Digitale Bestimmung von Solitärbienen und -wespen in Nisthilfen
Mit dem Ziel, gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Studierenden, Lehrkräften und Dozierenden aller Fachrichtungen und Schularten die Besiedlung von Nisthilfen zu erforschen und ein deutschlandweites Monitoring aufzubauen, wird die Artengruppe „Wildbienen und Wespen“ für die Bestimmungs-App ID-Logics entwickelt und in einer Citizen-Science-Lehr-Lern-Umgebung erprobt. Mit ihr lassen sich hohlraumnistende Solitärbienen und -wespen anhand charakteristischer Merkmale ihrer Nester bestimmen. Durch das Zusammenspiel von einsehbarer Lehr-Lern-Nisthilfe, digitaler Bestimmung und begleitenden Materialien werden ökologische Zusammenhänge wissenschaftlich fundiert sichtbar.
Warum sind Wildbienen und Wespen wichtig?
Wildbienen nehmen aufgrund ihrer Vielfalt und ihrer morphologischen Anpassungen bei der Bestäubung von Blütenpflanzen eine Schlüsselrolle ein. Im Gegensatz zu domestizierten Honigbienen fliegen Wildbienen wie Hummeln oder Mauerbienen auch bei Schlechtwetterperioden. Die meisten Wildbienen leben solitär, bilden also keine Staaten und produzieren keinen Honig. Von den ca. 561 in Deutschland lebenden Wildbienenarten sind jedoch etwa 50% gefährdet (Rote Liste, 2011). Auch Wespen sind wichtige Teile des Ökosystems, da sie als natürliche Schädlingsbekämpfer die Populationen von Schadinsekten regulieren.
Der Rückgang der Wildbienen und Wespen steht maßgeblich mit Landnutzungsänderungen, dem Einsatz von Pestiziden sowie dem einhergehenden Verlust an Nahrungs- und Nisthabitaten im Zusammenhang.
Entwicklung einer Bestimmungs-App für partizipative Lehr-Lern-Umgebungen
Da Wildbienen und Solitärwespen anhand ihrer Morphologie ohne vertiefte Artenkenntnisse nur schwer zu bestimmen sind, konzentriert sich die Entwicklung der digitalen Bestimmungshilfe auf die charakteristischen Merkmale ihrer Nester. Hierzu gehören beispielsweise der Durchmesser der Nistgänge, die eingelagerte Nahrung sowie die verschiedenen Materialien der Nestverschlüsse und Zwischenwände. Die eigens entwickelte Artengruppe „Wildbienen und Wespen“ in ID-Logics führt die Nutzenden mithilfe aufeinander aufbauender Fragen sowie unterstützender Grafiken und kurzer Hilfsvideos schrittweise durch die Bestimmung und ermöglicht es ihnen, 37 typische Arten und Gattungen hohlraumnistender Solitärbienen und -wespen anhand ihrer Nester in Lehr-Lern-Nisthilfen zu bestimmen.
Die einsehbaren Lehr-Lern-Nisthilfen ermöglichen einen nicht-invasiven Blick in das Innere der Nester. In Kombination mit der digitalen Bestimmung bilden sie eine Lehr-Lern-Umgebung, in der sich die Teilnehmenden mit ökologischen Zusammenhängen und den Lebensweisen hohlraumnistender Wildbienen und Solitärwespen auseinandersetzen. Auf diese Weise werden Primärerfahrungen und forschend-entdeckendes Lernen ermöglicht.
Die Artengruppe wird innerhalb der Plattform ID-Logics in einem Design-Based-Research-Ansatz (Reinmann, 2005) programmiert (Larsen et al., 2025) und auf Grundlage der Evaluationsergebnisse von zwei Testzeitpunkten überarbeitet. Dadurch kann der Anteil richtiger Bestimmungen deutlich gesteigert werden (Larsen et al., 2024).
Citizen-Science-Pilot: Wildbienen an Schulen und Universitäten erforschen
Im Zentrum unserer partizipativen Lehr-Lern-Umgebung steht die Einbindung von Studierenden sowie Schülerinnen und Schülern in Forschungsprozesse mittels digitaler Medien. Gemeinsam erforschen sie die Besiedlung von Nisthilfen und sind dabei in ein deutschlandweites Forschungsnetzwerk aus Schulen und Universitäten eingebunden. Mithilfe der Bestimmungs-App ID-Logics erheben die Teilnehmenden Daten zur Besiedlung der Nisthilfen und gehen eigenen sowie standortübergreifenden Forschungsfragen nach.
Hierfür werden projektbegleitend (angehende) Lehrkräfte und Dozierende als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren qualifiziert, um das Citizen-Science-Pilotprojekt mithilfe des zur Verfügung gestellten Komplettpakets nachhaltig in (Hoch-)Schulen zu implementieren und mit den Lernenden durchzuführen. Das Komplettpaket besteht aus Lehr-Lern-Nisthilfe, Bestimmungs-App, Fortbildungsangeboten, Unterrichtsmaterialien sowie einer intensiven fachwissenschaftlichen und didaktischen Betreuung.
Ziel ist es, ein deutschlandweites Monitoring aufzubauen, wobei die erhobenen Daten die Grundlage für langfristige Beobachtungen zum Vorkommen und zur Verbreitung der Wildbienen und Solitärwespen sowie für den Vergleich der beteiligten Standorte bilden. Auf dieser Grundlage lassen sich Maßnahmen für eine biodiversitätsfördernde Gestaltung der Schul- und Universitätsgelände ableiten. Eine intensive Auseinandersetzung mit der Biodiversität hohlraumnistender Wildbienen und Solitärwespen kann nicht nur Artenkenntnisse vertiefen, sondern langfristig auch im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung zu umweltschützenden Handlungen führen.
Das DiKuLe-Wildbienenprojekt wurde insbesondere unter der Leitung von Dr. Yelva Larsen in Kooperation mit Dr. Felix Fornoff von der Universität Freiburg umgesetzt und durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert.






