Wie queer ist Gleichstellungsarbeit an der Uni? Feminismus und Frühstück von & mit Odilias Office
Teil 1: Worüber sprechen wir eigentlich, wenn wir fragen „wie queer ist Gleichstellungsarbeit?“?
Was ist bedeutet queer?
“Queer” ist ein Adjektiv. Es funktioniert als ein Sammelbegriff für alle Menschen, deren sexuelle / geschlechtliche Identität sowie sexuelle / romantische Anziehung nicht den gesellschaftlichen Standards entsprechen. Einige Menschen benutzen „queer“ auch als Label für ihre Identität. Früher war „queer“ eine Beleidigung, die von Betroffenen erobert und neu konnotiert wurde.
Was ist Gleichstellungsarbeit?
Obwohl vor dem Gesetz alle gleich sind, unterscheiden sich die Lebenssituationen in verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Gleichstellungsarbeit bedeutet Maßnahmen, die diese Unterschiede ausgleichen, um für alle Menschen real gleiche Voraussetzung zu schaffen. Gleichstellungsarbeit hat verschiedene Bereiche:
- Gleichstellung der Geschlechter
- Gleichstellung von Behinderten / Menschen mit Behinderung
- Gleichstellung von queeren Menschen
- Gleichstellung nach der sozialen Herkunft
- …
Warum soll Gleichstellungsarbeit an der Uni queer sein?
Bei der Diskriminierung von queeren Menschen und weiblichen Menschen greifen häufig ähnliche Mechanismen. Besonders die Abwertung von Weiblichkeit wird auch auf schwule oder nicht den „klassisch männlichen“ Erwartungen entsprechenden Männer übertragen.
Bei der Diskussion um „Frauenquoten“ werden nicht-binäre Menschen oft außen vor gelassen.
Gleichstellungsbeauftragte, deren Hauptaufgabe die Förderung von Frauen ist, müssen über die Lebensrealitäten von trans Frauen Bescheid wissen, um diese gerecht fördern zu können.
Intersektionalität ist bei der Bekämpfung von Unterdrückung und Diskriminierung wichtig.
Wichtige Begriffe und Konzepte für queere Gleichstellungsarbeit
Gender
Gender bezeichnet das soziale Geschlecht. Der englische Begriff wurde in die deutsch Sprache übernommen, um die Abgrenzung zum biologischen Geschlecht (sex) deutlich zu machen.
TINA
= Trans*Personen, Inter*Personen, Non-Binary*Personen und Agender*Personen.
Der Begriff fasst meist alle Identitätsgruppen zusammen, welche nicht binäre Cis-Gender sind, also keine cis Männer und keine cis Frauen sind.
FLINTA
= Frauen Lesben Inter* Trans* Agender
Der Begriff beschreibt alle Identitätsgruppen außer cis Männern. Lesben werden in dem Akronym besonders betont um auf ihre wichtige Arbeit in der Frauenbewegung und der Queeren Community (besonders während der AIDS-Krise) zu ehren.
Intersektionalität
Verschiedene Unterdrückungsmechanismen, wie zum Beispiel Sexismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit, Ableismus oder Klassismus. Das bedeutet, dass Personen von mehreren Unterdrückungsmechanismen gleichzeitig betroffen sein und durch dieses Zusammenwirken teilweise neue, spezifische Diskriminierung erfahren können. Diese Personen werden auch als „mehrfach marginalisiert“ bezeichnet. Zum Beispiel erlebt eine trans Frau Sexismus, Transfeindlichkeit und Transmisogynie.
Weil die Unterdrückungsmechanismen zusammen wirken können sie auch nur zusammen bekämpft werden. Das ist der intersektionale Ansatz.
Geschlechtersensible / geschlechtergerechte Sprache
Geschlechtersensible Sprache verfolgt die Idee, im Schreiben und Sprechen alle Geschlechter und Identitäten sichtbar zu machen.
Im Deutschen gibt es grammatikalische Geschlechter (Femininum, Maskulinum, Neutrum). Dadurch ist es möglich, an der Wortform zu erkennen, welches Geschlecht eine bezeichnete Person hat. (Studentin weibliche Form, Student männliche Form). Durch die Verwendung des „generischen Maskulinums“ werden alle anderen Personen sprachlich unsichtbar gemacht. Für Personen, die weder männlich noch weiblich sind, ist keine der binären Bezeichnungen korrekt.
Um alle Personen sichtbar zu machen, gibt es verschiedene Ansätze. Sie alle fügen ein optisches/akustisches Zeichen zwischen den maskulinen und femininen Endungen ein. Dieses Zeichen oder diese Sprechpause steht für die nicht binären Identitäten.
- Student*innen
- Student/innen
- Student_innen
In wissenschaftlichen Arbeiten muss gendergerechte Sprache erlaubt sein.
Die Universität Bamberg stellt einen Leitfaden zu gendersensibler Sprache zur Verfügung.
Geschlechtersensible Lehre
Geschlechtersensible Lehre ist sich bewusst, dass nicht alle Lernenden die gleichen Herausforderungen teilen, sondern unterschiedlich von Sexismus betroffen sind.
Um diese verschiedenen Lebensrealitäten zu berücksichtigen und die Gleichstellung zu fördern gibt es verschiedene Maßnahmen, zum Beispiel:
- Es wird geschlechtersensible Sprache verwendet
