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Workshop zu Minderheiten germanischer Sprachen in Lateinamerika (30.04.2021)

MinGLA Workshop

Fr., 30.04.2021, Zoom

 

Im Rahmen des transdisziplinären Netzwerks MinGLA (Minderheiten germanischer Sprachen in Lateinamerika / Minorías de lenguas germánicas en Latinoamérica / Minorias linguísticas germânicas na América Latina / Minorities of Germanic Languages in Latin America) wird am 30. April, von 14 bis 18 Uhr (CET), der erste digitale MinGLA-Workshop stattfinden, zu dem wir Sie herzlich einladen möchten. Es sind folgende drei Vorträge und eine gemeinsame Diskussion geplant:

 

Sprachkontakt im Westen Santa Catarinas: Grammatikalisierung in den Kontaktvarietäten des Deutschen mit dem Portugiesischen (zum Abstract)

Prof. Dr. Marcelo Jacó Krug (Universidade Federal da Fronteira Sul)

Sprachkontaktsituation der Wolgadeutschen in Argentinien (zum Abstract)

Dr. Anna Ladilova (Universität Gießen)

From 'tropical Zion' to vacation destination: Sosúa’s German-Jewish heritage (zum Abstract)

Maike Rocker (Pennsylvania State University)

 

Bei Interesse senden Sie eine Anfrage an angelica.prediger(at)uni-bamberg.de, um die Zoom-Zugangsdaten zu bekommen.

 

Wir freuen uns sehr auf Ihre Teilnahme!

 

Organisation:

 

Patrick Wolf-Farré

Angélica Prediger

Lucas Löff Machado

 


Workshop to Minorities of Germanic Languages in Latin America

MinGLA Workshop

Fr., 30.04.2021, Zoom

 

As part of the transdisciplinary network MinGLA (Minderheiten germanischer Sprachen in Lateinamerika / Minorías de lenguas germánicas en Latinoamérica / Minorias linguísticas germânicas na América Latina / Minorities of Germanic Languages in Latin America), we would like to invite you to the first digital MinGLA-workshop on April 30th, 2021. The workshop is set to take place 2–6 p.m. (CET) and will consist of the following three presentations and a discussion:

 

Sprachkontakt im Westen Santa Catarinas: Grammatikalisierung in den Kontaktvarietäten des Deutschen mit dem Portugiesischen (to the abstract)

Prof. Dr. Marcelo Jacó Krug (Universidade Federal da Fronteira Sul)

Sprachkontaktsituation der Wolgadeutschen in Argentinien (to the abstract)

Dr. Anna Ladilova (Universität Gießen)

From 'tropical Zion' to vacation destination: Sosúa’s German-Jewish heritage (to the abstract)

Maike Rocker (Pennsylvania State University)

 

If you are interested in attending the workshop, please send a mail to angelica.prediger(at)uni-bamberg.de, to receive access to the Zoom-session.

 

We are looking forward to your participation!

 

Organisation:

 

Patrick Wolf-Farré

Angélica Prediger

Lucas Löff Machado

 


Workshop de Minorias linguísticas germânicas na América Latina

MinGLA Workshop

sexta-feira, 30/04/2021, Zoom

 

No âmbito da rede transdiciplinar MinGLA (Minderheiten germanischer Sprachen in Lateinamerika / Minorías de lenguas germánicas en Latinoamérica / Minorias linguísticas germânicas na América Latina / Minorities of Germanic Languages in Latin America), será promovido no dia 30 de abril, das 14h às 18h (CET), o primero MinGLA-workshop digital, para o qual gostaríamos de convidar a todos interessados. Três apresentações e um discussão geral estão planejadas:

 

Sprachkontakt im Westen Santa Catarinas: Grammatikalisierung in den Kontaktvarietäten des Deutschen mit dem Portugiesischen (ao resumo)

Prof. Dr. Marcelo Jacó Krug (Universidade Federal da Fronteira Sul)

Sprachkontaktsituation der Wolgadeutschen in Argentinien (ao resumo)

Dr. Anna Ladilova (Universität Gießen)

From 'tropical Zion' to vacation destination: Sosúa’s German-Jewish heritage (ao resumo)

Maike Rocker (Pennsylvania State University)

 

Em caso de interesse, contactar angelica.prediger(at)uni-bamberg.de, para o recebimento dos dados de acesso ao Zoom.

 

Nós ficaremos muito contentes com a sua participação!

