Unter dem Stichwort "Forum Genderforschung" veranstalten die Universitätsfrauenbeauftragten seit 2001 in unregelmäßigen Abständen interdisziplinäre Vorträge, Tagungen oder Exkursionen mit engem Bezug zu den gender studies. Damit wollten sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit bieten, sich über die Fächergrenzen hinweg über Genderforschung auszutauschen, zu vernetzen und eigene Projekte vorzustellen. Von Matriarchatstheorien über "männliche Freundschaften im Mittelalter" bis hin zu "Geschlechtsunterschieden bei Verhaltensauffälligkeiten in der Grundschule" reicht das Spektrum der Themen, die seither in zahlreichen Veranstaltungen präsentiert worden sind.

Die Veranstaltungen finden während des Semesters statt und sind für alle Interessentinnen und Interessenten offen.

Aktuelle und bisherige Veranstaltungen

Is #Metoo sexy? (2018)

„Is #metoo sexy? or: What does it Mean for Women to Act Politically?” – Ein Bericht zum Vortrag von Claire E. Scott

Von Alena Stephan

„This talk will contain some graphic language and direct references to sexual harassment and assault” – warnt Dr. Scott zu Beginn ihres Vortrags, der am 05.06.2018 im Rahmen des Forums Genderforschung der Universitätsfrauenbeauftragten stattfand. Scott, die derzeit an der Universität von North Carolina tätig ist, markiert ein Highlight in der Geschichte des Forums Genderforschung: Seit Beginn der interdisziplinären Vortragsreihe 2001 ist sie die erste Referentin von Übersee. Einerseits ist somit ein wichtiger Schritt für die Vernetzung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gemacht worden. Andererseits bereichert die Germanistin mit den Schwerpunkten Film und Literatur des 20. Jahrhunderts sowie gender studies das Portfolio der Vortragsreihe um einen gelungenen Beitrag zur gesellschafts-politischen MeToo-Debatte, indem sie die Frage stellt: „Is #metoo sexy? or: What does it Mean for Women to Act Politically?”. Mit dem Vergleich der zeitgenössischen Feministinnen und (militanten) deutschen Aktivistinnen des 20. Jahrhunderts gelingt vor allem ein Verweis auf jene Gemeinsamkeiten, die sich hinsichtlich der Berichterstattung über unkonventionell politisch handelnde Frauen erkennen lassen.

Die Geschichte der #MeToo-Bewegung beruht auf dem Wunsch nach Solidarität und der Öffnung von Räumen, in denen Frauen ihre Erfahrungen teilen können. In den Medien habe sich die Berichterstattung über die Bewegung auf Gerichtsverfahren und Strafmaßnahmen konzentriert, kritisiert Scott. Generell seien die Mainstream-Medien ungeeignet, die Interessen der Frauenbewegungen wiederzugeben, da die politischen Maßnahmen der Feministinnen oftmals fehlinterpretiert werden: “the mainstream media fails to read women’s political actions properly because they often take different forms than those we have come to expect from male-led activism.” Scott prophezeit: “The more we account for these differences, the more successful we will be in keeping feminism at the forefront of political landscapes around the world”. Ziel müsse es sein, strukturellem Sexismus im Allgemeinen ein Ende zu setzten – auch in der vermeintlich neutralen Zone Internet. Diese feministischen Ziele werden von den Mainstream-Medien oftmals falsch wiedergegeben, was sich als Gemeinsamkeit der MeToo-Bewegung und der Aktivistinnen des 20. Jahrhunderts konstatieren lässt.

Anhand der Gruppierung der RAF und der Roten Zora exemplifiziert Scott, dass der weibliche Körper und die Weiblichkeit in der Presse oft als gefährliches Mittel dargestellt werden, das potentiell gewalttätige Absichten verbirgt. Die Frauen der militanten Gruppierungen agierten schlichtweg zu maskulin und zu aggressiv für den weiblichen Körper. Als Erklärung hierfür wurden diese Frauen von der Presse oftmals hinsichtlich ihres Fehlverhaltens als Mütter und Ehefrauen untersucht. Der Sensationalismus hinter der Implikation, eine Frau könne gerade aufgrund ihrer scheinbaren Unschuld katastrophalen Schaden anrichten, ist der gleiche sensationalistische Impuls, der die Berichterstattung über die MeToo-Bewegung antreibt, schlussfolgert Scott. Wenn Frauen also bei ihren politischen Bemühungen auf unkonventionelle Mittel und Methoden zurückgreifen, tendieren die Medien dazu, die Wirksamkeit ihres Handelns in Frage zu stellen und Druck auf die beteiligten Aktivistinnen auszuüben, ihre Ziele zu verengen und sie auf bereits etablierte Modelle der Weiblichkeit, wie die nährende Mutter oder die sexy Verführerin, zu reduzieren.

