Forschung

Die Forschung an der Professur für Neuere deutsche Literaturwissenschaft setzt ihre Schwerpunkte auf die Literatur des 18. und 20. Jahrhunderts sowie der Gegenwart – insbesondere der Jahrhundertwenden 1800/1900/2000. Das geschieht mit philologisch-literarhistorischem, dabei aber dezidiert kulturwissenschaftlichem, interdisziplinärem Blick.

Prof. Dr. Andrea Bartl

Prof. Dr. Andrea Bartl

Forschungsinteressen

  • Literatur des 18. und 20. Jahrhunderts (Aufklärung, Ästhetische Moderne um 1800, Fin de siècle, Exilliteratur)
  • Gegenwartsliteratur
  • Kulturgeschichtliche und kulturtheoretische Fragestellungen, Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft
  • Phänomene des Hybriden: Tragikomödie, Groteske, Androgynie, „Bastard“, Ballade
  • Materialität / Material Studies: Dinge und Nahrung als literarische Motive, Materialität von Medien (z. B. Bilderbüchern)
  • Intermedialität: Literatur, Film, TV (insbesondere der Gegenwart), Literatur und Bildende Kunst

Mitgliedschaft und Mitarbeit in wissenschaftlichen Vereinigungen

  • Heinrich von Kleist-Gesellschaft: Vorstandsmitglied, Jurymitglied (Kleist-Preis), Mitherausgeberin des Jahrbuchs
  • Heinrich Mann-Gesellschaft: Vorstandsmitglied (Vizepräsidentin), Mitherausgeberin des Jahrbuchs
  • Mitgliedschaft in weiteren literarischen Gesellschaften wie z. B. der Thomas-Mann-Gesellschaft

Aktuell laufende Forschungs- und Publikationsprojekte

  • Literatur, Film und Fernsehen der Gegenwart. Intermediale Schnittstellen und Verhandlungsräume [zusammen mit Jörn Glasenapp und Corina Erk]:
    Gerade im deutschsprachigen Raum kommt es seit den 1990er Jahren zu immer zahlreicheren, auffälligen Schnittstellen zwischen Literatur, Film und Fernsehen, die neue Verhandlungsräume eröffnen: Neben der Zunahme an Literaturadaptionen durch Film und Fernsehen (gerade auch von Gegenwartsliteratur) fallen hier neue Formate wie Biopics, Dokumentarfilme, Features oder filmische/televisuelle Autor*innenporträts ebenso auf wie die Literatur-Adaption und Literatur-Vermittlung in Medien wie z.B. dem Internet (Buchtrailer, YouTube-Kanäle, Formate wie "Sommers Weltliteratur to go" etc.). Dadurch entstehen neue ästhetische Formen, die die (theoretische) Frage, welche filmischen Erzählstrukturensich in Prosatexten finden, und umgekehrt, welche genuin literarischen Erzählverfahren in audiovisuellen Medien aufgegriffen werden, erweitern und zur Diskussion stellen, auf welche Weise moderne Medien Gegenwartsliteratur narrativ vermitteln. Die hier aufgezeigten Interdependenzen zwischen Literatur, Film, TV, Internet fordern zu einer Systematisierung ebenso wie zur Historisierung und Theoriebildung heraus, die in Form eines Sammelbandes (bei Fink, Paderborn), von Online-Workshops etc. angestoßen werden sollen.
     
  • Heinrich Mann-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Hg. von Andrea Bartl, Ariane Martin und Paul Whitehead im J. B. Metzler Verlag, Stuttgart
    Das Heinrich Mann-Handbuch bietet einen Überblick über Leben und Werk des Autors. Ziel des Handbuchs ist es, den derzeitigen Wissensstand über Heinrich Mann unter besonderer Berücksichtigung neuerer Forschungsansätze abzubilden. Es informiert über den Lebensweg Heinrich Manns im Zusammenhang mit seiner schriftstellerischen Laufbahn und liefert knappe Darstellungen zu seiner Lyrik und Novellistik sowie seinen Dramentexten, Romanen und essayistisch-publizistischen Arbeiten. Das Schaffen des Autors wird im kulturellen, sozialen und politischen Kontext seiner Zeit verortet. Darüber hinaus wird eine exemplarische Auswahl zentraler Themen und Aspekte präsentiert. Dabei vermittelt der Band grundlegende Erkenntnisse zum ästhetischen Programm und gesellschaftspolitischen Engagement des Autors und bietet eine grundsätzlich kulturwissenschaftliche Profilierung seines Œuvres und dessen Wirkung bis in die Gegenwart.
     

