Digitale Zahlungsdienste

Chancen und Risiken im Zahlungsverkehr unter einer Digitalen Agenda

Eine zentrale Rolle in unserem Wirtschaftsgeschehen spielt der Zahlungsverkehr (Zahlungsverkehr als Überführung des Geldes von der Verfügungsgewalt eines Wirtschaftssubjekts in diejenige eines anderen). Er genießt höchste Dominanz für alle Geschäftsmodelle der Anbieter ebenso wie für die meisten Bürgerinnen und Bürger im täglichen Leben. Der Zahlungsverkehr bildet gewissermaßen das Rückgrat unserer vernetzten, arbeitsteiligen und grenzüberschreitenden Wirtschaft und Gesellschaft. Es überrascht daher nicht, dass im Zuge der Diskussion unter dem Label „Digitale Welt & Finanzen“ immer häufiger, intensiver und kontroverser die Entwicklung des Digitalen Zahlungsverkehrs erörtert wird, auch wenn die Digitalisierung in diesem Bereich der Finanzwirtschaft in vielen westlichen Industrienationen schon deutlich in die 1980er-Jahre zurückreicht.

Es können drei grundlegende Typen von Zahlungssystemen identifiziert werden (B2C, Business-to-Consumer): Stationäre Zahlungssysteme, Internet-Zahlungssysteme und mobile Zahlungssysteme. Der erstgenannte Typ von Zahlungssystemen steht nur auf den ersten Blick für die analoge Welt der Zahlungsdienste, weil hier die digitale Abwicklung des unbaren Zahlungsverkehrs (Überweisung, Lastschrift, Kartenzahlung) und die verschiedenen Formen der Selbstbedienung oft gar nicht mehr als Ausprägung der Digitalisierung wahrgenommen werden. Die beiden anderen Typen (Internet-, mobile Zahlungssysteme) gelten dagegen gerne als prototypisch für Erscheinungsformen der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs.


Die fortschreitende Digitalisierung und deren Verschränkung mit analogen Prozessen erlaubt nun auch Nicht-Banken ihre Kerngeschäftsfelder (Handel, Information, Kommunikation) mit dem traditionellen Geschäftsfeld des (Banken-)Zahlungsverkehrs zu verbinden. Bieten Nicht-Banken solche Zahlungsdienste an, so werden diese inzwischen gerne als FinTechs (Financial Services & Technology) bezeichnet. Hierbei handelt es sich nicht nur um Start-ups, sondern ebenso um international tätige Informations- und Handels- sowie Telekom-Unternehmen wie zum Beispiel Amazon oder Google sowie Apple oder Samsung, die ihre Kerngeschäftsfelder der Information, der Kommunikation oder des Handels um ein neues strategisches Geschäftsfeld ergänzen (wollen).

Die Deutsche Bundesbank kommt zu dem Schluss, dass datenbasierte Technologien und Dienstleistungen im Zahlungsverkehr zwar für viele Erleichterungen sorgen, aber auch Risiken mit sich bringen, die für den Einzelnen schwer einschätzbar sind. So fallen durch die Nutzung verschiedener mobiler Endgeräte immer größere Datenmengen mit teilweise sensiblen personenbezogenen Inhalten an, die auf unterschiedliche Art und Weise verarbeitet und ausgewertet werden. Wie dies geschieht, können die Wenigsten überblicken. So entsteht generell ein vages Unbehagen bei der Preisgabe persönlicher Informationen, das vielfach konkret wird, wenn es um finanzbezogene Daten geht.

Damit die Chancen der innovativen Konzepte erkannt und genutzt werden, setzt dies als notwendige Bedingung volle Transparenz voraus. Noch wichtiger ist aber die hinreichende Bedingung, dass die Informationen eine hohe Qualität besitzen und nicht irgendwo und irgendwie transparent gemacht werden.

