Evaluation des musiktherapeutischen Projektes „Musikinstrumentenbau mit krebskranken Kindern“

Hintergrund und methodisches Vorgehen

Die Erkrankung eines Kindes an Krebs stellt für die ganze Familie eine große Belastung dar, etwa durch die Trennung der Familie aufgrund langer Krankenhaus-Aufenthalte, die Sorgen und Ängste um das kranke Kind, den ständigen Ausnahmezustand. Besonders die Geschwisterkinder werden in dieser Situation vor die Herausforderung gestellt, zunächst einen Schritt zurücktreten zu müssen.

Umso wichtiger ist es, in der Nachsorgephase, also nach der Stabilisierung des Krankheitszustandes, auch auf familiäre Aspekte einzugehen und die Familien dabei zu unterstützen, wieder ein Stück "zusammenzuwachsen". Ein möglicher Ansatz dafür ist das Bauen eines Musikinstruments und das anschließende gemeinsame Musizieren.

"Das Team von Prof. Dr. Spindler hat mit dem Musikinstrumentenbau mit krebskranken Kindern bereits 15 Jahre Erfahrung und in der Zusammenarbeit mit den bayerischen Elterninitiativen schon mehr als 600 betroffene Familien betreut. Die von Andreas Spindler entwickelten Instrumentenbausätze der Zauberharfe ermöglichen den Familien und Kindern, in weniger als 5 Stunden das eigene Musikinstrument zu bauen. Auch das Musizieren auf der Zauberharfe können Kinder und Erwachsene mittels spezieller Noten innerhalb weniger Minuten spielend leicht erlernen."

(Quelle und weitere Infos: www.zauberharfe.de)

Die Familien bekommen die Möglichkeit, im schönen Ambiente von Schloss Wernsdorf „krankheitsfreie“ Zeit zu verbringen und gemeinsam etwas zu (er)schaffen: So soll sich die praktische Tätigkeit, also das Bauen der Zauberharfe, bei dem alle Familienmitglieder zusammenhelfen, nicht nur förderlich auf das Selbstwirksamkeitserleben auswirken, sondern gleichzeitig den Zusammenhalt innerhalb der Familie stärken. Darüber hinaus wird die Vernetzung der Familien untereinander unterstützt. Als grundlegendes Ziel gilt eine nachhaltig andauernde musikalische Aktivität der Familie als psychosoziale Maßnahme.

Für das Projekt wurde ein psychoedukatives Begleitkonzept sowie eine Struktur- und Prozessevaluation geplant und durchgeführt. Zum Abschluss des Projekts wurde das Manual „Kurse zum Bau von Musikinstrumenten für Familien mit einem krebskranken Kind. Planungshilfe für die Baukursleitung“ erstellt.

 Folgende Fragestellungen wurden bearbeitet:

- Was sind die Bedürfnisse der TeilnehmerInnen und welche Erwartungen stellen sie an den Instrumentenbaukurs?

- Welche Strategien sind dazu geeignet, um den Bedürfnissen der Familien und ihren Erwartungen im Rahmen des Kurses gerecht zu werden?

- Werden diese Strategien in der Praxis entsprechend umgesetzt?

- Gibt es Anzeichen dafür, dass die intendierten Wirkungen mit dem entwickelten Kurskonzept erreicht werden?

Die Evaluation des Projekts wurde dem CIPP-Modell (Stufflebeam et al., 1971; aktualisierte Version nach Stufflebeam & Zhang, 2017) entsprechend in die Abschnitte Kontext-, Input-, Prozess- und Produktevaluation aufgeteilt. Dabei wurden verschiedene (vorrangig qualitative) Methoden verwendet, wie Literaturanalyse, (Experten-)Interviews, Fragebögen (ASTS, Evaluationsfragebögen, Stimmungsfragebogen), teilnehmende Beobachtung, Feedbackgespräche, und telefonische Nachbefragungen durchgeführt.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass der Workshop als Angebot mit einem niederschwelligen Zugang einen wertvollen Beitrag im Sinne einer kleinen Auszeit und „Kraftquelle“ für die psychosozial belasteten Familien krebskranker Kinder leistet. Die Umsetzung der erarbeiteten Ziele Fokussierung auf emotionale Aspekte, Förderung des Selbstwirksamkeitserlebens, Nachhaltigkeit sowie Förderung von Vernetzung und Austausch ist zum Teil bereits erfolgreich geschehen oder befindet sich auf dem richtigen Weg. Optimierungsbedarf besteht v.a. hinsichtlich Nachhaltigkeit, da die Familien zu Hause nur wenig bis kaum musizieren. Dafür sollten sie zukünftig auf dem Workshop besser vorbereitet werden. Insgesamt kommt das Projekt mit seiner neuen Konzeption bei den Familien außerordentlich gut an; die Rückmeldungen sind allesamt überaus positiv. Die Nutzung der Zauberharfe beim gemeinsamen Musizieren in der Familie deutet zudem u.a. auf die Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens, der Beziehungen sowie der Abstimmung untereinander hin.

Da die Anzahl der überlebenden krebskranken Kinder steigt, wird das Thema der psychosozialen Unterstützung, v.a. in der Nachsorge, auch in Zukunft weiterhin vermehrt an Relevanz gewinnen. Das Projekt „Zauberharfe“ kann daher als Pilotprojekt im Bereich familienbasierter und musik-orientierter Interventionen gesehen werden.

Für Rückfragen stehen wir selbstverständlich gerne zur Verfügung: magdalena.burger(at)stud.uni-bamberg.de

Team

Die Studie wurde unter Anleitung von Jörg Wolstein von Magdalena Burger durchgeführt.

Wir bedanken uns beim „Zauberharfe“-Team, namentlich Prof. Dr. Wolfgang Spindler, Thomas, Andreas und Anke Spindler sowie Elke Völkl, für ihre engagierte Unterstützung der Projektevaluation und die gute Zusammenarbeit. Ein herzliches Dankeschön geht nicht zuletzt an alle Kinder und Eltern, die an unseren Befragungen teilgenommen haben und ohne die diese Untersuchung nicht möglich gewesen wäre.

Die Studie wurde durch die finanzielle Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sowie des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit ermöglicht und im März 2018 abgeschlossen.

Am Montag, den 18.03.2019, wurden schließlich der offizielle Abschlussbericht sowie das Manual an Staatsministerin Dr. Melanie Huml übergeben.

Foto (v. l .): Anke Spindler, Prof. Dr. Jörg Wolstein, Magdalena Burger, Thomas Spindler, Prof. Dr. Wolfgang Spindler, Staatsministerin Dr. Melanie Huml