Soziotechnische Systeme

Forschungen im Kompetenzfeld Soziotechnische Systeme befassen sich (a) mit der Frage, wie Menschen in Gruppen, Netzwerken, Organisationen und Gesellschaften Informations- und Kommunikationstechnologien nutzen (können) und (b) wie Interaktionen in derartigen sozialen Kontexten mit angemessenen Methoden analysiert werden können. Hierunter fallen einerseits Softwarelösungen zur Unterstützung von Planungsprozessen, zur Organisation interaktiver Formen der Bürgerbeteiligung, zur Unterstützung sozialer und ökonomischer Beziehungen, zur agentenbasierten Modellierung kollektiven Handelns sowie zur Unterstützung von Lernprozessen in schulischen und außerschulischen Kontexten. Andererseits erarbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Kompetenzfeld Methoden zur Analyse und Visualisierung sozialer Interaktionen sowie formaler und informaler Strukturen in Organisationen auf der Grundlage digitaler Informationen. 

Problemstellungen stammen unter anderem aus den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Inhaltlich geht es dabei unter anderem um die technische Organisation komplexer Planungs- und Entscheidungsprozesse in Politik und Verwaltung (einschließlich der interaktiven Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern durch Informations- und Kommunikationstechnologien), die Aufdeckung latenter Interaktionsmuster in Parteien und Parlamenten, soziale Beziehungen und Kommunikation im Internet, die Auswirkungen von sozialen Medien auf traditionelle Kommunikationsmuster und Mobilisierungsprozesse im Internet, visuelle Kommunikation im Internet, intra- und interorganisationale Beziehungen im Bereich des Managements von Unternehmen, Wissensnetzwerke und interorganisationales Allianzmanagement, die Auswirkungen sozialer Medien auf ökonomische Prozesse und Verhalten, das Agieren von Individuen und Organisationen in onlinebasierten Umgebungen, die Regulierung sozialer Netzwerke insbesondere auch Cyber-Physical Systems in der "digitalisierten Produktion" sowie technologieorientierte Verfahren zur beruflichen Kompetenztestung. Im methodischen Bereich stehen die agentenbasierte Modellierung von Wahl- und Entscheidungsprozessen sowie die soziale Netzwerkanalyse im Vordergrund.

Aktuelle Schwerpunkte der Arbeitsgruppe (Stand 2026) liegen auf Künstlicher Intelligenz in Demokratie, Wahlkampf und Verwaltung: Untersucht werden unter anderem der Einsatz generativer KI in politischen Kampagnen, die Anpassung von Sprachmodellen für autoritäre Propaganda, Einstellungen der Bevölkerung zum Einsatz von KI durch staatliche Institutionen, KI-gestützte Deliberation sowie die Auswirkungen von Desinformation auf epistemische Systeme. Methodisch verbindet die Gruppe Computational Social Science – insbesondere quantitative Textanalyse und Sprachmodelle in der Parlaments- und Wahlforschung – mit vergleichender Politik- und Sozialpolitikforschung. Mit den Neuaufnahmen des Jahres 2026 ist die sozialwissenschaftliche Seite der Arbeitsgruppe deutlich gewachsen.

Aktuelle Projekte (Auswahl)

Beteiligte Disziplinen und Personen

  • Politikwissenschaft, insbesondere Digitale Transformation: Prof. Dr. Andreas Jungherr
  • Politische Soziologie: Prof. Dr. Sabrina Mayer, Dr. Verena Benoît
  • Empirische Politikwissenschaft: Prof. Dr. Ulrich Sieberer, Dr. Alexander Herzog
  • Politikwissenschaft, insbesondere Policy-Analyse: Prof. Dr. Carina Schmitt
  • Politische Theorie: Prof. Dr. Johannes Marx
  • Vergleichende Politikwissenschaft: Prof. Dr. Thomas Saalfeld
  • Grundlagen der Sprachverarbeitung: Prof. Dr. Roman Klinger
  • Wirtschaftsinformatik, insbesondere Health and Society in the Digital Age: Prof. Dr. Christian Maier
  • Wirtschaftsinformatik, insbesondere Soziale Netzwerke: Prof. Dr. Kai Fischbach
  • Multimodal Intelligent Interaction: Prof. Dr. Markus Rickert
  • Trimberg Research Academy: Dr. Tamir Libel