Die beiden Themen Sicherheit und Datenschutz sollten mit höchster Priorität behandelt werden, um das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger zu gewinnen, zu erhalten und weiterzuentwickeln. Kundinnen und Kunden lassen willentlich oder unbeabsichtigt und oft unbewusst persönliche Daten entstehen, die Dritte, zum Beispiel die Eigentümer der Geschäftsmodelle der Unternehmen der anbietenden Wirtschaft oder Entscheidungsträger staatlicher Einrichtungen, verwerten können und wollen. Diese persönlichen Daten besitzen oft einen institutionellen, sozialen, und/oder ökonomischen Wert, den alle Akteure, grundsätzlich also auch die Kundinnen und Kunden individuell oder kollektiv als Verhandlungsgegenstand einsetzen können sollten. Entscheidend scheint hier aus der Perspektive der Bürgerinnen und Bürger zu sein, wie einfach, verständlich und klar erkennbar ist, dass die genutzten Angebote aus den persönlichen Daten bezahlt werden (auch durch die Weitergabe an Dritte) und ob es im Ablehnungsfall außer der Nicht-Nutzung des Dienstes Möglichkeiten der Vermeidung sowie Lösungsalternativen gibt. Hierzu gehört auch die einfache, klare und verständliche Kennzeichnung, inwiefern persönliche Daten zur direkten oder indirekten persönlichen, geografischen und technikabhängigen (zum Beispiel abhängig vom genutzten Zugang/device) Preisdifferenzierung verwendet werden (sollen). Gleichermaßen betrifft dies die Kennzeichnung hinsichtlich der (IT-) Sicherheit einschließlich der Deklaration der erwarteten und verpflichtenden Mitwirkung des Zahlers oder der Informations- und Ratsuchenden.

Ausgewählte Publikationen

Oehler, A., 2019, Crowdinvesting, WiSt Wirtschaftswissenschaftliches Studium, forthcoming.

Horn, M., Oehler, A., Wendt, S., 2019, FinTech for Consumers and Retail Investors: Opportunities and Risks of Digital Payment and Investment Services, in: Walker, T. et al. (ed.), Ecological, Societal, and Technological Risks and the Financial Sector, forthcoming.

Oehler, A. , 2019, Algorithmen und Scoring: Verfolgte Verbraucher?, in: Kenning, P., Oehler, A., Reisch, L. (Hrsg.), Verbraucherwissenschaften, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, forthcoming.

Oehler, A. , 2019, Crowdinvesting: Schwarmverbraucher?, in: Kenning, P., Oehler, A., Reisch, L. (Hrsg.), Verbraucherwissenschaften, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, forthcoming.

Oehler, A. , 2019, Der vermessene und verkaufte Verbraucher?, in: Kenning, P., Oehler, A., Reisch, L. (Hrsg.), Verbraucherwissenschaften, 2. überarbeitete und erweiterte Auflage, forthcoming.

Wendt, S., Horn, M., Oehler, A., 2018, Robo-Advisors: The Future of Financial Advice?, Tölvumál 43, 20-21.

Riskante Schwärmerei, Süddeutsche Zeitung, 9.7.2018

Risikoreiche schöne neue Anlegerwelt, Focus-Money, 27.6.2018

Oehler, A., 2018, Infos für den Schwarm: Werden Crowdinvesting-Kleinanleger mit VIBs gut informiert? Eine empirische Untersuchung, im Auftrag des MLR Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) Baden Württemberg, Bamberg/Stuttgart

Oehler, A., Horn, M., 2018, Zur ungleichen ökonomischen Verteilung bei der Datennutzung oder: keine soziale Marktwirtschaft in der digitalen Welt!, Wirtschaftsdienst 98, Juli, 469-472

Oehler, A., Horn, M., Wendt, S., 2018, Mehr als „nur“ Crowdfunding: Wie die Digitalisierung Prozesse der Mittelstandsfinanzierung verändert, Corporate Finance 9, Heft 1-2, 3-7

Crowdinvesting: Top oder Flop, Finanztest, 24.5.2018

Versteckte Fallen für Schwärmer, immobilien report, 9.5.2018

Crowdinvesting ist für Kleinanleger sehr gefährlich, FAZ, 4.4.2018

Digitale Verwalter, analoge Probleme, Handelsblatt, 16.2.2018

Oehler, A., Horn, M., Wendt, S., 2018, Neue Geschäftsmodelle durch Digitalisierung? Eine Analyse aktueller Entwicklungen bei Finanzdienstleistungen; in: Keuper, F. et al. (Hrsg.), Disruption and Transformation Management, Springer, Wiesbaden, 325-341

Oehler, A., 2018, Infos für den Schwarm: Werden Crowdinvesting-Kleinanleger mit VIBs gut informiert? Eine empirische Untersuchung, im Auftrag der zeppelin universität – Forschungszentrum Verbraucher, Markt und Politik | CCMP und des MLR Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) Baden Württemberg, Bamberg/Stuttgart.

