Projektleitung:
Sebastian Klamer

Beteiligte:
Prof. Dr. Brigitte Eierle
Sebastian Klamer
Prof. Dr. Matthias Muck

Laufzeit:
seit Dezember 2017

Die Auswirkungen von finanzieller Berichterstattung auf Kapitalmärkte in der digitalen Welt: Die Rolle der sozialen Medien

Inhalt und Ziele:

Das Internet hat die Art und Weise wie Informationen verbreitet und verarbeitet werden grundlegend verändert. Insbesondere soziale Medien bieten eine interessante und schnelle Möglichkeit für den direkten Austausch zwischen Individuen. Für Anleger stellen online Diskussionen im Vergleich zu traditionellen Informationsquellen eine kostengünstige und schnelle Alternative dar und gewinnen zunehmend an Bedeutung. Neben der direkten Teilnahme an solchen Diskussionen entstehen für Anleger auch neue Möglichkeiten durch eine steigende Anzahl an Stimmungsindikatoren, die auf der Auswertung von online Diskussionen basieren. Diese neuen Quellen an Information eröffnen jedoch nicht nur Chancen, sondern bergen auch Risiken durch bewusste Manipulation und Streuung von Falschinformationen.

Die Forschung hat begonnen sich diesem neuen Phänomen zuzuwenden und analysiert vor allem, ob Onlinediskussionen wertvolle Informationen über die zukünftige Entwicklung von Kapitalmärkten enthalten. Über die Treiber von Onlinediskussionen und die Verarbeitung traditioneller finanzbezogener Informationen ist hingegen bislang wenig bekannt. Ziel des Forschungsprojektes ist es zu analysieren, welche Relevanz Informationen der traditionellen Unternehmensberichterstattung im Rahmen solcher online Diskussionen haben. 

Methode:

Basierend auf der „Wisdom of Crowds“-Theorie, nach der die Meinung vieler Individuen präziser als die Meinung von Experten ist, wird zunächst mittels verschiedener textanalytischer Verfahren die Meinung der „Crowd“ hinsichtlich individueller Unternehmen bestimmt. Anschließend werden mit quantitativ-empirischen Verfahren die Bedeutung rechnungswesensbasierter Informationen für Onlinediskussionen und daraus resultierende Effekte auf Aktienmärkte analysiert.

(Erste) Ergebnisse:

Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die finanzielle Berichterstattung in einem kurzen Zeitraum um die Offenlegung herum, die Meinung auf sozialen Medien beeinflusst. Weiterhin zeigt sich, dass insbesondere der nicht durch rechnungslegungsbezogene Informationen erklärte Teil der auf Onlineplattformen auszumachenden Stimmung zu bestimmten Aktientiteln einen Effekt auf deren Aktienrendite hat und dass dieser Effekt nicht nur kurzfristiger Natur ist.

Praxisrelevanz:

Während Onlinediskussionen zunehmend an Bedeutung gewinnen und auch institutionelle Investoren diese nutzen, warnen Standardsetzer und Aufsichtsbehörden aufgrund möglicher Manipulationen von sozialen Medien vor dieser neuen Quelle an Information. Unsere Analyse gewährt einen tieferen Einblick in das Zusammenspiel zwischen rechnungslegungsbezogenen Daten, Diskussionen auf sozialen Medien und Kapitalmärkten und hilft so Nutzen und Gefahr von Onlinediskussionen besser einzuschätzen.

Die Forschung bezüglich sozialer Medien und Kapitalmärkten befinden sich noch in einem anfänglichen Stadium. Insbesondere das Verständnis bezüglich dem Zusammenspiel von Onlinediskussionen mit klassischer Unternehmensberichterstattung ist gering. Durch die weiterhin zunehmende Bedeutung und Nutzung sozialer Medien stellen diese eine interessante und vielversprechende neue Datenquelle für Forschung und Investoren dar.

Working Paper:

  • What makes the crowd wise? An empirical analysis of fundamental information, investor sentiment and stock market performance.