Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften

Professur für empirische Politikwissenschaft

Laufende Forschungsprojekte

Institutional Design in European Parliaments (IDEP)

Das Projekt untersucht, in welchem Umfang und aus welchen Gründen parlamentarische Regeln in europäischen Parlamenten geändert werden. Theoretisch entwickelt es ein rationalistisches Modell von Institutionendesign, das Regeländerungen als das Ergebnis von Abwägungsentscheidungen eigeninteressierter Akteure unter gegebenen institutionellen Beschränkungen versteht. Empirisch werden sämtliche Änderungen parlamentarischer Geschäftsordnungen in 15 europäischen Parlamenten seit 1945 bzw. dem Zeitpunkt der Demokratisierung erfasst und inhaltlich kodiert. Dies erlaubt erstmals eine systematische Beschreibung des Umfangs und der zu erwartenden Effekte parlamentarischer Regeländerungen. Die Erklärungskraft des theoretischen Modells hinsichtlich dieser Änderungen wird mit Hilfe quantitativer Analysen und ausgewählter qualitativer Fallstudien getestet. Zudem generiert IDEP zeitspezifische Messungen einer Vielzahl parlamentarischer Regeln, die als Erklärungsfaktoren für verschiedenste Fragen der vergleichenden Parlamentsforschung genutzt werden können.


Projektteam: Ulrich Sieberer, Julia F. Keh (Universität Konstanz), Peter Meißner (Universität Konstanz), Wolfgang C. Müller (Universität Wien)


Finanzierung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (Antragsteller: Ulrich Sieberer)


Ausgewählte Projektpublikationen:

Sieberer, Ulrich, 2016, Lehren aus Weimar? Die erste Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages von 1951 zwischen Kontinuität und Wandel, Zeitschrift für Parlamentsfragen 47 (1), 3-25.

Sieberer, Ulrich/Meißner, Peter/Keh, Julia F./Müller, Wolfgang C., 2016, Mapping and Explaining Parliamentary Rule Changes in Europe: A Research Program, Legislative Studies Quarterly 41 (1), 61-88.

Sieberer, Ulrich/Müller, Wolfgang C., 2015, Explaining Reforms of Minority Rights in Parliaments. A Theoretical Framework with Case Study Application, West European Politics 38 (5), 997-1019.

Müller, Wolfgang C./Sieberer, Ulrich, 2014 , Parliamentary Rules and Procedures, in: Shane Martin/Thomas Saalfeld/ Kaare Strøm (Hg.): The Oxford Handbook of Legislative Studies, Oxford: Oxford University Press, 311-331.

Sieberer, Ulrich/Meißner, Peter/Keh, Julia F./Müller, Wolfgang C., 2014, Konzeptionalisierung und Messung formalen Institutionenwandels: Das Beispiel parlamentarische Regeln, Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft 8 (3-4), 237-262.

Sieberer, Ulrich/Müller, Wolfgang C./Heller, Maiko I. 2011, Reforming the Rules of the Parliamentary Game: Measuring and Explaining Changes in Parliamentary Rules in Austria, Germany, and Switzerland, 1945-2010, West European Politics 34 (5), 948-975.

Aktuelle Konferenzpräsentationen:
Sieberer, Ulrich/Höhmann, Daniel, 2015, Shadowing with glass figures? A comparative analysis of committee chair powers in Western European democracies, Paper und Vortrag anlässlich des Workshops “Institutional Determinants of Legislative Coalition Management”, Universität Tel Aviv, 16.-19. November 2015.

Sieberer, Ulrich/Keh, Julia F./Meißner, Peter/Müller, Wolfgang C., 2014, Explaining Institutional Reforms of Minority Rights in Ten Western European Parliaments, 1945-2010, Paper und Vortrag anlässlich des Annual Meeting der American Political Science Association, Washington, D.C., 28.-31. August 2014.

Parlamentarisches Abstimmungsverhalten im Deutschen Bundestag

Das Projekt unternimmt eine vollständige Dokumentation und theoretische wie empirische Analyse namentlicher Abstimmungen im Deutschen Bundestag seit 1949. Theoretisch schließt es an aktuelle rational choice institutionalistische Erklärungen für individuelles Abstimmungsverhalten von Parlamentariern und fraktionelle Geschlossenheit an. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf den institutionellen Anreizen des deutschen Mischwahlsystems sowie der Rolle persönlicher Abgeordnetenmerkmale wie Stellung innerhalb der Fraktion, Seniorität und weitere Karriereambitionen. Empirisch wird ein umfassender Datensatz sämtlicher namentlicher Abstimmungen in der Geschichte des Bundestages sowie relevanter Erklärungsvariablen erstellt, der eine wichtige Lücke in der deutschen und vergleichenden Parlamentsforschung schließt. Die zentrale methodische Innovationsleistung des Projekts besteht in der systematischen Verknüpfung von Erklärungsvariablen auf Abgeordneten- und Fraktionsebene mit der Hilfe von Mehrebenenmodellen.


Weitere Informationen sind auf der Projekthomepage verfügbar unter www.german-roll-calls.info.