Oehler, A., 2017, Grundsätze ordnungsgemäßer Bewertung durch Scoring; Wirtschaftsdienst, Oktober 2017, 748-751

Oehler, A., 2017, Der technologische Wandel: Herausforderungen in der Digitalen Welt; in: Kenning, P., Oehler, A., Reisch, L., Grugel, C. (Hrsg.) Verbraucherwissenschaften – Rahmenbedingungen, Forschungsfelder und Institutionen, Springer, Wiesbaden, 69-80

Interoperabilität, Datenportabilität, Datenverwertung/VG Daten/Wirtschaftsdienst: http://archiv.wirtschaftsdienst.eu/jahr/2016/11/chancen-der-selbstbestimmten-datennutzung/

Oehler, A., 2016, Digitale Welt und Finanzen. Formen des Crowdfunding: Handlungsbedarf für die Verbraucherpolitik? Veröffentlichungen des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen, Berlin 2016.(90.1 KB)

Pressemitteilung vom 7.7.2016

Handelsblatt vom 11.7.2017

Global edition Handelsblatt vom 13.7.2016

Interview mit crowdfunding.de

 

Oehler, A., Horn, M., Wendt, S., 2016, Nicht-professionelle Investoren entdecken die digitale Welt; bankmagazin, Januar 2017, 26-29

Oehler, A., 2016, Chancen der selbstbestimmten Datennutzung?!; Wirtschaftsdienst, November 2016, 830-832

Oehler, A., Horn, M., Wendt, S., 2016, Nicht-professionelle Investoren in der digitalen Welt; Wirtschaftsdienst, September 2016, 640-644

Oehler, A., 2016, Auch der “Schwarm” braucht klare Regeln; Euro am Sonntag, 6.8.2016, 76-77

Oehler, A., Horn, M., Wendt, S., 2016, Benefits from social trading? Empirical evidence for certificates on wikifolios; 30th Annual Meeting of The Academy of Financial Services, Las Vegas, October 20-21, 2016; Research in Behavioral Finance Conference 2016, Amsterdam, September 15-16; International Review of Financial Analysis 46, 202-210

Oehler, A., Horn, M., Wendt, S., 2016, Was taugt die Finanzberatung durch Robo-Advisors wirklich?, Der Neue Finanzberater 2016, 2, 28-29

Oehler, A., 2016, Digitale Finanzberatung braucht standardisierte Produktinformationen, Der Neue Finanzberater 2016, 1, 15

Oehler, A., Horn, M., Wendt, S., 2016, Digitale Zahlungsdienste: Chinese Walls 2.0 oder Trennung?, DIVSI Magazin, Oktober , 23-25

Oehler, A., 2016, Upgrade notwendig? Finanzieller Verbraucherschutz in einer digitalisierten Welt - Einführung und Überblick, Fachgespräch, Deutscher Bundestag, Fraktion Die Grünen, Berlin, 22. Februar 2016

Oehler, A., 2015, Alles digital? Innovative Geschäftsmodelle im digitalen Zahlungsverkehr und Verbraucherpolitik; in: Wirtschaftsdienst, Dezember 2015, 817-821


Oehler, A., 2015, Digitale Welt und Finanzen. Zahlungsdienste und Finanzberatung unter einer Digitalen Agenda, Veröffentlichungen des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen, Berlin.
Ergebnisse und Handlungsempfehlungen(70.7 KB)
Langfassung mit Executive Summary(580.4 KB) 
Kurze Zusammenfassung(76.6 KB) 
Pressemitteilung vom 19.1.2016(114.1 KB)

Oehler, A., 2015, Beratung digital? Chancen und Risiken der Online-Beratung, Bamberg.

Oehler, A., Stellpflug, J., 2015, Daseinsvorsorge in der Digitalen Welt: Der Staat für alle oder jeder für sich?, Stellungnahme der Verbraucherkommission Baden-Württemberg, Nr. 41, Stuttgart.

Oehler, A., Höfer, A., Wendt, S., 2011, Von Konsumenten & Anbietern. Herausforderungen der Verbraucherpolitik im digitalen Zeitalter, in: uni.vers Forschung, Mai, 28-31.

Micklitz, H.-W., Oehler, A., 2006, Verbraucherpolitik in der digitalen Welt, Stellungnahme des Wissenschaftlichen Beirats Verbraucher- und Ernährungspolitik beim BMELV, Berlin.