Work and Care: Was haben wir gelernt?

Am 19.05.2026 fand in Kooperation des Familienbüros, der Gleichstellungsbeauftragten, der Vizepräsidentin für Diversität und Internationales sowie der Antidiskriminierungsstelle ein Austausch zum Thema „Work and Care“ statt.

Alle Universitätsangehörigen waren eingeladen bei gemütlichem Zusammensein mit Kaffee und Snacks über ihre Erfahrungen, Sorgen und Wünsche bei der Vereinbarkeit von Pflege und Studium/Arbeit zu sprechen.

 


Was ist Care Arbeit?

„To care“ ist Englisch und bedeutet „sich kümmern“. Care Arbeit ist also „Sorgearbeit“. Das beinhaltet unter anderem Kinderbetreuung, Pflege und Betreuung von alten oder behinderten Angehörigen, familiäre Unterstützung, Hilfe unter Freunden, und Aufgaben im Haushalt. 

Warum ist das ein Gleichstellungsthema?

Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen wird an der Uni Bamberg vom Familienbüro angeboten. Warum sind also die Gleichstellungsbeauftragten bei diesem Thema vertreten?


Die kurze Antwort: weil Carearbeit Frauenarbeit zu sein scheint.


Der Gender-Care-Gap beträgt in Deutschland 43,4 %. Das entspricht einer Stunde und 16 Minuten Unterschied pro Tag, die Frauen mehr für unbezahlte Care Arbeit aufwenden.
Hintergründe, Folgen und Lösungsansätze haben wir in diesem Blogbeitrag genauer erklärt.


Der Gender-Care-Gap betrifft auch Student*innen und Frauen in der Wissenschaft. Um hier den Folgen entgegenzuwirken, gibt es ein breites Unterstützungs- und Förderungsangebot. 
 

Stimmen aus der Universitätsfamilie

Die Verbindung von Gleichstellung und Care Arbeit ist auch den Teilnehmer*innen der Veranstaltung aufgefallen. Es wurden verschiedene Gesprächsimpulse gegeben, die diskutiert und schriftlich beantwortet wurden. Der für uns relevante Satzanfang „Care-sensible Gleichstellungsarbeit ist für mich wichtig, weil…“.
wurde dabei sehr passend vervollständigt:
„…care (leider) immer noch Frauen* Sache ist“

„…Care-Arbeit Arbeit ist und auch hier Gleichstellung passieren muss“

Auch die Frage nach Wünschen und Bedarfen im Universitätsalltag für Pflegende brachte spannende Antworten:

Eine Traum Uni würde zum Beispiel beinhalten, dass alle Veranstaltungen auch online nachgeholt werden können, wenn aufgrund der Pflegearbeit die Teilnahme nicht möglich ist.

Barrierefreie Universitätsgebäude sind in Bamberg wohl eher eine Utopie, würden aber sehr vielen Studierenden und Mitarbeitenden wortwörtlich neue Türen öffnen.

Ein VC-Kurs zum Austausch zwischen pflegenden Studierenden und zur Information über Beratungsangebote und Unterstützung klingt gar nicht utopisch, könnte aber eine Erleichterung darstellen.

Auch eine durchgehende Kinderbetreuung bis zum Ende der letzten Lehrveranstaltungen würde Entlastung bedeuten. Und nicht nur Kinder müssen betreut und gepflegt werden. Ein Angebot der Tagespflege für erwachsende Pflegebedürftige wäre für viele Betroffene hilfreich.

Und während die Beratung zur Unterbrechung oder Verlängerung des Studiums schon gut funktioniert, sind Stigma und negative Folgen für akademische Karrieren noch immer tief verankert. Eine Normalisierung von nicht geradlinigen Bildungsverläufen ist notwendig 

Unterstützung an der Universität finden

Es gibt also auf jeden Fall Verbesserungsbedarf. Die Universität Bamberg bietet aber schon viel Unterstützung an:


Das Familienbüro bietet unter anderem Kinderbetreuung an, berät bei rechtlichen Fragen zur Pflege von Angehörigen, vergibt Preise für pflegende Studierende, hat Still- und Wickelräume eingerichtet und vieles mehr. Auch Mitarbeitende der Universität werden hier beraten und unterstützt, zum Beispiel von den „betriebliche Pflegelotsinnen".


Die Zentrale Studienberatung steht Studierenden zur Seite, die aufgrund von Mehrbelastung ihre Studiendauer verlängern, das Studium unterbrechen oder ein Teilzeitstudium wählen müssen.


Bei psychischer Belastung steht für Studierende unter anderem die psychotherapeutische Beratungsstelle des Studierendenwerks zur Verfügung.


Für Mitarbeitende mit psychischer Belastung gibt es eine psychosoziale Beratung, diese kann im Intranet gefunden werden.
 

Und auch das Gesundheitsmanagement stellt Familienfreundlichkeit mit in den Fokus.