Projektteam: Stefanie Bailer (Universität Basel), Henning Bergmann (Universität Bamberg), Tamaki Ohmura (Universität Basel), Thomas Saalfeld (Universität Bamberg), Ulrich Sieberer (Universität Bamberg)

Finanzierung: Fritz Thyssen Stiftung (Antragsteller: Stefanie Bailer, Thomas Saalfeld, Ulrich Sieberer)

Ausgewählte Projektpublikationen:

Bergmann, Henning/Bailer, Stefanie/Ohmura, Tamaki/Saalfeld, Thomas/Sieberer, Ulrich, 2016, Namentliche Abstimmungen im Deutschen Bundestag, 1949-2013. Befunde aus einem neuen Datensatz, Zeitschrift für Parlamentsfragen 47 (1), 26-50.

Aktuelle Konferenzpräsentationen:
Sieberer, Ulrich, 2014, When do single member districts increase voting dissent under mixed electoral systems? A longitudinal study of voting behavior in the German Bundestag, 1949-2013, Paper und Vortrag anlässlich des Annual Meeting der American Political Science Association, Washington, D.C., 28.-31. August 2014.

Die Politik des Ressortzuschnitts in Deutschland

Das Projekt unternimmt die erste systematische Analyse von Veränderungen im Zuschnitt der Bundesministerien seit 1949. Obwohl derartige Verschiebungen in der Koalitionsbildung öffentlich stark diskutiert werden und für verschiedene politikwissenschaftliche Forschungsfelder relevant sind, ist das Thema politikwissenschaftlich nahezu nicht bearbeitet. Theoretisch werden in dem Projekt ein koalitionspolitisches Erklärungsmodell sowie alternative Modelle aufbauend auf sachpolitischen Zusammenhängen zwischen verschiedenen Kompetenzen und organisationstheoretischen Faktoren spezifiziert. Aus diesen Modellen abgeleitete Hypothesen werden empirisch quantitativ mit Hilfe eines neu zu erhebenden Datensatzes sämtlicher Veränderungen im Ressortzuschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik sowie qualitativ mittels detaillierter Fallstudien ausgewählter Reformen und Experteninterviews überprüft werden. Das Projekt verspricht Beiträge zur Erklärung institutionellen Wandels, zur Koalitionsforschung, zur Analyse politischer Themenagenden sowie zur Politikfeldforschung.


Projektteam: Ulrich Sieberer, Daniel Höhmann (Universität Konstanz)

Finanzierung: Young Scholar Fund der Universität Konstanz (Antragsteller: Ulrich Sieberer)

Ausgewählte Projektpublikationen:
Sieberer, Ulrich, 2015, Die Politik des Ressortzuschnitts zwischen Koalitionsarithmetik und thematischer Profilierung. Eine koalitionspolitische Erklärung für Kompetenzänderungen der Bundesministerien, 1957-2013, Politische Vierteljahresschrift 56 (1), 77-103.

Aktuelle Konferenzpräsentationen:
Sieberer, Ulrich, 2015, The Politics of Portfolio Design: A Theoretical Framework with Application to Germany, Paper und Vortrag anlässlich des Annual Meeting der European Political Science Association, Wien, 25.-27. Juni 2015.

Parlamentarisches Verhalten in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49

Parlamentarisches Verhalten in der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49
Das Projekt untersucht parlamentarisches Verhalten in der Frankfurter Nationalversammlung (Paulskirchenversammlung) in den Jahren 1848 bis 1849 auf Grundlage eines umfassenden Datensatzes aller knapp 300 namentlichen Abstimmungen. Aus diesen Daten werden die Dimensionen politischen Konflikts in der Versammlung sowie die politischen Präferenzen der einzelnen Parlamentarier geschätzt. Durch die Verwendung neuer statistischer Verfahren und der erstmals verfügbaren vollständigen Abstimmungsdaten sind im Vergleich zum aktuellen Forschungsstand präzisere und validere Schätzungen möglich. Zudem lassen sich im Kontext der Paulskirche Kernfragen parlamentarischen Verhaltens wie die Entstehung von Fraktionen und die Bildung legislativer Koalitionen besonders gut analysieren.


Projektteam: Ulrich Sieberer, Michael Herrmann (Universität Konstanz)

Finanzierung: Zukunftskolleg der Universität Konstanz

Entscheidungsmotive von Bundesverfassungsrichtern zwischen Recht und Politik

Das Projekt untersucht die Entscheidungsmotive von Bundesverfassungsrichtern und geht der Frage nach, wie Richter ideologische Positionen mit juristischen Argumenten verknüpfen. Dazu untersuchen wir sämtliche Urteile mit Sondervoten im Zweiten Senat seit 1970. Basierend auf einer detaillierten Kodierung der Urteilstexte und Sondervoten messen wir sowohl die Häufigkeit als auch den Umfang abweichender Meinungen und identifizieren die juristischen Grundlagen von Dissent im Gericht. Diese Konfliktmuster werden mit persönlichen und politischen Charakteristika der Richter, beispielsweise deren Karrierehintergrund und Parteizugehörigkeit verknüpft. Das Projekt verbindet damit erstmals systematisch juristische und politische Motive von Verfassungsrichtern und unternimmt einen Schritt zur Zusammenführung von rechtswissenschaftlicher und politikwissenschaftlicher Forschung zum Bundesverfassungsgericht.


Projektteam: Ulrich Sieberer, Susumu Shikano (Universität Konstanz), Sebastian Sternberg (Universität Mannheim)

Finanzierung: Zukunftskolleg der Universität Konstanz (Antragsteller: Ulrich Sieberer)