Workshop
Leitung: Dr. Denis Weger (Universität Wien)
Datum: Freitag, 11. Dezember 2026
Zeit: 8:00-12 Uhr
Ort: Besprechungsraum in der Luisenstraße 5-7, 2. Stock
Mitzubringen: eigener Laptop mit vorab installierter Q-Software KADE (kostenlos)
Anmeldung: Bitte melden Sie sich im Sekretariat unter dieser e-mail an:
sekretariat.germ-lingdaf(at)uni-bamberg.de
Abstract
Wie bewerten Sprecher*innen Sprachen und Varietäten? Welche Überzeugungen haben (angehende) Lehrpersonen zu Mehrsprachigkeit? Subjektive Perspektiven wie Spracheinstellungen, Sprachideologien und Überzeugungen rücken in der Linguistik und der Bildungsforschung zunehmend in den Fokus. Meist werden sie mit standardisierten Fragebögen oder Interviews erhoben. Beide Zugänge haben wichtige Erkenntnisse geliefert. Sie haben aber auch Grenzen. In Fragebögen bewerten Befragte jede Aussage einzeln. Wie die Aussagen zueinander stehen, bleibt daher unsichtbar. Ambivalente Positionen lassen sich nur schwer abbilden. Zudem fällt es leicht, allen erwünschten Aussagen zuzustimmen. Interviews liefern dagegen reichhaltige Daten. Diese sind jedoch nur eingeschränkt vergleichbar. Ihre Auswertung hängt stark von interpretativen Entscheidungen ab, und die Gesprächssituation selbst prägt die Daten mit.
Der Workshop stellt mit der Q-Methodologie (Q) einen alternativen Zugang vor. Q wurde gezielt entwickelt, um Subjektivität systematisch zu erforschen. In der angewandten Linguistik und der Bildungsforschung wird sie international zunehmend genutzt, im deutschsprachigen Raum ist sie aber noch wenig bekannt. Das Prinzip ist einfach: Die Teilnehmenden einer Studie sortieren Aussagen zu einem Thema in ein vorgegebenes Raster, von „stimme am wenigsten zu“ bis „stimme am meisten zu“. Dabei müssen sie jede Aussage im Verhältnis zu allen anderen gewichten. So entsteht für jede Person ein Gesamtbild ihrer Sichtweise. Anschließend werden die Sortierungen statistisch miteinander verglichen. Personen mit ähnlichen Sortierungen bilden einen Faktor, also eine geteilte Perspektive. Diese Perspektiven werden schließlich qualitativ interpretiert. Q verbindet damit quantitative und qualitative Elemente.
Nach einer kurzen theoretischen Einführung führt der Workshop Schritt für Schritt durch eine Q-Studie: (1) von der Forschungsfrage zur Sammlung möglicher Aussagen zum Thema (Concourse), (2) Entwicklung des Q-Sets, (3) Gestaltung von Sortierraster und Sortieranweisung, (4) Auswahl der Teilnehmenden und Datenerhebung, analog und digital, (5) personenbezogene Faktorenanalyse mit frei verfügbarer Software und (6) Interpretation der Faktoren. Auf jeden Schritt folgen praktische Übungen. Die Teilnehmenden sortieren selbst, entwickeln Aussagen zu eigenen Fragestellungen und werten einen Beispieldatensatz aus. Die Beispiele stammen aus einem Forschungsprojekt an der Schnittstelle angewandter Linguistik und Bildungsforschung. Sie lassen sich daher entsprechend auf andere linguistische und bildungswissenschaftliche Fragestellungen übertragen.
Ziel des Workshops ist, dass die Teilnehmenden am Ende eine eigene Q-Studie planen und die Grundschritte der Auswertung nachvollziehen können. Der Workshop richtet sich an Masterstudierende, Doktorand*innen und Postdocs. Vorkenntnisse in Q sind nicht erforderlich.
Bitte bringen Sie einen eigenen Laptop mit und installieren Sie vorab die kostenlose Q-Software KADE: https://github.com/shawnbanasick/kade
Zur Person
Denis Weger ist Postdoc und Co-Leiter des Arbeitsbereichs Sprachlehr- und -lernforschung am Zentrum für Lehrer*innenbildung der Universität Wien. Er forscht zur Professionalisierung von Lehramtsstudierenden für die Gestaltung sprachlich inklusiver Bildungsprozesse durch universitären Lerngelegenheiten und schulischen/außerschulischen Praxiserfahrungen sowie zur Bedeutung sprachbiographischer Erfahrungen für die professionelle Entwicklung. Details: www.denisweger.com