Überbeschäftigung (Overemployment)

Inhalt und Ziele

Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Beschäftigtengruppe der Zeitarbeitnehmenden. Diese Gruppe an Arbeitskräften, die lediglich stets befristet über eine Zeitarbeitsagentur an Unternehmen vermittelt wird, zählt allgemeinhin zur Randbelegschaft von Unternehmen. Als Randbelegschaft wird diesen Personen eine vergleichsweise geringe Aufmerksamkeit seitens des Personalmanagements zuteil. Die Vorteile der flexiblen Beschäftigungsmöglichkeit von Zeitarbeitnehmenden für Einsatzunternehmen führen gleichzeitig zu Nachteilen für die Zeitarbeitnehmenden selbst. Zu den Nachteilen zählen eine höhere wahrgenommene Arbeitsplatzunsicherheit, ein niedrigeres Einkommen im Vergleich zu einer Festanstellung, ein begrenzter Zugang zu Weiterbildungsangeboten, eine geringere soziale Integration und Unterstützung wie auch emotionaler Stress mit gesundheitlichen Folgen. Diese beschäftigungsbedingten Nachteile drohen sich in einem geringeren subjektiven Wohlbefinden der Zeitarbeitnehmenden widerzuspiegeln. In dem Forschungsprojekt wird der Frage nachgegangen, wie das subjektive Wohlbefinden von Zeitarbeitnehmenden durch Unternehmen und damit in der Konsequenz deren Arbeitsleistung gefördert werden kann.

Projektziele

  • Ermittlung der Gründe für bisher uneinheitliche Forschungsergebnisse zur Wohlbefindenssituation von Zeitarbeitnehmenden
  • Identifizierung von beschäftigungsspezifischen Ursachen, die das subjektive Wohlbefinden von Zeitarbeitnehmenden beeinflussen
  • Analyse, ob die wahrgenommene organisationale Unterstützung durch die beschäftigende Organisation ein ein arbeitsbezogener Vorläufer ist, um positive Auswirkungen auf das subjective Wohlbefinden von Zeitarbeitnehmenden zu erzielen.
  • Identifizierung der Auswirkungen des subjektiven Wohlbefindens von Zeitarbeitnehmenden auf Einstellungs- und Verhaltensvariablen.
  • Vorteile für Unternehmen im dreiseitigen Beschäftigungsverhältnis durch Investitionen in das subjective Wohlbefinden ihrer Zeitarbeitnehmenden.
  • Organisationale Aktivitäten zur Verbesserung des Wohlbefindens von Zeitarbeitnehmenden.

Methode

Systematisches Literaturreview (Mapping Review), SEM, fuzzy set Qualitative Comparative Analysis/fsQCA

Gesellschaftliche Relevanz und Nutzung der Ergebnisse

Die Gestaltung flexibler Arbeitsmodelle ist eine Kernfrage der heutigen Beschäftigungswelt. Der Anteil an Zeitarbeitnehmenden ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen und befindet sich auf einem Rekordhoch. Durch die Kombination der drei Kernbereiche Arbeitsflexibilisierung, Arbeitsverhalten und Arbeits“erleben“ und die Untersuchung von deren Auswirkungen auf die Arbeitsleistung (jobbezogene Arbeitsleistung, Extrarollenverhalten) und die Zufriedenheit von Erwerbstätigen (subjektives Wohlbefinden, Glück, Arbeitszufriedenheit) können sowohl Implikationen für Arbeitnehmende als auch Arbeitgebende abgeleitet werden.

Bamberger Kompetenzen

Verknüpfung psychologischer, soziologischer und betriebswirtschaftlicher Theorien und Forschungsmethoden; Reflektion der Ergebnisse vor dem Hintergrund der in der Vergangenheit am Lehrstuhl generierten Forschungserkenntnisse im Bereich der Arbeitsflexibilisierungs- und Karriereforschung.

Aktuelle Publikation

Imhof, S., & Andresen, M. (2018). Unhappy with well-being research in temporary work context: Research agenda for temporary agency work. International Journal of Human Resource Management, 29(1), 127-164. doi: 10.1080/09585192.2017.1384395

Imhof, S., & Andresen, M. (2017). German temporary agency workers‘ subjective well-being: The impact of perceived organizational support provided by agencies. Employee Relations, 39(7), 1030-1047. doi: 10.1108/ER-08-2016-0162

Andresen, M., & Imhof, S. (2016). Wahrgenommene organisationale Unterstützung durch das Zeitarbeitsunternehmen: Einflussfaktor auf das subjektive Wohlbefinden von Zeitarbeitnehmern. AIP Aktueller Informationsdienst für Personaldienstleister 2016/2017, 25-26.

Andresen, M. (2015). A look into the future: Is working time freedom apt to add value for different stakeholders? In: M. Andresen, C. Nowak (Eds.), Human Resource Management Practices: Assessing Added Value (S. 107-124). Heidelberg: Springer.

Imhof, S. (2015). Investing in the subjective well-being of temporary workers. In: M. Andresen, C. Nowak (Eds.), Human Resource Management Practices: Assessing Added Value (S- 163-180). Heidelberg: Springer.

Andresen, M., & Imhof, S. (2014). Lebens- und Arbeitszufriedenheit von Zeitarbeitneh­mern. AIP Aktueller Informationsdienst für Personaldienstleister 2014/2015, 3.

Andresen, M., & Imhof, S. (2013). Investments in the subjective well-being of temporary workers: A controversial discussion. In: Proceedings of the 13th conference of the European Academy of Management (EURAM), “Democratising Management”, Istanbul/Turkey, June 26-29, 2013. 

Imhof, S. (2013). Factors influencing the subjective well-being of temporary workers. In: Proceedings of the 14th conference of the European Academy of Management (EURAM), Valencia/Spain, June 4-6, 2014.

Andresen, M., & Imhof, S. (2013). Investments in the subjective well-being of temporary workers: A controversial discussion. In: Proceedings of the 13th conference of the European Academy of Management (EURAM), "Democratising Management", Istanbul/Turkey, June 26-29, 2013.

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