Land der vier Jahreszeiten“ haben mich fasziniert. Egal ob Berge, Schnee, Wüste oder Meer – all dies kann man in Iran gleichzeitig finden.

Für längere Strecken habe ich vorher einen Zug in einem der vielen Reisebüros gebucht. Dies war meist unkomplizierter, als sich durch die iranischen Bahn-Websites zu kämpfen. Für kürzere Strecken kann man einfach einen Bus (vom Terminal-e Jonub in Richtung Süden; vom Terminal-e Gharb/Azadi in Richtung Westen und Norden) nehmen. Diese fahren normalerweise nicht zu festen Uhrzeiten, sondern immer dann, wenn sich der Bus mit Passagieren gefüllt hat.

Abschließend kann ich dieses halbjährige Studium in Iran bestens empfehlen. Zum einen habe ich viel Neues gelernt und einiges, was ich theoretisch aus dem Studium wusste, aus eigener Anschauung erfahren, zum anderen hatte ich eine sehr erlebnisreiche und schöne Zeit. Des Weiteren haben sich meine persischen Sprachkenntnisse natürlich sehr verbessert.

Marion A. Müller