Kompetenzprofil für Lehrende der Universität Bamberg
Orientierung für die Weiterentwicklung der eigenen Lehre
Was zeichnet professionelles Lehrhandeln aus? Welche unterschiedlichen Kompetenzen bringen Lehrende in ihre Lehre ein? Und in welchen Bereichen möchten sie sich weiterentwickeln?
Das Kompetenzprofil für Lehrende der Universität Bamberg beschreibt zentrale Kompetenzen, die für die Gestaltung guter Hochschullehre von Bedeutung sind. Es bietet Lehrenden einen Orientierungsrahmen, um die eigene Lehre zu reflektieren, persönliche Stärken sichtbar zu machen und mögliche Entwicklungsfelder zu identifizieren.
Das Kompetenzprofil umfasst fünf Kompetenzbereiche. Diese beschreiben unterschiedliche, miteinander verbundene Aspekte professionellen Lehrhandelns.
Fach- und Forschungskompetenz

Dieser Kompetenzbereich umfasst die fach- und forschungsbezogene Gestaltung der Lehre. Dazu gehört beispielsweise, fachliche Denk- und Arbeitsweisen für Studierende nachvollziehbar zu machen, Forschungskompetenzen zu vermitteln und interdisziplinäre Perspektiven einzubeziehen.
Lehren und Lernen gestalten

Dieser Kompetenzbereich umfasst die didaktische Planung und Gestaltung von Lehr- und Lernprozessen. Dazu gehören unter anderem die Formulierung von Lernzielen, der Einsatz geeigneter Methoden, die Gestaltung von Prüfungen sowie die Förderung selbstbestimmten und selbstorganisierten Lernens.
Kommunikation und Kooperation

Lehre findet im Austausch mit Studierenden und Kolleginnen und Kollegen statt. Dieser Kompetenzbereich umfasst kommunikative, beratende und kooperative Aspekte der Lehre sowie die Gestaltung und Begleitung von Gruppen- und Lernprozessen.
Professionelles Selbstverständnis und Haltung

Professionelles Lehrhandeln beinhaltet auch die Reflexion der eigenen Rolle als Lehrende bzw. Lehrender. Dazu gehört, sich mit den eigenen Vorstellungen von Lehren und Lernen auseinanderzusetzen und das eigene Lehrhandeln und dessen Wirkung regelmäßig zu reflektieren.
Innovieren und Weiterentwickeln

Lehre und ihre Rahmenbedingungen verändern sich kontinuierlich. Dieser Kompetenzbereich beschreibt die Fähigkeit, neue Entwicklungen aufzugreifen, die eigene Lehre weiterzuentwickeln sowie institutionelle und curriculare Rahmenbedingungen zu kennen und mitzugestalten.
Wozu dient das Kompetenzprofil?
Das Kompetenzprofil bietet Lehrenden eine Grundlage für Orientierung, Reflexion und professionelle Weiterentwicklung. Es ist nicht als verbindlicher Anforderungskatalog oder Bewertungsinstrument zu verstehen.
Das Kompetenzprofil kann auf unterschiedlichen Ebenen genutzt werden:
Lehrende können das Kompetenzprofil nutzen, um das eigene Lehrhandeln zu reflektieren und sich mit Fragen zur eigenen professionellen Entwicklung auseinanderzusetzen:
- Wo liegen meine Stärken in der Lehre?
- Welche Kompetenzen sind in meinem Lehrkontext besonders relevant?
- In welchen Bereichen möchte ich mich weiterentwickeln?
Welche Unterstützungs- und Weiterbildungsangebote können für mich hilfreich sein?
Das Kompetenzprofil wird zur Reflexion sowohl in den Lehrberatungen des ZHD als auch im Kompaktkurs "Lehrkompetenz entwickeln: Grundlagen der Hochschuldidaktik" genutzt. Zudem ist ein Self-Assessment in Planung.
Auch auf organisationaler Ebene kann das Kompetenzprofil als Reflexions- und Orientierungsrahmen genutzt werden. Es bietet eine gemeinsame Grundlage, um beispielsweise in Lehrstühlen, Teams oder Fakultäten über vorhandene Kompetenzen und Entwicklungsbedarfe sowie über die Weiterentwicklung der Lehre ins Gespräch zu kommen.
Das Kompetenzprofil unterstützt das ZHD dabei, hochschuldidaktische Angebote bedarfsorientiert weiterzuentwickeln und am Leitbild Lehre der Universität Bamberg auszurichten. Die Angebote greifen gezielt unterschiedliche Kompetenzbereiche auf und unterstützen Lehrende dabei, ihre Lehre im Sinne der gemeinsamen Leitlinien zu reflektieren und weiterzuentwickeln.
Entstehung: Vom Leitbild Lehre zum Kompetenzprofil
Die Universität Bamberg hat im Jahr 2022 ein Leitbild für die Lehre formuliert. In diesem haben sich die Vertreter*innen aller Statusgruppen auf gemeinsame Werte und Leitlinien für die Gestaltung von Lehre und Lernen verständigt.
Im Rahmen der Implementierung des Leitbilds Lehre hat das ZHD ein Kompetenzprofil für Lehrende entwickelt. Es schlägt eine Brücke zwischen den im Leitbild formulierten Qualitätsvorstellungen und der konkreten Lehrpraxis, indem es diese in handlungsrelevante Kompetenzen übersetzt.
Die Entwicklung des Kompetenzprofils erfolgte in mehreren Schritten:
- Ableitung aus dem Leitbild Lehre
Aus den Aussagen des Leitbilds Lehre wurden Kompetenzen und Fähigkeiten abgeleitet, die für das konkrete Lehrhandeln relevant sind. - Abgleich mit hochschuldidaktischer Forschung
Die abgeleiteten Kompetenzen wurden mit den Ergebnissen der Delphi-Studie von Paetz et al. (2011) zu relevanten Lehrkompetenzen abgeglichen. Dabei zeigte sich eine große Übereinstimmung. Durch das Leitbild Lehre wurden insbesondere die Bereiche Interdisziplinarität, interkulturelle Kompetenz sowie der komplementäre Einsatz analoger und digitaler Medien und Technologien ergänzt bzw. stärker berücksichtigt. Aus der Delphi-Studie wurde zudem der Bereich „Institutionelle und curriculare Rahmenbedingungen kennen und gestalten“ aufgenommen. - Strukturierung der Kompetenzbereiche
Die Kompetenzen wurden anschließend zu fünf übergeordneten Kompetenzbereichen zusammengeführt. Die Struktur orientiert sich unter anderem am Qualifikationsrahmen für deutsche Hochschulabschlüsse (HQR). - Konkretisierung für die Lehrpraxis
Im nächsten Schritt wurden die Teilkompetenzen anhand von Beispielen für konkretes Lehrhandeln operationalisiert. Grundlage hierfür waren unter anderem die Lernziele und Inhalte des hochschuldidaktischen Fortbildungsprogramms der bayerischen Universitäten. Ergänzend erfolgte ein Abgleich mit dem Kodierleitfaden für Teaching Analysis Polls (TAP) der Universität Regensburg.
Auf diese Weise verbindet das Kompetenzprofil die Grundsätze des Leitbilds Lehre der Universität Bamberg, Erkenntnisse der hochschuldidaktischen Forschung und die konkrete Lehrpraxis.