 

Organização:

 

Patrick Wolf-Farré

Angélica Prediger

Lucas Löff Machado

 


Workshop sobre Minorías de lenguas germánicas en Latinoamérica

MinGLA Workshop

Viernes, 30/04/2021, Zoom

 

Como parte de la red transdisciplinaria MinGLA (Minderheiten germanischer Sprachen in Lateinamerika / Minorías de lenguas germánicas en Latinoamérica / Minorias linguísticas germânicas na América Latina / Minorities of Germanic Languages in Latin America), nos complace invitar a toda persona interesada a participar a la primera edición del MinGLA-workshop digital que tendrá lugar el día 30 de abril, de las 14 a las 18h (CET). El evento consistirá de las siguientes tres presentaciones más una discusión general:

 

Sprachkontakt im Westen Santa Catarinas: Grammatikalisierung in den Kontaktvarietäten des Deutschen mit dem Portugiesischen (al resumen)

Prof. Dr. Marcelo Jacó Krug (Universidade Federal da Fronteira Sul)

Sprachkontaktsituation der Wolgadeutschen in Argentinien (al resumen)

Dr. Anna Ladilova (Universität Gießen)

From 'tropical Zion' to vacation destination: Sosúa’s German-Jewish heritage (al resumen)

Maike Rocker (Pennsylvania State University)

 

Para asistir al workshop, ponerse en contacto con angelica.prediger(at)uni-bamberg.de, para recibir los datos de acceso al Zoom.

 

¡Esperamos poder contar con vuestra participación para discutir e intercambar ideas!

 

Organización:

 

Patrick Wolf-Farré

Angélica Prediger

Lucas Löff Machado

Abstract

Sprachkontakt im Westen Santa Catarinas: Grammatikalisierung in den Kontaktvarietäten des Deutschen mit dem Portugiesischen

Marcelo J. Krug (Universidade Federal da Fronteira Sul – UFFS; UNA; CAPES-HUMBOLDT)

In diesem Votrag konzentriere ich mich auf die Entlehnung von Mustern (Matras 2010), die auf verschiedenen Ebenen im Kontakt zwischen Deutsch und Portugiesisch in Südbrasilien auftreten. Aus einer Vielzahl von gesprochenen und schriftlichen Quellen (Korpusmaterial des ALCF und des ALMA-H-Projekts, sowie Briefe deutscher Einwanderer und ihrer Nachkommen) werden die ökolinguistischen Umstände der Grammatikalisierung von Strukturen erörtert, die als verdeckte Kopien (covert copies) bezeichnet werden können (Kriegel / Ludwig / Salzmann 2019), d.h. Kopien von Mustern, die nur lexikalisch-semantische und / oder strukturell-grammatikalische Informationen aus der Kontaktsprache enthalten. Diese verdeckten Kopien können in beide Richtungen verzeichnet werden, also als Muster aus dem Portugiesischen ins Deutsche übertragen ((e.g. “wen ich nich schterben schnell dann bekommst du es wieder sobald als möglich“ < port. se eu não morrer ligeiro […]; “Im ersten Platz will ich Dir Glück wünschen für dein Geburtstag” < port. Em primeiro lugar […]), wie auch andersherum (“Por aqui vamos todos ainda muito bem” < dt. Uns geht es noch gut; “uma vez na secretaria se eles podem te ajudar” (Krug/Ruscheinsky/Horst 2019) < dt. Geh einmal zum Sekretariat [...]). Wie diese wenigen Beispiele zeigen, umfassen die strukturellen Entlehnungen syntaktische Muster, Calques auf semantischer Ebene sowie die Übertragung von Modalpartikeln, die für Deutsch sehr charakteristisch sind und in den romanischen Sprachen (fast) fehlen ( Meisnitzer 2012). Abgesehen davon zeigt das Beispiel des port. ainda < dt. noch, dass statt der (schriftlichen) deutschen Standardsprache der gesprochene Dialekt als genommen werden muss, für den der Begriff Riograndenser Hunsrückisch geprägt worden ist (Altenhofen 1996). Im dem Vortrag werde ich die Art sowie der Rahmen der Integration der Entlehnungsmuster in beiden Zielsprachen darstellen (Modalpartikel, semantische und syntaktische Muster bis hin zu Diskurstraditionen), welche zu ihrer Konventionalisierung und Grammatikalisierung und unterschiedlichen Graden von Hybridisierungs zwischen den beiden interagierenden Codes führen.

Abstract

Sprachkontaktsituation der Wolgadeutschen in Argentinien

Dr. habil. Anna Ladilova (Justus-Liebig-Universität Gießen)