  • Hermann Hesse-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Hg. von Andrea Bartl und Alexander Honold im J. B. Metzler Verlag, Stuttgart
    Bei kaum einem Autor klaffen kulturelle Bedeutung und literaturkritische Wertschätzung so stark auseinander wie bei Hermann Hesse, dem Literaturnobelpreisträger des Jahres 1946. Während sich Hesses Werke, seine Gedichte, Märchen, Betrachtungen und erzählende Prosa, beim Lesepublikum einer ungebrochen hohen Beliebtheit erfreuen, ist das Renommee des Autors in Literaturwissenschaft und Kritik seit Jahrzehnten von unübersehbaren formästhetischen Vorbehalten geprägt. Dieses sonderbare und mehrfache Missverhältnis aufzulösen, statt es fortzuschreiben, ist der Einsatzpunkt dieses Hermann Hesse-Handbuchs. Es nimmt einen veritablen Jahrhundert-Autor in den Blick – und will jenseits solcher Etikettierungen zu einem neuen Verständnis Hesses, und vor allem auch zu intensiverer Auseinandersetzung mit ihm beitragen. Hesses umfangreiches Gesamtwerk wird dabei exemplarisch erschlossen, in geistes- und kulturgeschichtliche Kontexte sowie den Forschungsstand eingeordnet und mit aktuellen theoretischen Fragestellungen neu betrachtet.
     
  • Von der Poetik des Essens. Nahrungsmittel und Nahrungsaufnahme in der Literatur
    Nahrungsmittel sind ein wichtiges, häufig verwendetes literarisches Motiv. Wie lässt sich diese Dominanz erklären? Im Essen verbinden sich gegensätzliche Bereiche, die das individuelle und anthropologisch-generelle Leben des Einzelmenschen und auch das soziale Zusammenleben mehrerer Menschen grundlegend betreffen: Essen ist als anthropologisches Grundbedürfnis zum somatischen Lebenserhalt auf den Körper bezogen, zugleich aber auch von intellektuell-geistigen Faktoren geprägt. Zusätzlich zu diesen Aspekten von Essen, die den Einzelmenschen betreffen, sind Nahrungsmittel und Nahrungsaufnahme auch stets soziale Geschehnisse, zudem kulturabhängig. Künstlerisches Schreiben über das Essen ist hier besonders interessant, denn Kulturen beobachten, konstituieren, revidieren sich selbst in literarischen Texten und zudem werden dort individuell-psychologische wie anthropologische Konstanten verhandelt. Eine kulturwissenschaftlich orientierte Betrachtung von 'literarischen Nahrungsmitteln' lohnt daher ungemein.
     
  • Andrea Bartl: Ballade (Monographie).
    Die Ballade gehört – trotz oder wegen ihrer langen, traditionsreichen Geschichte – heute noch immer zu den bekanntesten und weit rezipierten literarischen Gattungen. Gerade in der Gegenwartsliteratur finden sich dabei spannende Variationen – von komplexen lyrischen Modifikationen bis zu Songtexten der Pop- und Hip-Hop-Musik. Auch bietet die Ballade einen reizvollen Anknüpfungspunkt an aktuelle literaturwissenschaftliche und literaturtheoretische Fragestellungen wie (Gattungs-)Hybridität, Performativität, Oralität etc. Umso erstaunlicher ist es, dass die Balladen-Forschung seit einigen Jahrzehnten relativ spärlich ist bzw. oft nur punktuelle Aspekte aufgreift. Die Monographie möchte in einer Überblicksdarstellung vom Sturm und Drang bis zur Gegenwart neue Forschungsperspektiven auf eine traditionsreiche Gattung eröffnen.