- Es werden geschlechtsneutrale Ansprachen genutzt („Liebe Studierende“ statt „Liebe Studentinnen und Studenten“)
- Bei Vorstellungsrunden wird darauf geachtet, Pronomen zu nennen. Diese werden dann auch korrekt verwendet.
- Es wird darauf geachtet, dass nicht nur männliche Autoren in der Literatur vertreten sind
- In Praxisbeispielen werden keine Stereotype reproduziert (z.B. wird nicht von „Arzt und Pflegerin“ oder von „Familienvätern“ gesprochen)
- Erkenntnisse der Genderstudies werden in den Lernstoff eingebunden
- …
Teil 2: Wie ist Gleichstellungsarbeit an der Universität geregelt?
Gesetzliche Grundlagen
Die Gleichstellungsarbeit an bayerischen Universitäten wird durch die folgenden Gesetzte geregelt:
- Bayerisches Hochschulinnovationsgesetz (BayHIG), Art. 22 Gleichstellung
- Bayerisches Gleichstellungsgesetz (BayGLG)
- Deutsches Hochschulrahmengesetz (HRG), § 3 Gleichberechtigung von Frauen und Männern, § 6 Bewertung der Forschung, Lehre, Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der Gleichstellung der Geschlechter und § 34 Benachteiligungsverbot
- Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (GG), Art. 3
Außerdem ist die Gleichstellungsarbeit in der Grundordnung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg verankert:
- Vierter Teil: Beauftragte für die Gleichstellung von Frauen in Wissenschaft und Kunst
- Fünfter Teil: Beauftragte bzw. Beauftragter für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, Ansprechperson für Fragen des Schutzes vor sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt, Ansprechperson für Antidiskriminierung
Die Uni Bamberg hat außerdem folgende Richtlinien und Leitfäden:
- "Richtlinien zur Gleichstellung von Frauen und Männern im wissenschaftlichen Bereich"
- “Gleichstellungskonzept der Otto Friedrich Universität Bamberg”
- „Handreichung für den Umgang mit Trans*geschlechtlichkeit an der Universität Bamberg“
- Richtlinie “Grenzen wahren”
- „Diversity-Strategie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg“
- Empfehlungen für gendergerechten Sprachgebrauch der Universität Bamberg
Teil 3: Wie queer ist die Uni schon?
All gender Toiletten
All-Gender heißt „alle Geschlechter“, das heißt alle Menschen unabhängig von Geschlecht und geschlechtlicher Identität können die gleichen
All-Gender Toiletten werden auch Unisex Toiletten genannt
Toiletten in öffentlichen Räumen, Lokalen, Bürogebäuden sind meistens binär in „Frauen-Toilette“ und „Männer-Toilette“ eingeteilt.
Warum ist das ein Problem der Gleichstellung?
Wickeltische befinden sich häufig nur in den „Frauen-Toiletten“.
Nicht-binäre Personen haben keine „korrekte“ Wahl.
Wartezeiten bei „Frauen-Toiletten“ sind im Durschnitt 6 Minuten und 19 Sekunden, bei „Männer-Toiletten“ sind es 11 Sekunden.
An den folgenden Standorten befinden sich All-Gender-Toiletten:
Innenstadt
- HM2/01.30 (TB 4) (mit Urinal)
- HM2/01.31 (TB 4)
- K18/00.08
- K25/03.08 (mit Urinal)
- M3N/03.33 (mit Urinal)
- U2/01.07 (mit Urinal)
- U2/01.08
Erba-Gelände
- WE5/01.042
- WE5/01.043
- WE5/02.095
- WE5/02.096
- WE5/03.073
- WE5/03.074
Feldkirchenstraße
- F21/01.19 (mit Urinal)
- F21/01.20
Kärntenstraße
- KÄ7/00.58
Vorlesungsverzeichnis Gender and Diversity
Das Vorlesungsverzeichnis wird jedes Semester erstellt und gibt einen Überblick über Lehrveranstaltungen aller Fakultäten, die sich mit Gender und Diversität beschäftigen.
Die Verantwortung liegt bei der Vizepräsidentin für Diversität und Internationales und den Gleichstellungsbeauftragten in der Wissenschaft.
Veranstaltungen, Förderungen, Angebote
Zum Beispiel:
Queer Geforscht
Diversity-Preis
Bettina-Paetzold Preis
Diversity-Tag an der Universität Bamberg
Feminismus und Frühstück
Talk Times
Beratung und Unterstützung
Universitätsgleichstellungsbeauftragte in der Wissenschaft (GBWiss)
Beratung, Förderung, Berichte
Gleichstellungsbüro Wissenschaft (Odilias Office, GBWiss Büro)
Beratung, Förderung, Veranstaltungen, Öffentlichkeitsarbeit
Antidiskriminierungsstelle
Beratung, Prävention, Nachteilsausgleiche, Schutz vor Benachteiligung, Information
Familienbüro
Infrastruktur, Beratung, Information
Kontaktstelle Studium und Behinderung
Beratung, Information, Unterstützung, Nachteilsausgleich
Teil 4: Welche Meinung haben Mensa Besucher*innen?
Wir haben während der Veranstaltung und für den Rest des Tages Besucher*innen der Mensa Austraße die Möglichkeit gegeben anonym und unaufwändig Feedback zu verschiedenen Fragen zu geben:

„Als wie queerfreundlich nimmst du die Uni wahr?“

„Wie inklusiv kommuniziert die Uni deiner Meinung nach? Z.B. durch Bild und Sprache“

„Wie wichtig ist dir Gleichstellungsarbeit?“