Der vorliegende Vortrag beleuchtet die Sprachkontaktsituation der Wolgadeutschen in Argentinien, die eine zweifache Migrationsgeschichte durchlebt haben, bei der sie zuerst ab 1763 von deutschsprachigen Ländern nach Russland an die Wolga und danach ab 1874 nach Argentinien umgesiedelt sind. Obwohl sie seit über 250 Jahren außerhalb deutschsprachiger Gebiete lebten und dem Kontakt mit dem Russischen in Russland und dem Spanischen in Argentinien ausgesetzt waren, hat die Gruppe ihre ursprüngliche Kultur und Sprache bis heute aufrechterhalten. Dieser Sachverhalt hängt damit zusammen, dass der Kontakt zu der argentinischen Mehrheitsgesellschaft erst ab 1950 in solchem Maße zunahm, dass der Erwerb des Spanischen notwendig wurde. Bedingt durch einen gesellschaftlichen Wandel wurden sind die deutschen Varietäten in diesem Zusammenhang immer mehr dem Spanischen gewichen. Seit der Hundertjahrfeier der Ankunft der Wolgadeutschen in Argentinien 1978 ist unter den Mitgliedern der untersuchten Gemeinschaft jedoch ein steigendes Interesse an der Aufrechterhaltung und Weitergabe der eigenen Kultur und Sprache zu beobachten, was für ein ethnic revival der untersuchten Gruppe spricht. Insofern ergibt sich eine Situation, in der das Spanische, als Sprache der Mehrheitsgesellschaft über overt prestige verfügt; die deutsche Varietät jedoch aufgrund der identitätsstiftenden Funktion für die Gruppenmitglieder über starkes covert prestige. Zudem sind lexikalische Anteile des Russischen, die jedoch meist nicht als solche erkannt werden, Teil des sprachlichen Repertoires der untersuchen Gruppe. Dies führt zu einer aufgeprägten sprachlichen Hybridität, die durchaus die kulturelle Zusammensetzung der Wolgadeutschen in Argentinien spiegelt und auch sozio-diskursive Funktionen erfüllt, wie z.B. die Markierung der Gruppenidentität (durch Verwendung der deutschen Varietät) oder der Bezug auf die Mehrheitsgesellschaft (durch die Verwendung des Spanischen). Im vorliegenden Vortrag wird die Dynamik der Sprachkontaktsituation der untersuchen Gruppe vor deren sozio-historischen Hintergrund betrachtet. Hierzu wird eine Analyse von 12 narrativen Interviews sowie 381 Fragebögen herangezogen, die in März 2010 in Argentinien im Zusammenhang mit der Dissertation der Autorin durchgeführt wurden. Nach einer kurzen Darstellung des methodischen Vorgehens wird auf die Kenntnisse der deutschen Varietäten sowie deren Funktion als Identitätsmarker eingegangen, bevor die Sprachkontaktphänomene beleuchtet werden: Dabei wird sowohl der Einfluss des Russischen berücksichtigt, wie auch der deutsche-spanische Sprachkontakt in Bezug auf phonetische und lexikalische Transferenzen sowie auf Code-Switching.

Abstract

From 'tropical Zion' to vacation destination: Sosúa's German-Jewish heritage

Maike Rocker (Pennsylvania State University, mhr21@psu.edu)

While the persecution and genocide of Jews by the Nazi regime during the German Reich is well-documented, the resettlement of Jewish refugees in Latin America, more specifically in the Dominican Republic, is largely unknown to the general German population, and has not gained much attention from sociolinguists either. This study presents a first summary of the sociolinguistic history of Sosúa, a small town built by German-Jewish refugees in the 1940s, and documents the community’s recent status, making use of interview data from three community members (Schröer & Rocker, in press).
In July 1938, two-hundred delegates from 32 countries met in Évian, France, to discuss the emigration and exile crisis in the German Reich (Gigliotti 2006: 26). However, the only invitation was made by the Dominican dictator Rafael Trujillo, who suggested that 100,000 Jewish refugees could settle in a newly-founded agricultural commune at the island’s North coast (Ross 1994: 244). Unfortunately, the ambitious plan turned out to be unfeasible due to the difficult travel situation, so that only 54 of the first two thousand refugees recruited for resettlement arrived in Sosúa in 1939 (Ross 1994: 250). Between January 1940 and September 1941, another 413 settlers reached their new home, of whom only few had experience in agriculture (Gigliotti 2006: 32). In total, approximately 750 refugees arrived in Sosúa, of which 450 settled down permanently (Wells 2009: 285).
Although the settlers originated from different European countries, German became the spoken Lingua Franca within the community, and Hebrew was used in the synagogue. Many first-generation settlers never learned Spanish, but the Dominican-born generation grew up bilingually with German and Spanish, and identified as Dominican even during childhood. Despite the economic success of the community’s dairy production, many families left the Dominican Republic for the USA in the 1950s to guarantee better education for their children and pursue better employment. By the 1980s, when Sosúa began to develop into its current tourist hot spot, most German-Jewish settlers had left the Dominican Republic, albeit often keeping their shares in local businesses. For example, two of the interviewees had gotten an education and spent decades in the USA, before eventually returning to the Dominican Republic in their late adult life. Thus, while the synagogue, a museum and a few street signs still hint at Sosúa’s history, the actual community is no longer on site. Despite the geographic scattering of the remaining Dominican-born community members, many regularly return to Sosúa to take care of their businesses or for vacation, or keep in touch with other members via social media.
Although Sosúa was a “tropical Zion” (Wells 2009) for many refugees, it only became a permanent home to very few of them. Nevertheless, growing up in this community has impacted the linguistic habits of its members and, interestingly, created a network of geographically dispersed but highly interconnected trilingual individuals. Future research should focus on interviewing self-identified members of the community who have permanently settled in the USA, to inform our understanding of linguistic habits, identity, and group membership.