Am Ende des Vortrags steht die Erkenntnis, dass Dank der MeToo-Bewegung Archive von gelebten Erfahrungen entstanden, die so groß und viral sind, dass sie nicht länger ignoriert werden können. Somit wurde aufgezeigt, wo unser staatliches und soziales System versagt. Scott fordert die MeToo-Bewegung als Vorbild zu nehmen, um emotionale Energie, die Online-Räume erzeugen, politisch zu nutzen: „the #metoo movement provides a model for how we might start to embrace these new technologies for activism and recognize that particularly in today’s world, catching a feeling might be the most powerful political gesture of all.”

Ringvorlesung GenderForschung 2016

2016 wurden von den Universitätsfrauenbeauftragten zum Genderjahr aussgerufen. Neben Initiativen zum weiteren Ausbau der Gleichstellung standen auch die gender studies  durch eine Ringvorlesung im Mittelpunkt.

"Über das eine Geschlecht wissen wir alles. Reden wir also über das andere - den Mann."

 

 

PD Dr. Torsten Voß (Bielefeld) spricht zum Thema

 

Positionen und Möglichkeiten aktueller kulturwissenschaftlicher Männlichkeitsforschung

02.07.2015, 20.00 Uhr, U2 00.25

 

Männer werden nicht geboren, sie werden gemacht, oder: Man muß bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um zum Mann zu werden. Diese werden vom sozialen Umfeld vorgegeben, können aber auch aus mythologischen oder ästhetischen Codierungen resultieren. Auf jeden Fall sind sie an mediale Inszenierungen und diskursive Vorgaben und Sprechweisen gebunden, welche für die verschiedenen Männlichkeitsbilder, oder "Maskeraden von Männlichkeit" (Claudia Benthien/Inge Stephan) entscheidend sind. Diese können variantenreiche Ausprägungen annehmen, zum Beispiel die des Dandys, des müden Jünglings, des kalten Zynikers, des Familienvaters oder des charismatischen Helden, der alte Masken heroischer Männlichkeit wiederbelebt. Derlei Masken generieren sich meist aus einer passiven Übernahme von Imaginationen und einer synchron erfolgenden aktiven Selbstinszenierung von Männlichkeit. Vor dem Hintergrund aktueller Theorieansätze aus der kulturwissenschaftlichen Disziplin der Masculinity Studies (I. Teil) will der Vortrag verschiedene Varianten für ästhetisch konstruierte Männlichkeit untersuchen (II. Teil).

 

 

Dass nämlich Gender Studies bzw. Männerforschung nicht nur als ideologiekritische, empirische oder sozialwissenschaftliche Disziplinen operieren, sondern auch für literaturwissenschaftliche Erkenntnisinteressen verwendet werden können, ist zu einem inzwischen vollends etablierten Fakt der letzten Jahre geworden. Dem war nicht immer so: Dominierend waren die vor allem politischen Ursprünge dieser – sich aus einer feministischen Kulturwissenschaft erst langsam heraus entwickelnden – Forschungsgebiete, die durch die Darlegung des künstlichen Charakters der Geschlechter und ihres sozialen Rollenverhaltens vor allem auf die Benachteiligung von Frauen in Wissenschaft und Wirtschaft in den Sechziger Jahren aufmerksam machen wollten. Außerdem lag gerade in einer emanzipatorisch agierenden Geschlechtertheorie die Crux, dass sie zu postulieren meinte, was denn richtiges, das heißt kritisches und bewusstes Geschlechterverhalten sei, so als ob es überhaupt eine kontext- und diskurslose Geschlechteridentität geben könnte. Diskurse werden stets auch von Vorstellungen und damit von Bildern getragen. Und auch Barbara Vinken hat bereits 1992 in ihrer dekonstruktivistischen Lesart Geschlechterrollen benannt als institutionalisierte Verkleidungen, Travestien, die, durch kulturelle Codes etabliert, Weiblichkeit und Männlichkeit als geschlechtliche Identitäten vorgeben. Da Literatur selbst über ästhetische Modi und kulturelle Codes funktioniert, kann sie auch das Entstehen und Funktionieren von Männlichkeitsbildern aufzeigen.

Textilentwurf, Schneiderei, Modedesign – alles typisch weibliche Tätigkeitsfelder?

