Neues Projekt: „Not Like Them": Negative Gruppenidentitäten und die Krise des politischen Zusammenhalts
Warum werden politische Identitäten heute häufiger über Ablehnung als über Zugehörigkeit definiert? Warum mobilisieren „nicht schwäbisch", „nicht woke", „kein Boomer" schneller als positive Identitäten?
Ein neues zweijähriges Projekt an der Universität Bamberg und der FU Berlin, gefördert von der Fritz Thyssen Stiftung, nimmt diese Frage als Ausgangspunkt. Unter der Leitung von Sabrina Mayer (Bamberg) und Christoph Nguyen (FU Berlin) entwickelt es das Konzept der negativen Gruppenidentitäten (NGIs): Identitäten, die sich nicht über die Bindung an eine Eigengruppe, sondern über die Abgrenzung von einer Fremdgruppe definieren.
Die Annahme ist, dass NGIs anders als klassische affirmative Identitäten funktionieren. Affirmative Identitäten stiften Zusammenhalt über gemeinsame Merkmale. NGIs erzeugen Einheit über gemeinsame Ablehnung. Das erlaubt schnellere Mobilisierung, macht sie aber auch problematischer für pluralistische und liberale Demokratien.
Um diese negativen Identitäten zu erforschen, kombiniert das Projekt digitale Laborexperimente mit zwei bundesweiten Befragungen. Es fragt, wen negative Identitäten ansprechen, wie Emotionen sie aktivieren und wie unterschiedliche NGI-Typen (parteipolitisch, themenbezogen, räumlich, generationsbezogen) das Vertrauen der Bürger*innen untereinander und in demokratische Institutionen prägen. Alle Daten werden über GESIS und das Harvard Dataverse offen zugänglich gemacht.
Eine zweijährige Postdoc-Stelle sowie eine Stelle als studentische Hilfskraft werden in Kürze ausgeschrieben.