Elisabeth Miedl/Universität Bamberg

Postdoc - Wie stelle ich ein Foschungsprojekt auf die Beine, Ana Grbanovic?

Wie geht es nach der Promotion weiter? Und wie findet man eine Postdoc-Stelle? Dr. Ana Marija Grbanovic hat ihre eigene Stelle über einen Forschungsantrag bei der DFG eingeworben. Im Interview berichtet sie von ihrem Weg zur eigenen Förderung, erklärt, worauf es bei der Antragstellung ankommt und gibt Einblicke in ihren wissenschaftlichen Alltag.

Interview: Sophia Wagner


Kannst du dich kurz vorstellen und erzählen, was du aktuell an der Uni Bamberg machst?

Ich bin Ana Marija Grbanović und arbeite derzeit als Postdoc und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kompetenzzentrum Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT) in Bamberg. Dort leite ich ein eigenes Forschungsprojekt, das ich bei der DFG (Förderprogramm „Sachbeihilfe“, engl. „Individual Research Grant“) eingeworben habe. In diesem Projekt untersuche ich ein Korpus mittelalterlicher Wandmalereien im Iran. Das Vorhaben ist auf drei Jahre angelegt.

2022 hast du deine Promotion über Stuckdekoration im Iran abgeschlossen. Welche beruflichen Optionen hast du damals für dich gesehen? War für dich klar, dass du in der Wissenschaft bleiben möchtest?

Ich habe an der Universität Bamberg im Fach Islamische Kunstgeschichte und Archäologie promoviert, habe aber früher Denkmalpflege studiert. Nach der Promotion habe ich beschlossen, zu meinem alten Fach zurückzukehren, um mit neuen Kenntnissen interdisziplinär zu forschen.

Für mich stand fest, dass ich auch nach der Promotion in der Wissenschaft bleiben möchte. Die Wissenschaft ist ein sehr vielfältiger Aufgabenbereich und ich fühle mich dort sehr wohl. Nach der Promotion war ich zunächst Postdoc-Stipendiatin über „Step by Step“. Diese Übergangsphase hat es mir ermöglicht, meinen Forschungsantrag vorzubereiten und mit dem Projekt zu beginnen. Hierfür möchte ich mich herzlich bedanken, da ich die Uni sonst hätte verlassen müssen.

Wie schwer ist es deiner Erfahrung nach, eine Stelle als Postdoc zu finden? Welche Herausforderungen gibt es?

An der Universität gilt: Je höher die Qualifikationsstufe, desto schwieriger wird es. In meinem Fall kommt hinzu, dass sowohl die Kunstgeschichte als auch die Denkmalwissenschaften relativ kleine Fächer sind. Entsprechend gibt es nur wenige feste Stellen an Universitäten.

Eine weitere Herausforderung betrifft die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Karriere und Privatleben. In vielen Bereichen wird eine hohe internationale Mobilität erwartet. Ich selbst habe meinen Bachelor in Italien, den Master in London, die Promotion in Bamberg absolviert und war im Rahmen von Forschungsaufenthalten und Sprachkursen im Nahen und Mittleren Osten und in den Kaukasus. Es ist eine Herausforderung, eine Balance zwischen internationaler Mobilität und eigenem Privatleben zu finden, hier muss man oft Kompromisse eingehen.

Du hast deine eigene Post-Doc-Stelle über einen Antrag für DFG-Sachbeihilfe eingeworben. Warum hast du dich dazu entschieden?

Die Postdoc-Phase ist dafür da, um mit eigenen Aktivitäten wissenschaftlich unabhängig zu werden. Eine eigene DFG-geförderte Forschungsstelle bietet mir genau diese Möglichkeit: Man kann eigene Forschungsideen verfolgen und Projekte eigenständig umsetzen. Ich persönlich schreibe gerne Anträge und führe Forschungsprojekte durch. Es gibt mir die Freiheit, selbst zu entscheiden, welche Themen ich für wichtig erachte und erforsche, und welche Schwerpunkte ich setze.