 Prof. Dr. Ada Raev (Otto-Friedrich-Universität Bamberg),

 Prof. Dr. Hanne Loreck (Hochschule für bildende Künste Hamburg) und

 Wiebke Siem (Künstlerin, z. Z. Stipendiatin der Villa Concordia Bamberg)

erörtern am Beispiel russischer Avantgardekünstlerinnen, darunter Varvara Stepanova und Ljubov‘ Popova, anhand des Gewebes als Material und Metapher bzw. ausgehend von künstlerischen Projekten Möglichkeiten der Integration und Transformation von textiler Produktion und stofflichen Strukturen in das Feld der Kunst.

Das breite Spektrum an ästhetischen Praktiken und Strategien zwischen Stoff-, Kostüm- und Modeentwürfen, der Übertragung von Mustern und Ornamenten auf große Flächen und der Konfigurierung von Räumen bis hin zu textilen Objekt- und Rauminstallationen wird dabei auch im Hinblick auf zivilisatorische, politische und genderspezifische Aspekte befragt.

Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Forum Genderforschung der Otto-Friedrich-Universität Bamberg und dem Internationalen Künstlerhaus Villa Concordia.

Im Sommer 2013 findet ein "Workshop Genderforschung" mit verschiedenen Vorträgen und Diskussionen statt. Genauere Informationen finden Sie bald hier auf dieser Seite.

Eine Frau geht wo: Weibliches Flanieren in Literatur und Film

Drittes literatur- und medienwissenschaftliches Kolloquium

Der Lehrstuhl für Literatur und Medien veranstaltet in Kooperation mit dem Genderforum eine Tagung zum Thema: "Eine Frau geht wo: Weibliches Flanieren in Literatur und Film".

 

1. bis 2. Februar 2013

14-18.30 Uhr und 10-13.30 Uhr

Raum U2/0025

Elisabeth Bronfen

(Zürich)

spricht zum Thema

"Gendering the Civil War: Reimagination des Krieges in Hollywood"

26.06.2012

16 - 18 Uhr, U7/105

 

veranstaltet vom Genderforum Forschung der Universität Bamberg, Frauenbüro der Universität Bamberg, Professur für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft (Frau Prof. Dr. Iris Hermann) und Professur für Amerikanistik(Frau Prof. Dr. Christine Gerhardt)

 

Weitere Informationen finden Sie hier!

Eindrücke von der Lesung mit Sabine Gruber

Auf Einladung des Genderforum der Universität Bamberg las Sabine Gruber (Wien) aus ihrem neuesten Roman „Stillbach oder Die Sehnsucht“.


von Katharina Merz und Iris Hermann


Die Schriftstellerin war der Einladung des Forum Genderforschung der Universität Bamberg gefolgt und wählte für ihre Lesung drei Auszüge aus ihrem aktuellen Roman, die vor allem ihre erzählerische Raffinesse und ihr Gespür für Details verdeutlichten.


Den sehr zahlreich erschienenen Zuhörenden begegneten an diesem Abend die Figuren Emma, Ines und Clara, die alle drei aus dem fiktiven Südtiroler Dorf Stillbach stammen. Als junge Frauen verlassen sie Südtirol auf der Suche nach einem emanzipierten und selbstbestimmten Leben. Im Mittelpunkt steht mit Emma eine Frau, die wie so viele Südtirolerinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Zimmermädchen in einem italienischen Hotel arbeitet. Später wird sie selbst die Hotelbesitzerin und stellt wiederum  Zimmermädchen aus Südtirol ein. Die Geschichte der Emma wird unterbrochen von Ines' Geschichte, die im Sommer 1978, dem Jahr, in dem Aldo Moro getötet wird, im Hotel als Aushilfe arbeitet. Beider Leben entfaltet sich vor dem Hintergrund der großen Zeitgeschichte: Emmas Geschichte 1938 im faschistischen Rom, die von Ines (und Emma) vierzig Jahre später im Rom der Roten Brigaden. Die von Ines aufgeschriebenen Ereignisse fallen Clara in die Hände, als diese die Wohnung ihrer verstorbenen Freundin auflöst.
Die Verknüpfung persönlicher mit historischen, politisch bedeutsamen Ereignissen ist im Buch ebenso allgegenwärtig wie die Frage nach der eigenen Identität und Zugehörigkeit. Auch in der an die Lesung anschließenden Diskussion stand die Frage nach Heimat und Zugehörigkeit im Mittelpunkt. Sabine Gruber betonte dabei, dass sie sich selbst als „deutschsprachige Autorin aus Österreich mit einem italienischen Pass“ verstehe und machte damit deutlich, dass sie als deutsch- und italienischsprachige Südtirolerin sich auch in ihrem Alltag immer wieder mit der Identitätsfrage konfrontiert sieht.


Sabine Gruber, 1963 in Lana/Meran in Südtirol geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Politikwissenschaft in Innsbruck und Wien und war vier Jahre lang als Lektorin für Deutsch an der Universität in Venedig tätig. Sie lebt als freie Schriftstellerin in Wien. Ihr Werk, das neben Romanen auch zahlreiche Essays, Hörspiele, Theaterstücke und Gedichte umfasst, wurde mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, unter anderem dem Priessnitz-Preis und dem Anton-Wildgans-Preis. Ihr Roman „Über Nacht“ konnte sich 2007 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis platzieren.
Eingeladen wurde Sabine Gruber vom Forum Genderforschung und dem Büro der Frauenbeauftragten der Universität Bamberg. Organisiert wurde die Lesung von der  Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Prof. Dr. Iris Hermann) in Zusammenarbeit mit einer Gruppe von Studentinnen aus dem Hauptseminar „Neuerscheinungen“.  


Im Rahmen des Forum Genderforschung tragen namhafte Genderforscher/innen Ergebnisse ihrer aktuellen Forschungsergebnisse vor, Schriftsteller/innen lesen aus Werken, die die Genderfrage in den Mittelpunkt stellen. Im nächsten Semester wird Elisabeth Bronfen (Zürich) unser Gast sein. Nähere Informationen werden noch bekanntgegeben.    

Tagung zur Genderforschung am 10./11. Januar 2003 an der Universität Bamberg

Strukturierung von Wissen und die symbolische Ordnung der Geschlechter

Die Idee zur Tagung wurde im interdisziplinären Arbeitskreis Genderforschung, der von den Universitätsfrauenbeauftragten im Sommersemester 2001 gegründet wurde, diskutiert und weiterentwickelt.

Tagungsband

"Strukturierung von Wissen und die symbolische Ordnung der Geschlechter"

herausgegeben von Marianne Heimbach-Steins, Bärbel Kerkhoff-Hader, Eleonore Ploil und Ines Weinrich

LIT-Verlag Münster 2004, Zahlr. Abbildungen,  Broschur, 200 Seiten, 15,90 Euro, Reihe Gender-Diskussion Bd. 1, ISBN 3 8258 7251 3     

Es bedurfte der Kategorie Gender als einer Disziplinen und Diskurse übergreifenden Meta-Kategorie, um die Polarisierung zwischen der nota bene „normalen“ Männerperspektive und einer besonderen, für viele männliche wie weibliche Wissenschaftssubjekte suspekt bleibenden Frauenperspektive aufzubrechen und feministische Kritik aus der Nische des Partikularen herauszuführen.

Gender fungiert als Wahrnehmungs- und Analyseinstrument für gesellschaftliche Geschlechterverhältnisse, die sich in vielfältigen kulturellen Ausdrucksformen und gesellschaftlichen Ordnungen verfestigen und sich mit Hierarchisierungen und Machtasymmetrien verbinden.

Der vorliegende Band dokumentiert die Beiträge der Tagung „Strukturierung von Wissen und die symbolische Ordnung der Geschlechter“ , mit der die Frauenbeauftragtender Universität Bamberg das Jubiläumsjahr 2003 „100 Jahre akademische Bildung von Frauen in Bayern“ eröffneten: Die Hauptbeiträge präsentieren aktuelle Grundlagendiskussionen und exemplarische Anwendungsfelder des Gender-Diskurses in den Bereichen Medienwissenschaften, Soziologie, Geschichte und Ethik. Workshop-Berichte ergänzen das fachliche und thematische Spektrum und geben Einblicke in die Vielfalt innovativer Genderforschung von der Frühgeschichte/Archäologie bis zur Sozialpolitik, von der alttestamentlichen Exegese bis zur historischen Musikwissenschaft.

Drei Beiträge zur Frage von Gender Mainstreaming, zur Ehrenpromotion von Elisabeth Gössmann, zum Stand der geschlechterspezifischen Situation an der Bamberger Universität sowie eine Zukunftsvision über die Hochschulen nach weiteren hundert Jahren weiblicher Präsenz runden den Band ab.

Der Tagungsband wurde gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen.

Sie möchten eine Veranstaltung mit gender-Bezug organisieren?

Denkbar wären etwa Gastvorträge, Kurz-Vorträge, Workshops, Streitvorlesungen, Diskussionen, Tagungen oder Podiumsdiskussionen. Es können sich auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit anderen Forschenden zusammenschließen und gemeinsam ein Angebot machen. Gerne sprechen wir mit Ihnen über Unterstützung und nehmen Vortragsangebote, Anregungen, Vorschläge und Ideen zur Gestaltung des Genderforums entgegen. Schreiben Sie einfach eine kurze Mail ans Frauenbüro.