Ich halte Forschungsanträge für ein besonders gerechtes Verfahren in der Wissenschaft: Sie werden nach akademischer Leistung bewertet, unabhängig von Herkunft oder anderen persönlichen Faktoren und können auf Deutsch oder Englisch abgegeben werden. So steht allein die fachliche Qualität im Vordergrund.

Kannst du den Prozess beschreiben, einen solchen Forschungsantrag vorzubereiten? Wo hast du Unterstützung gefunden und welche Informationen waren für dich hilfreich?

Ein erfolgreicher Antrag erfordert eine sorgfältige und langfristige Vorbereitung, zum Beispiel, um sich mit den Anforderungen des Fördergebers und dem Antragsformat vertraut zu machen. An der Universität Bamberg gibt es dafür hilfreiche Beratungs- und Unterstützungsangebote, besonders im Dezernat Forschungsförderung und Transfer (Z/FFT) und beim Graduiertenzentrum Trimberg Research Academy (TRAc), die mich im Prozess sehr unterstützt haben.

Darüber hinaus bin ich vielen Personen aus meinem akademischen und Verwaltungsumfeld zum Dank verpflichtet, insbesondere der KDWT-Geschäftsführung und den Kolleg*innen am KDWT sowie früheren Betreuenden. Letztlich ist es ein kontinuierlicher Prozess, in dem man über Jahre hinweg Wissen, Erfahrung und Kontakte aufbaut. Der wissenschaftliche Austausch ist sehr wichtig und ich finde häufig wertvolle Unterstützung durch mein nationales und internationales Netzwerk: Dies können Tagungen sein oder Gespräche mit erfahrenem Kolleg*innen, bei denen man hilfreiche Ratschläge bekommt oder mit den man gemeinsam Fragen bespricht.

Wie sieht dein Arbeitsalltag im Forschungsprojekt aus?

Ein Forschungsprojekt beinhaltet viele unterschiedliche Aufgaben. Neben der eigentlichen Forschung gehören auch administrative und organisatorische Aufgaben dazu, etwa Projektmanagement und Finanzplanung. Die wissenschaftliche Arbeit umfasst unter anderem Feldforschung, Datenanalyse, Publikationen sowie die Teilnahme an und Organisation von Tagungen. Man muss viele Rollen gleichzeitig übernehmen, erwirbt dadurch aber auch viele neue Kompetenzen.

Wie teilst du dir deine verschiedenen Aufgaben ein?

Die Arbeit in der Wissenschaft hat auch „Jahreszeiten“: Es gibt Phasen mit vielen Tagungen oder andere Zeiten, die gut geeignet sind für Feldforschung. Daher schwanken meine Aufgaben sehr.

Eine gute Struktur und Planung sind essenziell und man sollte sich nicht überfordern mit zu vielen Aufgaben. Ich versuche, realistische Ziele zu setzen und mir auch Zeit für private Aktivitäten zu nehmen. Ein dreijähriges Projekt ist kein Sprint, sondern muss langfristig gedacht werden.

Welche Pläne hast du für die Zeit nach deinem Projekt?

Ich möchte auch nach dem Projekt weiterhin im Bereich Kulturguterhalt und Denkmalforschung forschen und lehren. Ich bin gerne im wissenschaftlichen Bereich tätig und habe das Gefühl, damit einen Beitrag zur Gesellschaft leisten zu können, weshalb ich mich langfristig in der Wissenschaft sehe.

Der Weg in der Wissenschaft ist nicht immer einfach, aber er erfüllt mich. Allgemein wünschenswert wäre für die Zukunft, dass es in universitärem Bereich mehr feste Stellen im Mittelbau gäbe, um die Forschungslandschaft zu stärken. Dies würde Forschenden eine nachhaltigere und produktivere Tätigkeit ermöglichen.

 

Weitere Informationen zu Ana Grbanovic finden sich auf der Website des Kompetenzzentrums Denkmalwissenschaften und Denkmaltechnologien (KDWT)